Demografischer Übergang: Die fünf Phasen erklärt
Beim demografischen Übergang verändern sich Geburten- und Sterberate von einem hohen zu einem niedrigen Niveau. Weil die Sterberate meist früher sinkt als die Geburtenrate, wächst die Bevölkerung zwischenzeitlich besonders stark. Später sinkt auch die Geburtenrate und das Wachstum wird wieder geringer.
Auf dieser Seite lernst du, wie dieser Verlauf entsteht, woran du die fünf Phasen erkennst und warum das Modell keine sichere Zukunftsprognose liefert.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wie öffnet sich die Bevölkerungsschere?
Stell dir zwei Kurven vor: Eine zeigt die Zahl der Geburten, die andere die Zahl der Todesfälle innerhalb einer Bevölkerung. Ihr Abstand bestimmt, ob die Bevölkerung ohne Zu- und Abwanderung wächst oder schrumpft.
Natürliches Bevölkerungswachstum
Das natürliche Bevölkerungswachstum ergibt sich aus Geburten und Sterbefällen. Gibt es mehr Geburten als Todesfälle, wächst die Bevölkerung natürlich. Gibt es weniger Geburten als Todesfälle, entsteht ein natürlicher Bevölkerungsrückgang. Migration wird dabei nicht berücksichtigt.
Eine Rate beziehungsweise Ziffer macht Geburten oder Sterbefälle zwischen Bevölkerungen und Zeiträumen vergleichbar. Für das Phasenmodell ist vor allem wichtig, ob die Geburten- und Sterberate hoch oder niedrig sind und wie sie sich verändern.
Bevölkerungsschere
Die Bevölkerungsschere ist der Abstand zwischen Geburtenrate und Sterberate. Sinkt die Sterberate, während die Geburtenrate zunächst hoch bleibt, öffnet sich die Schere: Das natürliche Wachstum nimmt zu. Sinkt später auch die Geburtenrate, schließt sich die Schere wieder.
In einer fiktiven Bevölkerung bleibt die Geburtenrate hoch. Durch bessere Hygiene und medizinische Versorgung sinkt jedoch die Sterberate. Nun übersteigt die Zahl der Geburten die Zahl der Todesfälle deutlicher als zuvor.
Der entscheidende Gedanke lautet: Nicht eine steigende Geburtenrate, sondern der wachsende Abstand zwischen beiden Raten beschleunigt hier das natürliche Bevölkerungswachstum.
Für das natürliche Wachstum zählt der Abstand zwischen Geburten- und Sterberate. Zwei hohe Raten können zu geringem Wachstum führen, zwei unterschiedlich hohe Raten dagegen zu starkem Wachstum.
Woran erkennst du die fünf Phasen?
Die fünf Phasen beschreiben keinen unveränderlichen Fahrplan. Sie ordnen einen häufig beobachteten Verlauf nach dem Verhältnis und der Entwicklung von Geburten- und Sterberate.
| Phase | Geburtenrate | Sterberate | Natürliches Wachstum |
|---|---|---|---|
| 1. prätransformativ | hoch | hoch und schwankend | gering, zeitweise negativ |
| 2. frühtransformativ | bleibt hoch | sinkt deutlich | nimmt zu |
| 3. mitteltransformativ | beginnt zu sinken | sinkt weiter | erreicht sein Maximum |
| 4. spättransformativ | sinkt rasch | bereits niedrig, sinkt nur noch wenig | nimmt ab |
| 5. posttransformativ | niedrig | niedrig | gering, stagnierend oder negativ |
Phase 1: hohe Raten, geringes Wachstum
Vor der Industrialisierung standen vielen Geburten zahlreiche Todesfälle gegenüber, etwa durch Seuchen, Hungersnöte oder Kriege. Die Bevölkerung wuchs deshalb nur wenig. Schwankte die Sterberate stark, konnte sie die Geburtenrate zeitweise übersteigen.
Phase 2: Die Sterberate fällt zuerst
Mit verbesserten Lebensbedingungen, Hygiene und medizinischer Versorgung sinkt besonders die Sterblichkeit. Die Geburtenrate bleibt zunächst hoch. Die Bevölkerungsschere öffnet sich und das natürliche Wachstum beschleunigt sich.
Phase 3: Das Wachstum erreicht sein Maximum
Die Sterberate sinkt weiter. Nun beginnt auch die Geburtenrate zu fallen, bleibt aber zunächst deutlich über der Sterberate. Der Abstand zwischen beiden Raten und damit das natürliche Bevölkerungswachstum sind in dieser Phase am größten.
Phase 4: Die Bevölkerungsschere schließt sich
Die Geburtenrate sinkt nun rasch. Die Sterberate liegt bereits niedrig und verändert sich nur noch wenig. Dadurch wird der Abstand zwischen beiden Raten kleiner und das Bevölkerungswachstum verlangsamt sich.
Phase 5: niedrige Raten, kaum noch Wachstum
Geburten- und Sterberate liegen auf niedrigem Niveau. Die Bevölkerung kann stagnieren oder natürlich schrumpfen. Wenn der Anteil älterer Menschen zunimmt, kann die Sterberate wieder leicht steigen.
Mit dem Übergang verändert sich häufig auch die Altersstruktur. Anfangs weist eine Bevölkerung wegen vieler Geburten einen hohen Anteil junger Menschen auf. Bei dauerhaft niedrigen Geburtenzahlen wird die Basis einer Bevölkerungspyramide schmaler. Eine zunächst bienenkorbähnliche Form kann sich langfristig zu einer Urnenform entwickeln.
Wie wendest du das Modell kritisch an?
Um einen Verlauf einzuordnen, gehst du in drei Schritten vor:
- Prüfe getrennt, ob Geburten- und Sterberate hoch oder niedrig sind.
- Achte darauf, welche Rate sinkt und wie sich ihr Abstand verändert.
- Ordne eine Phase zu und nenne anschließend mögliche Grenzen dieser Zuordnung.
Ein fiktiver Raum weist weiterhin eine hohe Geburtenrate auf. Seine Sterberate ist in kurzer Zeit stark gefallen. Der Abstand zwischen den beiden Raten wird größer.
Zuordnung: Das Muster passt zur frühtransformativen Phase.
Begründung: Die Sterberate sinkt zuerst, während die Geburtenrate hoch bleibt. Deshalb öffnet sich die Bevölkerungsschere und das natürliche Wachstum steigt.
Einschränkung: Die Zuordnung beschreibt nur eine Ähnlichkeit mit dem Modell. Sie beweist nicht, dass der Raum anschließend zwangsläufig alle weiteren Phasen in derselben Geschwindigkeit durchläuft.
Das Modell wurde vor allem aus Entwicklungen in Europa und später auch in Nordamerika und Australien abgeleitet. Schon zwischen diesen Räumen verlief der Übergang unterschiedlich. In Frankreich begannen Geburten- und Sterberate ungefähr gleichzeitig zu sinken; deshalb wurde das natürliche Wachstum dort nicht so stark wie in vielen anderen Verläufen.
In später einsetzenden Übergängen konnte die Sterblichkeit dagegen sehr schnell fallen, während die Geburtenrate erst verzögert sank. Dann blieb die Bevölkerungsschere länger weit geöffnet.
Auch Gegenentwicklungen sind möglich. In der ehemaligen Sowjetunion stieg die männliche Sterblichkeit markant, während die Fruchtbarkeit stark sank. Ein solcher Verlauf lässt sich nicht sauber in das einfache Schema einordnen.
Das Modell hilft dir, vergangene und beobachtete Entwicklungen zu ordnen und zu vergleichen. Es ist keine zwangsläufige Einbahnstraße, keine Wertung von Gesellschaften und keine zuverlässige Prognose.
Ökonomische, soziale und kulturelle Bedingungen unterscheiden sich regional. Deshalb können Beginn, Dauer, Reihenfolge und Stärke der Veränderungen vom schematischen Verlauf abweichen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Demografischer Übergang
- Ausgangslage: hohe Geburten- und Sterberate, geringes Wachstum
- Öffnung: Sterberate sinkt zuerst, natürliches Wachstum steigt
- Phase 3: Bevölkerungsschere und Wachstum sind am größten
- Schließung: Geburtenrate sinkt, Wachstum nimmt ab
- Phase 5: beide Raten sind niedrig, Wachstum ist gering oder negativ
- Aussagekraft: Entwicklungen ordnen und Räume vergleichen
- Grenzen: regionale Abweichungen, keine sichere Prognose, keine Wertung
Abschluss-Check
Du hast das Lernziel erreicht, wenn du eine Phase nicht nur benennen, sondern aus der Entwicklung beider Raten begründen und die Zuordnung zugleich als begrenzte Modellbeschreibung kennzeichnen kannst.
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