Erdkunde

Bodenbildung: Vom Gestein zum lebendigen Boden

Bodenbildung: Vom Gestein zum lebendigen Boden
Bodenbildung: Vom Gestein zum lebendigen Boden
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Bodenbildung, auch Pedogenese, ist die langsame Entstehung und Entwicklung von Boden. Verwitterung zerkleinert und verändert zunächst das Ausgangsgestein. Lebewesen und organische Reste tragen anschließend dazu bei, dass ein geschichteter, belebter Boden entsteht. Dieser Vorgang dauert Jahrtausende.

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Vom Gestein zum Lockermaterial

Am Anfang der Bodenbildung steht festes Ausgangsgestein. Regen, Sauerstoff, Hitze, Kälte, Wasser und Wind wirken darauf ein. Das Gestein wird zerkleinert oder chemisch verändert. Diesen Vorgang nennt man Verwitterung.

Definition

Verwitterung

Verwitterung umfasst Vorgänge, die Gestein an der Erdoberfläche zerkleinern oder seine mineralischen Bestandteile chemisch verändern. Das Material wird dabei lockerer und kann weiter umgewandelt werden.

Das entstandene mineralische Lockermaterial bildet noch keinen vollständig entwickelten Boden. Für einen belebten Oberboden müssen später Organismen und organische Reste hinzukommen.

Beispiel

Ein Granitblock wird durch Temperaturwechsel und gefrierendes Wasser in kleinere Stücke zerlegt. Wasser und Säuren verändern danach Minerale im Gestein. Aus einem Teil des mineralischen Materials können Tonminerale entstehen.

Der entscheidende Zusammenhang lautet:

mechanische Zerkleinerung → chemische Veränderung → mineralisches Lockermaterial

Merke

Verwitterung bereitet das Ausgangsmaterial vor. Ein lebendiger Boden entsteht erst durch das weitere Zusammenwirken mineralischer Bestandteile, organischer Reste und Lebewesen.

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Frage 1 von 1LeichtWas ist Verwitterung?
Lösung: Die Zerkleinerung oder chemische Veränderung von Gestein an der Erdoberfläche — Verwitterung wirkt auf Gestein und erzeugt beziehungsweise verändert mineralisches Lockermaterial.
Drei Arten der Verwitterung unterscheiden

Verwitterung lässt sich nach dem wirkenden Mechanismus in physikalische, chemische und biogene Verwitterung einteilen.

Physikalische Verwitterung zerkleinert Gestein

Bei der physikalischen Verwitterung wird Gestein mechanisch zerlegt. Seine mineralischen Bestandteile werden dabei nicht durch eine chemische Reaktion umgewandelt.

  • Frostsprengung: Wasser dringt in eine Spalte ein, gefriert und übt Druck auf das Gestein aus.
  • Temperatursprengung: Erwärmung und Abkühlung führen wiederholt zu Ausdehnung und Zusammenziehen.
  • Salzsprengung: Wasser verdunstet, Salzkristalle wachsen und drücken gegen die Wände von Poren oder Spalten.
  • Druckentlastung: Werden aufliegende Schichten abgetragen, sinkt der Druck. Das Gestein dehnt sich aus, und es können Klüfte entstehen.

Chemische Verwitterung verändert Minerale

Bei der chemischen Verwitterung reagieren Bestandteile des Gesteins beispielsweise mit Wasser, Säuren oder Sauerstoff.

  • Lösungsverwitterung: Wasser löst lösliche Gesteinsbestandteile.
  • Hydrolyse: Mineralische Verbindungen werden durch eine Reaktion mit Wasser verändert; dabei können Kationen aus dem Mineralverband gelöst werden.
  • Säureverwitterung: Saures Wasser greift basische Bestandteile wie Calciumcarbonat an.
  • Oxidationsverwitterung: Sauerstoff oxidiert eisenhaltige Verbindungen. Dabei können rote oder gelblich-braune Farbtöne entstehen.

Biogene Verwitterung wird durch Lebewesen ausgelöst

Biogen bedeutet: durch Lebewesen verursacht oder beeinflusst.

  • Wurzelsprengung: Wachsende Wurzeln drücken eine Gesteinsspalte auseinander.
  • Organische Säuren: Von Lebewesen stammende Säuren greifen Minerale an.
  • Bioturbation: Tiere und andere Organismen schaffen Hohlräume und lockern Material auf.
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Frage 1 von 3LeichtWelcher Vorgang ist chemische Verwitterung?
Lösung: Sauerstoff verändert eine eisenhaltige Verbindung. — Bei chemischer Verwitterung werden mineralische Stoffe durch Reaktionen verändert.
Frage 2 von 3MittelIn einer Felsspalte wächst eine Wurzel. Der Fels bricht schließlich auseinander. Wie ordnest du den Vorgang ein?
Lösung: Als biogene Verwitterung, weil das Wachstum eines Lebewesens den Bruch verursacht — Entscheidend ist die Ursache: Die wachsende Wurzel erzeugt den Druck.
Frage 3 von 3SchwerNach einem Temperaturwechsel ist ein Gesteinsstück nur kleiner, seine Minerale sind aber nicht umgewandelt. Was lässt sich daraus folgern?
Lösung: Es liegt physikalische Verwitterung vor. — Eine reine mechanische Zerkleinerung gehört zur physikalischen Verwitterung.
Wie lebendiger Boden entsteht

Mineralisches Lockermaterial allein ist noch kein lebendiger, fruchtbarer Oberboden. Die biologische Besiedlung erweitert den Prozess.

  1. Bakterien, Pilze und Flechten besiedeln das verwitterte Gestein.
  2. Diese Pionierorganismen ziehen erste Bodentiere an.
  3. Abgestorbene Pflanzenreste, Tierkadaver und Kot gelangen auf und in das Lockermaterial.
  4. Pilze und Bakterien wirken an der Umwandlung der organischen Reste mit.
  5. Organisches und mineralisches Material vermischen sich allmählich.
  6. Es entwickelt sich eine obere Bodenschicht, auf der Pflanzen wachsen können.
Definition

Organisches Material

Organisches Material stammt von Lebewesen. Dazu gehören beispielsweise abgestorbene Pflanzenreste, Tierkadaver und Kot. Durch ihre Umwandlung entsteht ein wichtiger Bestandteil des Oberbodens.

Gut zu wissen

Bodenbildung ist sehr langsam. Die Entstehung eines entwickelten, lebendigen Bodens dauert Jahrtausende. Boden kann deshalb nicht in kurzer Zeit vollständig ersetzt werden.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Am Anfang steht das . Durch entsteht mineralisches Lockermaterial. Abgestorbene Reste liefern . Pilze und Bakterien wirken an dessen mit.

Lösungen: Lücke 1: Ausgangsgestein; Lücke 2: Verwitterung; Lücke 3: organisches Material; Lücke 4: Umwandlung. Boden entsteht schrittweise: Gestein verwittert, Lebewesen besiedeln das Material und organische Reste werden eingearbeitet und umgewandelt.
Warum ein Boden Schichten besitzt

Während der Bodenentwicklung verändern sich verschiedene Bereiche unterschiedlich. Dadurch entstehen Bodenhorizonte.

Definition

Bodenhorizont

Ein Bodenhorizont ist eine annähernd waagerechte Bodenschicht mit bestimmten Merkmalen. Die Abfolge der Horizonte bildet das Bodenprofil.

Definition

Bodenprofil

Ein Bodenprofil ist ein senkrechter Schnitt durch den Boden. Es zeigt die Abfolge der Bodenhorizonte bis zum Gestein, aus dem sich der Boden entwickelt hat.

Oben befindet sich fruchtbares Erdreich mit organischen und mineralischen Bestandteilen. Darunter können weitere Schichten liegen, beispielsweise sand- oder tonreiches Material. Zuunterst befindet sich das Ausgangsgestein.

Die genaue Zahl, Mächtigkeit und Beschaffenheit der Horizonte ist nicht überall gleich. Ein Profil zeigt daher nicht nur eine Schichtung, sondern auch Spuren der jeweiligen Bodenentwicklung.

Beispiel

In einem Profil erkennst du oben eine dunkle, durchwurzelte Schicht. Darunter liegt helleres, tonreiches Material und ganz unten festes Gestein.

Du kannst sicher beschreiben:

  • Der obere Bereich enthält mehr sichtbare organische Bestandteile und Wurzeln.
  • Die tiefer liegenden Bereiche unterscheiden sich in Material und Farbe.
  • Das feste Gestein bildet das Ausgangsmaterial der Entwicklung.

Aus Farbe allein solltest du jedoch keinen vollständigen Bildungsprozess ableiten. Dafür wären weitere Beobachtungen nötig.

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Frage 1 von 1MittelWas zeigt ein Bodenprofil?
Lösung: Die senkrechte Abfolge der Bodenhorizonte bis zum Ausgangsgestein — Ein Bodenprofil macht die vertikale Gliederung und Unterschiede zwischen den Horizonten sichtbar.
Wovon Bodenunterschiede abhängen

Böden entwickeln sich nicht überall gleich. Mehrere Bedingungen wirken zusammen:

  • die Art des Ausgangsgesteins,
  • die Feuchtigkeit,
  • die herrschenden Temperaturen,
  • die vorhandenen Pflanzen,
  • die Abtragung oder Ablagerung von verwittertem Material.

Diese Faktoren beeinflussen unter anderem Bodenbeschaffenheit, Farbe und Schichtung.

Beispiel

Braunerde kommt in gemäßigten Breiten häufig vor. Sie kann sich bei feuchtem Klima auf Material mit wenig oder keinem Kalk entwickeln.

Eine Rendzina entsteht auf Kalkstein. Sie ist dunkel gefärbt und kann einen hohen Steinanteil besitzen, der den Ackerbau erschwert.

Die Beispiele zeigen: Unterschiedliches Ausgangsgestein und unterschiedliche Umweltbedingungen führen nicht zwangsläufig zum gleichen Boden.

Merke

Ein Boden ist das Ergebnis eines langen Prozesses unter bestimmten Standortbedingungen. Deshalb reicht ein einzelner Faktor selten aus, um alle seine Eigenschaften zu erklären.

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Frage 1 von 2MittelZwei Standorte besitzen unterschiedliches Ausgangsgestein, unterscheiden sich aber sonst nur wenig. Welche Erwartung ist begründet?
Lösung: Die entstehenden Böden können unterschiedliche Eigenschaften besitzen. — Art und Zusammensetzung des Ausgangsgesteins beeinflussen die weitere Bodenentwicklung.
Frage 2 von 2SchwerAn einem Hang wird verwittertes Material regelmäßig weggeschwemmt. Warum kann sich der Boden dort anders entwickeln als an einer Stelle mit Ablagerung?
Lösung: Weil Abtragung Material entfernt, während Ablagerung Material hinzufügt — Ob Material erhalten bleibt, abgetragen oder abgelagert wird, beeinflusst den entstehenden Boden.
Tonminerale und Bodenfruchtbarkeit

Tonminerale sind sehr kleine mineralische Bestandteile des Bodens. Viele besitzen negative Ladungen. Dadurch können sie positiv geladene Teilchen, sogenannte Kationen, festhalten und wieder austauschen.

Definition

Kationenaustauschkapazität

Die Kationenaustauschkapazität beschreibt, wie gut ein Boden Kationen an seinen Bestandteilen festhalten und austauschen kann. Solche Kationen können für Pflanzen wichtige Nährstoffe enthalten.

Eine hohe Austauschkapazität kann die Speicherung pflanzenrelevanter Kationen fördern. Tonminerale können deshalb zur Bodenfruchtbarkeit beitragen.

Fruchtbarkeit hängt jedoch nicht nur von Tonmineralen ab. Auch organisches Material und die Tätigkeit von Pilzen, Bakterien und Bodentieren sind für die Entwicklung eines belebten Oberbodens wichtig.

Beispiel

Bei der Verwitterung von Granit greifen mehrere Prozesse ineinander:

  1. Physikalische Verwitterung zerkleinert den Granit.
  2. Chemische Verwitterung verändert Minerale wie Feldspäte und Glimmer.
  3. Dabei können Tonminerale entstehen.
  4. Tonminerale können Kationen speichern und austauschen.

Das Beispiel verbindet Gesteinsverwitterung mit einer Eigenschaft des späteren Bodens. Es bedeutet nicht, dass jeder tonreiche Boden unter allen Bedingungen automatisch gleich fruchtbar ist.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Fähigkeit von Tonmineralen ist für die Nährstoffspeicherung wichtig?
Lösung: Sie können Kationen festhalten und austauschen. — Negativ geladene Tonminerale können positiv geladene Kationen binden und später austauschen.
Frage 2 von 2SchwerEin Boden enthält Tonminerale, aber kaum organisches Material und nur wenig biologisches Leben. Welche Beurteilung ist am besten begründet?
Lösung: Tonminerale können zur Nährstoffspeicherung beitragen, reichen aber allein nicht zur Erklärung der gesamten Bodenfruchtbarkeit aus. — Tonminerale sind wichtig, doch auch organisches Material und Bodenorganismen gehören zur Entwicklung eines fruchtbaren Oberbodens.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Bodenbildung
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      • Tonminerale und Kationen
      • organisches Material
      • biologische Aktivität
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelche Prozessfolge beschreibt die Bodenbildung am treffendsten?
Lösung: Gestein verwittert, Lockermaterial wird besiedelt, organische Reste werden umgewandelt und Horizonte entwickeln sich. — Bodenbildung verbindet Verwitterung, biologische Besiedlung, organisches Material und langfristige Schichtenentwicklung.
Frage 2 von 4MittelWasser gefriert in einer Gesteinsspalte und sprengt ein Stück ab. Später greift saures Wasser Mineralbestandteile an. Welche Zuordnung stimmt?
Lösung: Der erste Vorgang ist physikalisch, der zweite chemisch. — Ordne nicht nach dem beteiligten Stoff Wasser, sondern nach dem Mechanismus: Zerkleinerung oder chemische Reaktion.
Frage 3 von 4SchwerDu vergleichst zwei Bodenprofile. Eines liegt in feuchter Umgebung auf kalkarmem Material, das andere auf Kalkstein. Warum sind unterschiedliche Profile plausibel?
Lösung: Ausgangsgestein und Feuchtigkeit beeinflussen die Bodenentwicklung. — Böden werden von mehreren Faktoren geprägt, darunter Ausgangsgestein, Feuchtigkeit, Temperatur, Pflanzen und Materialtransport.
Frage 4 von 4SchwerWelche Aussage verbindet Tonminerale und organisches Material fachlich sinnvoll?
Lösung: Tonminerale können Kationen speichern; organische Reste und ihre biologische Umwandlung tragen zum belebten Oberboden bei. — Bodenfruchtbarkeit lässt sich nicht auf einen einzigen Bestandteil reduzieren. Mineralische und biologische Prozesse wirken zusammen.

Wenn du die Prozessfolge erklären, Verwitterungsarten am Mechanismus unterscheiden und Bodenunterschiede mit mehreren Standortfaktoren begründen kannst, hast du die zentralen Zusammenhänge der Bodenbildung erfasst.

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