Am Strand merkst du Wind oft besonders deutlich. Mittags kommt manchmal kühle Luft vom Wasser her. Am Abend kann der Wind plötzlich aus der anderen Richtung kommen. Genau diesen täglichen Wechsel untersuchst du in Erdkunde.
Das Land-See-Windsystem ist ein täglicher Windkreislauf an Küsten und großen Seen. Am Tag weht der Wind oft vom Wasser zum Land. In der Nacht weht er oft vom Land zum Wasser.
- Du erklärst, warum Land und Wasser verschieden schnell warm und kalt werden.
- Du beschreibst den Wind am Tag und in der Nacht.
- Du erkennst, wo Luft aufsteigt und wohin sie am Boden strömt.
- Du deutest einfache Skizzen zum Wind an Küsten und großen Seen.
Warum Land und Wasser verschieden reagieren
Stell dir einen heißen Sommertag vor. Der Sand am Strand wird schnell heiß, aber das Wasser fühlt sich noch kühl an. Nach Sonnenuntergang ist es oft umgekehrt: Der Sand kühlt schnell ab, das Wasser bleibt länger warm.
Die Wärmespeicherung beschreibt, wie gut ein Stoff Wärme aufnehmen und behalten kann. Wasser speichert viel Wärme. Deshalb ändert es seine Temperatur langsamer als Land, Sand, Asphalt oder Felsen.
Für höhere Klassen heißt der genauere Fachbegriff spezifische Wärmekapazität. Sie gibt an, wie viel Energie nötig ist, um einen Stoff zu erwärmen. Wasser hat eine hohe spezifische Wärmekapazität. Darum wird es langsam warm und langsam kalt.
Am Mittag läufst du barfuß über Sand. Der Sand ist heiß. Dann gehst du ins Wasser. Das Wasser ist deutlich kühler. Am Abend kann das Wasser noch angenehm warm sein, während der Sand schon kühl wird.
Land reagiert schnell auf Sonne und Nacht. Wasser reagiert langsam. Dieser Unterschied startet das Land-See-Windsystem.
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Luftdruck und Wind
Wenn Luft warm wird, dehnt sie sich aus. Sie wird leichter und steigt auf. Am Boden bleibt dann weniger Luft zurück.
Der Luftdruck ist der Druck, den die Luft auf eine Fläche ausübt. Viel Luft über einer Stelle bedeutet meist hohen Luftdruck. Weniger Luft über einer Stelle bedeutet niedrigeren Luftdruck.
Ein Hochdruckgebiet ist ein Gebiet mit höherem Luftdruck als die Umgebung. Ein Tiefdruckgebiet ist ein Gebiet mit niedrigerem Luftdruck als die Umgebung. Wind ist bewegte Luft. Am Boden strömt Wind meist vom Hochdruckgebiet zum Tiefdruckgebiet.
Über einer kühlen Wasserfläche bleibt die Luft eher dicht und schwer. Dort kann am Boden höherer Luftdruck entstehen. Über einer heißen Landfläche steigt warme Luft auf. Dort kann am Boden niedrigerer Luftdruck entstehen. Dann strömt Luft vom Wasser zum Land.
Warm am Boden bedeutet oft: Luft steigt auf, am Boden entsteht eher Tiefdruck. Kühl am Boden bedeutet oft: Luft bleibt dichter, am Boden entsteht eher Hochdruck.
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Seewind am Tag
Am Tag scheint die Sonne auf Land und Wasser. Das Land wird schneller warm. Die Luft über dem Land erwärmt sich dadurch ebenfalls. Warme Luft steigt auf.
Dadurch entsteht am Boden über dem Land ein Tiefdruckgebiet. Über dem kühleren Wasser bleibt die Luft dichter. Dort entsteht am Boden eher ein Hochdruckgebiet. Die Luft strömt nun vom Wasser zum Land. Dieser Wind heißt Seewind.
Seewind ist Wind, der am Tag vom Meer oder See zum Land weht. Er entsteht, weil das Land schneller warm wird als das Wasser.
Der Seewind ist also kein Wind, der zur See weht. Sein Name sagt, woher er kommt: von der See. In einer Skizze erkennst du ihn am bodennahen Pfeil vom Wasser zur Küste.
An einem sonnigen Nachmittag sitzt du an der Nordsee am Strand. Das Land hinter den Dünen ist stark aufgeheizt. Über dem Land steigt Luft auf. Vom Meer strömt kühlere Luft nach. Du spürst eine frische Brise vom Wasser.
Der Seewind ist oft am Nachmittag besonders spürbar. Dann ist der Temperaturunterschied zwischen Land und Wasser häufig groß.
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Landwind in der Nacht
Nach Sonnenuntergang fehlt die Erwärmung durch die Sonne. Das Land kühlt schnell ab. Das Wasser bleibt länger warm, weil es Wärme besser speichert.
Nun ist die Luft über dem Wasser wärmer als die Luft über dem Land. Über dem Wasser steigt Luft auf. Am Boden entsteht dort ein Tiefdruckgebiet. Über dem kühleren Land bleibt die Luft dichter. Dort entsteht am Boden ein Hochdruckgebiet.
Jetzt strömt die Luft am Boden vom Land zum Wasser. Dieser Wind heißt Landwind.
Landwind ist Wind, der in der Nacht vom Land zum Meer oder See weht. Er entsteht, weil das Land schneller abkühlt als das Wasser.
Ein Fischerboot liegt nachts nahe an der Küste. Das Land ist bereits kühl. Das Meer gibt noch Wärme ab. Über dem Meer steigt Luft auf. Vom Land strömt kühlere Luft nach draußen auf das Wasser.
Seewind: Tag, vom Wasser zum Land. Landwind: Nacht, vom Land zum Wasser.
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Der ganze Kreislauf
Das Land-See-Windsystem besteht nicht nur aus einem Windpfeil am Boden. Es ist eine Zirkulation. Eine Zirkulation ist ein Kreislauf von Luftbewegungen.
Am Tag steigt Luft über dem warmen Land auf. In der Höhe fließt ein Teil dieser Luft zurück Richtung Wasser. Über dem Wasser kühlt sie ab und sinkt wieder. Am Boden strömt Luft erneut zum Land. So schließt sich der Kreislauf.
In der Nacht läuft der Kreislauf umgekehrt. Luft steigt über dem wärmeren Wasser auf. In der Höhe fließt sie Richtung Land zurück. Über dem kühleren Land sinkt sie ab. Am Boden weht der Landwind zum Wasser.
Du zeichnest den Fall am Tag: Unten zeigt der Pfeil vom Meer zum Land. Über dem Land zeigt ein Pfeil nach oben. In der Höhe zeigt ein Pfeil zurück zum Meer. Über dem Meer zeigt ein Pfeil nach unten. Zusammen bilden die Pfeile einen Kreis.
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Wo und wann das System entsteht
Das Land-See-Windsystem entsteht vor allem an Meeresküsten. Es kann auch an großen Seen auftreten, zum Beispiel am Bodensee oder an großen Alpenseen. Kleine Teiche reichen meistens nicht aus, weil der Temperaturunterschied oft zu schwach ist.
Ein lokales Windsystem ist ein Windsystem, das nur in einem begrenzten Gebiet entsteht. Es hängt stark von den Bedingungen vor Ort ab, zum Beispiel von Küste, See, Sonneneinstrahlung und Gelände.
Wichtig ist außerdem ruhiges, sonniges Wetter. Wenn ein starker großräumiger Wind weht, überdeckt er das lokale Land-See-Windsystem. Auch dichte Bewölkung schwächt den Unterschied, weil das Land tagsüber weniger stark erwärmt und nachts weniger stark abgekühlt wird.
An einem sonnigen Sommertag mit schwachem überregionalem Wind kann sich an der Küste ein deutlicher Seewind bilden. Bei Sturm aus Westen merkst du den Seewind kaum, weil der starke Wetterlagen-Wind die lokale Strömung überlagert.
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Typische Fehler in Skizzen
Ein häufiger Fehler ist: Viele setzen Hochdruck über die warme Fläche. Am Boden ist es aber oft anders. Über der warmen Fläche steigt Luft auf. Dadurch entsteht dort am Boden eher Tiefdruck.
Ein zweiter Fehler ist die Windrichtung. Wind wird nach seiner Herkunft benannt. Seewind kommt von der See. Landwind kommt vom Land.
Ein dritter Fehler ist, nur den Bodenwind zu zeichnen. Für eine vollständige Erklärung brauchst du auch das Aufsteigen, Absinken und die Rückströmung in der Höhe.
Du bekommst eine Skizze für den Tag. Das Land ist warm, das Wasser kühl. Richtig ist: Bodentief über Land, Bodenhoch über Wasser, Bodenwind vom Wasser zum Land, Aufsteigen über Land, Rückströmung in der Höhe zum Wasser.
Prüfe eine Skizze immer in dieser Reihenfolge: Welche Fläche ist wärmer? Wo steigt Luft auf? Wo ist am Boden Tiefdruck? Wohin weht der Bodenwind?
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Zusammenfassung
Das Land-See-Windsystem ist ein lokaler Windkreislauf an Küsten und großen Seen. Es entsteht, weil Land und Wasser sich unterschiedlich schnell erwärmen und abkühlen. Dadurch entstehen Temperaturunterschiede, Luftdruckunterschiede und schließlich Wind.
Am Tag erwärmt sich das Land schneller. Über dem Land steigt Luft auf, am Boden entsteht Tiefdruck. Vom kühleren Wasser strömt Luft nach: Das ist Seewind.
In der Nacht kühlt das Land schneller ab. Das Wasser bleibt länger warm. Über dem Wasser steigt Luft auf, und am Boden weht Luft vom Land zum Wasser: Das ist Landwind.
Kurzform: Tag = Seewind vom Wasser zum Land. Nacht = Landwind vom Land zum Wasser. Ursache ist immer der Temperaturunterschied zwischen Land und Wasser.
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