Erdkunde

Desertifikation: Ursachen, Folgen und Lösungen

Desertifikation: Ursachen, Folgen und Lösungen
Desertifikation: Ursachen, Folgen und Lösungen
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Desertifikation entsteht, wenn Menschen trockene Gebiete so stark oder unangepasst nutzen, dass Vegetation und Boden dauerhaft geschädigt werden und sich wüstenhafte Verhältnisse ausbreiten. Dürren und schwankende Niederschläge können diesen Prozess verstärken.

Du lernst hier, Desertifikation von allgemeiner Bodendegradation abzugrenzen, ihre Wirkungskette zu erklären und passende Gegenmaßnahmen für ein Raumbeispiel auszuwählen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Woran erkennst du Desertifikation?

Stell dir eine trockene Weidelandschaft vor. Solange nur so viele Tiere grasen, wie das Gebiet ernähren kann, wächst die abgefressene Vegetation wieder nach. Wird die Herde jedoch zu groß, verschwindet die Pflanzendecke nach und nach. Der ungeschützte Boden trocknet aus oder wird von Wind und Wasser abgetragen.

Definition

Desertifikation

Desertifikation ist die durch menschliche Übernutzung oder eine nicht an den Standort angepasste Nutzung verursachte Entstehung und Ausbreitung wüstenhafter Verhältnisse. Besonders gefährdet sind aride und semiaride Gebiete, also trockene und halbtrockene Räume.

Eine Landschaft muss dabei nicht zu einer Sandwüste werden. Entscheidend ist, dass Boden, Wasser und Vegetation so geschädigt werden, dass die Nutzungsmöglichkeiten stark abnehmen.

Definition

Bodendegradation

Bodendegradation ist die Verschlechterung eines Bodens, zum Beispiel durch den Verlust von Fruchtbarkeit, Bodenmaterial oder Wasserspeicherfähigkeit. Desertifikation ist ein besonderer Zusammenhang: In einem trockenen Raum führt menschliche Übernutzung über Bodendegradation zu wüstenhaften Verhältnissen.

Ob und wie weit sich ein geschädigter Boden erholt, hängt vom Ausmaß der Schäden und von Gegenmaßnahmen ab. Deshalb eignet sich die Aussage „Bodendegradation erholt sich immer von selbst“ nicht als sichere Abgrenzung.

Merke

Nicht jede Dürre und nicht jede Bodenschädigung ist Desertifikation. Menschlicher Nutzungsdruck ist der zentrale Auslöser; Trockenheit und Niederschlagsschwankungen verschärfen häufig die Folgen.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Situation beschreibt Desertifikation am treffendsten?
Lösung: In einem trockenen Gebiet schädigt dauerhafte Überweidung Vegetation und Boden, sodass wüstenhafte Verhältnisse entstehen. — Desertifikation verbindet menschliche Übernutzung in einem gefährdeten Raum mit anhaltenden Schäden an Vegetation und Boden.
Wie beginnt die Desertifikationsspirale?

Eine einzelne Ursache erklärt den Prozess selten vollständig. Meist greifen mehrere Belastungen ineinander.

  • Überweidung: Tiere fressen mehr Pflanzen ab, als nachwachsen können.
  • Entwaldung: Bäume und Sträucher werden etwa für Ackerflächen, Brennholz oder Bauholz entfernt.
  • Unangepasster Ackerbau: Zu kurze Brachezeiten lassen dem Boden zu wenig Zeit zur Regeneration.
  • Ungeeignete Bewässerung: Ein sehr hoher Wasserverbrauch kann verfügbare Wasservorräte verringern; Bewässerungsfehler können weitere Bodenschäden fördern.
  • Bodenverdichtung: Viele Tiere oder schwere Maschinen drücken den Boden zusammen. Wasser kann dann schlechter versickern.
  • Steigender Nutzungsdruck: Ein höherer Bedarf an Nahrung, Flächen, Wasser und Brennstoff kann eine ohnehin empfindliche Landschaft überlasten.

Trockene Räume besitzen eine begrenzte Tragfähigkeit. Damit ist gemeint, wie viele Menschen und Tiere ein Gebiet dauerhaft versorgen kann, ohne seine natürlichen Grundlagen zu zerstören. Schwankende Niederschläge und Dürren senken diese Tragfähigkeit zeitweise zusätzlich.

Beispiel

Eine Weide kann eine kleine Herde versorgen, weil nach dem Abfressen neues Gras wächst. Der Viehhalter vergrößert die Herde, während mehrere niederschlagsarme Jahre folgen. Nun wird mehr Gras gefressen, als nachwächst. Die Vegetationsdecke wird lückenhaft. Der Boden verliert Schutz und Wurzelhalt. Dadurch verschlechtert sich die Weide weiter und kann noch weniger Tiere ernähren.

Der entscheidende Gedanke lautet: Der steigende Nutzungsdruck und die Trockenheit wirken zusammen. Die Trockenheit verstärkt den Schaden, aber die dauerhaft zu große Herde verhindert die Erholung.

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Frage 1 von 1MittelWarum kann dieselbe Herdengröße nach mehreren trockenen Jahren problematischer sein als zuvor?
Lösung: Weil weniger Vegetation nachwächst und die Tragfähigkeit der Weide sinkt. — Bei geringeren Niederschlägen wächst weniger Pflanzenmasse nach. Wird die Nutzung nicht angepasst, kann sie die Regenerationsfähigkeit überschreiten.
Wie werden aus Vegetationsverlust Bodenschäden?

Pflanzen schützen den Boden auf mehrere Arten: Blätter und Zweige schwächen den Aufprall von Regentropfen, Wurzeln halten Bodenpartikel fest, und die Pflanzendecke beschattet den Boden. Fehlt dieser Schutz, beginnt eine Wirkungskette.

  1. Überweidung, Rodung oder unangepasster Ackerbau verringern die Vegetation.
  2. Der Boden liegt ungeschützt an der Oberfläche.
  3. Wind und abfließendes Wasser tragen Bodenpartikel ab. Dieser Abtrag heißt Erosion.
  4. Stärkere Sonneneinstrahlung und fehlender Schatten fördern die Austrocknung.
  5. Bodenfruchtbarkeit und Pflanzenwachstum nehmen ab.
  6. Die lückenhafte Vegetation schützt den Boden noch schlechter.
  7. Erträge und Nutzungsmöglichkeiten sinken, während der Druck auf die verbliebenen Flächen steigen kann.

Weil die Folgen wieder neue Ursachen verstärken, spricht man von einer Desertifikationsspirale.

Merke

Vegetationsverlust ist ein Wendepunkt: Weniger Pflanzen bedeuten weniger Bodenschutz. Weniger Bodenschutz führt zu stärkeren Schäden, die wiederum neues Pflanzenwachstum erschweren.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Bei Überweidung verschwindet zuerst ein Teil der . Ohne schützende Pflanzen wird der Boden leichter durch Wind oder Wasser . Dieser Vorgang heißt . Nimmt die Bodenfruchtbarkeit ab, kann noch Vegetation nachwachsen.

Lösungen: Lücke 1: Vegetationsdecke; Lücke 2: abgetragen; Lücke 3: Erosion; Lücke 4: weniger. Die Kette verläuft vom Vegetationsverlust über den fehlenden Bodenschutz zur Erosion und weiter zum schwächeren Pflanzenwachstum.
Was zeigt das Beispiel der Sahelzone?

Die Sahelzone liegt als trockenes Übergangsgebiet am Südrand der Sahara. Traditionell zogen Viehhalter mit ihren Herden zu räumlich wechselnden Weiden. Die Verfügbarkeit von Wasser begrenzte die Herdengröße, und die Wanderung entlastete abgeweidete Flächen.

Als feste Siedlungen und neue Brunnen gefördert wurden, konzentrierten sich Menschen und Tiere stärker an einzelnen Orten. Die Herden mussten nicht mehr in gleichem Maß den wechselnden Weidemöglichkeiten folgen. Rund um Siedlungen und Wasserstellen konnte dadurch dauerhaft hoher Weidedruck entstehen.

Beispiel

Die Prozesskette lässt sich so erklären:

  1. Brunnen sichern Wasser an einem festen Ort.
  2. Mehr Tiere bleiben länger in der Umgebung dieses Ortes.
  3. Die nahe gelegenen Weiden werden wiederholt abgefressen.
  4. Die Vegetation kann sich nicht ausreichend erneuern.
  5. Der ungeschützte Boden wird geschädigt und verliert an Nutzbarkeit.
  6. Wüstenhafte Verhältnisse breiten sich lokal aus.

Die Brunnen sind nicht für sich genommen die Ursache. Problematisch wird die Verbindung aus räumlicher Konzentration, hoher Viehzahl und fehlender Entlastung der Weiden.

Die schwere Krise von 1969 bis 1973 führte dazu, dass Desertifikation im Sahel gründlich untersucht wurde. Im Jahr 1977 folgte eine UNO-Konferenz über Desertifikation.

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Frage 1 von 1MittelWarum konnte die Sesshaftmachung im beschriebenen Sahel-Beispiel den Weidedruck erhöhen?
Lösung: Weil Herden länger in der Nähe fester Siedlungen und Brunnen blieben und dort die Vegetation wiederholt nutzten. — Entscheidend ist die räumliche Verteilung der Nutzung: Dauerhaft konzentrierte Herden können die lokale Regenerationsfähigkeit überschreiten.
Welche Gegenmaßnahmen passen zu welcher Ursache?

Eine Maßnahme wirkt besonders gut, wenn sie an der konkreten Ursache ansetzt. Ein einzelnes Mittel kann daher nicht jedes Desertifikationsproblem lösen.

BelastungPassende MaßnahmeBegründung
ÜberweidungHerdengröße und Weidezeiten anpassen, Weideflächen wechselnPflanzen erhalten Zeit zum Nachwachsen.
WinderosionWindschutzhecken anlegenHecken bremsen den Wind und verringern den Abtrag.
Wassererosion am Hanghangparallele Trockenmauern oder Terrassen anlegenWasser fließt langsamer ab und trägt weniger Boden fort.
Hoher WasserverbrauchTröpfchenbewässerung einsetzenWasser gelangt gezielter zu den Pflanzen und Verluste werden verringert.
Entwaldungaufforsten oder Agroforstwirtschaft nutzenGehölze schützen den Boden; bei Agroforstwirtschaft werden Bäume mit landwirtschaftlicher Nutzung verbunden.
Ausgelaugte Ackerflächenangepasste Fruchtfolgen und ausreichende Brachezeiten nutzenDer Nutzungsdruck sinkt und die Bodenfruchtbarkeit kann eher erhalten werden.

Auch alternative Erwerbsmöglichkeiten können helfen. Wenn Familien nicht ausschließlich von einer überlasteten Fläche leben müssen, kann der unmittelbare Nutzungsdruck sinken. Ob eine Maßnahme erfolgreich ist, hängt jedoch von den örtlichen Bedingungen und ihrer dauerhaften Umsetzung ab.

Übertrage das Wissen auf einen neuen Fall

In einer semiariden Region wachsen nur wenige Gräser und Sträucher. Immer mehr Ziegen weiden ganzjährig auf denselben Flächen. Sträucher werden als Brennholz gefällt. Nach seltenen Starkregen fließt Wasser schnell über den kahlen Boden und nimmt Bodenmaterial mit.

Aufgabe: Erkläre die Desertifikationsspirale in diesem Fall und schlage zwei begründete Gegenmaßnahmen vor.

Gut zu wissen

Musterlösung: Die wachsende Ziegenherde und die Rodung verringern die Vegetationsdecke. Dadurch fehlen Wurzeln und oberirdischer Schutz. Bei Starkregen fließt mehr Wasser an der Oberfläche ab und trägt Bodenpartikel fort. Der Boden wird unfruchtbarer, sodass weniger Pflanzen nachwachsen. Die noch kleinere Vegetationsmenge wird erneut stark genutzt: Die Spirale verstärkt sich.

Geeignet wären beispielsweise wechselnde Weideflächen und angepasste Herdengrößen, damit Pflanzen nachwachsen können. Zusätzlich könnten hangparallele Trockenmauern den Abfluss bremsen oder Gehölze als Wind- und Bodenschutz angepflanzt werden. Beide Vorschläge greifen direkt an den beschriebenen Ursachen an.

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Frage 1 von 1SchwerWelche Maßnahmenkombination passt am besten zu einer überweideten, von Wassererosion betroffenen Hangfläche?
Lösung: Weidedruck senken und hangparallele Trockenmauern anlegen — Eine tragfähige Lösung verbindet die Ursache Überweidung mit einer Maßnahme gegen Wassererosion.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Desertifikation
    • Voraussetzungen
      • trockener oder halbtrockener Raum
      • begrenzte Tragfähigkeit
    • Auslöser
      • Überweidung und Entwaldung
      • unangepasster Ackerbau und Bewässerung
    • Verstärker
      • Dürren und Niederschlagsschwankungen
      • steigender Nutzungsdruck
    • Wirkungskette
      • Vegetationsverlust
      • Erosion und Austrocknung
      • sinkende Bodenfruchtbarkeit
    • Gegenmaßnahmen
      • Nutzung anpassen
      • Boden und Vegetation schützen
      • Wasser sparsam einsetzen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage grenzt Desertifikation am besten von einer gewöhnlichen Dürre ab?
Lösung: Desertifikation umfasst menschlich verursachte Übernutzung und daraus entstehende wüstenhafte Verhältnisse. — Eine Dürre ist eine klimatische Belastung. Bei Desertifikation kommt menschlicher Nutzungsdruck als zentraler Auslöser hinzu.
Frage 2 von 3MittelWelche Reihenfolge beschreibt die Desertifikationsspirale schlüssig?
Lösung: Übernutzung → Vegetationsverlust → fehlender Bodenschutz → Bodenschäden → schwächeres Pflanzenwachstum — Die Spirale beginnt mit einer Nutzung, welche die Regenerationsfähigkeit übersteigt. Die folgenden Bodenschäden erschweren neues Pflanzenwachstum und verstärken so das Problem.
Frage 3 von 3SchwerEin trockenes Gebiet verliert vor allem durch starke Winde fruchtbaren Oberboden. Gleichzeitig werden viele Bäume gefällt. Welche Beurteilung ist am überzeugendsten?
Lösung: Aufforstung und Windschutzhecken sind sinnvoll, weil sie den Wind bremsen und dem Boden wieder Schutz geben. — Gute Gegenmaßnahmen folgen der Diagnose. Hier stehen fehlende Gehölze und Winderosion im Mittelpunkt, deshalb sind Vegetationsaufbau und Windschutz passend.

Du kannst Desertifikation erklären, wenn du nicht nur einzelne Ursachen aufzählst, sondern ihre Verbindung zeigst: Menschliche Übernutzung schwächt die Vegetation, klimatische Belastungen verschärfen die Lage, und Bodenschäden erschweren die Erholung. Wirksame Gegenmaßnahmen unterbrechen diese Kette an der jeweils entscheidenden Stelle.

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