Rechtschreibstrategien: Wörter richtig schreiben
Rechtschreibstrategien helfen dir, eine unsichere Schreibweise systematisch zu klären. Du sprichst ein Wort deutlich, untersuchst seine Silben oder Wortverwandten, prüfst seine Aufgabe im Satz oder schlägst es nach.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Zuerst das Wortproblem erkennen
Nicht jedes Wortproblem lässt sich mit derselben Strategie lösen. Frage deshalb zuerst: Welche Stelle macht mich unsicher?
- Klingt das Wort beim deutlichen Sprechen eindeutig? Dann hilft Mitsprechen.
- Vermutest du einen Doppelkonsonanten? Dann hilft Silbieren.
- Schwankst du am Wortende zwischen b/p, d/t oder g/k? Dann hilft Verlängern.
- Schwankst du zwischen e/ä oder eu/äu? Dann hilft Ableiten.
- Geht es um Groß- oder Kleinschreibung? Dann untersuchst du die Aufgabe des Wortes im Satz und suchst nach Signalwörtern.
- Greift keine sichere Regel? Dann schlägst du nach und merkst dir die schwierige Stelle.
Merkwort
Ein Merkwort enthält eine Schreibstelle, die du mit den bekannten Strategien nicht sicher herleiten kannst. Du kontrollierst sie und prägst sie dir gezielt ein, zum Beispiel das V in Vater.
Vertiefung: Schreibprinzipien
Strategien machen verschiedene Grundideen der deutschen Rechtschreibung nutzbar:
- Beim phonographischen Prinzip achtest du auf Laute und passende Buchstaben.
- Beim silbischen Prinzip untersuchst du den Aufbau der Silben.
- Beim morphologischen Prinzip vergleichst du Wortstämme verwandter Wörter.
- Beim grammatischen Prinzip beachtest du die Aufgabe eines Wortes im Satz, etwa bei der Großschreibung.
Sprechen und Silbieren nutzen
Viele Wörter kannst du durch langsames, deutliches Sprechen erschließen. Bei Salat, Gurke oder finden hörst du die Lautfolge gut mit.
Beim Silbieren zerlegst du ein Wort in Sprechsilben. Sprich es langsam und klatsche jede Silbe:
- But-ter
- Was-ser
- kom-men
- schwim-men
Vor einem Doppelkonsonanten steht in diesen Beispielen ein kurz gesprochener Vokal. Beim Trennen verteilt sich der Doppelkonsonant auf beide Silben: kom-men.
Du bist bei kommen unsicher.
- Sprich das Wort langsam: kom-men.
- Du hörst zwei Silben.
- Das kurze o steht vor der Konsonantenstelle.
- An der Silbengrenze erscheint das m zweimal.
Ergebnis: Du schreibst kommen mit mm.
Silbieren hilft bei vielen Doppelkonsonanten. Es ersetzt aber nicht jede andere Strategie und erklärt nicht jedes schwierige Wort.
Verlängern klärt unsichere Endlaute
Am Wortende können b und p, d und t sowie g und k ähnlich klingen. Durch eine längere Form wird der entscheidende Laut hörbar.
Verlängern
Beim Verlängern bildest du eine Wortform, in der nach dem unsicheren Konsonanten noch ein Laut folgt.
Je nach Wortart gehst du unterschiedlich vor:
- Nomen: Mehrzahl bilden — Hund – Hunde, Berg – Berge.
- Verben: Grundform bilden — sie glaubt – glauben, er legt – legen.
- Adjektive: Vergleichsform oder gebeugte Form bilden — klug – klüger, grob – grober Sand.
Schreibt man Walt oder Wald?
- Das Wort ist ein Nomen.
- Bilde die Mehrzahl: Wälder.
- In Wälder hörst du das d deutlich.
- Übertrage den Buchstaben auf die Einzahl.
Ergebnis: Du schreibst Wald mit d.
Ableiten nutzt verwandte Wörter
Bei e/ä und eu/äu hilft oft ein Wort aus derselben Wortfamilie. Die verwandten Wörter besitzen einen gleichen oder ähnlichen Wortstamm, also ihren gemeinsamen bedeutungstragenden Kern.
Ableiten
Beim Ableiten suchst du ein verwandtes Wort mit a oder au. Findest du es, schreibst du im untersuchten Wort in der Regel ä oder äu.
- Wärme – warm: Das a in warm erklärt das ä.
- täglich – Tag: Das a in Tag erklärt das ä.
- Bäume – Baum: Das au in Baum erklärt das äu.
- Läufer – laufen: Das au in laufen erklärt das äu.
Schreibt man Treume oder Träume?
- Suche ein verwandtes Wort.
- Du findest Traum.
- Traum enthält au.
- Deshalb erhält das verwandte Wort äu.
Ergebnis: Du schreibst Träume.
Ableiten hat Grenzen. Bei Wörtern wie Käse, Bär, Käfer oder Träne findest du kein passendes verwandtes Wort mit a. Solche Schreibstellen musst du kontrollieren und merken.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Für Wälder hilft das verwandte Wort . Für Verkäufer hilft . Die Schreibung von Käse lässt sich nicht durch ein verwandtes Wort mit erklären; deshalb ist die schwierige Stelle eine .
Großschreibung und das oder dass prüfen
Nomen und substantivierte Wörter schreibst du groß. Substantiviert bedeutet: Ein Wort, das sonst zum Beispiel ein Verb oder Adjektiv ist, wird im Satz wie ein Nomen gebraucht.
Signalwörter können dir helfen:
- Artikel: das Warten, der Fahrer
- Präposition mit Artikel: beim Laufen
- Pronomen: etwas Süßes, viel Gutes
- Adjektiv: fröhliches Lachen, schnelles Fahren
- typische Nomenendungen: Freiheit, Geschwindigkeit, Erlebnis, Begeisterung
Auch einen Satzanfang nach Punkt, Fragezeichen oder Ausrufezeichen schreibst du groß.
Die Ersatzprobe
Bei das und dass hilft eine Ersatzprobe:
- Kannst du dieses, jenes oder welches einsetzen, schreibst du das.
- Funktioniert diese Ersetzung nicht, schreibst du die Konjunktion dass.
Das Buch, das du mir geschenkt hast, ist spannend.
Die Probe Das Buch, welches du mir geschenkt hast funktioniert. Deshalb steht das.
Ich glaube, dass dir das Buch gefällt.
Ich glaube, welches dir das Buch gefällt funktioniert nicht. Deshalb steht dass.
Eine vollständige Rechtschreibprüfung durchführen
Wenn du eine unsichere oder fehlerhafte Schreibung entdeckst, arbeite in fünf Schritten:
- Unsichere Stelle markieren: Welcher Buchstabe oder welche Wortgrenze ist unklar?
- Problem bestimmen: Geht es um Laute, Silben, Wortverwandtschaft, Großschreibung oder eine Merkstelle?
- Strategie wählen: Sprich, silbiere, verlängere, leite ab oder nutze eine grammatische Probe.
- Ergebnis kontrollieren: Prüfe, ob die Strategie wirklich zur unsicheren Stelle passt. Schlage bei verbleibender Unsicherheit nach.
- Fehler sichern: Notiere bei einem Merkwort genau die schwierige Stelle und ergänze bei Bedarf verwandte Wörter.
Du hast Reder statt Räder geschrieben.
- Unsicher ist die Stelle e/ä.
- Dafür passt Ableiten.
- Das verwandte Wort lautet Rad.
- Das a in Rad erklärt das ä in Räder.
- Du korrigierst das Wort zu Räder und merkst dir das Wortpaar Rad – Räder.
Bei einer veränderten oder zusammengesetzten Form suchst du zuerst die Grundform oder die Wortteile. So erkennst du etwa in Rhythmusgefühl die Bestandteile Rhythmus und Gefühl. Bleibt eine besondere Schreibung wie das Rh unsicher, schlägst du sie nach und sicherst sie als Merkstelle.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Rechtschreibproblem lösen
- Stelle erkennen
- Laut, Silbe oder Wortende
- Wortverwandtschaft
- grammatische Aufgabe
- Strategie anwenden
- deutlich sprechen und silbieren
- verlängern oder ableiten
- Signalwort oder Ersatzprobe nutzen
- Ergebnis sichern
- Schreibung kontrollieren
- Merkstelle nachschlagen und einprägen
- Stelle erkennen
Abschluss-Check
Du beherrschst eine Rechtschreibstrategie nicht nur dann, wenn du ihren Namen kennst. Entscheidend ist, dass du das Wortproblem erkennst, die passende Probe ausführst und dein Ergebnis begründest.
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