Akademischer Wortschatz Französisch: präzise schreiben
Akademischer Wortschatz hilft dir, Gedanken präzise, logisch verbunden und angemessen vorsichtig auszudrücken. Dazu ersetzt du vage Wörter, nutzt feste Wortverbindungen, stellst Beziehungen zwischen Aussagen her und begrenzt Behauptungen, wenn die Informationen keine sichere Aussage erlauben.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Vom Grundwortschatz zum akademischen Ausdruck
Wörter wie mais (aber), parce que (weil), d’abord (zuerst), puis (dann) und finalement (schließlich) bilden eine wichtige Grundlage. In einem analytischen Text reicht es jedoch nicht, nur viele Bindewörter aneinanderzureihen. Du musst zeigen, wie die Gedanken zusammenhängen.
Akademischer Wortschatz
Akademischer Wortschatz umfasst Wörter und Wendungen, mit denen du Sachverhalte präzise beschreibst, Aussagen logisch verbindest und ihre Reichweite angemessen kennzeichnest.
Eine einfache Aussage lautet:
Il y a beaucoup de choses négatives.
Das bedeutet ungefähr: „Es gibt viele negative Dinge.“ Die Formulierung bleibt ungenau: Welche Dinge sind gemeint, und worin besteht das Problem?
Wenn aus dem Zusammenhang hervorgeht, dass eine bestimmte Situation problematisch ist, kannst du genauer formulieren:
Cette situation pose un problème.
Nun benennt cette situation den Bezug, und pose un problème beschreibt die Schwierigkeit.
Akademisch klingt ein Text nicht durch möglichst schwierige Wörter, sondern durch passende, genaue und nachvollziehbar verbundene Formulierungen.
Vage Aussagen präzisieren
Präzision beginnt mit einer einfachen Frage: Was genau behaupte ich? Wörter wie „Dinge“, „viel“ oder „gut“ können sinnvoll sein. Häufig reichen sie aber nicht aus, wenn du einen Sachverhalt untersuchen oder beurteilen sollst.
Gehe in drei Schritten vor:
- Markiere den vagen Ausdruck.
- Bestimme aus den vorhandenen Informationen, welcher Sachverhalt gemeint ist.
- Formuliere nur so genau, wie es diese Informationen erlauben.
Ausgangssatz:
Il y a beaucoup de choses négatives.
Wenn die Informationen lediglich zeigen, dass eine bestimmte Situation Schwierigkeiten bereitet, passt:
Cette situation pose un problème.
Die Überarbeitung erfindet keine konkreten Folgen. Sie ersetzt aber das unklare choses négatives durch eine nachvollziehbare Aussage über cette situation.
Präzision bedeutet nicht, fehlende Einzelheiten zu ergänzen. Wenn du nicht weißt, welche konkreten Folgen eintreten, darfst du weder Folgen noch Zahlen erfinden.
Kollokationen passend verwenden
Manche Wörter treten typischerweise miteinander auf. Eine solche geläufige Wortverbindung heißt Kollokation.
Kollokation
Eine Kollokation ist eine übliche Verbindung mehrerer Wörter. Ihre Bestandteile passen idiomatisch zusammen, zum Beispiel poser un problème („ein Problem darstellen oder aufwerfen“) und tirer une conclusion („eine Schlussfolgerung ziehen“).
Die beiden Wendungen erfüllen unterschiedliche Funktionen:
- poser un problème benennt eine Schwierigkeit;
- tirer une conclusion bezeichnet den Schritt von Informationen zu einem Ergebnis.
Cette situation pose un problème.
Die Situation wird als problematisch eingeordnet.
On peut tirer une conclusion.
Aus den zuvor untersuchten Informationen kann eine Schlussfolgerung gezogen werden. Der Satz sagt noch nicht, wie die Schlussfolgerung lautet; das musst du anschließend ergänzen.
Lerne eine Kollokation als zusammengehörige Einheit: nicht nur problème, sondern poser un problème; nicht nur conclusion, sondern tirer une conclusion.
Kohäsion macht den Gedankengang sichtbar
Kohäsion bezeichnet den sprachlich sichtbaren Zusammenhang zwischen Sätzen und Absätzen. Ein Text wird nicht schon dadurch verständlich, dass jeder Absatz mit einem anderen Verknüpfungswort beginnt. Das Verknüpfungswort muss zur inhaltlichen Beziehung passen.
Kohäsion
Kohäsion entsteht, wenn sprachliche Mittel die Beziehungen im Text sichtbar machen. Dazu gehören passende Verknüpfungswörter und die verständliche Wiederaufnahme eines bereits genannten Gegenstands.
Betrachte diese Folge:
Cette situation pose un problème. Mais on peut tirer une conclusion.
Mais kündigt einen Gegensatz an. Ob es wirklich passt, hängt vom gemeinten Verhältnis ab. Folgt die Schlussfolgerung einfach auf die Untersuchung des Problems, solltest du keinen unbegründeten Gegensatz behaupten.
Eine passende Abfolge lautet:
D’abord, on examine la situation. Puis, on peut tirer une conclusion.
D’abord markiert den ersten Schritt, puis den folgenden. Durch la situation bleibt zugleich erkennbar, was untersucht wird.
Wähle das Verknüpfungswort nach der Beziehung: mais für einen Gegensatz, parce que für eine Begründung und d’abord – puis – finalement für eine Abfolge.
Aussagen vorsichtig und adressatengerecht formulieren
In einem formellen oder analytischen Text solltest du zwischen einer sicheren Feststellung und einer begrenzten Deutung unterscheiden. Das sprachliche Abstufen von Sicherheit und Reichweite heißt Modalisierung.
Modalisierung
Durch Modalisierung kennzeichnest du, wie sicher und wie weitreichend eine Aussage ist. Suggère („deutet darauf hin“) markiert eine vorsichtige Deutung. Dans une large mesure („in hohem Maße“) begrenzt die Reichweite einer Aussage.
Eine direkte Behauptung lautet:
Cette situation pose un problème.
Wenn die Informationen nur einen Hinweis erlauben, kannst du vorsichtiger formulieren:
Les informations suggèrent que cette situation pose un problème.
Die Form suggèrent que zeigt: Die Aussage wird aus den Informationen abgeleitet, aber nicht als zweifelsfreie Tatsache dargestellt.
Soll eine Aussage weitgehend, jedoch nicht uneingeschränkt gelten, kannst du ihre Reichweite mit dans une large mesure begrenzen.
Register
Das Register ist die Sprachweise, die du passend zu Situation, Aufgabe und Adressaten wählst. In einer Analyse sind präzise, sachliche Formulierungen meist passender als lockere Umgangssprache wie de ouf („krass“).
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Akademisch auf Französisch schreiben
- präzisieren: vage Ausdrücke durch passende Aussagen ersetzen
- formulieren: Kollokationen idiomatisch verwenden
- verbinden: Beziehungen zwischen Gedanken sichtbar machen
- abstufen: Sicherheit und Reichweite kennzeichnen
- anpassen: ein sachliches Register wählen
Ein überzeugender analytischer Text entsteht nicht durch eine möglichst lange Vokabelliste. Du brauchst passende Wörter, feste Verbindungen, einen erkennbaren Gedankengang und Aussagen, die nicht sicherer klingen als ihre Grundlage.
Mit Google fortfahren