Leserbrief schreiben: Aufbau, Beispiel und Formulierungen
Ein Leserbrief ist deine schriftliche Antwort auf einen Zeitungsartikel: Du beziehst dich auf den Text, sagst klar, ob du zustimmst, widersprichst, etwas ergänzt oder richtigstellst, und begründest deine Meinung so sachlich, dass die Redaktion den Brief abdrucken möchte.
Auf dieser Seite lernst du, deine Schreibabsicht zu klären, den formalen Rahmen richtig zu setzen, den Brief aus Einleitung, Hauptteil und Schluss aufzubauen und ihn am Ende auf Ton und Formulierung zu überarbeiten.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was ein Leserbrief ist und was du damit erreichen willst
Stell dir vor, in der Schülerzeitung steht ein Artikel, der dich ärgert oder begeistert. Du möchtest darauf antworten, und zwar so, dass es alle lesen können. Genau dafür gibt es den Leserbrief.
Der Leserbrief
Ein Leserbrief ist eine schriftliche Meinungsäußerung zu einem Artikel in einer Zeitung, Zeitschrift oder Schülerzeitung. Du schreibst ihn an die Redaktion oder an die Autorin oder den Autor des Artikels, beziehst dich auf den Inhalt und nimmst begründet Stellung. Ziel ist, dass der Brief in der Leserbrief-Rubrik veröffentlicht wird.
Drei Dinge unterscheiden den Leserbrief von einem privaten Brief:
- Er hat einen Anlass: Immer geht es um einen bestimmten Artikel, den du beim Namen nennst.
- Er hat ein Publikum: Nicht nur die Redaktion liest ihn, sondern alle Leserinnen und Leser der Zeitung.
- Er will überzeugen: Deine Meinung zählt nur, wenn du sie begründest.
Redaktionen bekommen viele Zuschriften und drucken nur einen kleinen Teil davon, schon aus Platzgründen. Am ehesten erscheint ein Brief, der einen klaren Bezug zum Artikel hat, sachlich bleibt und etwas Neues beiträgt. Bei umstrittenen Themen kommen besonders viele Leserbriefe an, weil es dazu viele verschiedene Meinungen gibt.
Die Redaktion darf einen Leserbrief kürzen. Ausgelassene Stellen werden dann meist mit „[…]“ kenntlich gemacht. Außerdem will die Redaktion in der Regel wissen, wer schreibt: Name und Adresse gehören deshalb dazu, auch wenn nur der Name abgedruckt wird. Wer anonym schreibt, hat kaum eine Chance auf Veröffentlichung.
Zwei Arten von Leserbriefen
Je nachdem, was du erreichen willst, schreibst du eine der beiden Arten.
Appellativer Leserbrief und Stellungnahme
Der appellative Leserbrief prangert einen Missstand an, also den Ist-Zustand, macht Vorschläge, wie es sein sollte, also den Soll-Zustand, und fordert die Leserinnen und Leser oft zur Mithilfe auf. Die Stellungnahme greift den Artikel auf und stimmt ihm zu, ergänzt ihn oder lehnt ihn mit Gegenargumenten ab.
Beide Arten enthalten eine Meinung. Der Unterschied liegt im Ziel: Der appellative Leserbrief will, dass sich etwas ändert, und ruft dazu auf. Die Stellungnahme will vor allem den Artikel bewerten.
Deine Schreibabsicht klären
Bevor du den ersten Satz schreibst, beantworte dir eine Frage: Was will ich mit diesem Brief? Es gibt vier typische Antworten.
| Schreibabsicht | Du willst … | Beispiel für einen Kernsatz |
|---|---|---|
| Zustimmen | die Meinung des Artikels bestätigen und verstärken | „Endlich spricht jemand aus, dass …“ |
| Widersprechen | dich von der Meinung abgrenzen und Gegenargumente bringen | „Diese Sichtweise kann ich nicht teilen, denn …“ |
| Ergänzen | einen Aspekt hinzufügen, der im Artikel fehlt | „Ein wichtiger Punkt fehlt in Ihrem Beitrag: …“ |
| Richtigstellen | eine falsche oder ungenaue Angabe korrigieren | „Ihre Angabe, dass …, stimmt so nicht.“ |
Ein Brief kann zwei Absichten verbinden, etwa zustimmen und ergänzen. Eine Absicht muss aber im Vordergrund stehen, sonst wirkt der Brief unentschlossen.
Erst die Absicht, dann der Text: Wer weiß, ob er zustimmen, widersprechen, ergänzen oder richtigstellen will, findet leichter die passenden Argumente und den passenden Ton.
Der formale Rahmen: Betreff, Anrede und Gruß
Ein Leserbrief ist ein Brief. Deshalb hat er einen festen Rahmen, den die Redaktion auf einen Blick erkennt. Fehlt er, wirkt der Text wie ein Kommentar im Internet, nicht wie ein Leserbrief.
Der Rahmen besteht aus vier Teilen:
- Betreff mit Artikelbezug: Eine Zeile über dem Brief nennt Titel und Datum des Artikels, zum Beispiel: Leserbrief zu „Kürzere Pausen, früher Schluss“ vom 12. Mai. Bei einer Tageszeitung kannst du zusätzlich den Namen der Autorin oder des Autors nennen.
- Anrede: Wenn du die Autorin oder den Autor kennst, sprichst du sie oder ihn direkt an: Sehr geehrte Frau Weber,. Sonst schreibst du an die Redaktion: Sehr geehrte Damen und Herren, oder bei der Schülerzeitung Liebe Redaktion,. Nach der Anrede steht ein Komma, und der Brief beginnt klein weiter.
- Grußformel: Mit freundlichen Grüßen ist immer richtig. Bei der Schülerzeitung passt auch Viele Grüße.
- Name und Ort: Unter der Grußformel stehen dein vollständiger Name und dein Wohnort, bei der Schülerzeitung deine Klasse.
Im Leserbrief sprichst du die Redaktion oder die Autorin mit Sie an, auch wenn du sonst gern locker schreibst. Bleib im ganzen Brief bei dieser Form und wechsle nicht zwischen Sie und du.
Datum und Titel sind keine Nebensache. Die Redaktion bekommt Briefe zu vielen Artikeln, und die Leserinnen und Leser müssen wissen, worauf du reagierst. Der Betreff ist deshalb der erste Beweis, dass du dich wirklich auf den Text beziehst.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Über dem Brief steht ein , der den Titel und das des Artikels nennt. Dann folgt die , zum Beispiel „Sehr geehrte Damen und Herren,“. Im Brief sprichst du die Redaktion mit an. Am Ende stehen die und dein vollständiger .
Aufbau: Einleitung, Hauptteil und Schluss
Zwischen Anrede und Grußformel steht der eigentliche Brief. Er besteht aus drei Teilen, die jeweils eine klare Aufgabe haben.
Die Einleitung stellt den Bezug her
Die Einleitung ist kurz, meist zwei bis drei Sätze. Sie enthält drei Bausteine:
- Artikelbezug: Titel, Datum und, falls bekannt, die Autorin oder der Autor.
- Kernaussage des Artikels: In einem Satz sagst du, was der Artikel behauptet oder fordert.
- Kurze Stellungnahme: Du deutest an, wie du dazu stehst, ohne schon alle Argumente zu nennen.
Passende Formulierungen:
- „In Ihrem Artikel „…“ vom … schreiben Sie, dass …“
- „Mit Interesse habe ich Ihren Beitrag „…“ vom … gelesen und frage mich, …“
- „Sie schlagen in Ihrem Artikel „…“ vor, dass … Dazu möchte ich Folgendes mitteilen: …“
- „Endlich war in Ihrer Zeitung zu lesen, was ich mir schon lange denke: …“
Der Hauptteil begründet deine Position
Im Hauptteil nennst du zuerst deinen Standpunkt und stützt ihn dann mit Argumenten. Jedes Argument braucht drei Teile:
- eine Behauptung, die deine Position stützt,
- eine Begründung, die erklärt, warum die Behauptung gilt,
- ein Beispiel, das den Zusammenhang konkret und nachvollziehbar macht.
Zwei oder drei gut ausgeführte Argumente sind besser als sechs Behauptungen ohne Begründung. Wenn du widersprichst, greifst du am besten ein Argument des Artikels direkt auf und entkräftest es. Ein knappes, faires Gegenargument macht deinen Brief glaubwürdiger.
Passende Formulierungen:
- Widersprechen: „Diese Sichtweise kann ich nicht teilen, denn …“, „Die Darstellung möchte ich anzweifeln, da …“
- Zustimmen: „Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass …“, „Für mich ist entscheidend, dass …“
- Ergänzen: „Ich möchte darauf hinweisen, dass …“, „Die Frage ist aber auch, ob …“
- Abwägen: „Einerseits …, andererseits …“, „Ich glaube zwar, dass …, denke aber doch, dass …“
Der Schluss fasst zusammen und fordert
Der Schluss bündelt deine Meinung in ein bis zwei Sätzen. Dann nennst du, was du dir wünschst oder forderst: eine Entscheidung, eine Änderung, eine weitere Berichterstattung oder die Mithilfe der Leserinnen und Leser. Ein neues Argument gehört nicht mehr in den Schluss.
Passende Formulierungen:
- „Ich wünsche mir deshalb, dass …“
- „Lassen Sie uns nicht …, sondern …“
- „In der Hoffnung, dass es weitere Berichte zu diesem Thema geben wird, grüße ich …“
- „Herzlichen Dank dafür, dass … Bitte weiter so!“
Einleitung: Bezug und Standpunkt. Hauptteil: Argumente mit Begründung und Beispiel. Schluss: Zusammenfassung und Forderung oder Wunsch.
Ein Leserbrief Schritt für Schritt
Jetzt siehst du alle Bausteine in einem vollständigen Brief. Der Anlass ist ein erfundener Artikel aus einer Schülerzeitung: Unter dem Titel „Kürzere Pausen, früher Schluss“ schlägt die Redaktion am 12. Mai vor, die beiden großen Pausen auf je zehn Minuten zu kürzen, damit der Unterricht eine halbe Stunde früher endet. Die Schreibabsicht der Verfasserin ist widersprechen.
Leserbrief zu „Kürzere Pausen, früher Schluss“ vom 12. Mai
Liebe Redaktion,
in Ihrem Artikel „Kürzere Pausen, früher Schluss“ vom 12. Mai schlagen Sie vor, die beiden großen Pausen auf jeweils zehn Minuten zu kürzen, damit der Unterricht eine halbe Stunde früher endet. Der Vorschlag klingt verlockend, ich halte ihn aber für einen Fehler.
Zunächst brauchen wir die Pausen, um uns zu erholen. Nach einer Doppelstunde Mathematik lässt die Konzentration spürbar nach. Wer in zehn Minuten zur Toilette geht, etwas trinkt und den Raum wechselt, kommt ohne echte Erholung in die nächste Stunde. Kürzere Pausen würden also den Unterricht selbst schlechter machen.
Außerdem sind die großen Pausen für viele die einzige Zeit, in der sie Freundinnen und Freunde aus anderen Klassen treffen. In der Mensa bildet sich schon jetzt in den ersten fünf Minuten eine lange Schlange. Bei zehn Minuten Pause bliebe für ein Gespräch beim Essen keine Zeit mehr.
Richtig ist, dass ein früherer Schulschluss vor allem denen hilft, die einen langen Heimweg haben. Dieses Problem lässt sich aber besser lösen, wenn der Stundenplan Freistunden am Nachmittag vermeidet, als wenn alle auf ihre Pausen verzichten.
Ich wünsche mir deshalb, dass die Schülervertretung den Vorschlag nicht unterstützt und die Pausenzeiten bleiben. Über eine Umfrage unter allen Klassen zu diesem Thema würde ich mich freuen.
Viele Grüße Lina Berger, Klasse 8b
So ist der Brief gebaut:
- Betreff: Titel und Datum des Artikels stehen über dem Brief. Jeder erkennt sofort, worauf Lina reagiert.
- Anrede: „Liebe Redaktion,“ passt zur Schülerzeitung. Der Brief beginnt danach klein mit „in Ihrem Artikel“.
- Einleitung: Der erste Satz nennt Titel, Datum und die Kernaussage des Artikels. Der zweite Satz ist die kurze Stellungnahme: Lina hält den Vorschlag für einen Fehler. Damit ist die Schreibabsicht klar.
- Hauptteil, erstes Argument: Behauptung: Pausen dienen der Erholung. Begründung: Nach einer Doppelstunde lässt die Konzentration nach. Beispiel: Toilette, Trinken und Raumwechsel füllen zehn Minuten ohne Erholung. Rückbindung: Kürzere Pausen schaden dem Unterricht.
- Hauptteil, zweites Argument: Behauptung: Pausen sind Zeit für Freundschaften. Beispiel: die Schlange in der Mensa. Das Argument beginnt mit „Außerdem“, damit die Reihenfolge sichtbar bleibt.
- Gegenargument: Lina gibt zu, dass ein früherer Schluss manchen hilft, und zeigt eine bessere Lösung. Das macht sie glaubwürdig, ohne ihre Position zu schwächen.
- Schluss: Zusammenfassung und Forderung an die Schülervertretung, dazu ein Wunsch nach einer Umfrage. Kein neues Argument.
- Grußformel und Name: „Viele Grüße“ passt zur Schülerzeitung, darunter der vollständige Name mit Klasse.
Der Brief ist sachlich, obwohl Lina deutlich widerspricht. Sie greift niemanden an, nennt konkrete Situationen aus dem Schulalltag und bleibt durchgehend bei der Sie-Form.
Sachlich bleiben und typische Fehler vermeiden
Ein Leserbrief darf eine deutliche Meinung haben. Er überzeugt aber nur, wenn der Ton sachlich bleibt. Sachlich heißt: Du sprichst über die Sache, also den Artikel und seine Argumente, und nicht über die Person, die ihn geschrieben hat.
Vorher: Wer so einen Unsinn schreibt, hat offenbar noch nie eine Pause gebraucht. Total lächerlich!
Nachher: Diese Sichtweise kann ich nicht teilen, denn nach einer Doppelstunde lässt die Konzentration spürbar nach, und zehn Minuten reichen nicht zur Erholung.
Die überarbeitete Fassung nennt keine Beleidigung, sondern ein Argument mit Begründung. Die Meinung ist genauso deutlich, aber die Redaktion kann sie abdrucken.
Diese Fehler tauchen in Leserbriefen besonders oft auf:
| Fehler | Warum er schadet | So machst du es besser |
|---|---|---|
| Kein Artikelbezug | Niemand weiß, worauf du reagierst | Titel, Datum und Kernaussage in Betreff und Einleitung nennen |
| Meinung ohne Begründung | „Finde ich blöd“ überzeugt niemanden | Zu jeder Behauptung eine Begründung und ein Beispiel schreiben |
| Beleidigungen und Übertreibungen | Der Brief wirkt unsachlich und wird nicht gedruckt | Über die Sache sprechen, nicht über die Person |
| Zu viele Themen | Der rote Faden geht verloren | Bei einer Schreibabsicht und zwei bis drei Argumenten bleiben |
| Neues Argument im Schluss | Der Schluss fasst nicht mehr zusammen | Den Schluss auf Zusammenfassung und Forderung beschränken |
| Wechsel zwischen Sie und du | Der Brief wirkt unhöflich und unkonzentriert | Durchgehend Sie verwenden |
| Fehlende Anrede oder kein Name | Der Text ist kein Brief und kann nicht zugeordnet werden | Rahmen vollständig setzen |
Prüfe deinen fertigen Brief mit dieser Liste:
- Stehen Titel und Datum des Artikels im Betreff und in der Einleitung?
- Ist meine Schreibabsicht im ersten Absatz erkennbar?
- Hat jedes Argument eine Begründung und ein Beispiel?
- Spreche ich über die Sache und nicht über die Person?
- Enthält der Schluss eine Zusammenfassung und eine Forderung oder einen Wunsch?
- Bleibe ich im ganzen Brief bei der Sie-Form?
- Sind Anrede, Grußformel, Name und Ort vorhanden?
- Stimmen Rechtschreibung und Zeichensetzung?
Deutlich in der Meinung, sachlich im Ton: Das ist der Leserbrief, den eine Redaktion gern abdruckt.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Leserbrief schreiben
- Was er ist
- Antwort auf einen Artikel
- Ziel: Veröffentlichung
- appellativ oder Stellungnahme
- Schreibabsicht
- zustimmen
- widersprechen
- ergänzen
- richtigstellen
- Formaler Rahmen
- Betreff mit Titel und Datum
- Anrede und Sie-Form
- Grußformel, Name, Ort
- Aufbau
- Einleitung: Bezug und Standpunkt
- Hauptteil: Argumente mit Beispiel
- Schluss: Zusammenfassung und Forderung
- Überarbeiten
- sachlich statt persönlich
- ein Thema, roter Faden
- Rahmen vollständig
- Was er ist
Abschluss-Check
Wenn du diese fünf Fragen begründen kannst, beherrschst du den Kern: Absicht klären, Bezug herstellen, sachlich begründen und mit einer Forderung schließen.
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