Kennzeichen des Lebendigen einfach erklärt
Ob etwas lebt, entscheidest du nicht nach einem einzigen auffälligen Merkmal. Du prüfst ein Bündel von Lebensmerkmalen: besonders Stoffwechsel, Wachstum und Entwicklung, Fortpflanzung, Reizbarkeit und Eigenbewegung. Häufig werden außerdem der Aufbau aus Zellen und die Evolution berücksichtigt.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Warum ein Merkmal nicht genügt
Ein Auto bewegt sich, eine Wolke wächst scheinbar und ein Feuer breitet sich aus. Trotzdem sind sie keine Lebewesen. Die einzelnen Vorgänge entstehen nicht durch das vollständige Zusammenspiel biologischer Lebensprozesse.
Biologiebücher verwenden teilweise unterschiedliche Listen mit fünf bis sieben Kennzeichen. Übereinstimmend nennen sie vor allem:
- Stoff- und Energiewechsel
- Wachstum und Entwicklung
- Fortpflanzung
Regelmäßig kommen Reizbarkeit und Eigenbewegung hinzu. Der Aufbau aus Zellen und die Evolution werden je nach Darstellung ebenfalls einbezogen.
Beurteile einen Grenzfall immer anhand mehrerer zusammenwirkender Merkmale. Schreibe außerdem dazu, welche Merkmalsliste du verwendest.
Ist eine Wolke lebendig?
Eine Wolke kann größer werden und sich über den Himmel bewegen. Ihre Bewegung ist jedoch keine Eigenleistung: Luftströmungen transportieren sie. Sie besitzt auch keinen eigenen Stoffwechsel, besteht nicht aus Zellen und pflanzt sich nicht biologisch fort.
Ergebnis: Eine Wolke ist kein Lebewesen. Die oberflächliche Ähnlichkeit bei Bewegung und Größenänderung reicht nicht aus.
Fünf häufig genannte Lebensmerkmale
Stoff- und Energiewechsel
Lebewesen nehmen Stoffe aus ihrer Umwelt auf, verarbeiten sie und geben Stoffe wieder ab. Dabei gewinnen oder nutzen sie Energie. Menschen nehmen zum Beispiel Nahrung, Wasser und Sauerstoff auf. Pflanzen nehmen unter anderem Wasser und Mineralstoffe auf und stellen mithilfe von Licht energiereiche Stoffe wie Zucker her.
Stoff- und Energiewechsel
Der Stoff- und Energiewechsel umfasst die Aufnahme, Umwandlung und Abgabe von Stoffen sowie die Nutzung von Energie.
Wachstum und Entwicklung
Lebewesen verändern im Laufe ihres Lebens Größe, Masse, Gestalt oder Fähigkeiten. Aus einem Keimling kann eine ausgewachsene Pflanze werden. Wachstum bedeutet also mehr als eine bloße Ansammlung von Material.
Reizbarkeit
Ein Reiz ist eine Veränderung in der Umwelt oder im Körper. Lebewesen können Reize aufnehmen und darauf reagieren. Eine Katze reagiert etwa auf ein Rascheln. Eine Pflanze kann ihr Wachstum oder ihre Blätter zum Licht ausrichten.
Eigenbewegung
Eigenbewegung bedeutet nicht immer schnelles Laufen oder Schwimmen. Auch langsame Pflanzenbewegungen gehören dazu. Eine Bewegung, die ausschließlich durch Wind oder eine andere äußere Kraft entsteht, ist dagegen keine Eigenbewegung.
Fortpflanzung
Durch Fortpflanzung entstehen Nachkommen, sodass eine Art über Generationen fortbestehen kann. Tiere, Pflanzen und Bakterien besitzen dafür unterschiedliche Möglichkeiten. Bakterien können sich beispielsweise durch Zellteilung vermehren; Pflanzen können unter anderem Samen oder Ableger bilden.
Nicht jedes einzelne Lebewesen muss sich zu jedem Zeitpunkt fortpflanzen. Das Merkmal beschreibt eine grundlegende Fähigkeit des Lebens und den Fortbestand über Generationen.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Ein Lebewesen wird anhand von Lebensmerkmal beurteilt. Die Aufnahme und Verarbeitung von Stoffen gehört zum . Eine Antwort auf Licht, Geräusche oder Berührung zeigt die . Eine vom Wind getragene Wolke besitzt keine .
Welche Rolle Zellen und Evolution spielen
Zelle
Die Zelle ist der grundlegende Baustein der Lebewesen. Einzeller bestehen aus einer einzigen Zelle; vielzellige Lebewesen aus vielen zusammenwirkenden Zellen.
Alle Lebewesen bestehen aus Zellen. Ein Zellbestandteil oder ein Organ ist dadurch aber nicht automatisch ein selbstständig lebensfähiger Organismus. Ein Herz ist zum Beispiel für Versorgung, Stoffwechsel und Wachstum auf den gesamten Körper angewiesen.
Evolution bezeichnet Veränderungen von Populationen über viele Generationen. Eine Population ist eine Gruppe von Lebewesen derselben Art. Evolution ist daher keine unmittelbar sichtbare Tätigkeit eines einzelnen Tieres oder einer einzelnen Pflanze. Manche Merkmalslisten behandeln sie als Kennzeichen, andere eher als Erklärung dafür, wie gemeinsame Eigenschaften und Anpassungen entstanden sind.
Die Zahl der Kennzeichen ist nicht überall gleich. Eine fachlich saubere Begründung nennt deshalb die verwendeten Kriterien und prüft sie nachvollziehbar, statt nur eine Zahl auswendig zu lernen.
Pflanzen und Bakterien richtig einordnen
Pflanzen werden leicht übersehen, weil sie nicht herumlaufen. Trotzdem zeigen sie mehrere Lebensmerkmale.
Prüfung einer Bohnenpflanze
- Stoffwechsel: Sie nimmt Wasser und Mineralstoffe über die Wurzeln auf und nutzt Licht zur Herstellung energiereicher Stoffe.
- Wachstum und Entwicklung: Aus dem Keimling wächst eine größere Pflanze mit neuen Blättern.
- Reizbarkeit: Spross und Blätter reagieren auf Licht und können sich danach ausrichten.
- Eigenbewegung: Die Ausrichtung entsteht durch Vorgänge der Pflanze und nicht dadurch, dass Wind sie an einen anderen Ort trägt.
- Fortpflanzung: Eine ausgewachsene Bohnenpflanze kann Blüten und später Samen bilden.
- Zellen: Die Pflanze ist aus Zellen aufgebaut.
Ergebnis: Die Bohnenpflanze ist ein Lebewesen. Die Begründung stützt sich auf mehrere konkrete Beobachtungen.
Bakterien sind ebenfalls Lebewesen, obwohl du sie ohne Hilfsmittel meist nicht siehst. Sie bestehen aus Zellen, besitzen einen eigenen Stoffwechsel und vermehren sich durch Zellteilung. Manche Bakterien können sich mithilfe von Flagellen bewegen. Flagellen sind dünne, fadenförmige Strukturen, die der Fortbewegung dienen können.
Grenzfälle und Systemebenen beurteilen
Viren besitzen Erbsubstanz, aber keinen eigenen Stoffwechsel und keine zelluläre Organisation wie Lebewesen. Sie können sich nur mithilfe einer Wirtszelle vermehren. Nach den hier verwendeten schulischen Kriterien gelten sie deshalb nicht als Lebewesen.
Wirtszelle
Eine Wirtszelle ist eine lebende Zelle, deren Strukturen ein Virus für seine Vermehrung nutzt.
Viren zeigen, warum eine begründete Prüfung wichtiger ist als ein einzelnes Merkmal. Ihre Einordnung hängt davon ab, welche Definition von Leben verwendet wird. In den hier zugrunde gelegten Merkmalslisten fehlen ihnen mehrere entscheidende Eigenleistungen.
Auch biologische Systemebenen musst du unterscheiden:
- Eine Zelle ist die grundlegende Einheit, zum Beispiel eine Herzmuskelzelle.
- Ein Organ besteht aus verschiedenen Geweben und erfüllt eine Aufgabe, zum Beispiel das Herz.
- Ein Organsystem verbindet mehrere Organe, zum Beispiel das Kreislaufsystem.
- Ein Organismus ist das gesamte Lebewesen, zum Beispiel ein Mensch.
Ist ein herausgelöstes Herz ein selbstständiges Lebewesen?
Das Herz besteht aus lebenden Zellen und zeigt bestimmte Stoffwechselvorgänge. Als Organ ist es jedoch auf die Versorgung und das Zusammenwirken mit dem Gesamtorganismus angewiesen.
Ergebnis: Das Herz ist ein Teil eines Lebewesens, aber kein selbstständig lebensfähiger Organismus.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Kennzeichen des Lebendigen
- Häufige Prozesse
- Stoff- und Energiewechsel
- Wachstum und Entwicklung
- Reizbarkeit und Eigenbewegung
- Fortpflanzung
- Ergänzende Gesichtspunkte
- Aufbau aus Zellen
- Evolution von Populationen
- Prüfmethode
- mehrere Merkmale untersuchen
- Eigenleistung von äußerer Wirkung trennen
- verwendete Definition nennen
- Einordnungen
- Pflanzen und Bakterien sind Lebewesen
- Wolken sind keine Lebewesen
- Viren gelten nach diesen Kriterien nicht als Lebewesen
- Systemebenen
- Zelle
- Organ und Organsystem
- Organismus
- Häufige Prozesse
Abschluss-Check
Du kannst einen Gegenstand nun systematisch prüfen: Lege die Merkmalsliste offen, suche zu jedem Merkmal eine konkrete Beobachtung und unterscheide Eigenleistungen von äußerlich verursachten Vorgängen. Formuliere dein Ergebnis anschließend als begründete Einordnung statt als bloßes Ja oder Nein.
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