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Periglazial

Periglazial in der Geographie: Entstehung, Formen, Prozesse und Beispiele aus der physischen Geographie.

Wenn du im Winter über gefrorenen Boden läufst, fühlt er sich hart wie Stein an. Im Frühling kann derselbe Boden matschig werden und langsam hangabwärts rutschen. In kalten Landschaften passiert genau das immer wieder. So entstehen Formen, die man in Erdkunde unter dem Thema Periglazial untersucht.

Was bedeutet periglazial?

Ein Gletscher ist eine große Eismasse aus verdichtetem Schnee, die sich langsam bewegt. Periglaziale Landschaften liegen nicht unter einem Gletscher. Sie sind eisfreie Bereiche, in denen Frost den Boden und die Formen der Landschaft prägt.

Definition

Periglazial bedeutet: Eine eisfreie Landschaft wird vor allem durch Frost, Bodeneis, Auftauen und Wiedergefrieren geformt.

Deine Lernziele
  • Nach dieser Erklärung kannst du erklären, was periglazial bedeutet.
  • Du kannst periglaziale Gebiete von glazial geformten Gebieten unterscheiden.
  • Du erkennst wichtige Prozesse und Formen wie Frostverwitterung, Kryoturbation, Solifluktion, Eiskeile und Pingos.

Das Wort klingt so, als ginge es nur um die Umgebung von Gletschern. Heute ist aber der Frost im Boden entscheidend. Ein Gebiet kann weit von einem heutigen Gletscher entfernt sein und trotzdem periglazial geprägt werden.

Beispiel

In Nordskandinavien gibt es kalte Gebiete ohne geschlossene Gletscherdecke. Trotzdem friert der Boden lange oder immer wieder. Wasser im Boden gefriert, dehnt sich aus und bewegt Steine und Erde. Das ist periglaziale Formung.

Merke

Periglazial heißt nicht einfach „neben einem Gletscher“. Merke dir: Frost formt eine eisfreie Landschaft.

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Bodenfrost, Permafrost und Auftauboden

Damit periglaziale Prozesse wirken, braucht der Boden oft Wasser und Frost. Wasser ist wichtig, weil es beim Gefrieren mehr Raum einnimmt. Dadurch kann es Boden und Gestein drücken, sprengen oder bewegen.

Definition

Bodenfrost bedeutet: Wasser im Boden gefriert zeitweise. Das kann nur für eine Nacht, für einen Winter oder für längere Zeit passieren.

Beispiel

Nach einer kalten Nacht ist der Schulweg am Feldrand hart gefroren. Tagsüber taut die obere Schicht wieder auf und wird weich. Dieser Wechsel zeigt einfachen Bodenfrost.

Definition

Permafrost ist Boden oder Gestein, das mindestens zwei Jahre hintereinander gefroren bleibt. Dabei muss die Oberfläche nicht aus Eis bestehen.

Über dem dauerhaft gefrorenen Untergrund liegt oft eine Schicht, die im Sommer auftaut. Diese Schicht heißt Auftauboden. Sie ist wichtig, weil sie nass und weich werden kann. Darunter bleibt der gefrorene Boden hart und lässt Wasser schlecht versickern.

Beispiel

Stell dir einen Hang in der Tundra vor. Im Sommer taut nur die oberste Bodenschicht auf. Das Schmelzwasser kann nicht tief in den gefrorenen Untergrund sickern. Die nasse obere Schicht wird schwer und kann langsam den Hang hinabrutschen.

Gut zu wissen

Nicht jedes periglaziale Gebiet hat überall Permafrost. Manche Prozesse entstehen auch bei starkem saisonalem Bodenfrost. Für die Landschaft zählt: Gefrieren und Auftauen müssen so kräftig sein, dass sichtbare Formen entstehen.

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Wie Frost Gestein und Boden verändert

Wenn Wasser in eine kleine Gesteinsspalte läuft und gefriert, dehnt es sich aus. Der Druck kann die Spalte vergrößern. Wiederholt sich das oft, zerfällt Gestein in kleinere Stücke.

Definition

Frostverwitterung ist die Zerkleinerung von Gestein durch gefrierendes Wasser. Das Gestein wird dabei zunächst zerbrochen, nicht weggespült.

Beispiel

An einem Berghang läuft tagsüber Schmelzwasser in Risse. Nachts friert es. Das Eis drückt die Risse auseinander. Nach vielen Frostwechseln lösen sich Steine aus der Felswand.

Ein zweiter wichtiger Vorgang betrifft den Boden selbst. Wenn Wasser im Boden gefriert, hebt es Bodenteilchen an. Beim Auftauen sinken sie nicht immer genau an dieselbe Stelle zurück. So kann der Boden langsam durchmischt werden.

Definition

Kryoturbation bedeutet: Frost mischt Bodenmaterial durch wiederholtes Gefrieren und Auftauen. Steine, Sand und feiner Boden können dadurch ihre Lage verändern.

Beispiel

Auf einer ebenen, kalten Fläche können Steine durch Frost sortiert werden. Größere Steine sammeln sich an bestimmten Stellen, feiner Boden an anderen. So entstehen Muster im Boden.

Merke

Frost kann Gestein sprengen und Boden mischen. Frostverwitterung betrifft vor allem das Zerbrechen, Kryoturbation das Durchmischen.

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Wenn Boden langsam fließt

Auf Hängen wirkt zusätzlich die Schwerkraft. Wenn der obere Boden im Sommer auftaut, wird er oft wasserreich. Liegt darunter gefrorener Boden, kann das Wasser schlecht nach unten abfließen.

Definition

Solifluktion bedeutet: wasserreicher, aufgetauter Boden bewegt sich langsam hangabwärts. Der Vorgang ist langsam, aber über viele Jahre deutlich wirksam.

Solifluktion ist kein schneller Erdrutsch. Der Boden kriecht eher. Pflanzen, Steine und Bodenschichten können dabei verbogen oder versetzt werden.

Beispiel

In einem Hochgebirge taut im Sommer eine dünne Bodenschicht auf. Sie liegt auf hart gefrorenem Untergrund. Weil der Hang geneigt ist, rutscht die nasse Schicht jedes Jahr wenige Zentimeter nach unten. Nach langer Zeit entstehen wellige Bodenformen am Hang.

Gut zu wissen

Periglaziale Prozesse brauchen nicht nur Kälte. Auch Bodenart, Wassergehalt, Hangneigung, Schneebedeckung und Vegetation entscheiden mit. Ein trockener, felsiger Boden reagiert anders als ein feuchter, feinkörniger Boden.

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Typische Formen in periglazialen Landschaften

Wenn Frost lange genug wirkt, bleiben Formen zurück. Einige erkennst du direkt an der Oberfläche. Andere zeigen sich erst in einem Bodenprofil oder auf Luftbildern.

Definition

Frostmusterboden ist Boden mit regelmäßigen Mustern aus Steinen und feinerem Material. Die Muster entstehen, weil Frost den Boden hebt, sortiert und verschiebt.

Beispiel

Auf einer kalten, fast vegetationsfreien Fläche liegen Steine nicht zufällig verteilt. Sie bilden Ringe, Streifen oder Vielecke. Das Muster zeigt, dass Frost den Boden immer wieder bewegt hat.

Definition

Ein Eiskeil ist eine keilförmige Spalte im Boden, die mit Eis gefüllt ist oder früher mit Eis gefüllt war. Sie entsteht, wenn gefrorener Boden reißt und Wasser in die Risse gelangt.

Beispiel

Im Winter zieht sich sehr kalter Boden zusammen und bekommt Risse. Im Frühling läuft Wasser hinein und gefriert. Wiederholt sich das viele Jahre, wächst ein keilförmiger Eiskörper im Boden.

Definition

Ein Pingo ist ein hügelartiger Bodenaufbruch mit Eis im Inneren. Er entsteht, wenn gefrierendes Wasser oder wachsendes Bodeneis den Boden nach oben drückt.

Beispiel

In arktischen Tiefländern können runde Hügel entstehen, obwohl dort kein Vulkan aktiv ist. Der Hügel wächst, weil Eis im Untergrund Druck ausübt. Taut das Eis später, kann der Hügel einsacken.

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Wo gibt es periglaziale Gebiete?

Periglaziale Gebiete findest du heute vor allem in sehr kalten Breiten und in Hochgebirgen. In polaren und subpolaren Räumen ist es oft lange genug kalt. In Gebirgen nimmt die Temperatur mit der Höhe ab, deshalb können dort periglaziale Bedingungen auch in niedrigeren Breiten vorkommen.

Definition

Rezente periglaziale Gebiete sind Gebiete, in denen periglaziale Prozesse heute wirken. Fossile periglaziale Gebiete sind Gebiete, in denen solche Prozesse früher wirkten und ihre Spuren hinterlassen haben.

Beispiel

Heute gibt es periglaziale Prozesse in Teilen der Arktis, in Nordasien, in Nordkanada, in Nordskandinavien und in Hochgebirgen wie den Alpen. Während der Kaltzeiten reichten solche Bedingungen weiter nach Süden. Deshalb findet man auch in Mitteleuropa Spuren früherer periglazialer Formung.

Periglazial ist also nicht nur ein Thema für weit entfernte Eislandschaften. Es hilft auch, heutige Böden, Hänge und Täler in Deutschland und Mitteleuropa zu verstehen. Manche Formen sind nicht mehr aktiv, erzählen aber von einem früher viel kälteren Klima.

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Zusammenfassung

Periglazial beschreibt eisfreie Landschaften, die stark durch Frost, Bodeneis, Auftauen und Wiedergefrieren geprägt werden. Ein periglaziales Gebiet ist nicht einfach ein Gletschergebiet. Frost im Boden steuert die Formung.

Wichtige Grundlagen sind Bodenfrost, manchmal Permafrost und ein sommerlicher Auftauboden. Daraus entstehen Prozesse wie Frostverwitterung, Kryoturbation und Solifluktion. Sie zerbrechen Gestein, mischen Boden und bewegen nasses Material langsam hangabwärts.

Typische Formen sind Frostmusterböden, Eiskeile und Pingos. Heute findest du periglaziale Landschaften vor allem in Polar- und Subpolargebieten sowie in Hochgebirgen. In Mitteleuropa sind viele Spuren fossil, also Überreste aus kälteren Zeiten.

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