Wenn du in den Alpen wanderst, siehst du manchmal ein breites Tal mit steilen Seiten und einem hellen Eisstrom darin. Dieses Eis liegt nicht zufällig dort. Es nutzt das Tal wie eine vorgezeichnete Bahn. So entsteht ein Talgletscher.
- Du kannst erklären, was ein Talgletscher ist.
- Du erkennst, warum das Tal die Richtung des Eises bestimmt.
- Du kannst die oberen und unteren Bereiche eines Gletschers unterscheiden.
- Du verstehst, wie Talgletscher Landschaften formen.
Was ein Talgletscher ist
Ein Gletscher ist eine große, dauerhafte Eismasse, die aus Schnee entsteht und sich langsam bewegt. Dauerhaft bedeutet: Sie bleibt über viele Jahre erhalten, auch wenn im Sommer ein Teil schmilzt.
Ein Tal ist eine längliche Vertiefung in der Landschaft. Oft fließt dort ein Bach oder Fluss. Ein Talgletscher ist ein Gletscher, der in einem solchen Tal liegt und talwärts fließt.
Ein Talgletscher ist ein Gletscher in einem Gebirgstal. Das Eis bewegt sich langsam durch das Tal nach unten. Die Talform lenkt dabei die Fließrichtung.
Wichtig ist: Ein Talgletscher füllt das Gebirge meist nicht komplett bis zu allen Gipfeln und Graten mit Eis. Die oberen Hänge und Bergkämme können frei bleiben. Deshalb folgt das Eis vor allem dem Verlauf des Tales.
Stell dir eine dicke Portion Honig in einer langen Rinne vor. Der Honig breitet sich nicht beliebig aus, sondern läuft langsam in Richtung der Rinne. Ähnlich bewegt sich ein Talgletscher im Tal: Das Eis ist viel härter als Honig, aber es fließt über lange Zeit ebenfalls langsam bergab.
Ein Talgletscher ist wie ein Eisstrom im Tal: Das Tal gibt die Richtung vor.
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Wie ein Talgletscher entsteht
Ein Talgletscher beginnt häufig hoch im Gebirge. Dort fällt viel Schnee, und es ist so kalt, dass nicht alles wieder schmilzt. Aus altem Schnee wird nach und nach Firn. Firn ist körniger, verdichteter Altschnee, der zwischen lockerem Schnee und festem Gletschereis steht.
Wenn immer neue Schneeschichten dazukommen, wird der Firn zusammengedrückt. Luft wird herausgepresst. So entsteht Gletschereis. Wird die Eismasse groß genug, setzt sie sich langsam in Bewegung.
Das Nährgebiet ist der obere Bereich eines Gletschers. Dort kommt durch Schneefall und Verdichtung mehr Eis hinzu, als durch Schmelzen verloren geht.
Das Zehrgebiet ist der untere Bereich eines Gletschers. Dort verliert der Gletscher mehr Eis durch Schmelzen, Abbrechen oder direkte Umwandlung von Eis in Wasserdampf, als neu hinzukommt.
Die Grenze zwischen beiden Bereichen nennt man Gleichgewichtslinie. Das ist die Höhenzone, in der Zuwachs und Verlust ungefähr gleich groß sind. Du musst dir dafür keine scharfe Linie wie mit einem Lineal vorstellen. In der Natur ist es eher ein Übergangsbereich.
Bei einem Alpengletscher fällt weit oben viel Schnee. Dort wächst die Eismasse. Weiter unten ist es wärmer. Dort schmilzt mehr Eis. Der Gletscher kann trotzdem nach unten fließen, weil von oben ständig Eis nachgeschoben wird.
Oben sammelt der Gletscher Eis. Unten verliert er Eis. Die Bewegung verbindet beide Bereiche.
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Aufbau vom oberen Bereich bis zum unteren Ende
Eine Firnmulde ist eine muldenartige Vertiefung im oberen Gebirge, in der sich Firn sammeln kann. Viele Talgletscher starten in solchen hohen Mulden oder Kesseln. Von dort bewegt sich das Eis in ein Tal.
Die Gletscherzunge ist der untere, lang gestreckte Teil eines Gletschers. Sie sieht oft wie eine breite Zunge aus, die ins Tal hineinragt. An ihrem Ende schmilzt viel Eis. Dort entstehen häufig Schmelzwasserbäche.
Der Große Aletschgletscher in der Schweiz ist ein bekanntes Beispiel für einen Talgletscher. Mehrere Eisströme aus höheren Bereichen vereinigen sich und ziehen als mächtiger Gletscher durch ein Tal.
Wenn kleinere Gletscher aus Seitentälern dazukommen, können sie sich mit dem Hauptgletscher verbinden. Dabei wird Gesteinsschutt an den Rändern mitgeführt. Nach dem Zusammenfluss können dunkle Streifen im Eis sichtbar sein.
Gesteinsschutt auf oder im Eis ist kein Schmutz im alltäglichen Sinn. Er zeigt oft, wo Eis an Felswänden gerieben hat oder wo mehrere Eisströme zusammenkamen.
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Warum Talgletscher fließen
Ein Talgletscher wirkt fest, aber er bewegt sich. Das liegt an der Schwerkraft. Schwerkraft ist die Kraft, die Dinge nach unten zieht. Im Gebirge zieht sie das Eis talwärts.
Gletschereis kann sich unter großem Druck langsam verformen. Außerdem kann es an seiner Unterseite gleiten, besonders wenn dort Wasser als dünner Film vorhanden ist. Beides zusammen macht die Bewegung möglich.
Du kannst einen Gletscher nicht beim schnellen Fließen beobachten wie einen Bach. Aber Messpunkte auf dem Eis zeigen: Nach Tagen, Wochen und Monaten haben sie ihre Lage verändert. Das Eis kriecht langsam talwärts.
Die Geschwindigkeit ist nicht überall gleich. In der Mitte kann das Eis schneller sein als am Rand, weil es dort weniger an den Talwänden reibt. Am Untergrund wird die Bewegung ebenfalls gebremst.
Ein Talgletscher fließt langsam, weil Schwerkraft, Druck und Gelände zusammenwirken.
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Wie Talgletscher Landschaften formen
Ein Talgletscher ist nicht nur Eis. Er ist auch ein Werkzeug der Landschaftsformung. Die Erosion ist das Abtragen von Gestein und Boden durch Eis, Wasser, Wind oder Schwerkraft. Bei Talgletschern passiert Erosion vor allem durch Reiben, Schleifen und Herausbrechen von Gestein.
Wenn Steine im Eis mitgeführt werden, wirken sie wie Schleifpapier auf den Untergrund. Gleichzeitig kann Eis an Felsrissen festfrieren und Stücke herauslösen. So verändert ein Gletscher das Tal über lange Zeit.
Ein Trogtal ist ein breites, U-förmiges Tal, das durch Gletschererosion geprägt wurde. Es hat oft einen flachen Talboden und steile Talflanken.
Vor der Vergletscherung kann ein Tal eher V-förmig sein, weil ein Fluss sich nach unten einschneidet. Ein Gletscher verbreitert und vertieft das Tal. Dadurch wird aus dem V-Profil oft ein U-Profil.
Ein Bach schneidet sich tief in den Boden und bildet ein schmales V-Tal. Kommt später ein Talgletscher, hobelt er auch die Seiten stärker aus. Nach dem Abschmelzen bleibt ein breiteres Trogtal zurück.
Eine Moräne ist abgelagertes Gesteinsmaterial, das ein Gletscher transportiert oder zurücklässt.
Moränen können am Rand, in der Mitte oder am Ende eines Gletschers liegen. Besonders eine Endmoräne zeigt oft, wie weit ein Gletscher einmal vorgestoßen ist.
Talgletscher formen Täler um: Sie schleifen, brechen Gestein heraus und lagern Material wieder ab.
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Unterschiede zu anderen Gletschertypen
Ein Gletschertyp ist eine Art von Gletscher, die nach Lage, Form oder Entstehung unterschieden wird. Der Talgletscher ist nur ein Typ unter mehreren.
Ein Kar ist eine schüsselartige Hohlform hoch am Berg. Ein Kargletscher liegt in einem Kar. Kargletscher sind meist kleiner als Talgletscher und reichen oft nicht weit ins Tal hinunter.
Ein Inlandeis ist eine riesige Eismasse, die sehr große Landflächen bedeckt, zum Beispiel in Grönland oder der Antarktis. Es ist nicht so stark an einzelne Täler gebunden wie ein Talgletscher.
Ein kleiner Gletscher in einer hoch gelegenen Felsmulde kann ein Kargletscher sein. Ein Eisstrom, der daraus in ein Tal hinabfließt, kann zum Talgletscher werden. Eine gewaltige Eisdecke über einem Kontinent ist dagegen Inlandeis.
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Zusammenfassung
Ein Talgletscher ist ein langsam fließender Gletscher in einem Gebirgstal. Das Tal lenkt seine Bewegung. Oben im Nährgebiet wächst der Gletscher durch Schnee und Firn. Unten im Zehrgebiet verliert er Eis, besonders an der Gletscherzunge.
Talgletscher formen Landschaften stark. Sie schleifen Felsen ab, brechen Material heraus und lagern Moränen ab. Nach ihrem Rückzug bleiben oft breite Trogtäler mit U-Profil zurück.
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