Massentourismus: Folgen erkennen und beurteilen
Massentourismus entsteht, wenn sich sehr viele Reisende an einem Ort konzentrieren. Er kann Arbeitsplätze, Einnahmen und ein großes Freizeitangebot schaffen. Gleichzeitig belastet er häufig Natur, Wohnraum und Bevölkerung. Deshalb musst du Vorteile und Nachteile gemeinsam betrachten.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du Massentourismus?
Nicht jede beliebte Urlaubsregion ist automatisch ein Ziel des Massentourismus. Entscheidend ist die Ballung vieler Reisender an einem Ort. Große Besucherzahlen treffen dort auf eine Infrastruktur, die viele Menschen gleichzeitig aufnehmen und versorgen kann.
Massentourismus
Massentourismus bezeichnet die räumliche Konzentration sehr vieler Touristinnen und Touristen. Der Begriff wird meist kritisch verwendet, weil diese Konzentration weitreichende Folgen für Umwelt, Wirtschaft und Bevölkerung haben kann.
Typische Bedingungen begünstigen diese Entwicklung:
- Ein internationaler Flughafen oder ein gut ausgebautes Straßennetz erleichtert die Anreise.
- Viele Hotels, Gaststätten und Freizeitangebote liegen dicht beieinander.
- Reiseveranstalter organisieren Anreise, Unterkunft und weitere Leistungen als Gesamtpaket.
- Standardisierte Angebote senken den Planungsaufwand für Reisende.
- Eine hohe erwartete Auslastung kann Reisen und Unterkünfte günstiger machen.
Pauschaltourismus und Massentourismus bedeuten nicht dasselbe. Bei einer Pauschalreise werden mehrere Reiseleistungen gemeinsam gebucht. Erst eine starke räumliche Konzentration vieler Reisender macht daraus Massentourismus.
Frage nicht nur: Wie viele Menschen reisen? Frage auch: Wo und wann konzentrieren sie sich, welche Infrastruktur ermöglicht das und welche Folgen entstehen vor Ort?
Wie wirkt Massentourismus auf einen Raum?
Die Folgen lassen sich mit den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit ordnen. Diese Trennung hilft bei der Analyse. In der Wirklichkeit beeinflussen sich die Dimensionen jedoch gegenseitig.
Ökologische Folgen
Viele Gäste benötigen Fläche, Wasser und Strom. Hotels, Straßen und Freizeitanlagen können Böden versiegeln und Naturflächen verdrängen. Gleichzeitig entstehen große Abfallmengen und weitere Umweltbelastungen.
Wirtschaftliche Folgen
Tourismus kann Arbeitsplätze schaffen und den Absatz von Waren und Dienstleistungen erhöhen. Eine hohe Nachfrage ermöglicht zudem ein großes Freizeitangebot.
Die Einnahmen bleiben aber nicht vollständig in der Region. Kontrollieren internationale Hotelketten oder andere auswärtige Unternehmen einen großen Teil des Angebots, fließt Geld ins Ausland ab. Dies nennt man Devisenabfluss. Hinzu kommt, dass manche Arbeitsplätze nur während der Reisesaison bestehen.
Devisenabfluss
Devisenabfluss bedeutet hier, dass touristische Einnahmen nicht am Urlaubsort bleiben, sondern beispielsweise an Unternehmen im Ausland fließen. Hohe Einnahmen bedeuten deshalb nicht automatisch eine ebenso hohe lokale Wertschöpfung.
Soziale Folgen
Durchgeplante Reisen können Gästen Sicherheit geben und den Organisationsaufwand verringern. Für die Bevölkerung am Zielort können jedoch Lärm, schlechtes Benehmen und überfüllte Orte belastend sein.
Touristische Bauprojekte beanspruchen außerdem Flächen und Wohnraum. Steigende Preise oder der Kauf von Wohnungen durch wohlhabende Auswärtige können Einheimische verdrängen. Selbst religiöse Stätten können ihren ursprünglichen Zweck nur noch eingeschränkt erfüllen, wenn sie ständig von großen Besuchergruppen besichtigt werden.
Ein neues Hotel schafft Arbeitsplätze. Für den Bau wird jedoch eine bisher unbebaute Fläche versiegelt. Gehört das Hotel einer internationalen Kette, fließt zudem ein Teil der Einnahmen aus der Region ab.
Die richtige Beurteilung lautet deshalb nicht einfach gut oder schlecht. Das Beispiel verbindet einen wirtschaftlichen Vorteil, eine ökologische Belastung und eine mögliche Begrenzung der lokalen Wertschöpfung.
Was zeigt das Beispiel Mallorca?
Mallorca verdeutlicht, wie verschiedene Folgen zusammenwirken. Wachsende Besucherzahlen und touristische Angebote werden dort mit steigenden Preisen, knapperem Wohnraum, Verschmutzung und Lärm verbunden.
Ein weiterer Konflikt betrifft Wasser. Die meisten Gäste kommen während der trockenen Sommermonate. Gleichzeitig benötigen Hotels, Swimmingpools, Golfplätze und Parks Wasser, während auch landwirtschaftliche Flächen bewässert werden müssen. Für Urlauber wird ein Verbrauch von 250 bis 400 Litern Wasser pro Person und Tag genannt.
Nutzungskonflikt
Ein Nutzungskonflikt entsteht, wenn verschiedene Gruppen dieselbe begrenzte Ressource oder Fläche für unterschiedliche Zwecke beanspruchen. Auf Mallorca konkurrieren unter anderem Tourismus, Bevölkerung und Landwirtschaft um Wasser und Raum.
So analysierst du das Fallbeispiel
- Beobachtung nennen: In der trockenen Hauptreisezeit steigt der Wasserbedarf durch viele Gäste und touristische Anlagen.
- Ursache erklären: Hohe Besucherzahlen treffen auf eine Zeit, in der Wasser ohnehin knapp werden kann.
- Betroffene bestimmen: Tourismusbetriebe, Einheimische und Landwirtschaft benötigen dieselbe Ressource.
- Folgen verknüpfen: Wasserknappheit ist ökologisch relevant, kann wirtschaftliche Tätigkeiten einschränken und soziale Verteilungskonflikte verschärfen.
- Urteil vorbereiten: Eine Maßnahme muss danach beurteilt werden, wen sie entlastet, wen sie belastet und ob sie das Grundproblem verringert oder nur verlagert.
Meerwasserentsalzungsanlagen werden als Reaktion auf mögliche Wasserknappheit genannt. Allein daraus folgt jedoch noch kein vollständiges Nachhaltigkeitsurteil: Für eine Bewertung müssten auch Aufwand, Umweltwirkungen und die Verteilung des gewonnenen Wassers geprüft werden.
Aufgabe: Erkläre, warum der Wasserkonflikt auf Mallorca nicht nur ein Umweltproblem ist.
Lösung: Wasser ist eine natürliche Ressource, deshalb besitzt der Konflikt eine ökologische Seite. Zugleich benötigen Landwirtschaft und Tourismus Wasser für ihre wirtschaftlichen Tätigkeiten. Wenn die Versorgung knapp wird oder ungleich verteilt ist, betrifft das auch das Leben der Bevölkerung. Der Konflikt verbindet somit ökologische, wirtschaftliche und soziale Folgen.
Wie lassen sich nachhaltigere Ansätze beurteilen?
Sanfter Tourismus setzt auf weniger Reisende, regionale Dienstleistungen sowie den Schutz von Landschaft und Kultur. Der Ansatz soll Umweltbelastungen verringern und dafür sorgen, dass örtliche Anbieter und Einwohner stärker profitieren.
Sanfter Tourismus
Sanfter Tourismus ist eine nachhaltiger ausgerichtete Reiseform mit wenigen Gästen und einer stärkeren Nutzung regionaler Angebote. Er soll Landschaft und Kultur bewahren und lokale Beteiligung fördern.
Eine Maßnahme ist nicht allein deshalb nachhaltig, weil sie so bezeichnet wird. Prüfe sie mit vier Fragen:
- Ökologie: Sinkt der Verbrauch von Fläche, Wasser und Energie oder entsteht weniger Abfall?
- Wirtschaft: Bleibt ein größerer Teil der Einnahmen bei regionalen Betrieben und Beschäftigten?
- Soziales: Werden Wohnraum, Kultur, Alltag und Interessen der Bevölkerung berücksichtigt?
- Zielkonflikt: Entsteht an anderer Stelle eine neue Belastung oder werden Kosten nur auf andere Gruppen verlagert?
Ein gutes Nachhaltigkeitsurteil nennt erst die Wirkung, dann die Betroffenen und schließlich mögliche Nebenfolgen. Eine Maßnahme muss nicht in allen Dimensionen gleich gut abschneiden.
Vorschlag: Eine Region begrenzt die Zahl neuer Großhotels und stärkt kleinere regionale Unterkünfte.
Beurteilung: Weniger Großbauten können den zusätzlichen Flächen- und Ressourcenbedarf begrenzen. Regionale Unterkünfte können einen größeren Teil der Einnahmen am Ort halten. Ob die Maßnahme insgesamt überzeugt, hängt aber auch davon ab, wie bestehende Arbeitsplätze, Preise und die tatsächliche Besucherzahl beeinflusst werden. Das Urteil bleibt deshalb an überprüfbare Bedingungen gebunden.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Massentourismus
- Kennzeichen
- Viele Reisende an einem Ort
- Gute Erreichbarkeit und große Kapazitäten
- Wirkungen
- Ökologisch: Ressourcen, Fläche und Abfall
- Wirtschaftlich: Arbeitsplätze, Einnahmen und Devisenabfluss
- Sozial: Lärm, Überfüllung und Verdrängung
- Raumbeispiel Mallorca
- Konkurrenz um Wasser und Wohnraum
- Belastung durch Verschmutzung und Lärm
- Beurteilung
- Drei Nachhaltigkeitsdimensionen verbinden
- Nutzen, Betroffene und Nebenfolgen prüfen
- Kennzeichen
Abschluss-Check
Du kannst Massentourismus nun nicht nur an hohen Besucherzahlen erkennen. Entscheidend ist, wie sich viele Reisende räumlich konzentrieren, welche Strukturen dies ermöglichen und wie die Folgen zwischen Umwelt, Wirtschaft und Bevölkerung verteilt sind.
Mit Google fortfahren