Im Geschichtsunterricht geht es oft um Fragen wie: Woher wissen wir das eigentlich? Vielleicht siehst du ein altes Foto, einen Brief oder eine Münze und merkst: So ein Fund kann etwas erzählen. Aber er erzählt nicht automatisch alles. Du musst lernen, ihn klug zu befragen.
- Du kannst erklären, was eine historische Quelle ist.
- Du kannst Quellen von Darstellungen unterscheiden.
- Du kennst wichtige Quellenarten.
- Du kannst Überrest und Tradition unterscheiden.
- Du verstehst, warum Quellenkritik wichtig ist.
Was eine Quelle in Geschichte ist
Wenn du etwas über die Vergangenheit wissen willst, brauchst du Spuren. Eine historische Quelle ist ein Text, Gegenstand, Bild, Ton, Film oder eine andere Spur, aus der du etwas über die Vergangenheit erfahren kannst.
Wichtig ist: Etwas wird nicht nur durch sein Alter zur Quelle. Es wird zur Quelle, wenn du damit eine historische Frage beantwortest. Eine alte Eintrittskarte kann zum Beispiel zeigen, was ein Kinobesuch früher gekostet hat. Für die Frage nach alten Kinopreisen ist sie also eine Quelle.
Eine historische Quelle ist eine Spur aus der Vergangenheit, die du benutzt, um eine Frage über die Vergangenheit zu beantworten.
Du findest ein Foto deiner Stadt aus dem Jahr 1920. Wenn du wissen willst, wie die Straßen damals aussahen, ist das Foto eine Quelle. Wenn du wissen willst, welche Musik Menschen 1920 gehört haben, hilft dir dasselbe Foto vielleicht kaum.
Eine Quelle ist kein fertiges Wissen. Sie ist Material, aus dem du mit Fragen und Prüfung historisches Wissen gewinnst.
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Quelle und Darstellung unterscheiden
Im Schulbuch liest du oft Texte über die Vergangenheit. Diese Texte sind meistens keine Quellen zum behandelten Ereignis, sondern Darstellungen. Eine Darstellung ist eine spätere Erklärung oder Deutung der Vergangenheit.
Der Unterschied ist leicht, wenn du nach dem Abstand zum Ereignis fragst. Ein Tagebucheintrag aus dem Jahr 1945 kann eine Quelle für das Kriegsende sein. Ein Schulbuchkapitel über das Kriegsende ist eine Darstellung, weil es später geschrieben wurde und Quellen auswertet.
Eine Darstellung ist ein späterer Text, Film oder Beitrag, der Vergangenheit erklärt, zusammenfasst oder deutet.
Ein Brief eines Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg ist eine Quelle für seine Erlebnisse und Sichtweise. Ein heutiger Lexikonartikel über den Ersten Weltkrieg ist eine Darstellung, weil er das Thema nachträglich ordnet und erklärt.
Manchmal hängt die Einordnung von deiner Frage ab. Ein Geschichtsbuch aus dem Jahr 1900 ist für heutige Forschung über das Mittelalter eher eine ältere Darstellung. Wenn du aber untersuchst, wie Menschen um 1900 über das Mittelalter dachten, wird dieses Buch selbst zur Quelle.
Frage immer: Wofür benutze ich das Material? Für das Ereignis selbst, oder für die spätere Sicht auf das Ereignis?
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Wichtige Quellenarten
Quellen können sehr verschieden aussehen. Eine Quellenart ist eine Gruppe von Quellen, die nach ihrer Form zusammengehören. Das hilft dir, eine Quelle schneller einzuordnen und passende Fragen zu stellen.
Textquellen bestehen aus geschriebenen Wörtern. Dazu gehören Briefe, Tagebücher, Zeitungen, Urkunden, Gesetze oder Reden. Bildquellen zeigen etwas als Bild, zum Beispiel Fotos, Gemälde, Plakate oder Karikaturen. Sachquellen sind Gegenstände, Gebäude oder Spuren zum Anfassen, etwa Münzen, Werkzeuge, Kleidung oder Ruinen. Mündliche Quellen entstehen durch gesprochene Erinnerungen, zum Beispiel Interviews mit Zeitzeugen. Ton- und Filmquellen enthalten Geräusche, Stimmen oder bewegte Bilder.
Eine mittelalterliche Urkunde ist eine Textquelle. Eine Karikatur aus der Französischen Revolution ist eine Bildquelle. Ein römischer Helm ist eine Sachquelle. Ein Interview mit einer Person, die den Mauerfall 1989 erlebt hat, ist eine mündliche Quelle.
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Die Quellenart verrät dir nicht automatisch, ob eine Quelle wahr ist. Sie hilft dir aber, die richtigen Prüf-Fragen zu stellen.
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Überrest und Tradition
Manche Quellen sind einfach aus dem Alltag übrig geblieben. Andere wurden bewusst für andere Menschen oder für die Nachwelt gestaltet. Dafür nutzt man die Begriffe Überrest und Tradition.
Ein Überrest ist eine Quelle, die vor allem durch eine Handlung entstanden ist und zufällig erhalten blieb. Eine Rechnung wurde zum Beispiel geschrieben, weil jemand etwas bezahlen musste. Sie sollte nicht unbedingt späteren Schülern Geschichte erklären. Trotzdem kann sie viel zeigen, etwa Preise, Waren oder Handelsbeziehungen.
Eine Tradition ist eine Quelle, die bewusst etwas mitteilen, erinnern oder darstellen will. Eine Chronik, eine Denkmalsinschrift oder eine politische Rede will anderen Menschen ein Bild von Ereignissen geben. Deshalb musst du besonders auf Absicht und Wirkung achten.
Eine alte Steuerliste ist eher ein Überrest. Sie entstand für Verwaltung und Geldfragen. Eine Siegesrede eines Herrschers ist eher Tradition. Sie will ein Ereignis deuten und Menschen überzeugen.
Die Grenze ist nicht immer scharf. Ein Tagebuch kann privat sein und dadurch wie ein Überrest wirken. Es kann aber auch mit dem Gedanken geschrieben sein, dass andere es später lesen. Deshalb ist deine Begründung wichtiger als ein schnelles Etikett.
Überrest fragt: Was blieb aus dem damaligen Alltag übrig? Tradition fragt: Was wollte jemand bewusst überliefern?
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Quellenkritik: Quellen klug prüfen
Eine Quelle kann helfen, aber sie kann auch täuschen. Menschen irren sich, übertreiben, verschweigen Dinge oder verfolgen Ziele. Darum brauchst du Quellenkritik. Quellenkritik bedeutet: Du prüfst, wie zuverlässig und aussagekräftig eine Quelle für deine Frage ist.
Zuerst prüfst du äußere Merkmale. Das nennt man äußere Quellenkritik. Du fragst: Wann entstand die Quelle? Wer hat sie hergestellt? Ist sie echt? Ist sie vollständig? Wo wurde sie gefunden oder aufbewahrt?
Danach prüfst du den Inhalt. Das nennt man innere Quellenkritik. Du fragst: Was wird behauptet? Passt das zu anderen Quellen? War die Person nah am Geschehen? Welche Absicht könnte sie gehabt haben? Welche Wörter zeigen eine Wertung?
Quellenkritik ist die genaue Prüfung einer Quelle. Du untersuchst ihre Herkunft, Echtheit, Absicht, Perspektive und Aussagekraft.
Du liest einen Zeitungsartikel aus dem Jahr 1914 über den Beginn des Ersten Weltkriegs. Äußerlich prüfst du Zeitung, Datum, Autor und Ort. Inhaltlich prüfst du, ob der Artikel begeistert, warnend oder feindselig schreibt. Dann vergleichst du ihn mit anderen Quellen.
Eine Quelle muss nicht neutral sein, um nützlich zu sein. Gerade ihre Meinung kann zeigen, wie Menschen damals dachten.
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Mit Quellen arbeiten: Fragen stellen
Quellen beantworten nicht von allein deine Aufgaben. Du brauchst eine klare Fragestellung. Eine Fragestellung ist die Frage, mit der du an eine Quelle herangehst. Sie entscheidet, welche Informationen wichtig werden.
Wenn du ein Foto einer Schulklasse aus dem Jahr 1900 betrachtest, kannst du viele Fragen stellen. Wie kleideten sich Kinder? Wie war der Klassenraum eingerichtet? Saßen Jungen und Mädchen zusammen? Jede Frage lenkt deinen Blick auf andere Details.
Nach der Frage kommt die Auswertung. Du beschreibst zuerst genau, was du siehst oder liest. Dann deutest du vorsichtig. Zum Schluss belegst du deine Aussage mit Stellen aus der Quelle und vergleichst sie mit deinem Vorwissen oder anderen Quellen.
Quelle: ein Foto einer Fabrikhalle um 1900. Beschreibung: Viele Menschen stehen dicht an Maschinen. Deutung: Die Arbeit war wahrscheinlich körperlich anstrengend und eng organisiert. Vorsicht: Das Foto zeigt nur einen Moment und vielleicht eine bewusst ausgewählte Situation.
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Erst fragen, dann beschreiben, dann prüfen, dann deuten. So arbeitest du sauber mit Quellen.
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Zusammenfassung
Eine historische Quelle ist eine Spur aus der Vergangenheit, mit der du eine Frage über die Vergangenheit beantwortest. Eine Darstellung erklärt Vergangenheit später und nutzt dafür meist Quellen. Ob etwas Quelle oder Darstellung ist, hängt oft von deiner Fragestellung ab.
Es gibt verschiedene Quellenarten: Textquellen, Bildquellen, Sachquellen, mündliche Quellen sowie Ton- und Filmquellen. Außerdem kannst du zwischen Überrest und Tradition unterscheiden. Ein Überrest bleibt eher aus dem damaligen Alltag übrig. Tradition will bewusst etwas mitteilen oder erinnern.
Quellen sind der Ausgangspunkt historischer Arbeit. Aber erst durch Fragen, Quellenkritik und Vergleich wird daraus begründetes Geschichtswissen.
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