Kennzeichen des Lebendigen: Lebewesen erkennen und einordnen
Woran erkennst du ein Lebewesen? Nicht an einem einzigen auffälligen Merkmal. Du prüfst ein Bündel von Lebensmerkmalen: besonders Stoffwechsel, Wachstum und Entwicklung, Fortpflanzung, Reizbarkeit und Eigenbewegung. Häufig werden außerdem der Aufbau aus Zellen und die Evolution berücksichtigt.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Warum ein Merkmal nicht genügt
Ein Auto bewegt sich, eine Wolke wird größer und ein Feuer breitet sich aus. Trotzdem sind sie keine Lebewesen. Die einzelnen Vorgänge entstehen nicht durch das vollständige Zusammenspiel biologischer Lebensprozesse.
Lebensmerkmale können unterschiedlich zusammengefasst werden. Wichtige Prozesse sind:
- Stoff- und Energiewechsel
- Wachstum und Entwicklung
- Fortpflanzung
Hier betrachten wir außerdem Reizbarkeit und Eigenbewegung. Hinzu kommen der Aufbau aus Zellen und die Evolution.
Beurteile einen Grenzfall immer anhand mehrerer zusammenwirkender Merkmale. Beachte dabei den Lebenslauf: Nicht jedes Merkmal ist jederzeit sichtbar.
Ist eine Wolke lebendig?
Eine Wolke kann größer werden und sich über den Himmel bewegen. Ihre Bewegung ist jedoch keine Eigenleistung: Luftströmungen transportieren sie. Sie besteht aus Wassertröpfchen oder Eiskristallen, nicht aus einem Zellverband. Sie besitzt keinen eigenen Stoffwechsel und pflanzt sich nicht biologisch fort.
Ergebnis: Eine Wolke ist kein Lebewesen. Die oberflächliche Ähnlichkeit bei Bewegung und Größenänderung reicht nicht aus.
Fünf häufig genannte Lebensmerkmale
Stoff- und Energiewechsel
Lebewesen nehmen Stoffe aus ihrer Umwelt auf, verarbeiten sie und geben Stoffe wieder ab. Dabei gewinnen oder nutzen sie Energie. Menschen nehmen zum Beispiel Nahrung, Wasser und Sauerstoff auf. Grüne Pflanzen nehmen Wasser und Mineralstoffe über die Wurzeln auf. Mithilfe von Licht stellen sie aus Wasser und Kohlenstoffdioxid Zucker her. Diesen Vorgang nennt man Fotosynthese.
Stoff- und Energiewechsel
Der Stoff- und Energiewechsel umfasst die Aufnahme, Umwandlung und Abgabe von Stoffen sowie die Nutzung von Energie.
Wachstum und Entwicklung
Lebewesen verändern im Laufe ihres Lebens Größe, Masse, Gestalt oder Fähigkeiten. Aus einem Keimling kann eine ausgewachsene Pflanze werden. Beim Wachstum werden Zellen größer oder ihre Anzahl nimmt durch Zellteilung zu. Entwicklung umfasst auch Veränderungen von Gestalt und Fähigkeiten.
Reizbarkeit
Ein Reiz ist eine Veränderung in der Umwelt oder im Körper. Lebewesen können Reize aufnehmen und darauf reagieren. Eine Katze reagiert etwa auf ein Rascheln. Eine Pflanze kann ihr Wachstum oder ihre Blätter zum Licht ausrichten.
Eigenbewegung
Eigenbewegung bedeutet nicht immer schnelles Laufen oder Schwimmen. Auch langsame Pflanzenbewegungen gehören dazu. Bewegung kann den ganzen Körper oder nur Teile betreffen; nicht jedes Lebewesen kann seinen Standort wechseln. Eine Bewegung, die ausschließlich durch Wind oder eine andere äußere Kraft entsteht, ist dagegen keine Eigenbewegung.
Fortpflanzung
Durch Fortpflanzung entstehen Nachkommen, sodass eine Art über Generationen fortbestehen kann. Tiere, Pflanzen und Bakterien besitzen dafür unterschiedliche Möglichkeiten. Bakterien können sich beispielsweise durch Zellteilung vermehren; Viele Pflanzen bilden Samen; andere Möglichkeiten sind Ableger, aus denen neue Pflanzen wachsen.
Auch ein Lebewesen, das keine Nachkommen bekommt oder bekommen kann, lebt. Fortpflanzung ist für den Fortbestand über Generationen wichtig, aber keine Pflicht für jedes einzelne Lebewesen.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Ein Lebewesen wird anhand von beurteilt. Die Aufnahme und Verarbeitung von Stoffen gehört zum . Eine Antwort auf Licht, Geräusche oder Berührung zeigt die . Eine vom Wind getragene Wolke besitzt keine .
Welche Rolle Zellen und Evolution spielen
Zelle
Die Zelle ist der grundlegende Baustein der Lebewesen. Einzeller bestehen aus einer einzigen Zelle; vielzellige Lebewesen aus vielen zusammenwirkenden Zellen.
Alle Lebewesen bestehen aus Zellen. Ein Zellbestandteil oder ein Organ ist dadurch aber nicht automatisch ein selbstständig lebensfähiger Organismus. Ein Herz wird im Körper zum Beispiel mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und gibt Abfallstoffe ab.
Evolution bedeutet, dass sich die vererbbaren Eigenschaften von Populationen über Generationen verändern. Eine Population umfasst Lebewesen derselben Art, die zur gleichen Zeit in einem Gebiet leben. Vererbbar heißt: Eigenschaften können über die Erbinformation an Nachkommen weitergegeben werden. Das Wachstum eines einzelnen Tieres ist deshalb keine Evolution.
Zellaufbau betrifft den Aufbau eines Lebewesens; Evolution betrifft Generationenfolgen. Beide ergänzen die Lebensprozesse, die du an einem einzelnen Lebewesen untersuchen kannst.
Pflanzen und Bakterien richtig einordnen
Pflanzen werden leicht übersehen, weil sie nicht herumlaufen. Trotzdem zeigen sie mehrere Lebensmerkmale.
Prüfung einer Bohnenpflanze
- Stoffwechsel: Sie nimmt Wasser und Mineralstoffe über die Wurzeln auf und betreibt Fotosynthese.
- Wachstum und Entwicklung: Aus dem Keimling wächst eine größere Pflanze mit neuen Blättern.
- Reizbarkeit: Spross und Blätter reagieren auf Licht und können sich danach ausrichten.
- Eigenbewegung: Die Ausrichtung entsteht durch Vorgänge der Pflanze und nicht dadurch, dass Wind sie an einen anderen Ort trägt.
- Fortpflanzung: Eine ausgewachsene Bohnenpflanze kann Blüten und später Samen bilden.
- Zellen: Die Pflanze ist aus Zellen aufgebaut.
Ergebnis: Die Bohnenpflanze ist ein Lebewesen. Die Begründung verbindet mehrere Lebensmerkmale; nicht alle sind gleichzeitig zu beobachten.
Bakterien sind ebenfalls Lebewesen, obwohl du sie ohne Hilfsmittel meist nicht siehst. Ein Bakterium besteht aus einer Zelle, besitzt einen eigenen Stoffwechsel und vermehrt sich meist durch Zweiteilung. Manche Bakterien können sich mithilfe von Flagellen bewegen. Flagellen sind dünne, fadenförmige Strukturen, die der Fortbewegung dienen können.
Grenzfälle und Systemebenen beurteilen
Viren besitzen Erbsubstanz, aber keinen eigenen Stoffwechsel und keine zelluläre Organisation wie Lebewesen. Sie können sich nur mithilfe einer Wirtszelle vermehren. Nach den hier verwendeten schulischen Kriterien gelten sie deshalb nicht als Lebewesen.
Wirtszelle
Eine Wirtszelle ist eine lebende Zelle, deren Strukturen ein Virus für seine Vermehrung nutzt.
Erbsubstanz enthält die Bauanleitungen für biologische Strukturen. Ihr Besitz allein reicht als Lebensnachweis nicht aus. Bei Viren fehlen zusätzlich zum eigenen Stoffwechsel die Zellen; deshalb ist die Einordnung durch mehrere Kriterien begründet.
Bei einem Menschen kannst du folgende Systemebenen unterscheiden:
- Eine Zelle ist die grundlegende Einheit, zum Beispiel eine Herzmuskelzelle.
- Ein Gewebe besteht aus zusammenwirkenden Zellen mit ähnlichen Aufgaben, zum Beispiel Herzmuskelgewebe.
- Ein Organ besteht aus verschiedenen Geweben und erfüllt bestimmte Aufgaben, zum Beispiel das Herz.
- Ein Organsystem umfasst zusammenarbeitende Organe, zum Beispiel das Kreislaufsystem mit Herz und Blutgefäßen.
- Ein Organismus ist das gesamte Lebewesen, zum Beispiel ein Mensch. Ein Einzeller ist bereits als einzelne Zelle ein Organismus und hat keine Organe.
Ist ein herausgelöstes Herz ein selbstständiges Lebewesen?
Solange die Zellen des herausgelösten Herzens noch leben, läuft in ihnen Stoffwechsel ab. Ohne Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen bleiben sie jedoch nicht dauerhaft funktionsfähig. Das Herz erfüllt Teilaufgaben des Körpers und wird durch die Entnahme nicht zu einem vollständigen Organismus.
Ergebnis: Das Herz ist ein Teil eines Lebewesens, aber kein selbstständig lebensfähiger Organismus.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Kennzeichen des Lebendigen
- Häufige Prozesse
- Stoff- und Energiewechsel
- Wachstum und Entwicklung
- Reizbarkeit und Eigenbewegung
- Fortpflanzung
- Ergänzende Gesichtspunkte
- Aufbau aus Zellen
- Evolution von Populationen
- Prüfmethode
- mehrere Merkmale untersuchen
- Eigenleistung von äußerer Wirkung trennen
- verwendete Definition nennen
- Einordnungen
- Pflanzen und Bakterien sind Lebewesen
- Wolken sind keine Lebewesen
- Viren gelten nach diesen Kriterien nicht als Lebewesen
- Systemebenen beim Menschen
- Zelle und Gewebe
- Organ und Organsystem
- Organismus
- Häufige Prozesse
Abschluss-Check
Prüfe mehrere Lebensmerkmale, beachte den Lebenslauf und begründe deine Einordnung mit konkreten Beobachtungen.
Mit Google fortfahren