Chemie

Atomkern: Aufbau, Kernzahlen und Isotope

Atomkern: Aufbau, Kernzahlen und Isotope
Atomkern: Aufbau, Kernzahlen und Isotope
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Der Atomkern ist das winzige, positiv geladene Zentrum eines Atoms. Er enthält Protonen und – außer beim häufigsten Wasserstoffkern – Neutronen. Obwohl er viel kleiner als die Atomhülle ist, steckt in ihm fast die gesamte Masse des Atoms.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was steckt im Atomkern?

Ein Atom besteht vereinfacht aus Kern und Hülle. Im Kern sitzen die Protonen und Neutronen. Gemeinsam heißen sie Nukleonen, also Kernteilchen. Die Elektronen gehören zur Hülle.

TeilchenOrtelektrische LadungMasse ungefähr
ProtonKernpositiv$1\,\mathrm u$
NeutronKernneutral$1\,\mathrm u$
ElektronHüllenegativ$0{,}0005\,\mathrm u$

Die Einheit $\mathrm u$ heißt atomare Masseneinheit. Proton und Neutron sind ungefähr gleich schwer und jeweils etwa 1.800-mal schwerer als ein Elektron. Deshalb enthält der Kern trotz seiner geringen Größe ungefähr 99,9 % der Atommasse.

Merke

Die Protonen machen den Kern positiv. Bei einem neutralen Atom ist die Zahl der Elektronen genauso groß wie die Zahl der Protonen.

Gewöhnlicher Wasserstoff zeigt eine wichtige Ausnahme: Sein Kern besteht aus genau einem Proton und enthält kein Neutron. Ein Atomkern muss also nicht immer beide Nukleonenarten enthalten.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelches Teilchen befindet sich in der Atomhülle?
Lösung: Elektron — Elektronen bilden die Hülle; Protonen und Neutronen gehören zum Kern.
Frage 2 von 2MittelWarum liegt fast die gesamte Atommasse im Kern?
Lösung: Protonen und Neutronen sind viel schwerer als Elektronen. — Elektronen haben eine kleine, aber nicht null betragende Masse. Für die grobe Massenbetrachtung bestimmen vor allem Protonen und Neutronen die Atommasse.
Drei Zahlen beschreiben einen Kern

Für Aufgaben zum Atomkern brauchst du drei Größen:

Definition

Kernladungszahl Z

$Z$ ist die Zahl der Protonen im Kern. Sie heißt auch Protonenzahl oder Ordnungszahl und bestimmt das chemische Element.

Definition

Neutronenzahl N

$N$ gibt an, wie viele Neutronen der Kern enthält.

Definition

Massenzahl A

$A$ ist die Gesamtzahl der Nukleonen, also die Summe aus Protonen und Neutronen. Sie ist bei einem einzelnen Kern immer ganzzahlig.

Damit gilt:

$$A=Z+N$$

Suchst du die Neutronenzahl, stellst du um:

$$N=A-Z$$

Beispiel

Ein Natriumkern hat $Z=11$ und $A=23$.

  1. $Z=11$ bedeutet: Der Kern enthält 11 Protonen.
  2. $A=23$ bedeutet: Insgesamt befinden sich 23 Nukleonen im Kern.
  3. Die übrigen Nukleonen sind Neutronen:

$$N=A-Z=23-11=12$$

Der Natriumkern enthält also 11 Protonen und 12 Neutronen. Die Probe passt: $11+12=23$.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Die Kernladungszahl $Z$ zählt die . Die Massenzahl $A$ zählt alle . Deshalb berechnest du die Neutronenzahl mit .

Lösungen: Lücke 1: Protonen; Lücke 2: Nukleonen; Lücke 3: $N=A-Z$. Ordne zuerst jeder Zahl ihre Bedeutung zu: $Z$ zählt Protonen, $N$ zählt Neutronen und $A$ zählt beide zusammen.
Wie liest du ein Nuklidsymbol?

Ein Nuklid ist eine Atomsorte mit einer genau festgelegten Protonen- und Neutronenzahl. Seine vollständige Schreibweise lautet:

$${}^{A}_{Z}X$$

Dabei ist $X$ das Elementsymbol, $A$ die Massenzahl und $Z$ die Kernladungszahl. Die Massenzahl steht links oben, die Kernladungszahl links unten.

Beispiel

Für Kohlenstoff-14 steht:

$${}^{14}_{6}\mathrm C$$

  • Das Symbol $\mathrm C$ bezeichnet Kohlenstoff.
  • Links unten steht $Z=6$: Der Kern hat 6 Protonen.
  • Links oben steht $A=14$: Der Kern hat 14 Nukleonen.
  • Daher gilt $N=14-6=8$.

Kohlenstoff-14 besitzt also 6 Protonen und 8 Neutronen.

Oft wird kürzer ${}^{14}\mathrm C$ oder C-14 geschrieben. Das Elementsymbol legt $Z$ bereits fest. Für eine Rechenaufgabe muss dir die Ordnungszahl dann aber bekannt oder angegeben sein.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWas folgt aus dem Symbol ${}^{35}_{17}\mathrm{Cl}$?
Lösung: Der Kern enthält 17 Protonen und 18 Neutronen. — Es gilt $Z=17$, $A=35$ und damit $N=35-17=18$.
Frage 2 von 2SchwerZwei Kerne haben beide $A=14$, aber unterschiedliche Werte für $Z$. Sind sie dasselbe Nuklid?
Lösung: Nein, denn ein Nuklid ist durch die Kombination aus $Z$ und $N$ festgelegt. — Die Massenzahl allein reicht nicht. Ändert sich $Z$, ändert sich sogar das Element.
Isotope: gleiches Element, andere Neutronenzahl
Definition

Isotope

Isotope sind Atome desselben Elements mit gleicher Protonenzahl $Z$, aber unterschiedlicher Neutronenzahl $N$. Deshalb unterscheiden sich auch ihre Massenzahlen $A$.

Wasserstoff liefert ein gut sichtbares Beispiel:

IsotopProtonenNeutronenMassenzahl
gewöhnlicher Wasserstoff101
Deuterium112
Tritium123

Alle drei sind Wasserstoff, weil alle $Z=1$ besitzen. Die wechselnde Neutronenzahl macht sie zu verschiedenen Isotopen.

Merke

Die Protonenzahl beantwortet: Welches Element? Die Neutronenzahl beantwortet zusammen mit $Z$: Welches Isotop dieses Elements?

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage beschreibt zwei Isotope desselben Elements richtig?
Lösung: Sie haben gleich viele Protonen, aber unterschiedlich viele Neutronen. — Isotope bleiben demselben Element zugeordnet, weil ihre Protonenzahl gleich ist. Ihre Neutronenzahl unterscheidet sich.
Frage 2 von 2SchwerEin Kern hat 8 Protonen und 8 Neutronen, ein anderer 8 Protonen und 10 Neutronen. Was kannst du folgern?
Lösung: Es sind Isotope desselben Elements mit den Massenzahlen 16 und 18. — Gleiches $Z$ bedeutet gleiches Element. Die verschiedenen Werte für $N$ führen zu $A=16$ und $A=18$ und damit zu zwei Isotopen.
Massenzahl oder mittlere Atommasse?

Hier passiert besonders häufig eine Verwechslung: Die Massenzahl eines einzelnen Kerns zählt Nukleonen und ist eine ganze Zahl. Ein Dezimalwert im Periodensystem ist dagegen meist ein gewichteter Mittelwert der Massen natürlich vorkommender Isotope.

Beispiel

Ein vereinfachtes Chlor-Gemisch bestehe zu 75 % aus Chlor-35 und zu 25 % aus Chlor-37. Der mittlere Massenwert ergibt sich aus:

$$0{,}75\cdot35\,\mathrm u+0{,}25\cdot37\,\mathrm u=35{,}5\,\mathrm u$$

$35{,}5\,\mathrm u$ ist ein Mittelwert über viele Atome. Es gibt keinen einzelnen Kern mit 35,5 Nukleonen.

Darum darfst du einen Dezimalwert aus dem Periodensystem nicht ungeprüft als $A$ in $N=A-Z$ einsetzen. Für die genaue Neutronenzahl brauchst du die ganzzahlige Massenzahl eines bestimmten Isotops.

Gut zu wissen

Für eine grobe Massenabschätzung gilt $m\approx A\cdot1\,\mathrm u$. Das ist keine exakte Gleichheit: Bindungsenergie, Elektronenmasse und Bindungsenergien der Elektronen verursachen Abweichungen.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelIm Periodensystem steht bei einem Element der Wert $35{,}5\,\mathrm u$. Was bedeutet er in diesem vereinfachten Beispiel?
Lösung: Er ist ein gewichteter Mittelwert verschiedener Isotope. — Ein Dezimalwert kann durch die Häufigkeiten verschiedener Isotope entstehen. Er ist nicht die Massenzahl eines einzelnen Kerns.
Warum hält der Kern zusammen?

Protonen sind gleichnamig positiv geladen und stoßen sich elektrisch ab. Trotzdem bleiben viele Kerne gebunden. Zwischen nahe beieinanderliegenden Nukleonen wirkt eine starke, anziehende Kernkraft. Ihre Reichweite ist sehr kurz und liegt in der Größenordnung von $10^{-15}\,\mathrm m$.

Bei großen Kernen entsteht ein Wettbewerb:

  1. Die Kernkraft zieht vor allem nahe Nukleonen an.
  2. Die elektrische Abstoßung wirkt zwischen den Protonen.
  3. Mit wachsender Protonenzahl kann die Abstoßung stärker ins Gewicht fallen.

Deshalb sind nicht beliebig große Kerne stabil. Ob ein bestimmtes Nuklid stabil ist, hängt auch von seiner Kombination aus Protonen und Neutronen ab.

Merke

Neutronen sind nicht einfach ein elektrischer „Klebstoff“. Der Zusammenhalt entsteht durch die kurzreichweitige Kernkraft zwischen Nukleonen, während Protonen sich zugleich elektrisch abstoßen.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWelche Erklärung für den Zusammenhalt des Kerns ist fachlich passend?
Lösung: Eine kurzreichweitige Kernkraft zieht benachbarte Nukleonen an. — Der Kern bleibt durch die anziehende Kernkraft zwischen Nukleonen gebunden. Gleichzeitig wirkt zwischen Protonen elektrische Abstoßung.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Atomkern
    • Bestandteile: Protonen und Neutronen
    • Kernzahlen: $Z$, $N$ und $A=Z+N$
    • Element: durch $Z$ festgelegt
    • Nuklid: durch $Z$ und $N$ festgelegt
    • Isotope: gleiches $Z$, verschiedenes $N$
    • Masse: Massenzahl eines Kerns ist nicht der Isotopenmittelwert
    • Zusammenhalt: Kernkraft gegen elektrische Abstoßung
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Größe bestimmt eindeutig das chemische Element?
Lösung: die Kernladungszahl $Z$ — Die Protonenzahl $Z$ ist die Ordnungszahl des Elements.
Frage 2 von 3MittelEin Fluorkern hat $Z=9$ und $A=19$. Wie viele Neutronen enthält er?
Lösung: 10 — Mit $N=A-Z$ erhältst du $N=19-9=10$. Die Probe lautet $9+10=19$.
Frage 3 von 3SchwerZwei Proben desselben Elements haben unterschiedliche mittlere Massenwerte. Welche Erklärung passt zum Wiki?
Lösung: Die Proben können unterschiedliche Anteile der Isotope dieses Elements enthalten. — Isotope haben dasselbe $Z$, aber verschiedene Massenzahlen. Andere Isotopenanteile verändern daher den gewichteten Mittelwert, nicht die Elementzugehörigkeit.

Prüfe dich zum Schluss mit drei Fragen: Kannst du $Z$, $N$ und $A$ sicher zuordnen? Kannst du ein Nuklidsymbol auslesen? Kannst du erklären, warum ein Dezimalwert aus dem Periodensystem keine Neutronenzahl eines einzelnen Kerns liefert? Wenn ja, hast du den Kern des Themas verstanden.

Passend dazu