Biologie

Enzyme: Aufbau, Wirkung und Einflussfaktoren

Enzyme: Aufbau, Wirkung und Einflussfaktoren
Enzyme: Aufbau, Wirkung und Einflussfaktoren
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Enzyme beschleunigen biochemische Reaktionen, indem sie die benötigte Aktivierungsenergie senken. Dabei werden sie nicht verbraucht. Entscheidend sind ihre räumliche Struktur, das aktive Zentrum und passende Reaktionsbedingungen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum beschleunigen Enzyme Reaktionen?

Viele Reaktionen benötigen zunächst Energie, um überhaupt beginnen zu können. Diese energetische Hürde heißt Aktivierungsenergie.

Definition

Enzym

Ein Enzym ist ein Biokatalysator: Es senkt die Aktivierungsenergie einer Reaktion und erhöht dadurch deren Geschwindigkeit, ohne selbst verbraucht zu werden. Die meisten Enzyme sind Proteine. Katalytisch aktive RNA-Moleküle heißen Ribozyme.

Der umgesetzte Ausgangsstoff heißt Substrat. Er bindet vorübergehend am aktiven Zentrum des Enzyms. Dabei entsteht der Enzym-Substrat-Komplex. Nach der Umsetzung lösen sich das Produkt oder die Produkte, und das Enzym kann erneut arbeiten.

Der Ablauf lässt sich so zusammenfassen:

  1. Das Substrat bindet am aktiven Zentrum.
  2. Enzym und Substrat bilden kurzzeitig einen Komplex.
  3. Die chemische Reaktion läuft mit geringerer Aktivierungsenergie ab.
  4. Das Produkt löst sich.
  5. Das unveränderte Enzym kann ein weiteres Substrat umsetzen.
Beispiel

Beim Kauen bindet Stärke aus der Nahrung vorübergehend an die Amylase im Speichel. Das Enzym unterstützt die Spaltung der Stärke in kürzere Kohlenhydrate. Danach wird die Amylase frei und kann erneut Stärke binden.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt ein Enzym richtig?
Lösung: Es beschleunigt eine Reaktion, ohne dabei verbraucht zu werden. — Ein Enzym senkt die Aktivierungsenergie und steht nach der Reaktion wieder zur Verfügung.
Wie erkennen Enzyme passende Substrate?

Die räumliche Struktur des Enzyms bestimmt Form und chemische Eigenschaften seines aktiven Zentrums. Deshalb können dort nur passende Substrate wirksam binden.

Definition

Substratspezifität

Ein Enzym ist substratspezifisch, wenn sein aktives Zentrum nur ein bestimmtes Substrat oder eine eng begrenzte Gruppe passender Substrate bindet.

Wirkungsspezifität bedeutet etwas anderes: Ein Enzym katalysiert am gebundenen Substrat nur eine bestimmte Art der Veränderung. Ein passendes Substrat wird also nicht beliebig umgebaut.

Zwei Modelle veranschaulichen die Bindung:

  • Beim Schlüssel-Schloss-Modell passen aktives Zentrum und Substrat wie Schloss und Schlüssel zusammen.
  • Beim Induced-Fit-Modell passt sich die Form des Enzyms bei der Annäherung des Substrats etwas an.

Beide Modelle vereinfachen den wirklichen Vorgang. Das Induced-Fit-Modell macht zusätzlich deutlich, dass ein Enzym kein starrer Körper ist.

Merke

Substratspezifisch beantwortet die Frage „Welcher Stoff passt?“. Wirkungsspezifisch beantwortet die Frage „Welche Veränderung wird katalysiert?“.

Manche Enzyme benötigen außer ihrem Proteinanteil einen Cofaktor, beispielsweise ein Metallion oder ein organisches Molekül. Ein organischer Cofaktor heißt Coenzym. Der Proteinanteil wird Apoenzym genannt; Apoenzym und Cofaktor bilden zusammen das funktionsfähige Holoenzym.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Das bindet am aktiven Zentrum. Vorübergehend entsteht der . Nach der Reaktion löst sich das , während das Enzym erneut eingesetzt werden kann.

Lösungen: Lücke 1: Substrat; Lücke 2: Enzym-Substrat-Komplex; Lücke 3: Produkt. Achte auf die Reihenfolge: Substratbindung, Enzym-Substrat-Komplex, Umsetzung und Ablösung des Produkts.
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Frage 1 von 1MittelEin Enzym bindet nur einen passenden Stoff und verändert ihn stets auf eine bestimmte Weise. Welche Zuordnung ist richtig?
Lösung: Die Auswahl des passenden Stoffes zeigt die Substratspezifität; die festgelegte Veränderung zeigt die Wirkungsspezifität. — Substratspezifität betrifft die Auswahl des Substrats. Wirkungsspezifität betrifft die Art der katalysierten Veränderung.
Wovon hängt die Enzymaktivität ab?

Ein Enzym arbeitet nicht unter allen Bedingungen gleich schnell. Besonders wichtig sind Temperatur, pH-Wert und Substratkonzentration.

Temperatur

Bei steigender Temperatur bewegen sich Teilchen zunächst schneller und treffen häufiger aufeinander. Nach der RGT-Regel kann eine Erhöhung um 10 °C die Reaktionsgeschwindigkeit im geeigneten Temperaturbereich ungefähr auf das Zwei- bis Dreifache steigern.

Diese Regel gilt nicht unbegrenzt. Wird es für ein Enzym zu heiß, verändert sich die räumliche Proteinstruktur. Diese Denaturierung kann auch das aktive Zentrum verformen, sodass das Substrat nicht mehr passend bindet. Das Temperaturoptimum liegt nicht bei jedem Enzym gleich.

pH-Wert

Auch der pH-Wert beeinflusst Struktur und Funktion. Jedes Enzym besitzt einen geeigneten pH-Bereich und ein pH-Optimum.

Enzymungefähres pH-OptimumBeispiel für den Wirkungsort
Pepsinstark sauer, etwa pH 2Magen
Amylase im Speichelneutral, etwa pH 7Mund
Trypsinbasisch, etwa pH 9Darm

Ein ungeeigneter pH-Wert kann die Form oder die chemischen Eigenschaften des aktiven Zentrums verändern.

Substratkonzentration

Sind viele Enzyme frei, führt mehr Substrat zunächst zu mehr wirksamen Zusammenstößen und einer höheren Reaktionsgeschwindigkeit. Schließlich sind nahezu alle aktiven Zentren belegt. Weiteres Substrat erhöht die Geschwindigkeit dann kaum noch: Es entsteht ein Sättigungsplateau.

Merke

Ein Sättigungsplateau bedeutet: Die vorhandenen Enzyme sind ausgelastet. Denaturierung bedeutet dagegen: Die Struktur eines Enzyms wurde verändert und seine Funktion beeinträchtigt.

Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWarum steigt die Reaktionsgeschwindigkeit bei mehr Substrat zunächst an?
Lösung: Substrate treffen häufiger auf freie aktive Zentren. — Solange aktive Zentren frei sind, können zusätzliche Substratmoleküle häufiger Enzym-Substrat-Komplexe bilden.
Frage 2 von 3MittelEine Messkurve erreicht trotz weiterer Substratzugabe ein Plateau. Was ist die beste Erklärung?
Lösung: Nahezu alle aktiven Zentren sind ausgelastet. — Enzyme werden nicht verbraucht. Am Sättigungsplateau begrenzt die Zahl verfügbarer aktiver Zentren die Geschwindigkeit.
Frage 3 von 3SchwerZwei Ansätze enthalten dasselbe Enzym und gleich viel Substrat. Nur die pH-Werte unterscheiden sich deutlich. Warum können die Geschwindigkeiten verschieden sein?
Lösung: Der pH-Wert kann Struktur und chemische Eigenschaften des aktiven Zentrums beeinflussen. — Ein Enzym besitzt einen geeigneten pH-Bereich. Außerhalb dieses Bereichs kann die wirksame Bindung oder Umsetzung gestört sein.
Wie können Enzyme gehemmt werden?

Ein Inhibitor ist ein Stoff, der die Enzymaktivität vermindert. Je nach Bindungsort und Bindungsstärke entstehen unterschiedliche Hemmungen.

Kompetitive Hemmung

Ein ähnlich gebauter Hemmstoff konkurriert mit dem Substrat um das aktive Zentrum. Besetzt er es, kann das Substrat dort vorübergehend nicht binden. Bei einer reversiblen kompetitiven Hemmung kann eine höhere Substratkonzentration die Chance erhöhen, dass statt des Hemmstoffs das Substrat bindet.

Bindung außerhalb des aktiven Zentrums

Ein Hemmstoff kann an einer anderen Stelle des Enzyms binden. Verändert diese Bindung die räumliche Struktur des aktiven Zentrums, wird die Substratbindung oder Umsetzung erschwert. Eine solche Regulation wird häufig als allosterisch beschrieben.

Ein allosterisch reguliertes Enzym ist nicht dasselbe wie ein Holoenzym: „Allosterisch“ beschreibt eine regulatorische Bindung, während „Holoenzym“ die Verbindung aus Apoenzym und Cofaktor bezeichnet.

Irreversible Hemmung und Endprodukthemmung

Bei einer irreversiblen Hemmung bindet oder schädigt ein Stoff das Enzym so stark, dass die ursprüngliche Funktion nicht einfach wiederhergestellt wird. Schwermetalle können beispielsweise die Proteinstruktur beeinträchtigen.

Bei der Endprodukthemmung hemmt das Endprodukt eines Reaktionswegs ein früher wirkendes Enzym. So kann eine unnötige Überproduktion begrenzt werden.

Beispiel

Bindet ein Hemmstoff am aktiven Zentrum, konkurrieren Hemmstoff und Substrat direkt um denselben Platz. Bindet der Hemmstoff dagegen an einer anderen Stelle und verändert dadurch das aktive Zentrum, hilft zusätzliches Substrat nicht auf dieselbe direkte Weise.

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Frage 1 von 2MittelEin Hemmstoff besetzt vorübergehend das aktive Zentrum. Welche Hemmung liegt vor?
Lösung: Eine kompetitive Hemmung — Bei der kompetitiven Hemmung konkurrieren Substrat und Hemmstoff um das aktive Zentrum.
Frage 2 von 2SchwerEin Hemmstoff bindet außerhalb des aktiven Zentrums und verändert dessen Form. Warum sinkt die Produktbildung?
Lösung: Das Substrat kann nicht mehr passend binden oder umgesetzt werden. — Die Bindung an einer anderen Stelle kann die Struktur des aktiven Zentrums verändern und damit die Katalyse beeinträchtigen.
Wie untersuchst du eine Enzymwirkung?

Ein Versuch muss zeigen, dass eine beobachtete Stoffumsetzung tatsächlich mit dem Enzym zusammenhängt. Dafür brauchst du einen Kontrollansatz.

Bei der Spaltung von Harnstoff durch Urease entstehen Kohlenstoffdioxid und Ammoniak. Feuchtes Universalindikatorpapier kann das entstehende Ammoniak durch eine Blaufärbung anzeigen.

Ein sinnvoller Vergleich besteht aus:

  • Versuchsansatz: Harnstofflösung mit Urease;
  • Kontrollansatz: dieselbe Harnstofflösung ohne Urease.

Alle anderen Bedingungen sollten gleich sein, etwa Harnstoffmenge, Wassermenge, Temperatur, Beobachtungszeit und Art des Indikatorpapiers. Nur dann lässt sich der Unterschied sinnvoll dem Enzym zuordnen.

Beispiel

Färbt sich das Indikatorpapier nur beim Ansatz mit Urease blau, spricht der Vergleich dafür, dass die Urease die messbare Ammoniakbildung ermöglicht oder deutlich beschleunigt hat. Ein einzelner Ansatz ohne Kontrolle würde dagegen nicht ausschließen, dass eine andere Bedingung die Beobachtung verursacht hat.

Wenn du den Temperatureinfluss untersuchen willst, darf sich zwischen den Ansätzen nur die Temperatur gezielt unterscheiden. Die Enzym- und Substratmengen sowie die Messzeit müssen vergleichbar bleiben. Eine Temperaturreihe kann zunächst eine Beschleunigung und oberhalb des geeigneten Bereichs einen Aktivitätsverlust zeigen.

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Frage 1 von 2LeichtWozu dient ein Kontrollansatz ohne Enzym?
Lösung: Er zeigt, ob die beobachtete Umsetzung auch ohne das Enzym auftritt. — Erst der Vergleich mit sonst gleichen Bedingungen erlaubt es, einen Unterschied begründet dem Enzym zuzuordnen.
Frage 2 von 2SchwerIn einer Temperaturreihe wurden gleichzeitig unterschiedliche Enzymmengen verwendet. Warum ist die Auswertung unsicher?
Lösung: Temperatur und Enzymmenge können beide die Reaktionsgeschwindigkeit beeinflussen. — Eine Störvariable ist eine weitere veränderte Größe, die das Ergebnis ebenfalls erklären könnte. Hier müsste die Enzymmenge in allen Ansätzen gleich sein.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Enzyme
    • Funktion
      • senken die Aktivierungsenergie
      • werden nicht verbraucht
    • Bindung und Umsetzung
      • aktives Zentrum
      • Enzym-Substrat-Komplex
      • Produktfreisetzung
    • Spezifität
      • passendes Substrat
      • bestimmte Wirkung
    • Einflussfaktoren
      • Temperatur
      • pH-Wert
      • Substratkonzentration
    • Regulation
      • kompetitive Hemmung
      • Bindung außerhalb des aktiven Zentrums
      • Endprodukthemmung
    • Untersuchung
      • nur eine Größe gezielt verändern
      • Kontrollansatz vergleichen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWas geschieht unmittelbar nach der Bindung eines passenden Substrats?
Lösung: Es entsteht vorübergehend ein Enzym-Substrat-Komplex. — Der kurzzeitige Enzym-Substrat-Komplex ermöglicht die katalysierte Umsetzung.
Frage 2 von 3MittelEine Reaktion wird bei steigender Substratkonzentration zunächst schneller und erreicht dann ein Plateau. Welche Deutung passt?
Lösung: Zunächst entstehen häufiger Komplexe; später sind fast alle aktiven Zentren ausgelastet. — Der typische Sättigungsverlauf entsteht, weil die vorhandenen Enzyme nur eine begrenzte Zahl von Substraten gleichzeitig binden können.
Frage 3 von 3SchwerBei hoher Temperatur sinkt die Enzymaktivität stark. Welche zusätzliche Beobachtung würde die Erklärung durch Denaturierung stützen?
Lösung: Auch nach dem Abkühlen bleibt die Aktivität deutlich vermindert. — Bleibt die Aktivität nach dem Abkühlen gering, passt das zu einer anhaltenden Veränderung der Proteinstruktur. Temperatur und übrige Bedingungen müssen dafür kontrolliert verglichen werden.

Du kannst Enzymreaktionen nun als Zusammenspiel von Struktur, Substratbindung und Reaktionsbedingungen erklären. Bei Messdaten prüfst du zuerst, welche Größe verändert wurde, ob ein Sättigungsplateau oder ein Strukturverlust vorliegt und ob ein geeigneter Kontrollansatz vorhanden ist.

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