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Reindustrialisierung

Reindustrialisierung in der Geographie: Definition, Merkmale, Beispiele und typische Zusammenhänge der Wirtschaftsgeographie.

Wenn in einer Region alte Fabriken schließen, verlieren Menschen Arbeitsplätze. Trotzdem kann dort später wieder moderne Industrie entstehen. Dann verändert sich nicht nur die Wirtschaft, sondern oft auch das Leben in der ganzen Region.

Deine Lernziele
  • Du erklärst Reindustrialisierung mit eigenen Worten.
  • Du unterscheidest sie von Deindustrialisierung.
  • Du nennst Gründe und Folgen für eine Region.
  • Du beurteilst ein Beispiel mithilfe von Standortfaktoren.

Wenn sich eine Wirtschaftsregion verändert

Eine Region, in der sich Arbeit und Unternehmen deutlich verändern, erlebt Strukturwandel. Das bedeutet: Die Wirtschaftsstruktur einer Region wird umgebaut. Manche Branchen wachsen, andere verlieren an Bedeutung.

Früher prägten Kohlebergbau und Stahlwerke viele Städte im Ruhrgebiet. Als diese Branchen weniger Arbeitskräfte brauchten oder Betriebe schlossen, änderte sich die Region stark.

Definition

Ein Wirtschaftsraum ist ein Gebiet, das durch wirtschaftliche Beziehungen verbunden ist. Dazu gehören Arbeitsplätze, Unternehmen, Verkehrswege und Kundschaft.

Beispiel

In einer Stadt schließt eine große Zeche. Viele Beschäftigte suchen neue Arbeit. Gleichzeitig entstehen ein Technologiepark, eine Fachhochschule und kleinere Firmen für Medizintechnik. Die Stadt befindet sich im Strukturwandel.

Merke

Strukturwandel heißt nicht einfach: Alles wird schlechter. Er bedeutet vor allem, dass sich die Art der Arbeit und Produktion verändert.

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Von weniger Industrie zu neuer Industrie

Wenn Industriearbeitsplätze und Fabriken in einer Region abnehmen, spricht man von Deindustrialisierung. Das bedeutet nicht, dass dort gar nichts mehr hergestellt wird. Die Industrie wird aber schwächer oder beschäftigt weniger Menschen.

Reindustrialisierung ist dagegen der Aufbau oder die Stärkung von Industrie nach einem industriellen Rückgang. Dabei entstehen neue Produktionsbetriebe oder bestehende Betriebe werden modernisiert. Häufig geht es um andere Branchen als früher, etwa um Batterien, Medizintechnik oder Anlagen für erneuerbare Energien.

Beispiel

Eine ehemalige Stahlregion gewinnt ein Unternehmen, das Bauteile für Windkraftanlagen produziert. Dafür wird ein altes Industriegelände genutzt. Es entstehen neue Arbeitsplätze in Produktion, Wartung und Zulieferbetrieben. Das ist ein Beispiel für Reindustrialisierung.

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Die drei Wirtschaftssektoren

Um Veränderungen besser zu erkennen, teilt man die Wirtschaft in Bereiche ein. Ein Wirtschaftssektor ist ein Bereich mit ähnlichen wirtschaftlichen Tätigkeiten.

Der primäre Sektor gewinnt Rohstoffe aus der Natur. Dazu gehören Landwirtschaft, Fischerei und Bergbau. Der sekundäre Sektor verarbeitet Rohstoffe zu Waren. Dazu gehören Industrie und Handwerk. Der tertiäre Sektor umfasst Dienstleistungen, zum Beispiel Handel, Verkehr, Schulen oder Banken.

Wenn Dienstleistungen in einer Region wichtiger werden, nennt man das Tertiärisierung. Reindustrialisierung betrifft vor allem den sekundären Sektor. Sie kann aber auch Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich auslösen.

Beispiel

Ein neues Werk stellt Wärmepumpen her. Die Produktion gehört zum sekundären Sektor. Eine Spedition transportiert die Geräte, eine Berufsschule bildet Fachkräfte aus und ein Ingenieurbüro plant Teile der Anlage. Diese Tätigkeiten gehören zum tertiären Sektor.

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Warum Unternehmen einen Standort wählen

Ein Unternehmen prüft vor einer Ansiedlung die Standortfaktoren. Das sind Bedingungen, die einen Ort für ein Unternehmen günstig oder ungünstig machen.

Harte Standortfaktoren lassen sich meist gut messen und berechnen. Dazu gehören Grundstückspreise, Energiepreise, Steuern, Verkehrsanbindung und die Nähe zu Rohstoffen oder Kundschaft.

Weiche Standortfaktoren sind schwerer in Zahlen zu fassen. Dazu zählen Lebensqualität, Kulturangebote, das Image einer Region und gute Schulen. Sie können Fachkräfte dazu bewegen, in einer Region zu leben und zu arbeiten.

Beispiel

Eine Firma für Solarmodule sucht einen Standort. Sie braucht viel Strom, schnelle Bahn- und Straßenverbindungen und gut ausgebildete Fachkräfte. Günstige Energie und die Verkehrsanbindung sind harte Standortfaktoren. Gute Wohnmöglichkeiten und Freizeitangebote sind weiche Standortfaktoren.

Gut zu wissen

Auch Forschungseinrichtungen und andere Unternehmen derselben Branche können wichtig sein. Ein Cluster ist eine räumliche Konzentration von Unternehmen, Zulieferern und Forschungseinrichtungen, die miteinander verbunden sind. Sie können Wissen austauschen und leichter zusammenarbeiten.

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Chancen und Herausforderungen

Reindustrialisierung kann neue Arbeitsplätze schaffen und einer Region neue Perspektiven geben. Alte Industrieflächen können wieder genutzt werden. Außerdem kann Produktion näher an Kundinnen und Kunden stattfinden. Das kann Lieferwege verkürzen und Abhängigkeiten von weit entfernten Produktionsorten verringern.

Sie gelingt aber nicht von allein. Neue Betriebe brauchen Energie, Flächen, Fachkräfte und gute Verkehrswege. Manche früheren Arbeitsplätze kehren nicht zurück, weil moderne Fabriken stärker automatisiert arbeiten. Deshalb sind Weiterbildung und neue Ausbildungsmöglichkeiten wichtig.

Beispiel

Auf einem ehemaligen Werksgelände wird eine Fabrik für Recyclinganlagen gebaut. Einige frühere Beschäftigte besuchen Fortbildungen für Maschinensteuerung. Die Stadt verbessert Busverbindungen und baut eine Berufsschulklasse für Mechatronik auf. So unterstützt sie den Wandel.

Merke

Reindustrialisierung ist kein Rückweg in die alte Industrie. Meist geht es um moderne, anders organisierte und oft technisch anspruchsvollere Produktion.

Zusammenfassung

Reindustrialisierung bedeutet, dass eine Region nach industriellem Rückgang wieder mehr Industrie aufbaut oder vorhandene Industrie stärkt. Sie ist Teil des Strukturwandels und betrifft vor allem den sekundären Sektor.

Neue Industrie entsteht eher dort, wo Standortfaktoren passen: zum Beispiel Fachkräfte, Verkehr, Energie, Flächen und Forschung. Sie kann Arbeitsplätze und Aufträge schaffen, braucht aber Planung, Weiterbildung und eine gute Infrastruktur.