Manchmal liest du ein Gedicht und merkst sofort: Das klingt ordentlich, fast wie Musik. Oft liegt das daran, dass die letzten Wörter der Zeilen zusammenpassen. Wenn du dieses Muster erkennst, kannst du Gedichte viel sicherer untersuchen. Genau darum geht es bei Reimschemata.
- Du erkennst Reime am Versende.
- Du markierst Reime mit Buchstaben.
- Du unterscheidest Paarreim, Kreuzreim, umarmenden Reim, Haufenreim, Schweifreim, verschränkten Reim und Kettenreim.
- Du erklärst, warum ein Reimschema für die Wirkung eines Gedichts wichtig sein kann.
Reim, Vers und Reimschema
Wenn du ein Gedicht vor dir hast, schaust du zuerst auf die einzelnen Zeilen. Eine Gedichtzeile nennt man Vers. Mehrere Verse, die zusammengehören, bilden oft eine Strophe.
Ein Reim entsteht, wenn Wörter ab dem betonten Klang ähnlich oder gleich klingen. Besonders wichtig sind in der Schule meistens die Reime am Ende eines Verses. Diese nennt man Endreime.
Das Reimschema ist das Muster dieser Endreime. Du beschreibst es mit Kleinbuchstaben wie a, b, c. Gleiche Buchstaben bedeuten: Diese Versenden reimen sich.
Ein Reimschema ist die Reihenfolge der Endreime in einem Gedicht. Du markierst gleiche Reime mit demselben Kleinbuchstaben.
Der Abend malt die Dächer rot, a
im Hof schläft leise schon das Brot, a
ein Vogel ruft vom alten Baum, b
ich gehe heim und träume kaum. b
Die Wörter rot und Brot reimen sich. Sie bekommen beide a. Die Wörter Baum und kaum reimen sich. Sie bekommen beide b. Das Muster ist aabb.
Beginne immer mit a. Findest du einen neuen Reim, nimmst du den nächsten Buchstaben. Gleiche Reime bekommen den gleichen Buchstaben.
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So bestimmst du ein Reimschema
Beim Bestimmen gehst du Schritt für Schritt vor. Lies zuerst die Strophe laut oder halblaut. So hörst du Reime besser als beim stillen Lesen.
Dann schaust du nur auf die Versenden. Das erste reimende Wort bekommt a. Wenn das nächste Versende dazu passt, bekommt es auch a. Wenn es anders klingt, bekommt es b.
Im Fenster glänzt ein kleiner Stein, a
der Schulhof riecht nach Regen, b
ich möchte jetzt zu Hause sein, a
und laufe auf den Wegen. b
Stein und sein reimen sich. Regen und Wegen reimen sich. Das Muster ist abab.
Moderne Gedichte haben manchmal gar kein festes Reimschema. Dann kannst du schreiben: kein regelmäßiges Reimschema. Das ist kein Fehler, sondern eine Beobachtung.
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Paarreim und Kreuzreim
Der Paarreim ist ein Reimschema, bei dem sich immer zwei direkt aufeinanderfolgende Verse reimen. Sein Grundmuster ist aabb. Er wirkt oft klar, eingängig und leicht merkbar.
Ich packe heute meinen Ranzen, a
dann will ich durch den Schulhof tanzen. a
Der Gong erklingt, die Stunde startet, b
mein Heft liegt offen und erwartet. b
Das Muster ist aabb. Vers eins reimt sich auf Vers zwei. Vers drei reimt sich auf Vers vier.
Der Kreuzreim ist ein Reimschema, bei dem sich jeder zweite Vers reimt. Sein Grundmuster ist abab. Die Reime wechseln sich also ab.
Der Wind zieht leis durch unser Zimmer, a
die Lampe flackert an der Wand, b
im Glas da glänzt ein heller Schimmer, a
ich halte ruhig deine Hand. b
Zimmer reimt sich auf Schimmer. Wand reimt sich auf Hand. Das Muster ist abab.
Paarreim: Die Reime stehen nebeneinander. Kreuzreim: Die Reime wechseln sich ab.
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Umarmender Reim und Haufenreim
Der umarmende Reim hat das Muster abba. Das äußere Reimpaar umschließt das innere Reimpaar. Deshalb passt das Bild einer Umarmung gut.
Der Abend senkt sich in die Nacht, a
die Fenster glänzen leise, b
ich gehe heim von meiner Reise, b
und über mir erwacht die Pracht. a
Nacht reimt sich auf Pracht. Leise reimt sich auf Reise. Das Muster ist abba.
Der Haufenreim ist ein Reimschema, bei dem mehrere Verse hintereinander denselben Reim tragen. Häufig sieht man das als aaaa. Er fällt schnell auf, weil der gleiche Klang stark wiederholt wird.
Im Garten steht ein alter Stein, a
darauf fällt warmer Sonnenschein, a
daneben summt ein Schwarm ganz fein, a
so friedlich kann der Mittag sein. a
Alle vier Versenden gehören zur gleichen Reimgruppe. Das Muster ist aaaa.
Nicht jeder Reim muss vollkommen gleich klingen. Wenn Wörter nur ungefähr zusammenpassen, spricht man von einem unreinen Reim. In der Analyse darfst du das erwähnen.
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Schweifreim, verschränkter Reim und Kettenreim
Manche Reimschemata sind länger. Du musst sie nicht auswendig herunterbeten, aber du solltest ihr Muster erkennen können.
Der Schweifreim besteht meist aus sechs Versen. Sein Muster ist aabccb. Erst kommen zwei benachbarte Reime. Danach folgt ein umarmender Teil.
Der Mond steigt über Dächer leise, a
ich gehe langsam meine Reise, a
die Straße glänzt im Abendlicht, b
ein Fenster öffnet sich ganz sacht, c
dort sitzt ein Kind und liest bei Nacht, c
und lächelt still in mein Gesicht. b
Das Muster ist aabccb. Die ersten zwei Verse bilden einen Paarreim. Die letzten vier Verse bilden den umarmenden Teil bccb.
Der verschränkte Reim hat das Muster abcabc. Drei verschiedene Reime werden begonnen und danach in derselben Reihenfolge wieder aufgenommen.
Im Hof erklingt ein heller Klang, a
ein Heft liegt offen auf dem Tisch, b
der Regen klopft ans Fensterbrett, c
ich höre noch den alten Sang, a
der Bleistift zeichnet klar und frisch, b
mein Kopf wird langsam wieder nett. c
Das Muster ist abcabc. Die Reime greifen ineinander.
Der Kettenreim verbindet meistens dreizeilige Strophen miteinander. Ein häufiges Muster ist aba bcb cdc. Der mittlere Reim einer Strophe wird in der nächsten Strophe wieder aufgenommen.
Ich folge still dem hellen Pfad, a
der Wind beginnt im Gras zu singen, b
bis sich der Abend näher naht. a
Ich höre ferne Glocken klingen, b
am Himmel wächst ein roter Schein, c
und Schatten durch die Gassen springen. b
Das Muster beginnt aba bcb. Der Reim b aus der ersten Strophe wird in der zweiten Strophe weitergeführt.
Bei längeren Reimschemata hilft dir Geduld. Markiere erst die Endwörter. Dann verbindest du gleiche Klänge. Der Name kommt erst ganz zum Schluss.
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Waise und Wirkung
Eine Waise ist ein Vers ohne passenden Reim in der Nähe. In einem Schema markiert man sie oft mit x. Sie kann auffallen, weil sie aus dem Reimmuster herausfällt.
Der Frühling klopft an jedes Tor, a
die ersten Blumen wehen, b
ein Vogel singt im hellen Chor, a
die Kinder bleiben stehen. b
Dann schweigt die alte Stadt. x
Die ersten vier Verse bilden einen Kreuzreim. Der letzte Vers hat keinen passenden Reim. Er ist eine Waise.
Ein Reimschema ist nicht nur zum Benennen da. Es kann auch zur Wirkung eines Gedichts beitragen. Die Wirkung ist das, was ein Text beim Lesen auslöst: zum Beispiel Ruhe, Spannung, Ordnung, Witz oder Bewegung.
Ein Paarreim kann sehr ordentlich und leicht merkbar wirken. Das passt gut zu Kinderliedern oder humorvollen Gedichten.
Ein Kreuzreim kann bewegter wirken, weil die Reime hin und her wechseln.
Ein umarmender Reim kann geschlossen wirken, weil die äußeren Verse die inneren einschließen.
In einer Gedichtanalyse reicht es nicht, nur den Namen zu nennen. Besser ist: Nenne das Reimschema, belege es mit Buchstaben und erkläre kurz, welche Wirkung es im Text haben kann.
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Übersicht der wichtigsten Reimschemata
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Zusammenfassung
Ein Reimschema zeigt dir, wie Endreime in einem Gedicht angeordnet sind. Du markierst gleiche Reime mit gleichen Kleinbuchstaben. Neue Reime bekommen neue Buchstaben.
Die wichtigsten Muster sind Paarreim aabb, Kreuzreim abab, umarmender Reim abba, Haufenreim aaaa, Schweifreim aabccb, verschränkter Reim abcabc und Kettenreim aba bcb cdc. Ein reimloser Vers innerhalb eines sonst gereimten Zusammenhangs heißt Waise und wird oft mit x markiert.
So gehst du sicher vor: Endwörter lesen, gleiche Klänge finden, Buchstaben setzen, Muster benennen und die Wirkung kurz erklären.
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