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Leserbrief schreiben: Aufbau, Beispiel und Formulierungen

Leserbrief schreiben: Aufbau, Beispiel und Formulierungen
Leserbrief schreiben: Aufbau, Beispiel und Formulierungen
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Ein Leserbrief ist deine schriftliche Antwort auf einen Zeitungsartikel: Du beziehst dich auf den Text, sagst klar, ob du zustimmst, widersprichst, etwas ergänzt oder richtigstellst, und begründest deine Meinung so sachlich, dass die Redaktion den Brief abdrucken möchte.

Auf dieser Seite lernst du, deine Schreibabsicht zu klären, den formalen Rahmen richtig zu setzen, den Brief aus Einleitung, Hauptteil und Schluss aufzubauen und ihn am Ende auf Ton und Formulierung zu überarbeiten.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was ein Leserbrief ist und was du damit erreichen willst

Stell dir vor, in der Schülerzeitung steht ein Artikel, der dich ärgert oder begeistert. Du möchtest darauf antworten, und zwar so, dass es alle lesen können. Genau dafür gibt es den Leserbrief.

Definition

Der Leserbrief

Ein Leserbrief ist eine schriftliche Meinungsäußerung zu einem Artikel in einer Zeitung, Zeitschrift oder Schülerzeitung. Du schreibst ihn an die Redaktion oder an die Autorin oder den Autor des Artikels, beziehst dich auf den Inhalt und nimmst begründet Stellung. Ziel ist, dass der Brief in der Leserbrief-Rubrik veröffentlicht wird.

Drei Dinge unterscheiden den Leserbrief von einem privaten Brief:

  • Er hat einen Anlass: Immer geht es um einen bestimmten Artikel, den du beim Namen nennst.
  • Er hat ein Publikum: Nicht nur die Redaktion liest ihn, sondern alle Leserinnen und Leser der Zeitung.
  • Er will überzeugen: Deine Meinung zählt nur, wenn du sie begründest.

Redaktionen bekommen viele Zuschriften und drucken nur einen kleinen Teil davon, schon aus Platzgründen. Am ehesten erscheint ein Brief, der einen klaren Bezug zum Artikel hat, sachlich bleibt und etwas Neues beiträgt. Bei umstrittenen Themen kommen besonders viele Leserbriefe an, weil es dazu viele verschiedene Meinungen gibt.

Gut zu wissen

Die Redaktion darf einen Leserbrief kürzen. Ausgelassene Stellen werden dann meist mit „[…]“ kenntlich gemacht. Außerdem will die Redaktion in der Regel wissen, wer schreibt: Name und Adresse gehören deshalb dazu, auch wenn nur der Name abgedruckt wird. Wer anonym schreibt, hat kaum eine Chance auf Veröffentlichung.

Zwei Arten von Leserbriefen

Je nachdem, was du erreichen willst, schreibst du eine der beiden Arten.

Definition

Appellativer Leserbrief und Stellungnahme

Der appellative Leserbrief prangert einen Missstand an, also den Ist-Zustand, macht Vorschläge, wie es sein sollte, also den Soll-Zustand, und fordert die Leserinnen und Leser oft zur Mithilfe auf. Die Stellungnahme greift den Artikel auf und stimmt ihm zu, ergänzt ihn oder lehnt ihn mit Gegenargumenten ab.

Beide Arten enthalten eine Meinung. Der Unterschied liegt im Ziel: Der appellative Leserbrief will, dass sich etwas ändert, und ruft dazu auf. Die Stellungnahme will vor allem den Artikel bewerten.

Deine Schreibabsicht klären

Bevor du den ersten Satz schreibst, beantworte dir eine Frage: Was will ich mit diesem Brief? Es gibt vier typische Antworten.

SchreibabsichtDu willst …Beispiel für einen Kernsatz
Zustimmendie Meinung des Artikels bestätigen und verstärken„Endlich spricht jemand aus, dass …“
Widersprechendich von der Meinung abgrenzen und Gegenargumente bringen„Diese Sichtweise kann ich nicht teilen, denn …“
Ergänzeneinen Aspekt hinzufügen, der im Artikel fehlt„Ein wichtiger Punkt fehlt in Ihrem Beitrag: …“
Richtigstelleneine falsche oder ungenaue Angabe korrigieren„Ihre Angabe, dass …, stimmt so nicht.“

Ein Brief kann zwei Absichten verbinden, etwa zustimmen und ergänzen. Eine Absicht muss aber im Vordergrund stehen, sonst wirkt der Brief unentschlossen.

Merke

Erst die Absicht, dann der Text: Wer weiß, ob er zustimmen, widersprechen, ergänzen oder richtigstellen will, findet leichter die passenden Argumente und den passenden Ton.

Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWas ist ein Leserbrief?
Lösung: Eine begründete Meinungsäußerung zu einem Artikel, die an die Redaktion geschickt wird und veröffentlicht werden soll. — Ein Leserbrief bezieht sich auf einen bestimmten Artikel, nimmt Stellung und zielt auf die Veröffentlichung in der Zeitung.
Frage 2 von 3MittelEin Brief beschreibt, dass der Schulhof nach der Pause voller Müll liegt, schlägt Mülleimer an jedem Eingang vor und bittet alle Klassen, mitzuhelfen. Welche Art liegt vor?
Lösung: Ein appellativer Leserbrief, weil er einen Ist-Zustand anprangert, einen Soll-Zustand vorschlägt und zur Mithilfe aufruft. — Die Kette Missstand, Vorschlag, Aufruf ist das Kennzeichen des appellativen Leserbriefs.
Frage 3 von 3MittelEin Artikel behauptet, die Schulbibliothek werde kaum genutzt. Du weißt aus eigener Beobachtung, dass sie mittags voll ist. Welche Schreibabsicht passt?
Lösung: Richtigstellen: Du korrigierst die ungenaue Angabe mit deiner Beobachtung. — Wenn eine Angabe im Artikel nicht stimmt, ist Richtigstellen die passende Absicht. Nenne dabei genau, was falsch ist und woher du es besser weißt.
Der formale Rahmen: Betreff, Anrede und Gruß

Ein Leserbrief ist ein Brief. Deshalb hat er einen festen Rahmen, den die Redaktion auf einen Blick erkennt. Fehlt er, wirkt der Text wie ein Kommentar im Internet, nicht wie ein Leserbrief.

Der Rahmen besteht aus vier Teilen:

  1. Betreff mit Artikelbezug: Eine Zeile über dem Brief nennt Titel und Datum des Artikels, zum Beispiel: Leserbrief zu „Kürzere Pausen, früher Schluss“ vom 12. Mai. Bei einer Tageszeitung kannst du zusätzlich den Namen der Autorin oder des Autors nennen.
  2. Anrede: Wenn du die Autorin oder den Autor kennst, sprichst du sie oder ihn direkt an: Sehr geehrte Frau Weber,. Sonst schreibst du an die Redaktion: Sehr geehrte Damen und Herren, oder bei der Schülerzeitung Liebe Redaktion,. Nach der Anrede steht ein Komma, und der Brief beginnt klein weiter.
  3. Grußformel: Mit freundlichen Grüßen ist immer richtig. Bei der Schülerzeitung passt auch Viele Grüße.
  4. Name und Ort: Unter der Grußformel stehen dein vollständiger Name und dein Wohnort, bei der Schülerzeitung deine Klasse.
Merke

Im Leserbrief sprichst du die Redaktion oder die Autorin mit Sie an, auch wenn du sonst gern locker schreibst. Bleib im ganzen Brief bei dieser Form und wechsle nicht zwischen Sie und du.

Datum und Titel sind keine Nebensache. Die Redaktion bekommt Briefe zu vielen Artikeln, und die Leserinnen und Leser müssen wissen, worauf du reagierst. Der Betreff ist deshalb der erste Beweis, dass du dich wirklich auf den Text beziehst.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Über dem Brief steht ein , der den Titel und das des Artikels nennt. Dann folgt die , zum Beispiel „Sehr geehrte Damen und Herren,“. Im Brief sprichst du die Redaktion mit an. Am Ende stehen die und dein vollständiger .

Lösungen: Lücke 1: Betreff; Lücke 2: Datum; Lücke 3: Anrede; Lücke 4: Sie; Lücke 5: Grußformel; Lücke 6: Name. Der Rahmen geht von außen nach innen: Betreff mit Artikelbezug, Anrede, Brieftext in der Sie-Form, Grußformel, Name und Ort.
Teste dich
Frage 1 von 2LeichtDer Artikel „Handyverbot ab Herbst“ erschien am 3. März in der Schülerzeitung. Welcher Betreff ist vollständig?
Lösung: Leserbrief zu „Handyverbot ab Herbst“ vom 3. März — Ein Betreff nennt Titel und Datum des Artikels, damit der Bezug eindeutig ist.
Frage 2 von 2MittelDu kennst den Namen der Autorin nicht. Welche Anrede passt?
Lösung: Sehr geehrte Damen und Herren, — Wenn du die Person nicht kennst, schreibst du an die Redaktion. Eine erfundene oder unpassende Anrede wirkt unhöflich.
Aufbau: Einleitung, Hauptteil und Schluss

Zwischen Anrede und Grußformel steht der eigentliche Brief. Er besteht aus drei Teilen, die jeweils eine klare Aufgabe haben.

Die Einleitung stellt den Bezug her

Die Einleitung ist kurz, meist zwei bis drei Sätze. Sie enthält drei Bausteine:

  1. Artikelbezug: Titel, Datum und, falls bekannt, die Autorin oder der Autor.
  2. Kernaussage des Artikels: In einem Satz sagst du, was der Artikel behauptet oder fordert.
  3. Kurze Stellungnahme: Du deutest an, wie du dazu stehst, ohne schon alle Argumente zu nennen.

Passende Formulierungen:

  • „In Ihrem Artikel „…“ vom … schreiben Sie, dass …“
  • „Mit Interesse habe ich Ihren Beitrag „…“ vom … gelesen und frage mich, …“
  • „Sie schlagen in Ihrem Artikel „…“ vor, dass … Dazu möchte ich Folgendes mitteilen: …“
  • „Endlich war in Ihrer Zeitung zu lesen, was ich mir schon lange denke: …“

Der Hauptteil begründet deine Position

Im Hauptteil nennst du zuerst deinen Standpunkt und stützt ihn dann mit Argumenten. Jedes Argument braucht drei Teile:

  • eine Behauptung, die deine Position stützt,
  • eine Begründung, die erklärt, warum die Behauptung gilt,
  • ein Beispiel, das den Zusammenhang konkret und nachvollziehbar macht.

Zwei oder drei gut ausgeführte Argumente sind besser als sechs Behauptungen ohne Begründung. Wenn du widersprichst, greifst du am besten ein Argument des Artikels direkt auf und entkräftest es. Ein knappes, faires Gegenargument macht deinen Brief glaubwürdiger.

Passende Formulierungen:

  • Widersprechen: „Diese Sichtweise kann ich nicht teilen, denn …“, „Die Darstellung möchte ich anzweifeln, da …“
  • Zustimmen: „Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass …“, „Für mich ist entscheidend, dass …“
  • Ergänzen: „Ich möchte darauf hinweisen, dass …“, „Die Frage ist aber auch, ob …“
  • Abwägen: „Einerseits …, andererseits …“, „Ich glaube zwar, dass …, denke aber doch, dass …“

Der Schluss fasst zusammen und fordert

Der Schluss bündelt deine Meinung in ein bis zwei Sätzen. Dann nennst du, was du dir wünschst oder forderst: eine Entscheidung, eine Änderung, eine weitere Berichterstattung oder die Mithilfe der Leserinnen und Leser. Ein neues Argument gehört nicht mehr in den Schluss.

Passende Formulierungen:

  • „Ich wünsche mir deshalb, dass …“
  • „Lassen Sie uns nicht …, sondern …“
  • „In der Hoffnung, dass es weitere Berichte zu diesem Thema geben wird, grüße ich …“
  • „Herzlichen Dank dafür, dass … Bitte weiter so!“
Merke

Einleitung: Bezug und Standpunkt. Hauptteil: Argumente mit Begründung und Beispiel. Schluss: Zusammenfassung und Forderung oder Wunsch.

Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelcher Satz gehört in die Einleitung eines Leserbriefs?
Lösung: In Ihrem Artikel „Mehr Sport, weniger Mathe“ vom 20. April fordern Sie eine dritte Sportstunde pro Woche. — Die Einleitung nennt Titel, Datum und Kernaussage des Artikels und deutet die eigene Haltung an.
Frage 2 von 3MittelEin Hauptteil lautet: „Kürzere Pausen sind schlecht. Das weiß doch jeder. Außerdem sind sie unfair.“ Was fehlt vor allem?
Lösung: Begründungen und ein konkretes Beispiel, warum kürzere Pausen schaden. — „Das weiß doch jeder“ ersetzt keine Begründung. Ein Argument erklärt, warum etwas gilt, und zeigt es an einem Beispiel.
Frage 3 von 3SchwerWelcher Schluss passt am besten zu einem Brief, der einer Pausenkürzung widerspricht?
Lösung: Ich wünsche mir deshalb, dass die Pausenzeiten bleiben und die Schülervertretung alle Klassen dazu befragt. — Ein guter Schluss hält die Position fest und formuliert eine konkrete Forderung oder einen Wunsch.
Ein Leserbrief Schritt für Schritt

Jetzt siehst du alle Bausteine in einem vollständigen Brief. Der Anlass ist ein erfundener Artikel aus einer Schülerzeitung: Unter dem Titel „Kürzere Pausen, früher Schluss“ schlägt die Redaktion am 12. Mai vor, die beiden großen Pausen auf je zehn Minuten zu kürzen, damit der Unterricht eine halbe Stunde früher endet. Die Schreibabsicht der Verfasserin ist widersprechen.

Beispiel

Leserbrief zu „Kürzere Pausen, früher Schluss“ vom 12. Mai

Liebe Redaktion,

in Ihrem Artikel „Kürzere Pausen, früher Schluss“ vom 12. Mai schlagen Sie vor, die beiden großen Pausen auf jeweils zehn Minuten zu kürzen, damit der Unterricht eine halbe Stunde früher endet. Der Vorschlag klingt verlockend, ich halte ihn aber für einen Fehler.

Zunächst brauchen wir die Pausen, um uns zu erholen. Nach einer Doppelstunde Mathematik lässt die Konzentration spürbar nach. Wer in zehn Minuten zur Toilette geht, etwas trinkt und den Raum wechselt, kommt ohne echte Erholung in die nächste Stunde. Kürzere Pausen würden also den Unterricht selbst schlechter machen.

Außerdem sind die großen Pausen für viele die einzige Zeit, in der sie Freundinnen und Freunde aus anderen Klassen treffen. In der Mensa bildet sich schon jetzt in den ersten fünf Minuten eine lange Schlange. Bei zehn Minuten Pause bliebe für ein Gespräch beim Essen keine Zeit mehr.

Richtig ist, dass ein früherer Schulschluss vor allem denen hilft, die einen langen Heimweg haben. Dieses Problem lässt sich aber besser lösen, wenn der Stundenplan Freistunden am Nachmittag vermeidet, als wenn alle auf ihre Pausen verzichten.

Ich wünsche mir deshalb, dass die Schülervertretung den Vorschlag nicht unterstützt und die Pausenzeiten bleiben. Über eine Umfrage unter allen Klassen zu diesem Thema würde ich mich freuen.

Viele Grüße Lina Berger, Klasse 8b

So ist der Brief gebaut:

  1. Betreff: Titel und Datum des Artikels stehen über dem Brief. Jeder erkennt sofort, worauf Lina reagiert.
  2. Anrede: „Liebe Redaktion,“ passt zur Schülerzeitung. Der Brief beginnt danach klein mit „in Ihrem Artikel“.
  3. Einleitung: Der erste Satz nennt Titel, Datum und die Kernaussage des Artikels. Der zweite Satz ist die kurze Stellungnahme: Lina hält den Vorschlag für einen Fehler. Damit ist die Schreibabsicht klar.
  4. Hauptteil, erstes Argument: Behauptung: Pausen dienen der Erholung. Begründung: Nach einer Doppelstunde lässt die Konzentration nach. Beispiel: Toilette, Trinken und Raumwechsel füllen zehn Minuten ohne Erholung. Rückbindung: Kürzere Pausen schaden dem Unterricht.
  5. Hauptteil, zweites Argument: Behauptung: Pausen sind Zeit für Freundschaften. Beispiel: die Schlange in der Mensa. Das Argument beginnt mit „Außerdem“, damit die Reihenfolge sichtbar bleibt.
  6. Gegenargument: Lina gibt zu, dass ein früherer Schluss manchen hilft, und zeigt eine bessere Lösung. Das macht sie glaubwürdig, ohne ihre Position zu schwächen.
  7. Schluss: Zusammenfassung und Forderung an die Schülervertretung, dazu ein Wunsch nach einer Umfrage. Kein neues Argument.
  8. Grußformel und Name: „Viele Grüße“ passt zur Schülerzeitung, darunter der vollständige Name mit Klasse.

Der Brief ist sachlich, obwohl Lina deutlich widerspricht. Sie greift niemanden an, nennt konkrete Situationen aus dem Schulalltag und bleibt durchgehend bei der Sie-Form.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWelche Aufgabe hat der Absatz „Richtig ist, dass ein früherer Schulschluss vor allem denen hilft, die einen langen Heimweg haben …“?
Lösung: Er nimmt ein Gegenargument fair auf und zeigt eine bessere Lösung. — Wer einen Einwand ehrlich nennt und ihn dann entkräftet oder begrenzt, wirkt überzeugender als jemand, der ihn verschweigt.
Frage 2 von 2SchwerLina streicht den ersten Satz ihrer Einleitung und beginnt direkt mit „Der Vorschlag klingt verlockend, ich halte ihn aber für einen Fehler.“ Was ist die Folge?
Lösung: Die Leserinnen und Leser wissen nicht, um welchen Vorschlag es geht, weil der Artikelbezug fehlt. — Der Betreff nennt nur den Titel. Die Einleitung muss zusätzlich sagen, was der Artikel behauptet, damit der Widerspruch verständlich wird.
Sachlich bleiben und typische Fehler vermeiden

Ein Leserbrief darf eine deutliche Meinung haben. Er überzeugt aber nur, wenn der Ton sachlich bleibt. Sachlich heißt: Du sprichst über die Sache, also den Artikel und seine Argumente, und nicht über die Person, die ihn geschrieben hat.

Beispiel

Vorher: Wer so einen Unsinn schreibt, hat offenbar noch nie eine Pause gebraucht. Total lächerlich!

Nachher: Diese Sichtweise kann ich nicht teilen, denn nach einer Doppelstunde lässt die Konzentration spürbar nach, und zehn Minuten reichen nicht zur Erholung.

Die überarbeitete Fassung nennt keine Beleidigung, sondern ein Argument mit Begründung. Die Meinung ist genauso deutlich, aber die Redaktion kann sie abdrucken.

Diese Fehler tauchen in Leserbriefen besonders oft auf:

FehlerWarum er schadetSo machst du es besser
Kein ArtikelbezugNiemand weiß, worauf du reagierstTitel, Datum und Kernaussage in Betreff und Einleitung nennen
Meinung ohne Begründung„Finde ich blöd“ überzeugt niemandenZu jeder Behauptung eine Begründung und ein Beispiel schreiben
Beleidigungen und ÜbertreibungenDer Brief wirkt unsachlich und wird nicht gedrucktÜber die Sache sprechen, nicht über die Person
Zu viele ThemenDer rote Faden geht verlorenBei einer Schreibabsicht und zwei bis drei Argumenten bleiben
Neues Argument im SchlussDer Schluss fasst nicht mehr zusammenDen Schluss auf Zusammenfassung und Forderung beschränken
Wechsel zwischen Sie und duDer Brief wirkt unhöflich und unkonzentriertDurchgehend Sie verwenden
Fehlende Anrede oder kein NameDer Text ist kein Brief und kann nicht zugeordnet werdenRahmen vollständig setzen

Prüfe deinen fertigen Brief mit dieser Liste:

  1. Stehen Titel und Datum des Artikels im Betreff und in der Einleitung?
  2. Ist meine Schreibabsicht im ersten Absatz erkennbar?
  3. Hat jedes Argument eine Begründung und ein Beispiel?
  4. Spreche ich über die Sache und nicht über die Person?
  5. Enthält der Schluss eine Zusammenfassung und eine Forderung oder einen Wunsch?
  6. Bleibe ich im ganzen Brief bei der Sie-Form?
  7. Sind Anrede, Grußformel, Name und Ort vorhanden?
  8. Stimmen Rechtschreibung und Zeichensetzung?
Merke

Deutlich in der Meinung, sachlich im Ton: Das ist der Leserbrief, den eine Redaktion gern abdruckt.

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Frage 1 von 3LeichtWelcher Satz ist sachlich formuliert?
Lösung: Die Darstellung im Artikel möchte ich anzweifeln, da die Bibliothek mittags regelmäßig voll besetzt ist. — Sachlich heißt: Du benennst, was im Artikel steht, und begründest, warum du es anders siehst.
Frage 2 von 3MittelEin Brief beginnt mit „Sehr geehrte Frau Weber,“ und endet mit „… das solltest du dir mal überlegen.“ Welcher Fehler liegt vor?
Lösung: Der Wechsel von der Sie-Form zur du-Form. — Im Leserbrief bleibst du vom ersten bis zum letzten Satz bei der Sie-Form.
Frage 3 von 3SchwerEin Leserbrief zur Pausenkürzung enthält zwei gute Argumente, kritisiert dann die Mensa, das Schulgebäude und den Vertretungsplan und endet ohne Forderung. Was verbessert den Brief am meisten?
Lösung: Die zusätzlichen Themen streichen, bei der Pausenkürzung bleiben und den Schluss mit einer Forderung abschließen. — Ein Leserbrief antwortet auf einen Artikel. Alles, was nicht zu dieser Antwort gehört, schwächt ihn, und ein Schluss ohne Forderung lässt die Leserinnen und Leser ratlos zurück.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Leserbrief schreiben
    • Was er ist
      • Antwort auf einen Artikel
      • Ziel: Veröffentlichung
      • appellativ oder Stellungnahme
    • Schreibabsicht
      • zustimmen
      • widersprechen
      • ergänzen
      • richtigstellen
    • Formaler Rahmen
      • Betreff mit Titel und Datum
      • Anrede und Sie-Form
      • Grußformel, Name, Ort
    • Aufbau
      • Einleitung: Bezug und Standpunkt
      • Hauptteil: Argumente mit Beispiel
      • Schluss: Zusammenfassung und Forderung
    • Überarbeiten
      • sachlich statt persönlich
      • ein Thema, roter Faden
      • Rahmen vollständig
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 5LeichtWas muss in jedem Leserbrief am Anfang stehen?
Lösung: Der Bezug auf den Artikel mit Titel und Datum. — Ohne Artikelbezug können Redaktion und Leserschaft deine Meinung nicht einordnen.
Frage 2 von 5MittelEin Artikel lobt das neue Schulfrühstück. Du findest das Angebot gut, vermisst aber vegane Optionen. Welche Schreibabsicht ist die passende Hauptabsicht?
Lösung: Ergänzen: Du bestätigst das Lob und fügst den fehlenden Aspekt hinzu. — Wenn der Artikel stimmt, aber etwas Wichtiges fehlt, ist Ergänzen die passende Absicht, oft verbunden mit Zustimmung.
Frage 3 von 5MittelWelcher Absatz ist ein vollständiges Argument?
Lösung: Ein Handyverbot hilft beim Lernen, weil Benachrichtigungen die Aufmerksamkeit unterbrechen. In Stillarbeitsphasen schaut sonst bei jedem Aufleuchten jemand aufs Display. — Behauptung, Begründung mit „weil“ und ein konkretes Beispiel: Erst dann ist das Argument vollständig.
Frage 4 von 5SchwerEine Redaktion hat zu einem Artikel viele Briefe bekommen und kann nur wenige drucken. Welcher Brief hat die besten Chancen?
Lösung: Ein sachlicher Brief mit klarem Artikelbezug, zwei begründeten Argumenten und einer konkreten Forderung. — Redaktionen wählen nach Bezug, Sachlichkeit und Klarheit aus und wollen wissen, wer schreibt.
Frage 5 von 5SchwerDu sollst zu einem Artikel, der ein Handyverbot fordert, einen Leserbrief schreiben, der widerspricht. Welche Planung ist sinnvoll?
Lösung: Absicht festhalten, ein Argument des Artikels zum Entkräften auswählen, zwei eigene Argumente mit Beispielen sammeln, Forderung für den Schluss notieren. — Eine gute Planung verbindet Schreibabsicht, Bezug auf den Artikel, begründete Argumente und eine klare Forderung.

Wenn du diese fünf Fragen begründen kannst, beherrschst du den Kern: Absicht klären, Bezug herstellen, sachlich begründen und mit einer Forderung schließen.

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