Rondell: Aufbau, Beispiel und Schreibanleitung
Ein Rondell ist ein Gedicht aus acht Verszeilen. Ganze Zeilen kehren an festen Stellen wieder. Dadurch wirkt das Gedicht wie eine sprachliche Runde. Reime sind möglich, aber nicht nötig.
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Den Bauplan erkennen
Stell dir vor, eine wichtige Aussage kehrt in einem Gedicht immer wieder zurück. Genau diese Wiederholung prägt das Rondell.
Rondell
Ein Rondell ist eine Gedichtform mit acht Verszeilen, meist in einer einzigen Strophe. Eine Verszeile ist eine Zeile des Gedichts; eine Strophe ist eine zusammengehörige Gruppe von Verszeilen.
Die verbreitete Form hat den Bauplan:
A–B–C–A–D–E–A–B
Gleiche Buchstaben bedeuten vollständig wiederholte Zeilen:
| Zeile | Buchstabe | Aufgabe |
|---|---|---|
| 1 | A | erste Hauptaussage |
| 2 | B | zweite wichtige Aussage |
| 3 | C | freie Ergänzung |
| 4 | A | Wiederholung von Zeile 1 |
| 5 | D | freie Ergänzung |
| 6 | E | freie Ergänzung |
| 7 | A | Wiederholung von Zeile 1 |
| 8 | B | Wiederholung von Zeile 2 |
Es gibt also acht Zeilen, aber nur fünf verschiedene Zeilen. Es gilt:
- Zeile 1 = Zeile 4 = Zeile 7
- Zeile 2 = Zeile 8
- Zeilen 3, 5 und 6 sind frei.
Beim verbreiteten Rondell kehrt die erste Zeile dreimal und die zweite Zeile zweimal wieder. Ein Reim und ein festes Metrum sind nicht vorgeschrieben. Das Metrum bezeichnet den regelmäßigen Rhythmus eines Gedichts.
Winter
- Es ist Winter.
- Alles ist kalt und weiß.
- Schneeflocken fallen vom Himmel.
- Es ist Winter.
- Auf dem Boden sind Spuren im Schnee.
- Der See ist zugefroren.
- Es ist Winter.
- Alles ist kalt und weiß.
Die Zeilen 1, 4 und 7 sind gleich. Auch die Zeilen 2 und 8 stimmen überein. Die freien Zeilen ergänzen Beobachtungen zum Winter. Das Gedicht reimt sich nicht und erfüllt trotzdem den Bauplan.
Wiederholungen gezielt nutzen
Die wiederholten Zeilen sind nicht bloß Platzfüller. Sie tragen die wichtigsten Gedanken des Gedichts. Deshalb sollten die Zeilen 1 und 2 besonders gut zum Thema passen.
Der Titel nennt meist den Oberbegriff, zum Beispiel „Winter“, „Freundschaft“ oder „Pause“. Die freien Zeilen können dazu Beobachtungen, Gedanken, Geräusche oder Gefühle ergänzen.
Im Winter-Rondell nennt Zeile 1 das Thema: „Es ist Winter.“ Zeile 2 beschreibt den wichtigsten Eindruck: „Alles ist kalt und weiß.“
Die freien Zeilen zeigen einzelne Bilder: fallende Schneeflocken, Spuren und einen zugefrorenen See. So bleibt das Gedicht bei einem klaren Thema, ohne jede Zeile zu wiederholen.
Die Wiederholung verändert die Wirkung: Eine Zeile fällt stärker auf, weil du sie mehrmals liest. Sie kann dadurch eine Stimmung festhalten, einen Gedanken betonen oder verschiedene Beobachtungen miteinander verbinden.
Ein eigenes Rondell schreiben
Du musst nicht sofort acht fertige Zeilen erfinden. Beginne mit dem Thema und setze den Text Schritt für Schritt in den Bauplan ein.
- Wähle ein Thema. Formuliere daraus einen kurzen Titel.
- Sammle Wörter und Ideen. Notiere passende Dinge, Handlungen, Geräusche und Gefühle.
- Schreibe die wichtigste Aussage in Zeile 1. Sie erscheint später auch in den Zeilen 4 und 7.
- Schreibe eine zweite wichtige Aussage in Zeile 2. Sie kehrt in Zeile 8 wieder.
- Ergänze die freien Zeilen 3, 5 und 6. Jede soll einen neuen Gedanken zum Thema beitragen.
- Prüfe den Bauplan. Vergleiche die wiederholten Zeilen Wort für Wort.
Vom Wortfeld zum Rondell
Thema: Pausenhof
Wortsammlung: Stimmen, Ball, Freunde, lachen, rennen, Klingel
Zuerst entstehen die beiden Hauptzeilen:
- A: Der Schulhof wird lebendig.
- B: Stimmen springen durch die Luft.
Dann kommen drei neue Beobachtungen hinzu:
- C: Ein Ball rollt über den Platz.
- D: Freunde lachen miteinander.
- E: Schon ruft die Klingel uns zurück.
Nun werden die Zeilen nach A–B–C–A–D–E–A–B angeordnet:
Pausenhof
- Der Schulhof wird lebendig.
- Stimmen springen durch die Luft.
- Ein Ball rollt über den Platz.
- Der Schulhof wird lebendig.
- Freunde lachen miteinander.
- Schon ruft die Klingel uns zurück.
- Der Schulhof wird lebendig.
- Stimmen springen durch die Luft.
Die Wortwahl erzeugt Bewegung: Der Schulhof „wird lebendig“, Stimmen „springen“ und ein Ball „rollt“. Ein Reim war dafür nicht nötig.
Das Gedicht überarbeiten
Ein erster Entwurf darf noch Fehler enthalten. Prüfe ihn mit klaren Fragen:
- Hat das Gedicht genau acht Zeilen?
- Sind die Zeilen 1, 4 und 7 vollständig gleich?
- Sind die Zeilen 2 und 8 vollständig gleich?
- Passen Titel und alle Zeilen zu einem erkennbaren Thema?
- Enthalten die freien Zeilen neue, passende Gedanken?
- Sind die Zeilen kurz und verständlich?
- Unterstützt die Wortwahl die gewünschte Stimmung?
Übernimm beim Wiederholen auch Großschreibung und Satzzeichen. So bleibt der Bauplan eindeutig erkennbar.
Ein typischer Fehler ist eine fast gleiche Wiederholung:
- Zeile 1: Der Regen klopft ans Fenster.
- Zeile 4: Regen klopft an mein Fenster!
Beide Zeilen meinen etwas Ähnliches, sind aber nicht gleich. Für den verbreiteten Grundbauplan übernimmst du die Zeile unverändert.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Ein verbreitetes Rondell hat Zeilen. Zeile 1 wird in den Zeilen wiederholt. Zeile 2 erscheint erneut in Zeile . Die Zeilen 3, 5 und 6 sind .
A–B–C–A–D–E–A–B: Gleiche Buchstaben stehen für gleiche Zeilen; C, D und E sind freie Ergänzungen.A–B–C–A–D–E–A–B: Gleiche Buchstaben stehen für gleiche Zeilen; C, D und E sind freie Ergänzungen.Vertiefung: Es gibt verschiedene Varianten
Neben dem verbreiteten Bauplan kommen andere Formen vor. Manchmal bleibt Zeile 8 frei, während Zeile 1 weiterhin an den Stellen 4 und 7 wiederholt wird. Eine andere, seltenere Variante wiederholt Zeile 2 an den Stellen 4 und 7 und lässt die übrigen Zeilen frei.
Wenn eine Aufgabe einen bestimmten Bauplan vorgibt, folgst du genau dieser Vorgabe. Ohne besondere Angabe ist A–B–C–A–D–E–A–B eine klare und verbreitete Wahl.
Ein Rondell selbst gestalten
Jetzt wendest du den vollständigen Schreibweg an.
Aufgabe
Schreibe ein Rondell zum Thema Regen.
- Sammle zuerst mindestens fünf passende Wörter oder Vorstellungen.
- Verwende den Bauplan
A–B–C–A–D–E–A–B. - Gestalte die Zeilen 1 und 2 als Hauptaussagen.
- Ergänze in den freien Zeilen drei neue Eindrücke.
- Erkläre anschließend zwei deiner Gestaltungsentscheidungen.
Eine mögliche Lösung
Wortsammlung: Tropfen, Fenster, Pfütze, Wolken, Gummistiefel, rauschen
Regentag
- Der Regen klopft ans Fenster.
- Graue Wolken ziehen weiter.
- Auf dem Weg wächst eine Pfütze.
- Der Regen klopft ans Fenster.
- Meine Gummistiefel glänzen.
- Über den Dächern rauscht das Wasser.
- Der Regen klopft ans Fenster.
- Graue Wolken ziehen weiter.
Begründung: „Der Regen klopft ans Fenster“ steht in Zeile 1, weil das Geräusch die Stimmung des Gedichts bestimmt. Die freien Zeilen zeigen unterschiedliche Eindrücke des Regentags: eine Pfütze, glänzende Stiefel und rauschendes Wasser.
Auch andere Lösungen sind möglich. Sie sind gelungen, wenn sie den Bauplan einhalten, beim Thema bleiben und die freien Zeilen sinnvoll ergänzen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Rondell
- Form: acht Verszeilen, meist eine Strophe
- Bauplan: A–B–C–A–D–E–A–B
- Wiederholung: Zeilen 1, 4 und 7 sowie Zeilen 2 und 8
- Freiraum: Zeilen 3, 5 und 6
- Gestaltung: Thema, Wortwahl und Stimmung
- Schreibweg: sammeln, ordnen, schreiben, prüfen
- Freiheit: Reim und festes Metrum sind nicht nötig
Abschluss-Check
Du kannst ein Rondell nun erkennen, planen, schreiben und überarbeiten: Lege zuerst Thema und Hauptaussagen fest, ordne sie im Bauplan an und prüfe anschließend Wiederholungen, freie Ergänzungen und Wirkung.
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