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Entropie in der Informatik verstehen und berechnen

Entropie in der Informatik verstehen und berechnen
Entropie in der Informatik verstehen und berechnen
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Die Entropie misst die durchschnittliche Unsicherheit einer diskreten Informationsquelle. Je ungewisser ihr nächstes Symbol ist, desto größer ist ihre Entropie. Mit Logarithmen zur Basis 2 wird sie in Bit pro Symbol angegeben.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Von Wahrscheinlichkeit zu Information

Warum überrascht dich eine seltene Nachricht stärker als eine erwartete? Die Informationstheorie beschreibt diesen Unterschied mit dem Informationsgehalt eines Ergebnisses $x$:

$$I(x)=-\log_2 p(x)=\log_2\frac{1}{p(x)}$$

Dabei ist $p(x)$ die Wahrscheinlichkeit des Ergebnisses. Je kleiner $p(x)$ ist, desto größer ist $I(x)$.

Definition

Informationsgehalt

Der Informationsgehalt $I(x)$ misst die Überraschung eines einzelnen Ergebnisses. Bei einem sicheren Ergebnis mit $p(x)=1$ gilt $I(x)=0$ Bit. Bei $p(x)=0{,}5$ gilt $I(x)=1$ Bit.

Die Entropie betrachtet dagegen alle möglichen Ergebnisse einer Quelle und mittelt deren Informationsgehalte nach ihren Wahrscheinlichkeiten.

Merke

Informationsgehalt gehört zu einem Ergebnis. Entropie gehört zur gesamten Wahrscheinlichkeitsverteilung.

Beispiel

Bei einer fairen Münze haben „Kopf“ und „Zahl“ jeweils die Wahrscheinlichkeit $0{,}5$. Jedes Ergebnis besitzt daher den Informationsgehalt

$$-\log_2(0{,}5)=1\ \text{Bit}.$$

Vor dem Wurf ist offen, welches der beiden Ergebnisse eintritt. Nach dem Wurf ist diese Unsicherheit beseitigt.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt den Informationsgehalt eines einzelnen Ergebnisses richtig?
Lösung: Ein seltenes Ergebnis hat einen größeren Informationsgehalt als ein häufiges. — Es gilt $I(x)=-\log_2 p(x)$. Sinkt die Wahrscheinlichkeit, steigt der Informationsgehalt.
Entropie Schritt für Schritt berechnen

Für eine diskrete Zufallsvariable $X$ mit den möglichen Ergebnissen $x_1,\dots,x_n$ und Wahrscheinlichkeiten $p_1,\dots,p_n$ lautet die Shannon-Entropie:

$$H(X)=-\sum_{i=1}^{n}p_i\log_2p_i$$

Die Wahrscheinlichkeiten müssen zusammen 1 ergeben. Für ein unmögliches Ergebnis verwendet man die Konvention $0\log_2 0:=0$; es trägt nichts zur Summe bei.

So gehst du vor:

  1. Notiere alle möglichen Ergebnisse und ihre Wahrscheinlichkeiten.
  2. Prüfe, ob die Wahrscheinlichkeiten zusammen 1 ergeben.
  3. Berechne für jedes Ergebnis $I(x_i)=-\log_2p_i$.
  4. Gewichte jeden Informationsgehalt mit $p_i$.
  5. Addiere die Beiträge und deute die Einheit Bit pro Symbol.
Beispiel

Die Quelle ABBCAADA enthält acht Zeichen. Es gelten

  • $p_A=4/8=0{,}5$,
  • $p_B=2/8=0{,}25$,
  • $p_C=p_D=1/8=0{,}125$.

Die Informationsgehalte sind 1 Bit für A, 2 Bit für B und jeweils 3 Bit für C und D. Daher:

$$H=0{,}5\cdot1+0{,}25\cdot2+0{,}125\cdot3+0{,}125\cdot3=1{,}75\ \text{Bit/Zeichen}.$$

Das Ergebnis ist ein Mittelwert. Es behauptet nicht, dass jedes einzelne Zeichen genau $1{,}75$ Bits besitzt.

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Frage 1 von 1MittelEine Quelle liefert A mit $p=0{,}5$ und B sowie C jeweils mit $p=0{,}25$. Wie groß ist ihre Entropie?
Lösung: $1{,}5$ Bit pro Symbol — Die Informationsgehalte sind 1 Bit für A und je 2 Bit für B und C. Der gewichtete Mittelwert ist $0{,}5\cdot1+0{,}25\cdot2+0{,}25\cdot2=1{,}5$ Bit pro Symbol.
Maximum, Minimum und Vergleich

Bei $n$ möglichen Symbolen ist die Entropie am größten, wenn alle Symbole gleich wahrscheinlich sind:

$$H_{\max}=\log_2 n$$

Damit gilt immer:

$$0\le H(X)\le\log_2 n$$

Entropie 0 bedeutet: Ein Ergebnis ist sicher. Maximale Entropie bedeutet: Die Verteilung ist gleichmäßig und die Unsicherheit innerhalb dieses Modells am größten.

Beispiel

Ein fairer sechsseitiger Würfel hat sechs gleich wahrscheinliche Ergebnisse. Deshalb gilt

$$H=\log_2 6\approx2{,}585\ \text{Bit pro Wurf}.$$

Ein fairer achtseitiger Würfel hat $H=\log_2 8=3$ Bit. Drei Bit passen hier genau, weil $2^3=8$ gleich wahrscheinliche Möglichkeiten unterschieden werden können.

Für Quellen mit unterschiedlich großen Alphabeten kann die normierte Entropie hilfreich sein:

$$H_{\mathrm{norm}}=\frac{H}{H_{\max}}$$

Sie liegt zwischen 0 und 1. Ein Wert von 1 bedeutet Gleichverteilung bezogen auf das gewählte Alphabet.

Gut zu wissen

Die Logarithmusbasis bestimmt die Einheit. Basis 2 liefert Bit. Auch die gewählte Symbolisierung zählt: Dieselben Daten können auf Bit- und Byteebene unterschiedlich bewertet werden.

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Frage 1 von 1MittelEine Quelle kann vier Symbole ausgeben. Wann erreicht sie 2 Bit pro Symbol?
Lösung: Wenn alle vier Symbole jeweils die Wahrscheinlichkeit $1/4$ haben. — Für vier mögliche Symbole ist $H_{\max}=\log_2 4=2$ Bit. Dieses Maximum wird nur bei Gleichverteilung erreicht.
Abhängigkeiten verändern die Unsicherheit

Reichen gleiche Häufigkeiten aus, um eine Folge zu beurteilen? Nein. Vergleiche diese beiden Quellen:

  • Die periodische Folge 1010101010... wechselt immer vorhersehbar.
  • Eine unabhängige faire Binärquelle wählt jedes Zeichen neu mit gleicher Wahrscheinlichkeit.

Bei beiden treten 0 und 1 gleich häufig auf. Ihre Einzelzeichenentropie ist deshalb jeweils 1 Bit. Trotzdem ist nach einer 1 das nächste Zeichen der periodischen Folge bereits bestimmt.

Für Zeichenblöcke der Länge $n$ verwendet man:

$$H_n=-\sum_{w}p(w)\log_2p(w)$$

Die Summe läuft über die möglichen Wörter $w$ der Länge $n$. Für unabhängige, gleich verteilte Zeichen gilt $H_n=nH_1$. Bei Abhängigkeiten kann die Entropie pro Zeichen kleiner sein.

Definition

Bedingte Entropie

Die bedingte Entropie $H(Y\mid X)$ misst, wie viel Unsicherheit über $Y$ übrig bleibt, wenn $X$ bekannt ist. Ist das nächste Zeichen durch das vorige vollständig bestimmt, beträgt diese Restunsicherheit 0.

Merke

Gleiche Einzelzeichenhäufigkeiten bedeuten nicht gleiche Struktur. Um Reihenfolgen zu untersuchen, brauchst du Blockwahrscheinlichkeiten oder bedingte Wahrscheinlichkeiten.

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Frage 1 von 1SchwerEine lange Binärfolge enthält gleich viele Nullen und Einsen. Was darfst du daraus sicher schließen?
Lösung: Ihre aus Einzelzeichenhäufigkeiten berechnete Entropie beträgt 1 Bit pro Zeichen. — Die Häufigkeiten bestimmen nur die Einzelzeichenentropie. Aussagen über Reihenfolge, Vorhersagbarkeit oder Komprimierbarkeit erfordern ein Modell für Abhängigkeiten.
Entropie setzt eine Grenze für Kompression

Verlustfreie Kompression muss die ursprünglichen Daten vollständig wiederherstellen können. Häufige Symbole erhalten in geeigneten variablen Codes kurze Codewörter, seltene längere. So nähert sich die mittlere Codelänge der Entropie.

Für einen geeigneten eindeutig decodierbaren Binärcode mit mittlerer Codelänge $L$ gilt als grundlegende Grenze:

$$H\le L$$

Dabei werden $H$ und $L$ jeweils in Bit pro Symbol verglichen. Entropie ist also keine fertige Codierung, sondern eine theoretische Untergrenze für die durchschnittliche verlustfreie Darstellung im verwendeten Quellenmodell.

Beispiel

Für die Verteilung $p_A=1/2$, $p_B=1/4$, $p_C=p_D=1/8$ hat ein fester Code für vier Symbole stets Länge 2 Bit:

  • A → 00
  • B → 01
  • C → 10
  • D → 11

Ein variabler Präfixcode kann lauten:

  • A → 1
  • B → 01
  • C → 000
  • D → 001

Kein Codewort ist der Anfang eines anderen; deshalb ist der Code ohne Trennzeichen eindeutig decodierbar. Seine mittlere Länge ist

$$L=\frac12\cdot1+\frac14\cdot2+\frac18\cdot3+\frac18\cdot3=1{,}75\ \text{Bit/Zeichen}.$$

Hier stimmt $L$ mit der Entropie überein. Huffmans Verfahren konstruiert für gegebene Einzelzeichenhäufigkeiten einen optimalen Präfixcode, indem es wiederholt die zwei kleinsten Gewichte verbindet.

Kleine Entropie weist auf statistische Regelmäßigkeiten und damit auf Kompressionspotenzial hin. Trotzdem garantiert kein verlustfreies Verfahren, dass jede mögliche Eingabe kürzer wird. Außerdem kann ein Modell, das nur Einzelzeichen zählt, Regelmäßigkeiten in längeren Folgen übersehen.

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Frage 1 von 2MittelWarum bekommt A im variablen Beispiel das kürzeste Codewort?
Lösung: A tritt am häufigsten auf; ein kurzes Codewort senkt deshalb die mittlere Länge besonders stark. — Für eine kleine mittlere Codelänge werden häufige Symbole kurz und seltene länger codiert. Die Präfixfreiheit sorgt dabei für eindeutige Decodierbarkeit.
Frage 2 von 2SchwerEine Datei hat eine gleichmäßige Verteilung ihrer einzelnen Bytes. Welche Aussage ist gerechtfertigt?
Lösung: Ein Einzelbyte-Modell zeigt wenig Potenzial; Abhängigkeiten zwischen Bytefolgen können dennoch Kompression ermöglichen. — Entropie hängt vom gewählten Modell und von der Symbolisierung ab. Ein Modell höherer Ordnung kann Regelmäßigkeiten erkennen, die Einzelhäufigkeiten übersehen.
Typische Denkfehler sicher vermeiden

„Hohe Entropie beweist Zufälligkeit.“ Das stimmt nicht. Eine Häufigkeitsmessung kann unerkannte Abhängigkeiten enthalten. Sie beweist auch nicht, ob eine Folge von einer echten oder einer pseudozufälligen Quelle stammt.

„Entropie ist die Zahl möglicher Ergebnisse.“ Das stimmt nur nach einer Umformung für Gleichverteilung: Dann ist $H=\log_2 n$. Bei ungleichen Wahrscheinlichkeiten brauchst du die vollständige Shannon-Formel.

„Ein seltenes Symbol senkt immer die Entropie.“ Ein seltenes Symbol hat hohen Informationsgehalt. Sein Beitrag zur Entropie ist aber $p\cdot I$ und wird mit seiner kleinen Wahrscheinlichkeit gewichtet. Entscheidend ist stets die ganze Verteilung.

„Redundanz ist immer schlecht.“ Bei Kompression möchte man statistische Redundanz verringern. Für Fehlererkennung und Fehlerkorrektur kann man dagegen bewusst zusätzliche Bits einbauen. Das sind verschiedene Ziele.

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Frage 1 von 1SchwerEin Test meldet für die Häufigkeiten von 0 und 1 eine normierte Entropie von 1. Welche Schlussfolgerung ist zu stark?
Lösung: Die Folge ist mit Sicherheit echt zufällig. — Maximale Einzelzeichenentropie beschreibt die gemessene Verteilung. Sie schließt Perioden oder andere Abhängigkeiten nicht aus und beweist keine echte Zufälligkeit.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Entropie in der Informatik
    • Wahrscheinlichkeit → Informationsgehalt eines Ergebnisses
    • Verteilung → mittlere Information $H(X)$
    • Gleichverteilung → maximale Entropie $\log_2n$
    • Abhängigkeit → Block- und bedingte Entropie
    • Quellenmodell → gewählte Symbole und erfasste Muster
    • Kompression → Untergrenze der mittleren Codelänge
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelche Größe beschreibt die durchschnittliche Unsicherheit einer vollständigen diskreten Verteilung?
Lösung: Die Entropie $H(X)$ — Die Shannon-Entropie mittelt $-\log_2p(x)$ über alle möglichen Ergebnisse und gewichtet mit ihren Wahrscheinlichkeiten.
Frage 2 von 4MittelEine faire Quelle hat acht mögliche Symbole. Wie groß ist ihre Entropie?
Lösung: 3 Bit pro Symbol — Bei Gleichverteilung gilt $H=\log_2n$. Für $n=8$ ergibt sich $H=3$ Bit pro Symbol.
Frage 3 von 4SchwerZwei Binärquellen haben dieselben Einzelzeichenhäufigkeiten. Quelle A wechselt immer zwischen 0 und 1, Quelle B erzeugt unabhängige faire Zeichen. Welche Begründung ist korrekt?
Lösung: Beide haben dieselbe Einzelzeichenentropie, aber Block- oder bedingte Entropie macht ihre unterschiedliche Vorhersagbarkeit sichtbar. — Bei Quelle A ist das nächste Zeichen nach Kenntnis des vorigen bestimmt. Die Einzelzeichenformel sieht diese Abhängigkeit nicht; ein Modell für Zeichenfolgen schon.
Frage 4 von 4SchwerEin Präfixcode hat für eine Quelle die mittlere Länge 2,1 Bit pro Symbol, ihre Entropie beträgt 1,8 Bit pro Symbol. Wie deutest du das?
Lösung: Der Code liegt 0,3 Bit pro Symbol über der theoretischen Untergrenze des verwendeten Modells. — Die Differenz ist $L-H=2{,}1-1{,}8=0{,}3$ Bit pro Symbol. Entropie und tatsächliche mittlere Codelänge sind verschiedene Größen.

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