Emissionsszenario: Klimaprojektionen verstehen
Ein Emissionsszenario beschreibt einen möglichen zukünftigen Verlauf des Treibhausgasausstoßes. Es ist keine Vorhersage, sondern eine begründete Wenn-dann-Annahme: Wenn sich Gesellschaft, Wirtschaft und Technik auf eine bestimmte Weise entwickeln, dann könnte ein bestimmter Emissionspfad entstehen.
Du lernst, wie daraus eine Klimaprojektion wird, warum mehrere Szenarien nötig sind und wie du Szenarioaussagen kritisch beurteilst.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was beschreibt ein Emissionsszenario?
Ein Emissionsszenario beantwortet die Frage: Wie könnten sich die von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen künftig entwickeln?
Emissionsszenario
Ein Emissionsszenario ist ein in sich stimmiger möglicher Verlauf zukünftiger Treibhausgasemissionen. Es beruht auf Annahmen über Bevölkerung, Wirtschaft, Energieverbrauch, Technik, Ressourcenverbrauch und Umweltpolitik.
Dabei werden unterschiedliche Entwicklungen durchgespielt. Eine Welt mit geringem Energieverbrauch und raschem Ausbau emissionsarmer Technik führt beispielsweise zu einem anderen Emissionspfad als eine Welt mit stark wachsendem Verbrauch fossiler Brennstoffe.
Das Wort Szenario ist entscheidend: Es beschreibt eine mögliche Zukunft unter bestimmten Voraussetzungen. Es behauptet nicht, dass diese Zukunft sicher eintreten wird.
Eine Prognose sagt voraus, was wahrscheinlich geschehen wird. Eine Klimaprojektion zeigt, was unter festgelegten Annahmen geschehen könnte.
Wie wird aus Annahmen eine Klimaprojektion?
Zwischen einer gesellschaftlichen Entwicklung und einer Aussage über das zukünftige Klima liegen mehrere Schritte:
- Annahmen beschreiben mögliche Entwicklungen von Bevölkerung, Wirtschaft, Technik und Energieversorgung.
- Daraus wird ein möglicher Emissionspfad abgeleitet.
- Modelle berechnen, wie sich diese Emissionen auf die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre auswirken. Dabei berücksichtigen sie auch Senken wie Ozeane und Landökosysteme.
- Die veränderte Konzentration beeinflusst den Strahlungsantrieb, also die Energiebilanz der Erde.
- Klimamodelle berechnen daraus mögliche Veränderungen von Temperatur, Niederschlag und weiteren Klimagrößen.
Angenommen, eine Szenariogeschichte beschreibt einen schnellen Ausbau emissionsarmer Energie und einen sinkenden Verbrauch fossiler Brennstoffe.
Der Denkweg lautet:
- Der angenommene Wandel der Energieversorgung senkt den Treibhausgasausstoß.
- Dadurch entsteht ein niedrigerer Emissionspfad.
- Die Treibhausgaskonzentration steigt weniger stark als bei dauerhaft hohen Emissionen.
- Der zusätzliche Strahlungsantrieb fällt geringer aus.
- Das Klimamodell projiziert deshalb eine geringere Erwärmung als unter einem hohen Pfad.
Das Beispiel beweist nicht, dass diese Entwicklung eintreten wird. Es zeigt die Folgen, falls die Annahmen gelten.
Wie unterscheiden sich Emissionspfade, RCPs und SSPs?
Die Begriffe gehören zusammen, bezeichnen aber verschiedene Teile der Szenariokette.
- Ein Emissionspfad beschreibt den zeitlichen Verlauf ausgestoßener Treibhausgase.
- Ein Konzentrationspfad beschreibt, wie sich die Menge dieser Gase in der Atmosphäre entwickeln könnte.
- Ein RCP (Representative Concentration Pathway) steht für einen Konzentrationspfad und den damit verbundenen Strahlungsantrieb. Ein niedriger RCP wie RCP 2.6 steht für eine geringere, RCP 8.5 für eine sehr hohe Klimawirkung.
- Ein SSP (Shared Socioeconomic Pathway) beschreibt eine mögliche gesellschaftliche, demografische und wirtschaftliche Entwicklung.
SSP1 skizziert beispielsweise eine stärker nachhaltigkeitsorientierte Entwicklung. SSP5 beschreibt dagegen eine Entwicklung, die stark auf fossilen Brennstoffen beruht. Solche gesellschaftlichen Pfade können mit unterschiedlichen Klimaschutzannahmen verbunden werden.
Mehr als ein gesellschaftlicher Pfad kann zum selben Konzentrationspfad führen. Umgekehrt entscheidet eine gesellschaftliche Geschichte allein noch nicht eindeutig über die Klimawirkung: Auch politische Maßnahmen, Technik und Energieversorgung beeinflussen den Emissionsverlauf.
Ältere IPCC-Arbeiten verwendeten SRES-Szenarien, deren Ausgangspunkt gesellschaftliche Entwicklungen und Emissionen waren. Später rückten RCPs die Konzentration und den Strahlungsantrieb in den Mittelpunkt. SSPs ergänzen diese Pfade wieder um mögliche gesellschaftliche Entwicklungen.
Warum liefern Szenarien keine Gewissheit?
Unsicherheit bedeutet nicht, dass Klimaprojektionen beliebig sind. Sie zeigt, welche Spannweite sich aus unbekannten Entwicklungen, natürlichen Schwankungen und Modellgrenzen ergibt.
Szenariounsicherheit
Niemand kennt zukünftige politische Entscheidungen, technische Sprünge, Wirtschaftskrisen oder Veränderungen des Konsums genau. Deshalb werden mehrere plausible Pfade untersucht.
Modellunsicherheit
Klimamodelle bilden ein sehr komplexes System vereinfacht ab. Kleinräumige Prozesse wie Wolkenbildung können nicht vollständig aufgelöst werden. Verschiedene Modelle reagieren daher etwas unterschiedlich auf denselben Pfad.
Natürliche Schwankungen
Das Klimasystem schwankt auch ohne eine Änderung des langfristigen Trends. Solche Schwankungen beeinflussen besonders Aussagen über kleinere Räume und kürzere Zeiträume.
Forschende vergleichen deshalb Ergebnisse mehrerer Modelle in einem Ensemble. Stimmen viele Modellläufe in einer grundlegenden Entwicklung überein, stärkt das diese Aussage. Die Spannweite der Ergebnisse bleibt dennoch sichtbar.
Je weiter eine Projektion in die Zukunft reicht und je kleiner der betrachtete Raum ist, desto sorgfältiger musst du ihre Unsicherheitsbereiche und Grenzen beachten.
Eine Szenarioaussage prüfen
Stelle nacheinander fünf Fragen:
- Annahmen: Welche gesellschaftliche und technische Entwicklung wird vorausgesetzt?
- Szenariotyp: Geht es um Emissionen, Konzentrationen oder eine gesellschaftliche Entwicklung?
- Zeithorizont: Für welchen Zeitraum gilt die Aussage?
- Raum: Bezieht sie sich auf die Erde, ein Land oder eine kleine Region?
- Unsicherheit: Zeigt sie eine Spannweite oder nur einen Einzelwert?
Aussage: „In Deutschland werden die Sommer trockener.“
Eine sorgfältige Beurteilung lautet: Die Aussage ist zu pauschal. Regionale Niederschlagsprojektionen unterscheiden sich zwischen Modellen und Räumen. Für die Sommermonate 2031 bis 2060 zeigen die vorliegenden Szenarien in weiten Teilen Deutschlands nur geringe Veränderungen, lokal aber deutlichere Abweichungen in beide Richtungen. Deshalb müssen Zeitraum, Region, Szenario und Unsicherheitsbereich genannt werden.
Wofür werden Emissionsszenarien genutzt?
Emissionsszenarien helfen, Folgen verschiedener Entscheidungen vergleichbar zu machen. Sie unterstützen drei zentrale Aufgaben:
- Klimarisiken einschätzen: Welche Folgen wären unter niedrigen oder hohen Pfaden möglich?
- Klimaschutz planen: Wie stark müssten Emissionen sinken, damit ein niedrigerer Pfad erreichbar wird?
- Anpassung vorbereiten: Welche Vorsorge ist sinnvoll, wenn mehrere Entwicklungen möglich bleiben?
Globale Modelle werden für regionale Untersuchungen räumlich verfeinert. Bei der dynamischen Regionalisierung simuliert ein regionales Modell die physikalischen Prozesse in einem kleineren Gebiet. Bei der statistischen Regionalisierung werden beobachtete Beziehungen zwischen großräumiger Zirkulation und regionalem Wetter genutzt.
Regionale Klimaprojektionen können anschließend mit Angaben über Bevölkerung, Infrastruktur oder Landnutzung verbunden werden. So lässt sich beispielsweise untersuchen, wo besonders viele hitzeempfindliche Menschen leben und wo Vorsorge vorrangig ist.
Emissionsszenarien bewerten dabei nicht automatisch, welche Entscheidung gerecht oder politisch wünschenswert ist. Sie zeigen mögliche Folgen von Annahmen und schaffen damit eine Grundlage für begründete Entscheidungen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Emissionsszenario
- Voraussetzungen
- Gesellschaft, Wirtschaft und Technik
- Energie- und Ressourcenverbrauch
- Wirkungskette
- Emissionen
- Konzentration und Strahlungsantrieb
- Klimaprojektion
- Szenariosysteme
- SSP für gesellschaftliche Entwicklungen
- RCP für Konzentrationspfade
- Unsicherheit
- zukünftige Entscheidungen
- Modellgrenzen
- natürliche Schwankungen
- Nutzung
- Risiken einschätzen
- Klimaschutz und Anpassung planen
- Voraussetzungen
Abschluss-Check
Du hast den Kern verstanden, wenn du bei einer Szenarioaussage nicht nur nach dem Ergebnis fragst, sondern auch nach ihrem Wenn: Welche Annahmen, welcher Zeitraum, welcher Raum und welche Unsicherheit gehören dazu?
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