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Glaziale Erosion

Glaziale Erosion in der Geographie: Entstehung, Formen, Prozesse und Beispiele aus der physischen Geographie.

Wenn du durch ein U-Tal wanderst oder Bilder von einem Fjord siehst, schaust du oft auf Spuren von Eis. Ein Gletscher liegt nicht einfach nur in der Landschaft, sondern bewegt sich langsam und arbeitet dabei am Untergrund. Nach dieser Erklärung kannst du beschreiben, wie Gletscher Fels abtragen und woran man glaziale Erosion in einer Landschaft erkennt.

Deine Lernziele
  • Ich kann erklären, was glaziale Erosion bedeutet.
  • Ich kann Abrasion, Detraktion und fluvioglaziale Erosion durch Schmelzwasser unterscheiden.
  • Ich kann typische Kleinformen und Großformen der glazialen Erosion erkennen.
  • Ich kann begründen, warum ein Gletscher ein Tal anders formt als ein Fluss.
  • Ich kann Landschaftsbeispiele wie Rundhöcker, Trogtal oder Fjord einem Entstehungsprozess zuordnen.

Grundidee: Eis kann Landschaft formen

Ein Gletscher wirkt langsam. Trotzdem kann er Fels schleifen, lockern, herausbrechen und Material abtransportieren.

Definition

Glaziale Erosion

Glaziale Erosion ist die Abtragung und Umformung von Gestein oder Lockermaterial durch Gletschereis. Entscheidend sind bewegtes Eis, mitgeführte Gesteinsstücke, Druck an der Gletscherbasis und oft auch Schmelzwasser unter dem Eis.

Das Wort glazial bedeutet: vom Eis oder von Gletschern geprägt. Erosion heißt: Material wird gelöst, abgetragen und wegtransportiert. Bei einem Gletscher passiert das vor allem an der Unterseite, also dort, wo Eis, Wasser, Geröll und Fels miteinander in Kontakt kommen.

Beispiel

Stell dir einen Gletscher als sehr langsames Förderband vor.

  1. Oben fällt Schnee und wird über lange Zeit zu Eis.
  2. Das Eis bewegt sich hangabwärts.
  3. An der Basis sind Steine und Sand im Eis eingefroren oder werden mitgeschoben.
  4. Diese Teilchen reiben, kratzen und drücken auf den Fels.
  5. Gelöstes Material wird im Eis oder durch Schmelzwasser weitertransportiert.

So entsteht aus Bewegung plus Material plus Druck eine formende Kraft.

Merke

Ein Gletscher erodiert nicht, weil Eis hart wie Stahl wäre, sondern weil sich eine schwere, langsam fließende Eismasse mit Gesteinsmaterial über den Untergrund bewegt.

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Abrasion: Schleifen und Kratzen

Wenn in der Gletscherbasis Sand, Kies oder Steine stecken, wirken sie wie Schleifpapier. Das Eis drückt sie gegen den Untergrund und bewegt sie langsam weiter.

Definition

Abrasion

Abrasion ist das Abschleifen und Anritzen des Felsuntergrunds durch Gesteinsstücke, die an oder in der Gletscherbasis mitgeführt werden. Für den Gletscherschliff wird auch der Fachbegriff Detersion verwendet. Dazu gehören Gletscherschliff und Gletscherschrammen.

Bei feinem Material wird die Felsoberfläche glatt poliert. Bei gröberen Steinen entstehen Rillen oder Kratzer. Diese Kratzer heißen Gletscherschrammen. Sie verlaufen meist ungefähr in der früheren Fließrichtung des Eises.

Beispiel

Du findest auf einem Fels eine glatte Oberfläche mit vielen parallelen Kratzspuren.

  1. Die glatte Fläche spricht für Gletscherschliff.
  2. Die Kratzspuren zeigen, dass härtere Steine an der Gletscherbasis über den Fels gezogen wurden.
  3. Wenn die Linien ähnlich ausgerichtet sind, kannst du daraus die ehemalige Bewegungsrichtung des Gletschers ableiten.

Der Fund ist also ein Hinweis auf Abrasion und auf die Richtung des Eisflusses.

Gut zu wissen

Abrasion wirkt besonders gut, wenn der Gletscher am Untergrund gleiten kann und genügend Gesteinsmaterial an seiner Basis mitführt. Ohne eingespannte Körner wäre das Eis selbst viel weniger kratzend.

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Detraktion: Herausbrechen aus dem Fels

Ein Gletscher schleift nicht nur. Er kann auch Stücke aus dem Untergrund herausreißen. Das passiert besonders dort, wo Eis durch Druckwechsel und Wiedergefrieren an Felsstücken anfriert. Wasser in Rissen und Frostsprengung können den Fels zusätzlich vorbereiten, sind aber nicht der Kern des Herausreißens.

Definition

Detraktion

Detraktion ist das Losreißen und Herausbrechen von Felsstücken durch einen Gletscher. Häufig frieren Felsstücke an der Gletscherunterseite an und werden beim Weiterfließen mitgenommen. Die gelösten Blöcke werden anschließend im Eis oder an der Gletscherbasis weitertransportiert.

Wichtig ist: Detraktion nutzt Schwachstellen im Gestein. Klüfte, Risse und Schichtflächen erleichtern das Herauslösen. Der Gletscher greift also nicht überall gleich stark an, sondern besonders an vorbereiteten Stellen.

Beispiel

Ein Gletscher fließt über einen Felsbuckel.

  1. Auf der dem Eisstrom zugewandten Seite wird der Fels stärker geschliffen.
  2. Hinter dem Buckel entstehen Druckunterschiede und Risse werden leichter ausgenutzt.
  3. Durch Druckwechsel kann Wasser kurz schmelzen und wieder gefrieren; dabei frieren Felsstücke an der Gletscherbasis an.
  4. Auf der Leeseite brechen Stücke heraus.

So kann eine asymmetrische Form entstehen: vorne eher glatt, hinten eher steil und ausgebrochen.

Definition

Rundhöcker

Ein Rundhöcker ist ein vom Gletscher überformter Felsbuckel. Die Stossseite ist meist glatt geschliffen, die Leeseite oft steiler und durch Herausbrechen geprägt.

Merke

Abrasion macht den Fels eher glatt; Detraktion macht ihn eher kantig und ausgebrochen. In der Natur wirken beide Prozesse oft zusammen.

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Schmelzwasser: Erosion unter dem Eis

Viele Gletscher haben an ihrer Basis Wasser. Dieses Wasser entsteht durch Schmelzen und kann unter hohem Druck durch Rinnen, Spalten und Hohlräume fließen.

Definition

Fluvioglaziale Erosion

Fluvioglaziale Erosion oder Schmelzwassererosion ist Abtragung durch Schmelzwasser, das mit einem Gletscher zusammenhängt. Unter dem Eis kann es Material lösen, ausspülen und Rinnen in den Untergrund schneiden.

Das Schmelzwasser ist wichtig, weil es zwei Rollen hat. Es kann wie ein kleiner Fluss Material transportieren. Gleichzeitig kann ein Wasserfilm an der Gletscherbasis das Gleiten des Eises erleichtern, aber auch Reibung und Druckkontakt verringern. Mehr Wasser bedeutet also nicht automatisch mehr Erosion.

Beispiel

In einem temperierten Gletscher liegt die Eistemperatur nahe am Schmelzpunkt.

  1. An der Basis entsteht Schmelzwasser.
  2. Das Wasser verringert die Reibung zwischen Eis und Untergrund.
  3. Der Gletscher kann leichter gleiten.
  4. Durch das Gleiten kann der Gletscher Material weiterbewegen; bei zu viel Wasser kann der direkte Reibungskontakt aber auch schwächer werden.
  5. Das Wasser kann zusätzlich feines Material ausspülen und in Rinnen abtransportieren.

Schmelzwasser ist also nicht nur ein Nebenprodukt, sondern steuert mit, wie Eis, Geröll und Untergrund miteinander in Kontakt kommen.

Gut zu wissen

Kalte Gletscher, die fest am Untergrund angefroren sind, erodieren oft schwächer als temperierte Gletscher mit basalem Gleiten. Die tatsächliche Abtragung hängt aber immer von Eisgeschwindigkeit, Eismächtigkeit, Gestein, Schuttmenge und Wasser ab.

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Formen: Was glaziale Erosion hinterlässt

Die Prozesse werden in Landschaftsformen sichtbar. Manche Formen sind klein, etwa Kratzspuren im Fels. Andere prägen ganze Täler.

Definition

Glaziale Kleinform

Eine glaziale Kleinform ist eine kleine Erosionsspur am Fels, zum Beispiel Gletscherschrammen, glatt geschliffene Felsflächen oder sichelförmige Ausbrüche.

Definition

Glaziale Großform

Eine glaziale Großform ist eine große Landschaftsform, die durch Gletschererosion geprägt wurde, zum Beispiel Kar, Trogtal, Hängetal, Fjord oder Zungenbecken.

Kare, Trogtäler und Hängetäler sind typisch für Gebirge. Zungenbecken liegen häufig im Bereich früherer Gletscherzungen im Vorland. Fjorde gehören zu Küstengebirgen, in denen glazial übertiefte Täler später vom Meer überflutet wurden.

Beispiel

So ordnest du typische Formen zu:

  • Gletscherschrammen: Abrasion, weil Steine den Fels anritzen.
  • Rundhöcker: Abrasion auf der Stossseite und Detraktion auf der Leeseite.
  • Kar: Erosion im Nährgebiet eines Gebirgsgletschers, oft als steilwandige Mulde.
  • Trogtal: ein früheres Flusstal wurde durch Eis verbreitert und vertieft.
  • Hängetal: ein Nebengletscher erodierte schwächer als der Hauptgletscher.
  • Fjord: ein glazial übertieftes Küstental wurde nach dem Eisrückzug vom Meer überflutet, zum Beispiel an der Küste Norwegens.
  • Zungenbecken: die Gletscherzunge schürfte eine Wanne aus, die später See oder Moor werden kann; ein bekanntes Beispiel ist der Ammersee in Bayern.
Gut zu wissen

Manchmal begegnet dir zusätzlich der Begriff Exaration. Damit ist vor allem das Ausschürfen oder Aufstauchen von Lockermaterial im Bereich einer Gletscherfront gemeint. Für die meisten Schulaufgaben sind Abrasion, Detraktion und Schmelzwassererosion die wichtigeren Grundprozesse.

Merke

Kleinformen zeigen dir oft den Prozess direkt. Großformen zeigen dir, wie stark Eis ganze Räume umgebaut hat.

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Prüfungsmodus: So begründest du sauber

In Aufgaben geht es selten nur um Begriffe. Du sollst oft aus einem Foto, einer Karte oder einer Beschreibung auf Prozesse schließen.

Beispiel

Aufgabe: In einem Hochgebirge liegt ein See in einer steilen Mulde. Oberhalb befindet sich ein ehemaliges Nährgebiet, unterhalb liegt eine Schwelle.

Mögliche Lösung:

  1. Die steile Mulde spricht für ein Kar.
  2. Das ehemalige Nährgebiet passt, weil sich dort Schnee und Eis sammeln konnten.
  3. Die Schwelle kann den See aufstauen.
  4. Der See ist deshalb wahrscheinlich ein Karsee.

Wichtig ist die Begründung: Du nennst nicht nur den Namen der Form, sondern verbindest Merkmale mit dem Entstehungsprozess.

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Alles auf einen Blick

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Abschluss-Check

Jetzt prüfst du, ob du die Prozesse auf neue Situationen übertragen kannst.

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Zusammenfassung

Glaziale Erosion bedeutet, dass Gletscher den Untergrund abtragen und formen. Die wichtigsten Prozesse sind Abrasion, Detraktion und die Erosion durch Schmelzwasser.

Abrasion schleift und kratzt. Detraktion bricht Material aus dem Fels. Schmelzwasser kann unter dem Eis spülen, transportieren und das Gleiten erleichtern.

Aus diesen Prozessen entstehen Spuren und Landschaftsformen: Gletscherschrammen, Rundhöcker, Kare, Trogtäler, Hängetäler, Fjorde und Zungenbecken. In Aufgaben ist entscheidend, dass du Beobachtung, Fachbegriff und Entstehungsprozess miteinander verbindest.