Argumenttypen erkennen und sicher beurteilen
Argumenttypen zeigen, auf welche Weise eine These begründet wird. Du kannst sie erkennen, indem du prüfst, ob ein Argument mit Fakten, Fachwissen, Werten, Vergleichen, Schlussfolgerungen oder der Widerlegung einer Gegenposition arbeitet. Entscheidend ist aber nicht nur der Typ: Auch Belege, Verlässlichkeit und logische Verbindung bestimmen die Qualität.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wie ist ein Argument aufgebaut?
Eine These ist eine Behauptung oder Position, die begründet werden soll. Das Argument liefert den Grund dafür. Ein Beispiel veranschaulicht den Grund; ein Beleg sichert ihn durch nachprüfbares Material ab.
These: Die Schule sollte einen zusätzlichen ruhigen Arbeitsraum anbieten.
Argument: Manche Aufgaben erfordern konzentriertes Arbeiten ohne Gespräche und andere Ablenkungen.
Beispiel: Wer in einer Freistunde eine Präsentation vorbereitet, könnte dort ungestört am Vortrag arbeiten.
Das Beispiel macht das Argument anschaulich. Es beweist jedoch nicht allein, dass alle Lernenden einen solchen Raum benötigen.
Die Grundstruktur lautet: These → Argument → Beispiel oder Beleg → Rückbezug auf die These. Ein Beispiel veranschaulicht; ein Beleg soll eine Aussage nachprüfbar stützen.
Welche sachlich prüfbaren Argumenttypen gibt es?
Die Einteilung kann je nach Lehrwerk etwas variieren. Besonders verbreitet sind die folgenden sechs Typen.
Faktenargument
Ein Faktenargument stützt eine These mit überprüfbaren Tatsachen, Daten oder Statistiken. Es ist nur so stark wie seine Datengrundlage: Ein Einzelfall oder eine unzuverlässige Angabe genügt nicht.
Erkennungssignal: Die Aussage lässt sich anhand von Daten oder Beobachtungen überprüfen.
Autoritätsargument
Ein Autoritätsargument beruft sich auf Fachleute oder anerkannte Institutionen. Es überzeugt vor allem dann, wenn die genannte Person wirklich für das Thema qualifiziert ist und ihre Aussage korrekt wiedergegeben wird.
Erkennungssignal: Eine fachkundige Person oder Institution wird als Stütze genannt.
Normatives Argument
Ein normatives Argument, auch Werteargument, bezieht sich auf Werte, Normen oder Regeln, etwa Gerechtigkeit, Verantwortung oder Schutz. Seine Wirkung hängt davon ab, ob die angesprochenen Werte geteilt und passend angewendet werden.
Erkennungssignal: Die Begründung sagt, was richtig, gerecht, verantwortlich oder geboten sein soll.
Analogisierendes Argument
Ein analogisierendes Argument erklärt einen Sachverhalt durch den Vergleich mit einem ähnlichen Bereich. Der Vergleich kann einen Zusammenhang anschaulich machen. Er trägt aber nur, wenn die verglichenen Situationen in den entscheidenden Punkten ähnlich sind.
Erkennungssignal: Formulierungen wie „Das ist vergleichbar mit …“ oder „So wie …, so auch …“.
Plausibilitätsargument
Ein Plausibilitätsargument stützt eine These durch eine logisch nachvollziehbare Überlegung. Es wirkt einleuchtend, enthält aber nicht automatisch einen überprüften Tatsachenbeleg.
Erkennungssignal: Die Begründung entwickelt einen verständlichen Ursache-Folge-Zusammenhang.
Indirektes Argument
Ein indirektes Argument stärkt die eigene Position, indem es eine Gegenposition aufgreift und entkräftet. Seine Einordnung ist nicht einheitlich: Es kann sachlich sein, wenn die Gegenposition fair wiedergegeben und überzeugend widerlegt wird. Die Widerlegung einer Alternative beweist die eigene These jedoch nicht automatisch.
These: Gruppenarbeit sollte nicht grundsätzlich abgeschafft werden.
Gegenposition: In Gruppen arbeitet immer nur eine Person.
Entkräftung: Durch klar verteilte Rollen und einzeln erkennbare Beiträge lässt sich verhindern, dass die gesamte Arbeit an einer Person hängen bleibt.
Das ist ein indirektes Argument. Es schwächt die pauschale Gegenposition. Ob Gruppenarbeit in jeder Situation die beste Methode ist, wurde damit noch nicht bewiesen.
Ein Erfahrungsargument beruft sich auf persönliche oder bekannte Erfahrungen. Es kann anschaulich und nachvollziehbar sein, ist aber weniger verallgemeinerbar als ein tragfähiger Faktenbeleg. Manche Einteilungen führen es als eigenen Argumenttyp, andere ordnen es dem Plausibilitätsargument zu.
Woran erkennst du ein tragfähiges Argument?
Der Name des Argumenttyps ist noch kein Qualitätssiegel. Prüfe jedes Argument mit fünf Fragen:
- Passt es zur These? Ein wahrer Satz kann trotzdem am Thema vorbeigehen.
- Ist die Grundlage verlässlich? Daten brauchen eine nachvollziehbare Datengrundlage; Autoritäten brauchen passende Fachkenntnis.
- Trägt die Schlussfolgerung? Aus dem Grund muss die These tatsächlich folgen oder wenigstens gestützt werden.
- Gelten Einschränkungen? Einzelfälle, Ausnahmen oder unpassende Vergleiche können die Aussage schwächen.
- Passt es zu den Adressaten? Besonders Werte- und Autoritätsargumente wirken nicht bei allen Menschen gleich.
Aussage: „Eine bekannte Schauspielerin empfiehlt eine Lernmethode. Deshalb ist diese Methode nachweislich wirksam.“
Die Empfehlung ähnelt einem Autoritätsargument, ist aber schwach: Bekanntheit bedeutet nicht automatisch Fachkenntnis im Bereich Lernen. Außerdem ersetzt die Empfehlung keinen Nachweis der Wirksamkeit.
Eine bessere Prüfung fragt: Besitzt die Person passende Fachkenntnisse? Auf welche nachvollziehbaren Gründe oder Untersuchungen stützt sie ihre Aussage?
Beurteile nie nur das Etikett. Ein Faktenargument kann auf ungeeigneten Daten beruhen, ein Autoritätsargument auf einer fachfremden Person und eine Analogie auf einem unpassenden Vergleich.
Wie entlarvst du Scheinargumente?
Ein Scheinargument sieht wie eine Begründung aus, ersetzt aber die sachliche Prüfung. Es lenkt etwa durch Druck, Mitleid, eine angebliche Mehrheit, einen persönlichen Angriff oder eine verzerrte Gegenposition ab.
Drohung: Argumentum ad baculum
Hier soll eine Drohung oder Angst Zustimmung erzwingen. Eine mögliche Strafe kann zwar eine reale Folge sein, beweist aber nicht automatisch, dass die vertretene Position sachlich richtig ist.
Beispiel: „Du musst meiner Lösung zustimmen, sonst nehme ich dich nicht in die Gruppe auf.“
Mitleidsappell: Argumentum ad misericordiam
Mitleid ersetzt den sachlichen Grund.
Beispiel: „Meine Präsentation muss die beste Bewertung erhalten, weil ich gestern sehr müde war.“
Mehrheitsargument: Argumentum ad populum
Die angebliche Meinung vieler Menschen wird als Beweis behandelt.
Beispiel: „Fast alle in der Klasse glauben das, also muss es stimmen.“
Persönlicher Angriff: Argumentum ad hominem
Nicht die Aussage, sondern die Person wird angegriffen.
Beispiel: „Sein Vorschlag kann nicht sinnvoll sein, weil er oft zu spät kommt.“
Strohmann-Argument
Eine Gegenposition wird vereinfacht oder verzerrt. Anschließend wird diese schwächere Ersatzposition widerlegt.
Ausgangsaussage: „Bei langen Hausaufgaben sollte geprüft werden, ob alle Aufgaben für das Lernziel nötig sind.“
Verzerrung: „Du willst also überhaupt keine Hausaufgaben mehr.“
Die verzerrte Aussage ist leichter anzugreifen, entspricht aber nicht der ursprünglichen Position.
Prüfe immer: Wird die Sache begründet – oder soll ich durch Druck, Gefühl, Mehrheit, Personenangriff oder Verzerrung zustimmen?
Wie analysierst du Argumenttypen in einem Sachtext?
Arbeite nicht nur nach einzelnen Signalwörtern. Untersuche immer den Zusammenhang zwischen These, Begründung und Wirkung.
- Lies den Abschnitt vollständig. Kläre Thema, Position und Streitfrage.
- Markiere die These. Was soll gelten oder getan werden?
- Ordne die Begründungen zu. Welcher Grund stützt welche These?
- Bestimme den Argumenttyp. Benenne das entscheidende Merkmal.
- Prüfe die Qualität. Untersuche Belegbarkeit, Verlässlichkeit, Logik, Einschränkungen und Adressatenbezug.
- Beschreibe die Wirkung. Erkläre, wie das Argument überzeugen soll und ob das gelingt.
Textausschnitt: „Unsere Schule sollte einen Tauschschrank für Bücher einrichten. Wer ein gelesenes Buch abgibt, ermöglicht anderen eine weitere Nutzung. Das unterstützt einen verantwortungsvollen Umgang mit vorhandenen Dingen.“
Analyse: Die These fordert einen Büchertauschschrank. Die Begründung beruft sich auf verantwortungsvollen Umgang und damit auf einen Wert. Es handelt sich überwiegend um ein normatives Argument. Es kann Menschen überzeugen, die Verantwortung und weitere Nutzung vorhandener Dinge wichtig finden. Ob der Schrank tatsächlich genutzt würde, müsste zusätzlich belegt oder praktisch erprobt werden.
Formulierungshilfe für deine Analyse
„Die Autorin oder der Autor verwendet ein …argument. Das erkenne ich daran, dass … . Es soll die These stützen, indem … . Das Argument wirkt tragfähig / eingeschränkt tragfähig / nicht tragfähig, weil … .“
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Ein arbeitet mit überprüfbaren Tatsachen oder Daten. Ein beruft sich auf Fachleute oder Institutionen. Ein stützt sich auf Werte oder Normen. Beim wird eine Gegenposition verzerrt.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Argumenttypen beurteilen
- Aufbau: These, Argument, Beispiel oder Beleg
- Sachlich prüfen: Fakten, Autorität, Werte, Analogie, Plausibilität, Gegenposition
- Qualität: Passung, Verlässlichkeit, Logik, Grenzen, Adressaten
- Scheinargumente: Drohung, Mitleid, Mehrheit, Personenangriff, Strohmann
- Analyse: markieren, zuordnen, benennen, prüfen, Wirkung erklären
Abschluss-Check
Du kannst Argumenttypen nun als Werkzeug verwenden: erst Aufbau und Typ erkennen, dann Belege, Logik und Grenzen prüfen. So unterscheidest du eine überzeugende Begründung von einer Aussage, die nur überzeugend klingen soll.
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