Erdkunde

Gezeiten erklärt: Ebbe, Flut und Tidenhub

Gezeiten erklärt: Ebbe, Flut und Tidenhub
Gezeiten erklärt: Ebbe, Flut und Tidenhub
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Gezeiten sind das regelmäßige Steigen und Fallen des Meeresspiegels. Flut ist die Phase mit steigendem, Ebbe die Phase mit fallendem Wasserstand. Vor allem die unterschiedlich starke Anziehung des Mondes und die gemeinsame Bewegung von Erde und Mond erzeugen die Gezeiten; die Sonne und die Form von Meer und Küste verändern ihre Stärke.

Deine Lernziele

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Woran erkennst du Ebbe und Flut?

An einer Küste siehst du nicht einfach nur „Ebbe“ oder „Flut“ als Wasserstand. Die beiden Wörter bezeichnen Veränderungen des Wasserstands.

Definition

Ebbe und Flut

Flut ist der Zeitraum vom Niedrigwasser bis zum Hochwasser: Der Wasserstand steigt. Ebbe ist der Zeitraum vom Hochwasser bis zum Niedrigwasser: Der Wasserstand fällt.

Hochwasser ist der höchste und Niedrigwasser der niedrigste Wasserstand einer Tide. Der Tidenhub ist der Höhenunterschied zwischen beiden. Eine Tide umfasst den Verlauf von einem Niedrigwasser bis zum folgenden Niedrigwasser und dauert ungefähr 12,5 Stunden.

Beispiel

In einem Hafen liegt das Niedrigwasser bei 1,2 m und das folgende Hochwasser bei 4,7 m. Der Tidenhub beträgt:

$$4{,}7\,\text{m} - 1{,}2\,\text{m} = 3{,}5\,\text{m}$$

Die Einheit bleibt Meter, weil zwei Wasserstände voneinander abgezogen werden. Das Ergebnis ist plausibel: Es ist positiv und kleiner als der höhere Wasserstand.

Merke

Ebbe und Flut sind Zeiträume. Hochwasser und Niedrigwasser sind Wasserstände. Der Tidenhub ist deren Unterschied.

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Frage 1 von 2LeichtDer Wasserstand fällt gerade vom Hochwasser zum Niedrigwasser. Welche Phase ist das?
Lösung: Ebbe — Entscheidend ist die Richtung der Veränderung: Fallender Wasserstand bedeutet Ebbe.
Frage 2 von 2MittelNiedrigwasser liegt bei 0,8 m, Hochwasser bei 3,1 m. Wie groß ist der Tidenhub?
Lösung: 2,3 m — Tidenhub = Hochwasser minus Niedrigwasser, also 3,1 m − 0,8 m = 2,3 m.
Warum entstehen zwei Flutberge?

Erde und Mond ziehen einander durch Gravitation an. Diese Anziehung ist auf der mondzugewandten Seite der Erde etwas stärker als im Erdmittelpunkt und auf der mondabgewandten Seite etwas schwächer.

Zugleich bewegen sich Erde und Mond um ihren gemeinsamen Schwerpunkt. Im mitbewegten Modell gehört dazu eine überall gleich gerichtete Flieh- beziehungsweise Trägheitswirkung. Erst der Vergleich dieser Wirkung mit der unterschiedlich starken Mondanziehung erklärt die beiden Flutberge:

  • Auf der mondzugewandten Seite überwiegt die stärkere Mondanziehung.
  • Auf der mondabgewandten Seite ist die Mondanziehung schwächer; relativ dazu überwiegt die Trägheitswirkung.
  • Dazwischen liegen Bereiche mit niedrigerem Wasserstand.
Gut zu wissen

Das Modell zeigt den Grundmechanismus, aber nicht die wirkliche Form der Gezeiten in allen Ozeanen. Landmassen, Meerestiefe, Küstenform, Strömungen und Reibung verändern die Wasserbewegung erheblich.

Merke

Die Erdrotation erzeugt den zweiten Flutberg nicht. Sie sorgt vor allem dafür, dass ein Küstenort im Grundmodell nacheinander unter den Bereichen mit höherem und niedrigerem Wasserstand hindurchläuft.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage erklärt den mondabgewandten Flutberg im Grundmodell richtig?
Lösung: Dort ist die Mondanziehung schwächer, sodass relativ zur gemeinsamen Bewegung die Trägheitswirkung überwiegt. — Verglichen werden die räumlich unterschiedliche Mondanziehung und die Wirkung der gemeinsamen Bewegung von Erde und Mond.
Frage 2 von 2MittelWarum ist die Mondanziehung auf der Erdoberfläche nicht überall gleich stark?
Lösung: Die Orte haben unterschiedliche Abstände zum Mond. — Gravitation wird mit wachsendem Abstand schwächer. Deshalb zieht der Mond die ihm nähere Erdseite stärker an als die fernere.
Warum ändern sich die Zeiten täglich?

Im idealisierten Modell gibt es zwei gegenüberliegende Flutberge. Während sich die Erde dreht, gelangt ein Küstenort meist zweimal in einen Bereich mit Hochwasser und zweimal in einen Bereich mit Niedrigwasser. Zwischen Hoch- und Niedrigwasser liegen daher ungefähr sechs Stunden.

Der Mond bewegt sich währenddessen auf seiner Bahn weiter. Bis ein Ort wieder dieselbe Stellung zum Mond erreicht, muss sich die Erde etwas weiter als einmal drehen. Deshalb treten vergleichbare Gezeiten am nächsten Tag durchschnittlich etwa 52 Minuten später auf. Der genaue Abstand schwankt.

Beispiel

Eine vereinfachte Abschätzung teilt einen Tag durch die ungefähr 28 Tage eines Mondumlaufs:

$$\frac{24 \cdot 60\,\text{min}}{28} = \frac{360}{7}\,\text{min} \approx 51{,}4\,\text{min}$$

Gerundet ergibt das etwa 52 Minuten zusätzliche Drehzeit. Die Rechnung ist eine Näherung, keine minutengenaue Vorhersage für einen bestimmten Hafen.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Dauer beschreibt eine vollständige Tide von Niedrigwasser bis zum folgenden Niedrigwasser am besten?
Lösung: ungefähr 12,5 Stunden — Eine Tide umfasst einen vollständigen Niedrigwasser-zu-Niedrigwasser-Zyklus und dauert ungefähr 12,5 Stunden.
Frage 2 von 2MittelIn einem vereinfachten Tidenkalender ist heute um 08:00 Uhr Hochwasser. Wann wäre morgen ungefähr mit einem vergleichbaren Hochwasser zu rechnen?
Lösung: gegen 08:52 Uhr — Vergleichbare Gezeiten treten im Durchschnitt etwa 52 Minuten später auf. Örtliche Vorhersagen können davon abweichen.
Wie verändern Sonne und Mond den Tidenhub?

Auch die Sonne erzeugt Gezeitenkräfte. Sie sind schwächer als die des Mondes, können sie aber verstärken oder teilweise abschwächen.

Definition

Springtide

Bei Neu- und Vollmond stehen Sonne, Erde und Mond annähernd auf einer Linie. Ihre gezeitenerzeugenden Wirkungen verstärken sich. Es entsteht eine Springtide mit besonders großem Tidenhub.

Definition

Nipptide

Bei Halbmond stehen die Richtungen zur Sonne und zum Mond ungefähr rechtwinklig zueinander. Die Wirkungen schwächen sich teilweise ab. Es entsteht eine Nipptide mit kleinem Tidenhub.

In der Wirklichkeit folgt der größte oder kleinste Tidenhub der passenden Mondstellung häufig zeitverzögert. Wasser, Beckenform und Reibung reagieren nicht augenblicklich.

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Frage 1 von 2LeichtBei welcher Mondphase ist eine Springtide zu erwarten?
Lösung: bei Neu- oder Vollmond — Bei Neu- und Vollmond liegen Sonne, Erde und Mond annähernd auf einer Linie; ihre Wirkungen verstärken sich.
Frage 2 von 2MittelSonne, Erde und Mond bilden aus Sicht der Erde ungefähr einen rechten Winkel. Was folgt daraus?
Lösung: Der Tidenhub ist bei einer Nipptide eher klein. — Die Kräfte heben sich nicht vollständig auf, sondern schwächen sich teilweise. Deshalb bleibt die Gezeit bestehen, aber der Tidenhub wird kleiner.
Warum sind Gezeiten nicht überall gleich stark?

Das Zwei-Flutberge-Modell erklärt den astronomischen Antrieb. Den örtlichen Wasserstand bestimmen zusätzlich die Form und Tiefe des Meeres, die Küstenform, Landmassen, Strömungen, die Verbindung zum offenen Ozean und örtlich auch Wind.

An der flachen Nordseeküste fällt das Wattenmeer bei Ebbe auf großen Flächen trocken und wird bei Flut wieder überspült. Der wechselnde Wasserstand verändert den Küstenraum damit regelmäßig zwischen freiliegendem Meeresboden und überfluteter Fläche.

In Meeren mit enger Verbindung zum offenen Ozean sind die Gezeiten oft schwächer. Deshalb sind sie in der Ostsee deutlich weniger ausgeprägt als an der Nordsee. Umgekehrt können eine geeignete Becken- und Küstenform die Gezeiten stark vergrößern; in der kanadischen Fundy Bay werden Tidenhübe bis zu 13 m erreicht.

Gut zu wissen

Ein hoher Wasserstand ist nicht automatisch eine Sturmflut. Die astronomische Gezeit ist regelmäßig; Wind kann den Wasserstand zusätzlich verändern. Für einen Küstenort brauchst du deshalb örtliche Vorhersagen statt nur das vereinfachte Grundmodell.

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Frage 1 von 2MittelZwei Küstenorte liegen ähnlich zum Mond, haben aber verschiedene Tidenhübe. Was ist die beste Erklärung?
Lösung: Beckenform, Meerestiefe, Küstenform und Ozeanverbindung verändern die örtliche Gezeit. — Der astronomische Antrieb ist global, doch regionale Bedingungen formen die tatsächliche Wasserbewegung.
Frage 2 von 2SchwerEin fast abgeschlossenes Meer hat nur eine enge Verbindung zum offenen Ozean. Welche begründete Vermutung passt?
Lösung: Der Tidenhub kann kleiner sein, weil nur begrenzt Wasser mit dem Ozean ausgetauscht wird. — Eine eingeschränkte Ozeanverbindung kann die Gezeiten abschwächen. Die genaue Höhe hängt zusätzlich von weiteren örtlichen Faktoren ab.
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Alles auf einen Blick
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  • Gezeiten
    • Begriffe
      • Ebbe: Wasserstand fällt
      • Flut: Wasserstand steigt
      • Tidenhub: Hochwasser minus Niedrigwasser
    • Astronomischer Antrieb
      • unterschiedlich starke Mondanziehung
      • gemeinsame Bewegung von Erde und Mond
      • Sonne verändert den Tidenhub
    • Zeitlicher Rhythmus
      • Tide dauert ungefähr 12,5 Stunden
      • tägliche Verschiebung etwa 52 Minuten
    • Regionale Ausprägung
      • Beckenform und Meerestiefe
      • Küstenform und Ozeanverbindung
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelche Zuordnung ist richtig?
Lösung: Ebbe: Wasserstand fällt; Flut: Wasserstand steigt. — Merke dir die Richtung: Flut führt zum Hochwasser, Ebbe zum Niedrigwasser.
Frage 2 von 4MittelEin Hafen meldet Niedrigwasser bei 1,4 m und Hochwasser bei 5,0 m. Wie groß ist der Tidenhub?
Lösung: 3,6 m — Rechne Hochwasser minus Niedrigwasser: 5,0 m − 1,4 m = 3,6 m.
Frage 3 von 4MittelWelche Aussage über den zweiten Flutberg ist fachlich passend?
Lösung: Er ergibt sich im Grundmodell aus dem Vergleich der schwächeren Mondanziehung auf der abgewandten Seite mit der Trägheitswirkung der gemeinsamen Bewegung. — Beide Flutberge gehören schon zum Erde-Mond-Grundmodell; die Sonne verändert ihre Ausprägung zusätzlich.
Frage 4 von 4SchwerFür morgen wird Halbmond angezeigt. Zugleich liegt eine Küste an einem engen, flachen Meeresbecken. Welche Aussage ist am besten begründet?
Lösung: Astronomisch ist eher eine Nipptide zu erwarten; die genaue örtliche Höhe hängt zusätzlich von der Becken- und Küstenform ab. — Die Mondphase hilft bei der Einordnung von Spring- und Nipptide. Für den konkreten Wasserstand müssen regionale Bedingungen mitberücksichtigt werden.

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