Erdkunde

Rohstoffe: Arten, Ressourcen und Reserven

Rohstoffe: Arten, Ressourcen und Reserven
Rohstoffe: Arten, Ressourcen und Reserven
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Rohstoffe sind natürliche, noch nicht aufbereitete Ausgangsstoffe für Waren oder Energie. Ob ein natürliches Vorkommen bereits als Reserve gilt, hängt zusätzlich von Nachweis, technischer Gewinnbarkeit und Wirtschaftlichkeit ab.

Auf dieser Seite lernst du, die wichtigsten Begriffe zu unterscheiden, Rohstoffe sinnvoll einzuordnen und die kritische Bedeutung eines Rohstoffs zu begründen.

Deine Lernziele

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Rohstoff, Ressource oder Reserve?

Stell dir ein Metallvorkommen tief unter der Erdoberfläche vor. Der Stoff ist natürlich vorhanden – doch ist er deshalb schon ein nutzbarer Rohstoff oder sogar eine Reserve?

Definition

Rohstoff

Ein Rohstoff ist ein natürlicher Ausgangsstoff, der noch nicht aufbereitet oder verarbeitet wurde. Er kann anschließend zur Herstellung von Waren oder zur Energiegewinnung dienen.

Ein Rohstoff ist also nicht dasselbe wie das fertige Produkt. Erz kann ein Rohstoff sein; ein daraus hergestelltes Metallprodukt ist bereits verarbeitet.

Der Begriff Ressource wird unterschiedlich weit verwendet. Im weiten Sinn bezeichnet er natürliche Vorkommen in oder auf der Erde. In einem vereinfachten Modell gehören dazu auch vermutete oder derzeit nicht gewinnbare Rohstoffvorkommen.

Definition

Reserve

Eine Reserve ist ein nachgewiesenes Rohstoffvorkommen, das in ausreichender Menge vorhanden sowie technisch gewinnbar und wirtschaftlich lohnend ist.

Damit ein Vorkommen als Reserve gilt, müssen mehrere Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein:

  1. Das Vorkommen ist nachgewiesen.
  2. Es ist in ausreichender Menge vorhanden.
  3. Die Gewinnung ist technisch möglich.
  4. Die Gewinnung lohnt sich unter den betrachteten wirtschaftlichen Bedingungen.
Merke

Nicht jede Ressource ist eine Reserve. Eine Reserve ist nachgewiesen, technisch gewinnbar und wirtschaftlich nutzbar.

Beispiel

Ein Erzvorkommen wird unter einer Gebirgskette vermutet, wurde aber noch nicht nachgewiesen. Im vereinfachten Modell zählt es zu den Ressourcen, jedoch nicht zu den Reserven.

Spätere Untersuchungen weisen das Erz nach. Trotzdem wird es erst dann als Reserve eingeordnet, wenn genügend Erz vorhanden ist und der Abbau technisch sowie wirtschaftlich möglich ist.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelches Merkmal gehört zwingend zu einer Reserve?
Lösung: Das Vorkommen ist nachgewiesen und wirtschaftlich sowie technisch gewinnbar. — Eine Reserve erfüllt gleichzeitig die Bedingungen Nachweis, ausreichende Menge, technische Gewinnbarkeit und Wirtschaftlichkeit.
Frage 2 von 2MittelEin Vorkommen ist nachgewiesen, kann mit der vorhandenen Technik aber nicht abgebaut werden. Wie wird es im vereinfachten Modell eingeordnet?
Lösung: Als Ressource, aber nicht als Reserve — Das Vorkommen bleibt außerhalb der Reserven, solange eine notwendige Bedingung nicht erfüllt ist.
Bodenschätze und Rohstoffarten einordnen

Bodenschätze sind natürliche Ressourcen in der Erdkruste oder auf dem Ozeanboden. Ihr Abbau erfordert häufig aufwendige Technik. Sie können als Industrierohstoffe oder Energierohstoffe genutzt werden.

  • Industrierohstoffe sind Grundstoffe für die Herstellung von Waren.
  • Energierohstoffe sind Grundstoffe für die Energiegewinnung.

Rohstoffe lassen sich nach unterschiedlichen Merkmalen ordnen. Deshalb kann derselbe Rohstoff gleichzeitig zu mehreren Gruppen gehören.

Einteilung nach stofflicher Art

  • pflanzliche Rohstoffe
  • tierische Rohstoffe
  • mineralische Rohstoffe
  • chemische Rohstoffe

Einteilung nach wirtschaftlicher Herkunft

  • agrarische Rohstoffe
  • forstwirtschaftliche Rohstoffe
  • fischereiwirtschaftliche Rohstoffe
  • bergbauliche Rohstoffe

Eine weitere Einteilung unterscheidet harte und weiche Rohstoffe:

  • Harte Rohstoffe wie Erze oder fossile Energieträger werden abgebaut oder aus Lagerstätten gewonnen.
  • Weiche Rohstoffe sind nachwachsende Rohstoffe. Sie werden im weiteren Sinn geerntet. Ihre Verfügbarkeit hängt unter anderem von Landschaft, Klima und Jahreszeit ab.
Gut zu wissen

Die Einteilungen beantworten verschiedene Fragen: „Woraus besteht der Rohstoff?“, „Aus welchem Wirtschaftszweig stammt er?“ oder „Wie wird er gewonnen?“. Sie schließen einander daher nicht aus.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage beschreibt einen weichen Rohstoff?
Lösung: Er wächst nach und wird im weiteren Sinn geerntet. — Weiche Rohstoffe regenerieren sich. Ihre Verfügbarkeit kann aber von Klima, Landschaft und Saison abhängen.
Frage 2 von 2MittelWarum kann ein Rohstoff mehreren Gruppen zugeordnet werden?
Lösung: Die Gruppen beruhen auf unterschiedlichen Einteilungsmerkmalen. — Eine Einteilung kann die Stoffart betrachten, eine andere die wirtschaftliche Herkunft oder die Art der Gewinnung.
Wie Lagerstätten entstehen

Eine Lagerstätte ist ein natürliches Vorkommen, in dem ein nutzbarer Stoff angereichert ist. Lagerstätten desselben Rohstofftyps können sich deutlich unterscheiden.

Ihre Entstehung hängt von geologischen Vorgängen ab. Dazu gehören:

  • magmatische Prozesse,
  • heiße, mineralhaltige Lösungen bei hydrothermalen Lagerstätten,
  • Vorgänge auf Ozeanböden,
  • die Umwandlung von Gesteinen durch Metamorphose,
  • Verwitterung, Umlagerung und anschließende Ablagerung,
  • Zersetzung organischen Materials bei Kohle-, Erdöl- und Erdgaslagerstätten.

Viele dieser Vorgänge stehen mit der Plattentektonik, also den Bewegungen und Wechselwirkungen der Erdplatten, in Verbindung.

Beispiel

Zwei Eisenerzlagerstätten enthalten nicht zwangsläufig genau dieselben Begleitstoffe. Ihre chemische Zusammensetzung bildet einen charakteristischen „Fingerabdruck“.

Dieser Fingerabdruck kann Hinweise auf die Herkunft des Erzes geben. Die Zusammensetzung ist außerdem wichtig, wenn die Wirtschaftlichkeit einer Lagerstätte beurteilt wird.

Merke

Der Name eines Rohstoffs allein beschreibt eine Lagerstätte nicht vollständig. Entstehung und chemische Zusammensetzung beeinflussen ihre Eigenschaften und mögliche Nutzung.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelZwei Lagerstätten enthalten denselben Erztyp, aber unterschiedliche Begleitstoffe. Welche Schlussfolgerung ist richtig?
Lösung: Ihre chemischen Fingerabdrücke können sich unterscheiden. — Geologische Entstehungsbedingungen können die chemische Zusammensetzung einer Lagerstätte prägen.
Frage 2 von 2SchwerWozu kann der chemische Fingerabdruck eines mineralischen Rohstoffs beitragen?
Lösung: Zur Bestimmung seiner Herkunft und zur Beurteilung einer Lagerstätte — Die Zusammensetzung kann Hinweise auf die Herkunft geben und für die wirtschaftliche Bewertung bedeutsam sein.
Wann ist ein Rohstoff kritisch?

„Kritisch“ bedeutet nicht einfach „selten“. Mehrere natürliche, wirtschaftliche, politische, soziale und ökologische Bedingungen können zusammenwirken.

Ein Rohstoff kann als kritisch gelten, wenn beispielsweise:

  • die Natur ihn nur in begrenzter Menge bereitstellt,
  • wichtige Vorkommen in politisch instabilen Regionen liegen,
  • beim Abbau Arbeitsschutzbestimmungen missachtet werden,
  • der Abbau die Umwelt stark belastet,
  • er für bedeutsame technische Anwendungen benötigt wird.
Beispiel

Aus Coltanerz wird unter anderem Tantal gewonnen. Das Ausgangsmaterial nennt für Tantal in der Erdkruste einen Gehalt von etwa 2 parts per million (ppm).

Tantal wird unter anderem für Kondensatoren, Smartphonetechnik, Stahlveredelung, chirurgische Implantate sowie in der optischen und chemischen Industrie verwendet. Seine geringe natürliche Konzentration und seine technische Bedeutung können zusammen mit politischen, sozialen und ökologischen Abbaurisiken zu einer kritischen Versorgungslage beitragen.

Merke

Die Bewertung „kritisch“ entsteht aus einer Kombination von Verfügbarkeit, Bedeutung und Risiken. Ein einzelnes Merkmal genügt nicht immer für ein begründetes Urteil.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Begründung ist für einen kritischen Rohstoff am vollständigsten?
Lösung: Er ist schwer verfügbar, technisch bedeutsam und seine Gewinnung ist mit Risiken verbunden. — Eine tragfähige Begründung betrachtet mehrere Kriterien statt nur eine einzelne Eigenschaft.
Frage 2 von 2SchwerEin häufig vorkommender Rohstoff wird unter gefährlichen Arbeitsbedingungen gewonnen und ist für viele Produkte wichtig. Darf man seine Kritikalität prüfen?
Lösung: Ja, denn auch soziale Risiken und technische Bedeutung sind relevante Kriterien. — Die natürliche Menge ist nur ein mögliches Kriterium. Für die Bewertung müssen mehrere Bedingungen untersucht werden.
Begriffe auf einen Fall anwenden

Prüfe nun einen neuen Fall:

Ein Metallvorkommen auf dem Ozeanboden ist durch Messungen nachgewiesen. Die vorhandene Technik könnte es abbauen. Die Gewinnung wäre derzeit jedoch teurer als der wirtschaftliche Nutzen. Das Metall wird für wichtige technische Bauteile benötigt. Ein Abbau könnte den Ozeanboden stark belasten.

Gehe in drei Schritten vor:

  1. Ordne das Vorkommen als Ressource oder Reserve ein.
  2. Nenne die noch nicht erfüllte Bedingung für eine Reserve.
  3. Begründe, warum das Metall trotzdem als kritisch untersucht werden sollte.
Teste dich
Frage 1 von 2MittelWie ist das Vorkommen derzeit am besten einzuordnen?
Lösung: Als nachgewiesene Ressource, aber nicht als wirtschaftlich gewinnbare Reserve — Das Vorkommen ist nachgewiesen und technisch erreichbar, erfüllt aber die Bedingung der Wirtschaftlichkeit noch nicht.
Frage 2 von 2SchwerWelche Begründung für eine Prüfung der Kritikalität passt zum Fall?
Lösung: Das Metall ist technisch wichtig, und der mögliche Abbau birgt erhebliche Umweltrisiken. — Im Fall sprechen die technische Bedeutung und das ökologische Risiko für eine genauere Prüfung. Die Lage auf dem Ozeanboden allein wäre noch keine ausreichende Begründung.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Rohstoffe
    • Begriffe
      • Ressource
      • Reserve
      • Bodenschatz
    • Einteilungen
      • Stoffliche Art
      • Wirtschaftliche Herkunft
      • Harte und weiche Rohstoffe
    • Lagerstätten
      • Geologische Entstehung
      • Chemischer Fingerabdruck
    • Kritikalität
      • Begrenzte Verfügbarkeit
      • Technische Bedeutung
      • Politische, soziale und ökologische Risiken
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Reihenfolge beschreibt den Weg zum fertigen Produkt richtig?
Lösung: Natürlicher Ausgangsstoff, Aufbereitung oder Verarbeitung, Produkt — Ein Rohstoff ist der noch nicht verarbeitete Ausgangsstoff. Erst durch Aufbereitung oder Verarbeitung entsteht daraus ein nutzbares Material oder Produkt.
Frage 2 von 3MittelEin nachgewiesenes Vorkommen ist technisch erreichbar, aber die gewinnbare Menge ist zu klein und der Abbau lohnt sich nicht. Welche Aussage stimmt?
Lösung: Es erfüllt nicht alle Bedingungen einer Reserve. — Eine Reserve muss alle vier Bedingungen erfüllen: Nachweis, ausreichende Menge, technische Gewinnbarkeit und Wirtschaftlichkeit.
Frage 3 von 3SchwerZwei Rohstoffe sind gleich selten. Beim ersten bestehen zusätzlich hohe Abbaurisiken und eine große technische Abhängigkeit. Welcher ist begründeter als kritisch einzustufen?
Lösung: Der erste, weil mehrere Risikofaktoren zusammenkommen. — Eine begründete Bewertung verbindet Verfügbarkeit mit technischer Bedeutung sowie politischen, sozialen oder ökologischen Risiken.

Du hast das Lernziel erreicht, wenn du bei einem neuen Vorkommen zuerst die Begriffe sauber trennst, dann die passende Einteilung begründest und schließlich mehrere Kriterien für eine mögliche Kritikalität prüfst.

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