Cluster in der Wirtschaftsgeografie einfach erklärt
Ein Cluster ist eine räumliche Konzentration miteinander verbundener Unternehmen und Institutionen eines Wirtschaftszweigs oder verwandter Branchen. Räumliche Nähe kann Austausch, Spezialisierung und Innovation erleichtern. Sie garantiert aber keinen wirtschaftlichen Erfolg.
Auf dieser Seite lernst du, Cluster an ihren Beziehungen zu erkennen, ihre Wirkungen zu erklären und ihre Chancen und Risiken abzuwägen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du einen Cluster?
Ein Cluster besteht nicht einfach aus vielen Betrieben an einem Ort. Entscheidend sind räumliche Nähe, wirtschaftliche Spezialisierung und Verflechtungen zwischen den beteiligten Akteuren.
Cluster
Ein wirtschaftsgeografischer Cluster ist eine räumliche Konzentration miteinander verbundener Unternehmen, Zulieferer, Dienstleister und unterstützender Institutionen eines Wirtschaftszweigs oder verwandter Branchen.
Zu den Akteuren können gehören:
- Hersteller ähnlicher oder verwandter Produkte,
- spezialisierte Zulieferer und Dienstleister,
- Abnehmer,
- Hochschulen und Forschungseinrichtungen,
- Kammern, Behörden und Unternehmensverbände,
- Finanz- und andere unterstützende Einrichtungen.
Die Akteure können konkurrieren und zugleich kooperieren. Zwei Hersteller kämpfen etwa um Kundschaft, profitieren aber möglicherweise beide von spezialisierten Fachkräften, Zulieferern oder Forschungseinrichtungen in der Region.
Ein Cluster muss nicht mit einer Stadt-, Landes- oder Staatsgrenze übereinstimmen. Seine räumliche Ausdehnung ergibt sich aus den tatsächlichen Verflechtungen.
Silicon Valley gilt als Hochtechnologiecluster im Computerbereich. Hollywood ist ein Cluster der Film- und Medienindustrie. Beide Beispiele zeigen: Ein Cluster wird durch einen wirtschaftlichen Schwerpunkt und miteinander verbundene Akteure geprägt, nicht allein durch Verwaltungsgrenzen.
Viele Betriebe an einem Ort bilden noch keinen Cluster. Erst Spezialisierung und wirtschaftliche oder institutionelle Verflechtungen machen aus räumlicher Nähe ein Netzwerk.
Welche vier Dimensionen beschreiben das Netzwerk?
Mit vier Dimensionen kannst du untersuchen, wie ein Cluster aufgebaut ist und ob es entwicklungsfähig bleibt.
Horizontale Dimension
Unternehmen auf einer ähnlichen Stufe der Wertschöpfung stellen vergleichbare Produkte her und konkurrieren miteinander. Durch räumliche Nähe können sie Produkte und Produktionsbedingungen beobachten und vergleichen. Das kann Lernen, Verbesserungen und Innovationen anregen.
Vertikale Dimension
Unternehmen verschiedener Stufen der Wertschöpfungskette arbeiten zusammen. Diese Kette reicht vom Rohstoff über Verarbeitung und Dienstleistungen bis zum Absatz an die Kundschaft. Ein bestehender Schwerpunkt kann spezialisierte Zulieferer, Dienstleister und Abnehmer anziehen.
Institutionelle Dimension
Hochschulen, Verbände, Behörden und andere Einrichtungen unterstützen das wirtschaftliche Netzwerk. Wiederholte Beziehungen, gemeinsame Regeln und Vertrauen können die Kooperation erleichtern.
Externe Dimension
Ein Cluster braucht Kontakte nach außen. Neue Marktinformationen und Technologien helfen ihm, auf Veränderungen zu reagieren. Fehlen solche Impulse, droht ein Lock-in: Das Cluster hält an seinen bisherigen Beziehungen und Lösungen fest und verliert an Innovations- und Anpassungsfähigkeit.
Warum kann räumliche Nähe Vorteile schaffen?
Räumliche Nähe verkürzt nicht automatisch jeden Weg und löst nicht jedes Problem. Sie kann jedoch bestimmte wirtschaftliche Prozesse erleichtern:
- Unternehmen beobachten Produkte und Arbeitsweisen ihrer Konkurrenz.
- Informationen und Ideen können leichter ausgetauscht werden.
- Spezialisierte Zulieferer und Dienstleister finden mehrere mögliche Auftraggeber in der Region.
- Wiederholte Zusammenarbeit kann Vertrauen fördern.
- Wissen, Ressourcen, Fachkräfte und Infrastruktur werden räumlich gebündelt.
Daraus können Agglomerationsvorteile entstehen: Vorteile, die Akteure durch ihre räumliche Ballung erhalten. Ein mögliches Ergebnis sind Innovationen oder eine engere Arbeitsteilung.
In einem spezialisierten Industriecluster wächst die Nachfrage nach bestimmten Bauteilen. Für einen Zulieferer wird eine Ansiedlung attraktiv, weil mehrere mögliche Kunden in der Nähe liegen. Seine Ansiedlung verstärkt wiederum die regionale Wertschöpfungsverflechtung.
Die Beziehung ist keine Erfolgsgarantie. Räumliche Nähe kann Austausch ermöglichen, doch Unternehmen müssen vorhandene Faktoren produktiv nutzen und auf technische sowie gesellschaftliche Veränderungen reagieren.
Vertiefung: Wie erklärt Porters Diamant Wettbewerbsvorteile?
Michael E. Porter untersucht mit seinem Diamanten, warum bestimmte Branchen in einzelnen Ländern oder Regionen besonders wettbewerbsfähig werden. Das Modell ordnet vier miteinander wechselwirkende Faktorbündel.
- Faktorbedingungen: Dazu zählen Menge und Qualität nutzbarer Faktoren, etwa Qualifikationen und spezielles Wissen. Ihr bloßes Vorhandensein genügt nicht; sie müssen produktiv eingesetzt und weiterentwickelt werden.
- Nachfragebedingungen: Anspruch, Umfang und Entwicklung der Nachfrage können Investitionen, Spezialisierung und Innovation anregen.
- Verwandte und unterstützende Branchen: Leistungsfähige Zulieferer und verwandte Wirtschaftszweige können Kosten-, Koordinations- und Innovationsvorteile ermöglichen.
- Unternehmensstrategie, Unternehmensstruktur und Inlandswettbewerb: Starker Wettbewerb kann Unternehmen zu fortlaufenden Verbesserungen und Innovationen zwingen.
Der Staat kann diese Bedingungen beispielsweise durch Bildungs-, Forschungs-, Technologie- oder Subventionspolitik beeinflussen. Auch zufällige Ereignisse wie Naturkatastrophen oder historische Umbrüche können Entwicklungen verändern.
Porters Diamant ist eine Erklärungshilfe, kein Erfolgsgesetz. Wettbewerbsvorteile entstehen durch das Zusammenwirken mehrerer Bedingungen und müssen durch Anpassung, Innovation und Qualifizierung erhalten werden.
Wie beurteilst du Clusterpolitik und ihre Risiken?
Clusterpolitik versucht, vorhandene regionale Kompetenzen zu erkennen, weiterzuentwickeln und passende neue Entwicklungen zu fördern. Eine Region kann etwa Netzwerke, Forschung, Bildung oder Infrastruktur unterstützen.
Ein Cluster lässt sich jedoch nicht beliebig an jedem Ort installieren. Fehlen grundlegende wirtschaftliche Strukturen und Verflechtungen, wird aus einer politischen Idee nicht automatisch ein funktionierendes Netzwerk.
Mögliche Chancen
- Austausch von Wissen und Informationen,
- spezialisierte Zuliefer- und Dienstleistungsangebote,
- engere Arbeitsteilung innerhalb der Wertschöpfungskette,
- Innovationsanreize durch Beobachtung, Wettbewerb und Kooperation,
- ein erkennbares wirtschaftliches Profil der Region.
Mögliche Risiken
- Monostruktur: Die Region wird von wenigen Branchen abhängig und dadurch krisenanfälliger.
- Lock-in: Zu starke Binnenbeziehungen verdrängen neue Ideen und Kontakte nach außen.
- Kostensteigerungen: Immobilienpreise, Mieten, Arbeits- und Lebenshaltungskosten können wachsen.
- Belastungen: Infrastruktur, Umwelt und regionale Lebensbedingungen können unter starkem Wachstum leiden.
- Strukturbruch: Neue Technologien oder veränderte Kundenbedürfnisse können bisherige Wettbewerbsvorteile entwerten.
Eine Region fördert fast nur noch einen Wirtschaftszweig. Kurzfristig kann sie dadurch Spezialisierungsvorteile gewinnen. Gerät die Branche später in eine Krise, trifft der Einbruch jedoch besonders viele Betriebe und Beschäftigte der Region. Der frühere Vorteil der Spezialisierung wird dann zum Risiko einer Monostruktur.
So analysierst du einen Cluster Schritt für Schritt
Prüfe einen Raum nicht nur auf bekannte Namen. Gehe systematisch vor:
- Schwerpunkt bestimmen: Welche Branche oder Wertschöpfungskette prägt den Raum?
- Akteure erfassen: Welche Hersteller, Zulieferer, Dienstleister und Institutionen sind beteiligt?
- Dimensionen prüfen: Welche horizontalen, vertikalen, institutionellen und externen Beziehungen bestehen?
- Wirkungen erklären: Wie können Nähe, Wettbewerb, Kooperation und Spezialisierung Vorteile erzeugen?
- Entwicklung untersuchen: Welche Bedingungen aus Porters Diamanten unterstützen oder hemmen den Cluster?
- Urteil bilden: Welche Chancen, Risiken und Grenzen wiegen in diesem Fall besonders schwer?
Gegeben ist folgende Beschreibung: In einer Region arbeiten Hersteller ähnlicher Produkte, spezialisierte Zulieferer und eine Hochschule. Die Hersteller konkurrieren, nutzen aber gemeinsam Forschungskontakte. Gleichzeitig fehlen Verbindungen zu Märkten und Technologien außerhalb der Region.
Analyse: Die Hersteller bilden die horizontale Dimension. Die Beziehungen zu den Zulieferern gehören zur vertikalen Dimension. Die Hochschule steht für die institutionelle Dimension. Die externe Dimension ist schwach. Nähe und Spezialisierung können Lernen und Arbeitsteilung fördern; die fehlenden Außenkontakte erzeugen jedoch ein Lock-in-Risiko.
Urteil: Die Beschreibung erfüllt zentrale Clustermerkmale. Seine langfristige Entwicklung ist trotzdem gefährdet, wenn keine neuen Markt- und Technologieimpulse hinzukommen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Wirtschaftsgeografischer Cluster
- Merkmale: räumliche Nähe, Spezialisierung, Verflechtung
- Akteure: Unternehmen, Zulieferer, Dienstleister, Institutionen
- Dimensionen: horizontal, vertikal, institutionell, extern
- mögliche Wirkungen: Austausch, Arbeitsteilung, Innovation
- Erklärungsmodell: Porters Diamant
- Chancen: Wettbewerbsvorteile und regionales Profil
- Risiken: Monostruktur, Lock-in, Kosten und Belastungen
- Beurteilung: Bedingungen, Wirkungen und Grenzen abwägen
Abschluss-Check
Du kannst einen Cluster nun untersuchen, indem du seine Akteure und vier Dimensionen bestimmst, die möglichen Wirkungen erklärst und anschließend Chancen, Risiken und Grenzen gegeneinander abwägst.
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