Wenn du im Gebirge wanderst, siehst du manchmal ein breites weißes Band zwischen Felsen. Es wirkt wie Schnee, ist aber viel schwerer und bewegt sich langsam. Für Menschen im Tal ist dieses Eis wichtig, weil es Wasser speichert und Landschaften formt.
- Du kannst erklären, was ein Gletscher ist.
- Du verstehst, wie aus Schnee Gletschereis entsteht.
- Du kannst Nährgebiet, Zehrgebiet und Gleichgewichtslinie unterscheiden.
- Du erkennst, wie Gletscher Täler und Felsen formen.
- Du kannst erklären, warum viele Gletscher heute kleiner werden.
Was ist ein Gletscher?
Stell dir einen riesigen Schneehaufen vor, der nicht im Sommer verschwindet. Jahr für Jahr kommt neuer Schnee dazu. Irgendwann ist die Masse so schwer, dass sie sich langsam talwärts schiebt.
Ein Gletscher ist eine große Masse aus Eis, die aus altem Schnee entstanden ist und sich durch ihr eigenes Gewicht langsam bewegt.
Wichtig ist also nicht nur das Eis. Wichtig ist auch die Bewegung. Wenn ein Eisrest kaum noch fließt, spricht man oft nicht mehr von einem aktiven Gletscher, sondern eher von einem Übergang zu Toteis.
Toteis ist liegen gebliebenes Gletschereis, das sich nicht mehr als Teil eines aktiven Gletschers bewegt und langsam abschmilzt.
Der Aletschgletscher in der Schweiz ist ein bekannter Talgletscher. Er liegt in einem Gebirgstal und fließt sehr langsam nach unten. Für das Auge sieht er fast unbeweglich aus, aber Messungen zeigen seine Bewegung.
Ein Gletscher ist kein normaler Schneerest. Er besteht aus verdichtetem Eis und bewegt sich langsam.
Interaktive Quizfrage wird geladen ...
Wie entsteht Gletschereis?
Ein Gletscher beginnt mit Schnee. In kalten Hochlagen taut im Sommer weniger Schnee, als im Winter fällt. Der alte Schnee bleibt liegen und wird vom neuen Schnee zusammengedrückt.
Firn ist alter Schnee, der schon körniger und dichter geworden ist, aber noch kein festes Gletschereis ist.
Aus lockerem Schnee wird also nicht sofort blaues Eis. Zuerst werden die Schneeflocken zusammengepresst. Luft entweicht. Die Körner verbinden sich immer stärker. Nach vielen Jahren entsteht dichtes Gletschereis.
Akkumulation bedeutet Ansammlung. Bei Gletschern meint man damit vor allem, dass Schnee und Eis dazukommen.
Auf einem hohen, schattigen Gebirgshang fällt im Winter viel Schnee. Im Sommer schmilzt nur ein Teil davon. Der Rest bleibt liegen, wird zu Firn und später zu Eis. So kann ein Gletscher wachsen.
Gletschereis entsteht langsam: Schnee bleibt liegen, wird zu Firn und dann zu festem Eis.
Interaktiver Lückentext wird geladen ...
Nährgebiet, Zehrgebiet und Gleichgewichtslinie
Ein Gletscher hat oben und unten unterschiedliche Aufgaben. Oben ist es kälter. Dort kommt meist mehr Schnee dazu. Unten ist es wärmer. Dort verliert der Gletscher eher Eis.
Das Nährgebiet ist der obere Bereich eines Gletschers, in dem mehr Schnee und Eis dazukommt, als schmilzt.
Das Zehrgebiet ist der untere Bereich eines Gletschers, in dem mehr Eis verloren geht, als neu entsteht.
Zwischen beiden Bereichen liegt eine wichtige Grenze. Wenn diese Grenze höher liegt, liegt sie weiter Richtung Gipfel. Dann bleibt weniger Fläche übrig, auf der der Gletscher Masse gewinnen kann.
Die Gleichgewichtslinie ist die Grenze am Gletscher, oberhalb der er Masse gewinnt und unterhalb der er Masse verliert.
Nach einem schneereichen Winter liegt die Gleichgewichtslinie oft tiefer. Dann ist das Nährgebiet größer. Nach einem sehr warmen Sommer liegt sie oft höher. Dann wird das Zehrgebiet größer und der Gletscher schrumpft eher.
Die Massenbilanz beschreibt, ob ein Gletscher insgesamt Masse gewinnt oder verliert. Ist die Bilanz positiv, wächst er. Ist sie negativ, wird er kleiner.
Interaktive Quizfrage wird geladen ...
Warum bewegt sich ein Gletscher?
Gletschereis ist hart, aber unter großem Druck kann es sich verformen. Das klingt seltsam, hilft aber: Ein Gletscher fließt sehr langsam wie eine zähe Masse.
Eisfließen bedeutet, dass sich das Eis im Inneren eines Gletschers unter Druck langsam verformt und nach unten bewegt.
Manchmal hilft auch Wasser am Grund. Schmelzwasser kann zwischen Eis und Fels liegen. Dann kann der Gletscher leichter gleiten.
Basales Gleiten bedeutet, dass ein Gletscher an seiner Unterseite über Fels oder Schutt rutscht, oft mithilfe von Schmelzwasser.
Die Mitte eines Gletschers bewegt sich häufig schneller als die Ränder. An den Seiten bremst der Kontakt zum Fels. Dadurch entstehen Spannungen im Eis.
Eine Gletscherspalte ist ein Riss im Gletschereis, der entsteht, wenn das Eis gedehnt oder unterschiedlich schnell bewegt wird.
Fließt ein Gletscher über eine steilere Stufe im Tal, wird das Eis gedehnt. Die Oberfläche reißt auf. So können tiefe Gletscherspalten entstehen.
Gletscher bewegen sich durch Verformung im Eis und manchmal durch Gleiten am Untergrund.
Interaktive Quizfrage wird geladen ...
Wie formen Gletscher Landschaften?
Ein Gletscher ist wie ein sehr schweres Werkzeug aus Eis. Er nimmt Steine, Sand und Schutt mit. Damit schleift und kratzt er den Untergrund.
Erosion bedeutet Abtragung. Dabei wird Gestein durch Eis, Wasser, Wind oder Schwerkraft gelöst und wegtransportiert.
Eine Moräne ist eine Ablagerung aus Steinen, Sand und Schutt, die ein Gletscher mitgeführt und liegen gelassen hat.
Gletscher können Täler stark verändern. Ein Fluss schneidet oft ein V-förmiges Tal ein. Ein Gletscher schleift ein Tal breiter und runder aus. So entsteht häufig ein U-förmiges Trogtal.
Ein Trogtal ist ein breites, U-förmiges Tal, das von einem Gletscher ausgeschliffen wurde.
Gletscherschrammen sind Kratzspuren im Fels. Sie entstehen, wenn Steine im Gletschereis über den Untergrund gezogen werden.
In den Alpen sieht man viele breite Täler mit steilen Seiten und flacherem Boden. Solche Formen zeigen oft, dass dort früher ein Gletscher lag. Auch einzelne große Felsblöcke können von Eis weit transportiert worden sein.
Interaktive Lernkarten wird geladen ...
Interaktive Quizfrage wird geladen ...
Gletschertypen und Beispiele
Nicht jeder Gletscher sieht gleich aus. Die Form hängt davon ab, wo das Eis liegt und wohin es fließen kann. In Gebirgen lenken Täler und Hänge das Eis besonders stark.
Ein Talgletscher ist ein Gletscher, der in einem Tal nach unten fließt.
Ein Kar ist eine geschützte, schüsselartige Mulde am Berg. Ein Kargletscher liegt in so einer Mulde.
Ein Eisschild ist eine sehr große Eisfläche, die weite Landgebiete bedeckt und das Gelände darunter fast überdeckt.
Der Aletschgletscher ist ein Talgletscher. Die Pasterze am Großglockner ist ein bekannter Gletscher in Österreich. In Grönland und in der Antarktis liegen riesige Eisschilde.
Interaktive Mindmap wird geladen ...
Die Form eines Gletschers hängt stark vom Gelände ab. Täler, Mulden und große Eisflächen lenken oder prägen das Eis.
Interaktive Quizfrage wird geladen ...
Gletscher heute: Wasser, Klima und Rückzug
Gletscher sind wichtige Wasserspeicher. Im Winter sammeln sie Wasser als Schnee und Eis. Im Sommer geben sie Schmelzwasser ab. Für Flüsse, Täler und manche trockene Sommer ist das sehr wichtig.
Albedo bedeutet Rückstrahlvermögen. Eine helle Oberfläche wirft viel Sonnenlicht zurück, eine dunkle Oberfläche nimmt mehr Wärme auf.
Schnee und helles Eis haben eine hohe Albedo. Dunkler Fels und schmutziges Eis nehmen mehr Sonnenenergie auf. Wenn Gletscher kleiner werden, kommt mehr dunkler Boden zum Vorschein. Das kann die Erwärmung in der Umgebung verstärken.
Viele Gletscher schrumpfen heute, weil die Temperaturen steigen. Wenn im Sommer mehr Eis schmilzt, als im Winter neu dazukommt, wird die Massenbilanz negativ. Dann zieht sich der Gletscher zurück.
In den Alpen sind viele Gletscher seit dem 19. Jahrhundert deutlich kleiner geworden. Manche Eisreste bewegen sich kaum noch. Dann bleiben statt aktiver Gletscher nur noch schmelzende Eisflächen zurück.
Gletscher zeigen Klimaänderungen deutlich. Sie reagieren aber nicht überall gleich schnell. Größe, Höhe, Schattenlage, Schneefall und Temperatur spielen zusammen.
Interaktive Quizfrage wird geladen ...
Zusammenfassung
Ein Gletscher ist eine große Eismasse aus altem Schnee, die sich langsam bewegt. Aus Schnee wird über Firn und starken Druck Gletschereis. Im Nährgebiet gewinnt der Gletscher Masse, im Zehrgebiet verliert er Masse. Die Gleichgewichtslinie trennt diese Bereiche.
Gletscher fließen durch ihr Gewicht und können am Untergrund gleiten. Dabei entstehen Spalten, Schrammen, Moränen und U-förmige Täler. Heute schrumpfen viele Gletscher, weil sie langfristig mehr Eis verlieren, als neu entsteht.
Gletscher sind Eis, Bewegung, Wasserspeicher und Landschaftsformer zugleich. Wenn du Nährgebiet, Zehrgebiet, Bewegung und Erosion verstehst, kannst du die meisten Gletscherprozesse gut erklären.
Mit Google fortfahren