Werbeanalyse: Werbung Schritt für Schritt untersuchen
Werbeanalyse heißt: Du beschreibst zuerst genau, was eine Werbung zeigt und sagt. Danach erklärst du anhand konkreter Gestaltungsmerkmale, wie sie wirken soll und wen sie ansprechen will. Eine vermutete Wirkung ist dabei kein Beweis für eine tatsächliche Reaktion.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Den Analyseauftrag klären
Bevor du schreibst, betrachtest du die Anzeige mehrfach. Frage dich: Wer wirbt wofür, in welchem Medium und vermutlich für wen? Halte außerdem fest, was dir zuerst auffällt. So gewinnst du einen Überblick, ohne vorschnell zu urteilen.
Werbeanalyse
Eine Werbeanalyse untersucht den Aufbau einer Werbung, ihre sprachlichen und bildlichen Mittel sowie deren beabsichtigte Wirkung. Im Mittelpunkt steht nicht, ob du das Produkt magst, sondern wie die Werbung überzeugen oder beeinflussen will.
Bei einer gedruckten Anzeige begegnen dir häufig diese Elemente:
- Headline: die auffällige Überschrift oder Schlagzeile
- Slogan: ein kurzer, einprägsamer Werbespruch
- Eyecatcher: der Blickfang, der zuerst Aufmerksamkeit anziehen soll
- Produktbild: die Darstellung des beworbenen Produkts
- Logo: das Bildzeichen des Unternehmens
- Informationstext oder Copy: zusätzliche Angaben zum Produkt
- Layout: die gezielte Anordnung aller Bild- und Textelemente
Bei einem Werbespot kommen je nach Medium Ton, Musik, Stimme, Kameraperspektive und Schnitt hinzu. Untersuche sie nur, wenn sie in deinem Material tatsächlich vorkommen.
Bild und Layout sachlich erfassen
Beginne auf der Bildebene mit dem Sichtbaren. Beschreibe Personen, Gegenstände, Hintergrund, Farben, Größenverhältnisse, Bildausschnitt und Perspektive. Nenne auch die Position der Elemente: Was steht im Vordergrund, was am Rand, was nimmt besonders viel Raum ein?
Eine sachliche Beobachtung lautet: Die dunkelviolette Socke nimmt mehr als die Hälfte des Plakats ein. Die Aussage Die Socke ist besonders schön ist dagegen eine persönliche Wertung. Die mögliche Bedeutung der Größe deutest du erst im nächsten Schritt.
Beobachtung: Eine Socke ist übergroß dargestellt; dahinter erscheint ein kleiner Berg.
Deutung: Durch das Größenverhältnis rückt das Produkt in den Mittelpunkt. Der Berg stellt einen Bezug zum Wandern her und kann die versprochene Eignung für Abenteuer unterstützen.
Die Deutung stützt sich hier auf zwei sichtbare Details. Sie behauptet nicht, dass jede Person tatsächlich so reagiert.
Farben haben keine feste, immer gleiche Bedeutung. Formuliere deshalb vorsichtig: Der blaue Hintergrund kann ruhig wirken ist genauer als Blau wirkt immer beruhigend. Entscheidend ist das Zusammenspiel mit Produkt, Text, Zielgruppe und Kontext.
Text und Werbesprache untersuchen
Auf der Textebene prüfst du Headline, Slogan, Produktname und Zusatztext. Notiere Inhalt, Position, Schriftgröße und auffällige Gestaltung. Frage dann: Welche Aussage bleibt im Gedächtnis, welches Produktversprechen entsteht und wie passt die Sprache zur vermuteten Zielgruppe?
Häufige sprachliche Mittel sind:
| Mittel | Woran du es erkennst | Mögliche Funktion |
|---|---|---|
| Imperativ | direkte Aufforderung wie Erlebe es jetzt! | spricht Betrachtende unmittelbar an und drängt zum Handeln |
| Alliteration | gleiche Anfangslaute wie in Milch macht müde Männer munter | kann den Satz einprägsamer machen |
| Reim | ähnliche Endklänge | kann Klang und Erinnerbarkeit stärken |
| Hyperbel | deutliche Übertreibung wie Nichts ist unmöglich | hebt das Versprechen besonders stark hervor |
| Neologismus | neu gebildetes Wort wie unkaputtbar | kann auffallen und eine besondere Produkteigenschaft verdichten |
| Ellipse | unvollständiger, aber verständlicher Satz | verkürzt die Aussage und kann Tempo erzeugen |
| rhetorische Frage | Frage, auf die keine echte Antwort erwartet wird | lenkt Gedanken in eine gewünschte Richtung |
Benenne ein Mittel nie ohne Funktion. Schreibe also nicht nur: Der Slogan enthält einen Imperativ. Ergänze: Der Imperativ spricht die Zielgruppe direkt an und fordert sie zum Handeln auf. Prüfe immer, ob diese Deutung zum konkreten Satz und zur Anzeige passt.
Wirkung und Zielgruppe begründet deuten
Jetzt verbindest du Bild und Text auf der Wirkungsebene. Ein hilfreiches Schema lautet:
- Beobachtung: Was ist konkret zu sehen oder zu lesen?
- Mittel: Wie wurde dieses Detail gestaltet?
- beabsichtigte Wirkung: Welche Vorstellung, welches Gefühl oder welche Handlung soll dadurch wahrscheinlich angeregt werden?
Ein Modell blickt direkt in die Kamera (Beobachtung). Es ist aus einer leichten Froschperspektive aufgenommen (Mittel). Dadurch erscheint es größer und selbstbewusster; das Produkt soll möglicherweise mit Stärke verbunden werden (beabsichtigte Wirkung).
Die Werbebotschaft ist die Kernaussage oder das zentrale Versprechen der Anzeige. Die Zielgruppe ist die Gruppe, die besonders angesprochen werden soll. Leite beides aus Details ab: Motive, Wortwahl, dargestellte Personen, Bedürfnisse, Medium und Preisangaben können Hinweise geben. Ein einzelnes Merkmal reicht oft nicht.
Als zusätzliche Prüfhilfe kannst du das AIDA-Modell verwenden:
- Attention: Was erzeugt Aufmerksamkeit?
- Interest: Was weckt Interesse am Angebot?
- Desire: Was soll einen Wunsch nach dem Produkt auslösen?
- Action: Was fordert zu einer Handlung auf?
AIDA ist kein Pflichtschema für jede Anzeige. Wenn du es nutzt, musst du jede behauptete Phase an einem konkreten Detail nachweisen. Fehlt etwa ein Handlungsaufruf, darfst du nicht einfach eine vollständige AIDA-Kette behaupten.
Die Analyse schreiben und überarbeiten
Dein Text gliedert sich in Einleitung, Hauptteil und Schluss. Schreibe im Präsens und belege Aussagen am sichtbaren oder lesbaren Material.
Einleitung: Gegenstand und erste Hypothese
Nenne Produkt, Unternehmen, Werbeform und – sofern bekannt – Erscheinungsort oder Erscheinungsjahr. Formuliere die vermutete Zielgruppe und eine Deutungshypothese: eine erste, später zu prüfende Aussage über Botschaft und Wirkung.
Muster: Die vorliegende Plakatwerbung des Unternehmens … wirbt für … . Sie richtet sich vermutlich an … und vermittelt die Botschaft, dass … .
Hauptteil: vom Befund zur Wirkung
Untersuche geordnet Bild und Layout, danach Text und Sprache und schließlich ihr Zusammenspiel. Verwende immer wieder das Schema Beobachtung – Mittel – Wirkung. Zitiere kurze Textstellen genau oder gib Zeilen an, falls die Vorlage Zeilen besitzt.
Hilfreiche Formulierung: Die Formulierung „…“ ist ein Imperativ. Sie spricht die Zielgruppe direkt an und soll … .
Schluss: Ergebnisse bewerten
Fasse die zentrale Botschaft zusammen und greife deine Deutungshypothese wieder auf. Beurteile begründet, ob Bild, Text und Gestaltung zur Zielgruppe passen. Deine eigene Einschätzung gehört hierhin. Führe keine neuen Beobachtungen ein.
Überarbeitung
Prüfe zum Schluss:
- Sind Beschreibung und Deutung erkennbar getrennt?
- Folgt auf jedes genannte Mittel eine passende Funktion?
- Ist jede Wirkungsbehauptung mit einem Detail belegt?
- Schreibst du durchgehend im Präsens?
- Enthält der Schluss keine neuen Befunde?
- Sind Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik korrekt?
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Eine Werbeanalyse wird im geschrieben. In der nennst du Produkt und Werbeform. Im untersuchst du Bild, Text und Wirkung. Die eigene begründete Bewertung steht im . Wirkungsdeutungen sicherst du durch ab.
Eine Beispielanzeige vollständig analysieren
Betrachte diese Angaben zu einem Plakat: Es wirbt für „simplesocks Wandersocken“. Eine dunkelviolette Socke nimmt mehr als die Hälfte der Fläche ein. Hinter ihr steht ein kleiner Berg vor blauem Hintergrund. Der Text verspricht, die Socke halte „jedem Wetter“ stand und eigne sich für „100% Abenteuer“. Logo, Produktname und ein kurzer Textteil sind vorhanden.
Einleitung: Das Plakat wirbt für „simplesocks Wandersocken“ und richtet sich vermutlich an Wander- und Outdoorinteressierte. Es vermittelt die Botschaft, dass die Socke robust sei und zu abenteuerlichen Unternehmungen passe.
Hauptteil – Bild und Layout: Das übergroße Produktbild nimmt mehr als die Hälfte des Plakats ein. Dadurch wird die Socke zum Blickfang. Der kleine Berg im Hintergrund stellt einen klaren Bezug zum Wandern her. Die dunkelviolette Socke hebt sich vom blauen Hintergrund ab, sodass das Produkt deutlich erkennbar bleibt.
Hauptteil – Text und Zusammenspiel: Die Aussagen „jedem Wetter“ und „100% Abenteuer“ versprechen Belastbarkeit und vielseitige Einsatzmöglichkeiten. Das Bergmotiv stützt dieses Versprechen bildlich. Weil das Bild mehr Raum als der kurze Text einnimmt, lässt sich die Kernbotschaft schnell erfassen.
Schluss: Bild, Produktname und Werbetext sind auf das Thema Wandern abgestimmt. Deshalb ist die Deutung plausibel, dass das Plakat besonders Outdoorinteressierte ansprechen und die Socke als robusten Begleiter darstellen soll. Ob die Zielgruppe das Produkt tatsächlich kauft, lässt sich aus der Anzeige allein nicht feststellen.
Du bist dran
Untersuche die Aussage „100% Abenteuer“ in drei Sätzen:
- Beschreibe den Wortlaut ohne Wertung.
- Nenne das darin erkennbare Versprechen.
- Verbinde es mit einem Bilddetail und erkläre die beabsichtigte Wirkung.
Lösung und Rückmeldung
Eine mögliche Lösung lautet: Der kurze Text enthält die Angabe „100% Abenteuer“. Die Formulierung verspricht ein besonders intensives Abenteuererlebnis und verbindet dieses Versprechen mit dem Produkt. Zusammen mit dem Bergmotiv soll sie vermutlich Wander- und Outdoorinteressierte ansprechen und den Wunsch nach Unternehmungen wecken.
Andere Formulierungen sind richtig, wenn sie am Wortlaut bleiben, das Bergmotiv sinnvoll einbeziehen und die Wirkung als begründete Absicht statt als sichere Reaktion darstellen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Werbeanalyse
- Einleitung
- Produkt, Unternehmen, Medium, Zielgruppe, Deutungshypothese
- Hauptteil
- Bild und Layout sachlich beschreiben
- Text und Sprache untersuchen
- Beobachtung, Mittel und Wirkung verbinden
- Schluss
- Botschaft bündeln und Zielgruppenpassung begründet bewerten
- Grundregeln
- im Präsens schreiben
- Deutungen konkret belegen
- beabsichtigte und tatsächliche Wirkung unterscheiden
- Einleitung
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