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Nominalstil und Verbalstil erkennen und umformen

Nominalstil und Verbalstil erkennen und umformen
Nominalstil und Verbalstil erkennen und umformen
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Beim Nominalstil stehen Nomen und Nominalisierungen im Vordergrund. Beim Verbalstil werden Vorgänge vor allem durch Verben ausgedrückt. Beide Stile können sinnvoll sein: Entscheidend sind Textziel, Zusammenhang und Zielgruppe.

Auf dieser Seite lernst du, beide Stile zu unterscheiden, Sätze umzuformen und ihre Wirkung in Sachtexten zu erklären.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Woran erkennst du die beiden Stile?

Der Unterschied liegt nicht darin, ob ein Satz überhaupt Nomen oder Verben enthält. Fast jeder vollständige Satz enthält beides. Achte vielmehr darauf, wie Handlungen und Vorgänge ausgedrückt werden.

Definition

Nominalstil

Beim Nominalstil werden Handlungen, Vorgänge oder Eigenschaften häufig als Nomen dargestellt. Solche aus anderen Wortarten gebildeten Nomen heißen Nominalisierungen.

Typische Nominalisierungen sind:

  • Verb als substantivierter Infinitiv: führendas Führen
  • Nomen auf -ung: planendie Planung
  • Nomen auf -heit oder -keit: freidie Freiheit, möglichdie Möglichkeit
  • Nomen auf -tion: organisierendie Organisation

Nominalisierungen werden großgeschrieben und stehen häufig bei einem Artikel, Pronomen oder einer Präposition: die Verbesserung, ihre Teilnahme, wegen der Bedrohung.

Definition

Verbalstil

Beim Verbalstil werden Handlungen und Vorgänge überwiegend durch Verben ausgedrückt. Die handelnde Person und die Handlung werden dadurch oft unmittelbar sichtbar.

Beispiel

Nominalstil: „Die Durchführung der Untersuchung erfolgte durch das Team.“

Verbalstil: „Das Team führte die Untersuchung durch.“

Im ersten Satz steht die Nominalisierung „Durchführung“ im Mittelpunkt. Im zweiten Satz nennt das Subjekt „das Team“ den Handelnden; „führte durch“ bezeichnet die Handlung direkt.

Merke

Ein einzelnes Nomen macht noch keinen Nominalstil. Entscheidend ist, ob Handlungen gehäuft in Nomen verpackt oder überwiegend durch Verben ausgedrückt werden.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelcher Satz ist deutlich vom Nominalstil geprägt?
Lösung: Die Einreichung der Bewerbung muss bis zum 30. April erfolgen. — „Einreichung“ ist eine Nominalisierung auf „-ung“. Zusammen mit „erfolgen“ bildet sie eine typische nominale Konstruktion.
Wie löst du Nominalstil in Verbalstil auf?

Beim Verbalisieren machst du aus einer Nominalisierung wieder ein Verb. Dabei reicht es oft nicht, nur ein Wort auszutauschen: Du musst auch den Satzbau anpassen.

Gehe in vier Schritten vor:

  1. Suche das Nomen, in dem eine Handlung steckt.
  2. Finde das passende Verb aus derselben Wortfamilie.
  3. Kläre, wer handelt oder was geschieht.
  4. Baue einen vollständigen Satz oder Nebensatz mit dem Verb.
Beispiel

Ausgangssatz: „Wegen der Bedrohung geht er ihm aus dem Weg.“

  1. In „Bedrohung“ steckt eine Handlung.
  2. Das passende Verb lautet „bedrohen“.
  3. Aus dem Zusammenhang geht hervor, dass die Person bedroht wird.
  4. Daraus entsteht: „Weil er bedroht wird, geht er ihm aus dem Weg.“

Die Präpositionalgruppe „wegen der Bedrohung“ wird zu einem Nebensatz mit Verb.

Manchmal musst du eine handelnde Person ausdrücklich ergänzen:

Beispiel

Nominal: „Die Durchführung der Maßnahme erfolgte durch die Mitarbeiter.“

Verbal: „Die Mitarbeiter führten die Maßnahme durch.“

Die Wortgruppe „durch die Mitarbeiter“ zeigt, wer handelt. In der verbalen Fassung wird daraus das Subjekt.

Auch eine Infinitivgruppe mit zu kann Nominalstil auflösen:

  • Nominal: „Der Gebrauch von Handys ist hier verboten.“
  • Verbal: „Es ist verboten, Handys zu gebrauchen.“
Gut zu wissen

Eine Umformung soll die Kernaussage erhalten. Prüfe deshalb, ob Handelnde, Zeitpunkt, Ursache und weitere wichtige Angaben noch dieselben sind. Manchmal sind mehrere passende Umformungen möglich.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWelche Umformung gibt den Satz „Der Schüler wird wegen der guten Entwicklung seiner Leistungen gelobt“ am genauesten wieder?
Lösung: Der Schüler wird gelobt, weil sich seine Leistungen gut entwickelt haben. — „Entwicklung“ wird durch „sich entwickeln“ ersetzt. Der Schüler bleibt die Person, die gelobt wird.
Wie formst du Verbalstil in Nominalstil um?

Beim Nominalisieren verwandelst du ein Verb, eine Infinitivgruppe oder einen Nebensatz in ein Nomen oder eine nominale Wortgruppe.

Gehe so vor:

  1. Markiere das Verb, das den Vorgang ausdrückt.
  2. Bilde ein passendes Nomen.
  3. Passe Artikel, Präpositionen und Ergänzungen an.
  4. Prüfe, ob die Aussage vollständig und grammatisch richtig bleibt.
Beispiel

Verbal: „Weil sich die Leistungen gut entwickelt haben, wird der Schüler gelobt.“

Aus „sich entwickeln“ wird „die Entwicklung“. Der Nebensatz mit „weil“ wird durch eine Wortgruppe mit „wegen“ ersetzt:

Nominal: „Wegen der guten Entwicklung seiner Leistungen wird der Schüler gelobt.“

Weitere typische Umformungen sind:

  • teilnehmendie Teilnahme
  • begrüßendie Begrüßung
  • präsentierendie Präsentation
  • absagendie Absage
  • feierndie Feier oder das Feiern
Beispiel

Verbal: „Es ist verboten einzuschlafen, während unterrichtet wird.“

Nominal: „Das Einschlafen während des Unterrichts ist verboten.“

Die Verben „einzuschlafen“ und „unterrichtet wird“ werden durch „das Einschlafen“ und „während des Unterrichts“ ersetzt.

Merke

Beim Nominalisieren verändert sich nicht nur die Wortart. Häufig werden Nebensätze zu Präpositionalgruppen und handelnde Personen treten in den Hintergrund.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWelche nominale Fassung bewahrt die Aussage „Als die Gäste ankamen, begannen sie zu feiern“?
Lösung: Nach der Ankunft der Gäste begann die Feier. — „ankamen“ wird zu „Ankunft“ und „feiern“ zu „Feier“. Die zeitliche Beziehung bleibt erhalten.
Welche Wirkung haben die beiden Stile?

Die Wirkungsbeschreibungen sind Tendenzen, keine starren Regeln. Ein nominaler Satz ist nicht automatisch gut oder schlecht, und ein verbaler Satz ist nicht immer die beste Wahl.

NominalstilVerbalstil
wirkt häufig knapp, verdichtet und formellwirkt häufig direkt, lebendig und zugänglich
kann Fachbegriffe präzise benennenmacht Handlungen und Handelnde oft deutlich
kommt oft in amtlichen, wissenschaftlichen und rechtlichen Texten vorkommt oft in Alltagssprache, Erzählungen und verständlichkeitsorientierten Texten vor
kann bei Häufung schwerfällig wirkenkann in sehr formellen Zusammenhängen weniger sachlich wirken
Beispiel

Nominal: „Die Erhöhung der Preise führte zu Protesten.“

Verbal: „Die Preise wurden erhöht, und das führte zu Protesten.“

Die nominale Fassung verdichtet den Vorgang zur „Erhöhung“. Die verbale Fassung entfaltet ihn als Handlung. Sie macht den Ablauf deutlicher, nennt aber ebenfalls nicht, wer die Preise erhöht hat.

Dieses Beispiel zeigt eine wichtige Grenze: Verbalstil macht den Handelnden oft, aber nicht zwingend sichtbar. Auch ein Passivsatz wie „Die Preise wurden erhöht“ lässt offen, wer handelt.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerEine Behörde möchte eine Anweisung möglichst unmittelbar an Bürgerinnen und Bürger richten. Welche Fassung ist dafür meist zugänglicher?
Lösung: Reichen Sie den Antrag bis Freitag ein. — Die verbale Aufforderung nennt die Handlung klar. Ob sie tatsächlich angemessen ist, hängt zusätzlich von Situation, Ton und Zielgruppe ab.
Wie analysierst du die Stilwahl in einem Sachtext?

In einer Analyse genügt es nicht, Nominalstil oder Verbalstil nur zu benennen. Verbinde immer Beobachtung, Beleg und mögliche Funktion.

Eine tragfähige Analyse beantwortet vier Fragen:

  1. Welcher Stil fällt in der Passage auf?
  2. An welchen Wörtern oder Satzstrukturen erkennst du ihn?
  3. Welche Informationen werden hervorgehoben oder verborgen?
  4. Wie passt diese Wirkung zu Adressaten, Textziel und Zusammenhang?
Beispiel

Passage: „Die Durchführung der Untersuchung erfolgte durch das Team.“

Beobachtung: Der Satz ist nominal geprägt.

Beleg: Die Handlung steckt in den Nomen „Durchführung“ und „Untersuchung“. Das schwache Verb „erfolgte“ trägt wenig eigene Bedeutung.

Wirkung: Der Vorgang erscheint verdichtet und formell. Das Team wird erst in der Wortgruppe „durch das Team“ genannt und steht dadurch weniger im Mittelpunkt.

Vergleich: „Das Team führte die Untersuchung durch“ hebt den Handelnden und die Handlung direkter hervor und ist kürzer zu erfassen.

Einordnung: Welche Fassung besser passt, hängt vom Textziel ab. Ein formeller Bericht kann die nominale Verdichtung nutzen; eine Anleitung oder Erklärung profitiert häufig von der direkteren verbalen Fassung.

Vermeide pauschale Urteile wie „Nominalstil ist immer unverständlich“. Begründe die Wirkung an der konkreten Passage. Achte besonders auf:

  • die Anzahl und Dichte der Nominalisierungen,
  • sichtbare oder verschwiegene Handelnde,
  • Aktiv und Passiv,
  • Satzlänge und Satzbau,
  • Adressaten und beabsichtigte Wirkung.
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Frage 1 von 1SchwerIn einem Text häufen sich Nominalisierungen, während handelnde Personen kaum genannt werden. Welche Analyse ist am besten begründet?
Lösung: Die nominale Verdichtung rückt Vorgänge und Ergebnisse in den Vordergrund; zugleich können Verantwortlichkeiten weniger sichtbar werden. — Die Analyse verbindet ein beobachtbares Merkmal mit einer möglichen Wirkung. Sie formuliert die Wirkung als begründete Lesart, nicht als sichere Absicht des Verfassers.
Kannst du beide Stile selbst umformen?

Bearbeite zunächst die Aufgaben, ohne die Lösungen zu lesen.

Aufgabe 1

Forme in den Verbalstil um:

„Die Einreichung der Bewerbung muss bis zum 30. April erfolgen.“

Aufgabe 2

Forme in den Nominalstil um:

„Es war schön, den Berg zu besteigen.“

Aufgabe 3

Vergleiche die beiden Sätze:

  • „Wir freuen uns, dass Sie teilnehmen.“
  • „Wir freuen uns über Ihre Teilnahme.“

Erkläre, was sich sprachlich verändert und was gleich bleibt.

Lösungen und Rückmeldung

Beispiel

Lösung 1: „Sie müssen die Bewerbung bis zum 30. April einreichen.“

„Einreichung“ wird zu „einreichen“. Die verpflichtete Person wird als Subjekt sichtbar.

Lösung 2: „Die Besteigung des Berges war schön.“

Aus „den Berg zu besteigen“ wird die nominale Wortgruppe „die Besteigung des Berges“.

Lösung 3: Im ersten Satz drückt der Nebensatz „dass Sie teilnehmen“ den Vorgang verbal aus. Im zweiten Satz steht dafür die Nominalisierung „Teilnahme“. Die grundlegende Aussage der Freude bleibt erhalten; die zweite Fassung ist knapper und nominaler.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Beim werden Handlungen häufig als Nomen ausgedrückt. Die Umwandlung von „planen“ zu „Planung“ heißt . Möchtest du einen Handelnden deutlicher nennen, ist häufig der geeignet. Bei jeder Umformung musst du prüfen, ob die erhalten bleibt.

Lösungen: Lücke 1: Nominalstil; Lücke 2: Nominalisierung; Lücke 3: Verbalstil; Lücke 4: Kernaussage. Achte nicht nur auf einzelne Wörter: Stil entsteht durch die Art, wie Vorgänge, Handelnde und Zusammenhänge im ganzen Satz dargestellt werden.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Nominalstil und Verbalstil
    • Nominalstil: Vorgänge als Nomen
    • Verbalstil: Vorgänge als Verben
    • Umformen: Wortart und Satzbau anpassen
    • Prüfen: Kernaussage und Beziehungen erhalten
    • Wirkung: nur im Zusammenhang beurteilen
    • Analyse: Beobachtung, Beleg, Wirkung und Einordnung verbinden
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelcher Hinweis allein beweist noch keinen Nominalstil?
Lösung: Ein Satz enthält ein Nomen. — Fast jeder Satz enthält Nomen. Entscheidend ist, ob Vorgänge überwiegend oder gehäuft nominal ausgedrückt werden.
Frage 2 von 3MittelWelche verbale Umformung von „Nach der Ankunft der Gäste begann die Feier“ löst beide nominalen Vorgänge auf?
Lösung: Als die Gäste ankamen, begannen sie zu feiern. — „Ankunft“ wird zu „ankamen“ und „Feier“ zu „feiern“. Zugleich bleibt erhalten, dass zuerst die Gäste ankommen und danach feiern.
Frage 3 von 3SchwerWelche Aussage eignet sich für eine begründete Stilanalyse?
Lösung: Die Häufung von Nominalisierungen verdichtet die Darstellung und kann die handelnden Personen in den Hintergrund rücken. — Eine gute Analyse beschreibt konkrete Merkmale, erklärt ihre mögliche Wirkung und bezieht Textziel, Zusammenhang und Adressaten ein.

Du beherrschst den Kern, wenn du nicht nur Nomen und Verben findest, sondern erklären kannst, wie Vorgänge sprachlich dargestellt werden und warum diese Darstellung zum jeweiligen Text passen kann.

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