Rohstoffe: Arten, Ressourcen und Reserven
Rohstoffe sind natürliche, noch nicht aufbereitete Ausgangsstoffe für Waren oder Energie. Ob ein natürliches Vorkommen bereits als Reserve gilt, hängt zusätzlich von Nachweis, technischer Gewinnbarkeit und Wirtschaftlichkeit ab.
Auf dieser Seite lernst du, die wichtigsten Begriffe zu unterscheiden, Rohstoffe sinnvoll einzuordnen und die kritische Bedeutung eines Rohstoffs zu begründen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Rohstoff, Ressource oder Reserve?
Stell dir ein Metallvorkommen tief unter der Erdoberfläche vor. Der Stoff ist natürlich vorhanden – doch ist er deshalb schon ein nutzbarer Rohstoff oder sogar eine Reserve?
Rohstoff
Ein Rohstoff ist ein natürlicher Ausgangsstoff, der noch nicht aufbereitet oder verarbeitet wurde. Er kann anschließend zur Herstellung von Waren oder zur Energiegewinnung dienen.
Ein Rohstoff ist also nicht dasselbe wie das fertige Produkt. Erz kann ein Rohstoff sein; ein daraus hergestelltes Metallprodukt ist bereits verarbeitet.
Der Begriff Ressource wird unterschiedlich weit verwendet. Im weiten Sinn bezeichnet er natürliche Vorkommen in oder auf der Erde. In einem vereinfachten Modell gehören dazu auch vermutete oder derzeit nicht gewinnbare Rohstoffvorkommen.
Reserve
Eine Reserve ist ein nachgewiesenes Rohstoffvorkommen, das in ausreichender Menge vorhanden sowie technisch gewinnbar und wirtschaftlich lohnend ist.
Damit ein Vorkommen als Reserve gilt, müssen mehrere Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein:
- Das Vorkommen ist nachgewiesen.
- Es ist in ausreichender Menge vorhanden.
- Die Gewinnung ist technisch möglich.
- Die Gewinnung lohnt sich unter den betrachteten wirtschaftlichen Bedingungen.
Nicht jede Ressource ist eine Reserve. Eine Reserve ist nachgewiesen, technisch gewinnbar und wirtschaftlich nutzbar.
Ein Erzvorkommen wird unter einer Gebirgskette vermutet, wurde aber noch nicht nachgewiesen. Im vereinfachten Modell zählt es zu den Ressourcen, jedoch nicht zu den Reserven.
Spätere Untersuchungen weisen das Erz nach. Trotzdem wird es erst dann als Reserve eingeordnet, wenn genügend Erz vorhanden ist und der Abbau technisch sowie wirtschaftlich möglich ist.
Bodenschätze und Rohstoffarten einordnen
Bodenschätze sind natürliche Ressourcen in der Erdkruste oder auf dem Ozeanboden. Ihr Abbau erfordert häufig aufwendige Technik. Sie können als Industrierohstoffe oder Energierohstoffe genutzt werden.
- Industrierohstoffe sind Grundstoffe für die Herstellung von Waren.
- Energierohstoffe sind Grundstoffe für die Energiegewinnung.
Rohstoffe lassen sich nach unterschiedlichen Merkmalen ordnen. Deshalb kann derselbe Rohstoff gleichzeitig zu mehreren Gruppen gehören.
Einteilung nach stofflicher Art
- pflanzliche Rohstoffe
- tierische Rohstoffe
- mineralische Rohstoffe
- chemische Rohstoffe
Einteilung nach wirtschaftlicher Herkunft
- agrarische Rohstoffe
- forstwirtschaftliche Rohstoffe
- fischereiwirtschaftliche Rohstoffe
- bergbauliche Rohstoffe
Eine weitere Einteilung unterscheidet harte und weiche Rohstoffe:
- Harte Rohstoffe wie Erze oder fossile Energieträger werden abgebaut oder aus Lagerstätten gewonnen.
- Weiche Rohstoffe sind nachwachsende Rohstoffe. Sie werden im weiteren Sinn geerntet. Ihre Verfügbarkeit hängt unter anderem von Landschaft, Klima und Jahreszeit ab.
Die Einteilungen beantworten verschiedene Fragen: „Woraus besteht der Rohstoff?“, „Aus welchem Wirtschaftszweig stammt er?“ oder „Wie wird er gewonnen?“. Sie schließen einander daher nicht aus.
Wie Lagerstätten entstehen
Eine Lagerstätte ist ein natürliches Vorkommen, in dem ein nutzbarer Stoff angereichert ist. Lagerstätten desselben Rohstofftyps können sich deutlich unterscheiden.
Ihre Entstehung hängt von geologischen Vorgängen ab. Dazu gehören:
- magmatische Prozesse,
- heiße, mineralhaltige Lösungen bei hydrothermalen Lagerstätten,
- Vorgänge auf Ozeanböden,
- die Umwandlung von Gesteinen durch Metamorphose,
- Verwitterung, Umlagerung und anschließende Ablagerung,
- Zersetzung organischen Materials bei Kohle-, Erdöl- und Erdgaslagerstätten.
Viele dieser Vorgänge stehen mit der Plattentektonik, also den Bewegungen und Wechselwirkungen der Erdplatten, in Verbindung.
Zwei Eisenerzlagerstätten enthalten nicht zwangsläufig genau dieselben Begleitstoffe. Ihre chemische Zusammensetzung bildet einen charakteristischen „Fingerabdruck“.
Dieser Fingerabdruck kann Hinweise auf die Herkunft des Erzes geben. Die Zusammensetzung ist außerdem wichtig, wenn die Wirtschaftlichkeit einer Lagerstätte beurteilt wird.
Der Name eines Rohstoffs allein beschreibt eine Lagerstätte nicht vollständig. Entstehung und chemische Zusammensetzung beeinflussen ihre Eigenschaften und mögliche Nutzung.
Wann ist ein Rohstoff kritisch?
„Kritisch“ bedeutet nicht einfach „selten“. Mehrere natürliche, wirtschaftliche, politische, soziale und ökologische Bedingungen können zusammenwirken.
Ein Rohstoff kann als kritisch gelten, wenn beispielsweise:
- die Natur ihn nur in begrenzter Menge bereitstellt,
- wichtige Vorkommen in politisch instabilen Regionen liegen,
- beim Abbau Arbeitsschutzbestimmungen missachtet werden,
- der Abbau die Umwelt stark belastet,
- er für bedeutsame technische Anwendungen benötigt wird.
Aus Coltanerz wird unter anderem Tantal gewonnen. Das Ausgangsmaterial nennt für Tantal in der Erdkruste einen Gehalt von etwa 2 parts per million (ppm).
Tantal wird unter anderem für Kondensatoren, Smartphonetechnik, Stahlveredelung, chirurgische Implantate sowie in der optischen und chemischen Industrie verwendet. Seine geringe natürliche Konzentration und seine technische Bedeutung können zusammen mit politischen, sozialen und ökologischen Abbaurisiken zu einer kritischen Versorgungslage beitragen.
Die Bewertung „kritisch“ entsteht aus einer Kombination von Verfügbarkeit, Bedeutung und Risiken. Ein einzelnes Merkmal genügt nicht immer für ein begründetes Urteil.
Begriffe auf einen Fall anwenden
Prüfe nun einen neuen Fall:
Ein Metallvorkommen auf dem Ozeanboden ist durch Messungen nachgewiesen. Die vorhandene Technik könnte es abbauen. Die Gewinnung wäre derzeit jedoch teurer als der wirtschaftliche Nutzen. Das Metall wird für wichtige technische Bauteile benötigt. Ein Abbau könnte den Ozeanboden stark belasten.
Gehe in drei Schritten vor:
- Ordne das Vorkommen als Ressource oder Reserve ein.
- Nenne die noch nicht erfüllte Bedingung für eine Reserve.
- Begründe, warum das Metall trotzdem als kritisch untersucht werden sollte.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Rohstoffe
- Begriffe
- Ressource
- Reserve
- Bodenschatz
- Einteilungen
- Stoffliche Art
- Wirtschaftliche Herkunft
- Harte und weiche Rohstoffe
- Lagerstätten
- Geologische Entstehung
- Chemischer Fingerabdruck
- Kritikalität
- Begrenzte Verfügbarkeit
- Technische Bedeutung
- Politische, soziale und ökologische Risiken
- Begriffe
Abschluss-Check
Du hast das Lernziel erreicht, wenn du bei einem neuen Vorkommen zuerst die Begriffe sauber trennst, dann die passende Einteilung begründest und schließlich mehrere Kriterien für eine mögliche Kritikalität prüfst.
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