Informatik

Wasserfallmodell: Phasen und Einsatz einfach erklärt

Wasserfallmodell: Phasen und Einsatz einfach erklärt
Wasserfallmodell: Phasen und Einsatz einfach erklärt
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Das Wasserfallmodell ordnet ein Projekt in aufeinanderfolgende Phasen. Im klassischen Modell wird jede Phase abgeschlossen, bevor die nächste beginnt; reguläre Rücksprünge sind nicht vorgesehen. Das schafft Planbarkeit, erschwert aber spätere Änderungen.

Du lernst, die fünf verbreiteten Phasen zu erklären, das Modell auf ein Softwareprojekt anzuwenden und seine Eignung anhand der Anforderungen zu beurteilen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum fließt ein Projekt wie ein Wasserfall?

Stell dir vor, ein Team beginnt erst mit dem Programmieren und fragt danach, was die Software eigentlich leisten soll. Viel Arbeit müsste möglicherweise wiederholt werden. Das Wasserfallmodell versucht, solche Sprünge durch eine feste Reihenfolge zu verhindern.

Definition

Wasserfallmodell

Das Wasserfallmodell ist ein lineares beziehungsweise sequenzielles Vorgehensmodell. Die Ergebnisse einer Phase bilden die Grundlage der folgenden Phase. Im klassischen Modell wird jede Phase nur einmal durchlaufen.

Der Name beschreibt das Bild eines Wasserfalls: Das Projekt bewegt sich stufenweise in eine Richtung. Eine abgeschlossene Phase wird normalerweise nicht erneut geöffnet.

Am Ende einer Phase steht ein Meilenstein. Das ist ein überprüfbares Zwischenergebnis, zum Beispiel ein freigegebener Anforderungskatalog oder ein fertiger Softwareentwurf. Meilensteine machen den Fortschritt nachvollziehbar.

Merke

Die feste Reihenfolge ist zugleich Stärke und Schwäche: Sie erleichtert die Planung, macht Änderungen nach einem Phasenabschluss aber aufwendig.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt das klassische Wasserfallmodell?
Lösung: Die Phasen folgen nacheinander und werden jeweils abgeschlossen. — Beim Wasserfallmodell liefert jede abgeschlossene Phase die Grundlage für die nächste.
Welche fünf Phasen gehören zum Modell?

Es gibt Fassungen mit unterschiedlicher Phasenzahl. Für den grundlegenden Lernweg eignet sich die verbreitete Folge aus fünf Phasen:

  1. Analyse: Das Team klärt Ziele, Anforderungen, Rahmenbedingungen und erwartete Eigenschaften des Produkts.
  2. Design: Es entwirft eine passende Lösung, zum Beispiel die Softwarearchitektur, Komponenten und Schnittstellen.
  3. Implementierung: Es setzt den Entwurf um, programmiert Komponenten und fügt sie zusammen.
  4. Test: Es prüft das Gesamtprodukt gegen die festgelegten Anforderungen und behebt erkannte Fehler.
  5. Betrieb: Es führt das Produkt ein, liefert es aus und wartet oder verbessert es.

Manche Darstellungen trennen die Bereitstellung von der Wartung und zählen deshalb sechs Phasen. Andere unterscheiden Anforderungen noch feiner. Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern das sequenzielle Grundprinzip.

Gut zu wissen

Tests einzelner Komponenten können schon während der Implementierung stattfinden. Die eigene Testphase bezeichnet vor allem die Prüfung des integrierten Gesamtprodukts. Dadurch bleibt das Risiko bestehen, grundlegende Probleme erst spät zu erkennen.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Reihenfolge entspricht der verbreiteten fünfphasigen Fassung?
Lösung: Analyse – Design – Implementierung – Test – Betrieb — Anforderungen bestimmen den Entwurf. Der Entwurf leitet die Umsetzung, danach folgen Gesamtprüfung und Betrieb.
Frage 2 von 2MittelEin Team legt Architektur und Schnittstellen einer Software fest. In welcher Phase arbeitet es?
Lösung: Design — Architektur und Schnittstellen beschreiben den Lösungsentwurf und gehören deshalb zur Designphase.
Wie läuft ein Softwareprojekt vollständig ab?

Ein fiktives Schulteam entwickelt ein digitales Ausleihsystem. Die Schule verlangt drei Funktionen: Medien suchen, Ausleihen erfassen und Rückgabetermine anzeigen.

Beispiel

1. Analyse: Das Team hält die drei Funktionen als Anforderungen fest. Zusätzlich legt es fest, dass eine Ausleihe nur für ein vorhandenes Medium erfasst werden darf.

2. Design: Das Team plant Komponenten für Suche, Ausleihe und Datenverwaltung. Es beschreibt, welche Daten zwischen diesen Komponenten ausgetauscht werden.

3. Implementierung: Die Komponenten werden programmiert, einzeln geprüft und anschließend verbunden.

4. Test: Das Team prüft das Gesamtsystem gegen die Anforderungen. Es kontrolliert beispielsweise, ob ein nicht vorhandenes Medium tatsächlich nicht ausgeliehen werden kann.

5. Betrieb: Das geprüfte System wird bereitgestellt. Später entdeckte Fehler werden behoben und notwendige Aktualisierungen eingespielt.

Der entscheidende Denkweg lautet: Jede Prüfung bezieht sich auf Anforderungen, die bereits in der Analyse festgelegt wurden.

Fehlt eine Anforderung am Anfang, kann das Team sie beim abschließenden Test nicht einfach als vereinbart voraussetzen. Eine nachträgliche Ergänzung kann Änderungen am Design und am Programmcode erfordern.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelBeim Gesamttest fehlt eine verlangte Suchfunktion. Wo muss die Ursachenprüfung beginnen?
Lösung: Bei den Anforderungen und dem daraus entwickelten Design — Im Wasserfallmodell bauen die Phasen aufeinander auf. Deshalb muss geprüft werden, ob die Funktion korrekt gefordert, entworfen und umgesetzt wurde.
Wann passt das Wasserfallmodell?

Das Modell passt besonders gut, wenn Anforderungen und Ziel früh klar, stabil und vollständig beschreibbar sind. Auch zwingende Abhängigkeiten sprechen für eine feste Reihenfolge: Ein späterer Arbeitsschritt kann dann sachlich erst nach dem vorherigen beginnen.

Günstige Bedingungen sind:

  • ein klar definiertes Endergebnis;
  • wenige erwartete Anforderungsänderungen;
  • gut trennbare, aufeinander aufbauende Arbeitsschritte;
  • Bedarf an ausführlicher Dokumentation und eindeutigen Abnahmen;
  • ein im Voraus gut abschätzbarer Aufwand.

Weniger geeignet ist das Modell bei häufig wechselnden Anforderungen, unklarem Endziel oder vielen parallel laufenden Aufgaben. Dann können frühe Entscheidungen schnell veralten.

VorteilZugehörige Grenze
Klare Phasen und ZuständigkeitenRücksprünge sind schwierig
Meilensteine zeigen den FortschrittEine Verzögerung kann Folgephasen aufhalten
Kosten und Aufwand sind früh abschätzbarDie Vorausplanung ist aufwendig
Umfangreiche Dokumentation schafft NachvollziehbarkeitDokumente schützen nicht vor falschen Annahmen
Anforderungen werden früh festgelegtSpätes Feedback erschwert Änderungen
Merke

Frage nicht nur: „Ist das Projekt groß oder klein?“ Entscheidend ist vor allem: Wie stabil sind Ziel, Anforderungen und Abhängigkeiten?

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWelches Projekt passt am besten zum klassischen Wasserfallmodell?
Lösung: Ein überschaubares Projekt mit vollständig geklärten und voraussichtlich stabilen Anforderungen — Das Wasserfallmodell ist besonders geeignet, wenn das Ergebnis früh präzise feststeht und nur wenige Änderungen erwartet werden.
Frage 2 von 2SchwerEin Projekt ist klein, aber seine Anforderungen ändern sich jede Woche. Wie ist das Modell zu beurteilen?
Lösung: Trotz der geringen Größe ist das klassische Wasserfallmodell eher ungeeignet. — Häufige Änderungen erzwingen Rücksprünge zu bereits abgeschlossenen Phasen und unterlaufen damit die Stärke des linearen Plans.
Wie unterscheiden sich Wasserfall, agile und erweiterte Ansätze?

Agile Vorgehensweisen entwickeln ein Produkt in kurzen, wiederholten Arbeitsabschnitten. Ergebnisse und Rückmeldungen fließen fortlaufend in die weitere Planung ein. Das erleichtert Anpassungen, bietet aber nicht dieselbe langfristig festgelegte Phasenfolge.

KriteriumWasserfallmodellAgile Vorgehensweise
AblaufPhasen nacheinanderWiederholte kurze Entwicklungsabschnitte
AnforderungenMöglichst vollständig zu BeginnKönnen weiterentwickelt werden
RückmeldungHäufig spät am GesamtproduktRegelmäßig an Zwischenergebnissen
ÄnderungenNach Phasenabschluss aufwendigAls Teil des Vorgehens vorgesehen
PlanungStark im VorausWird schrittweise angepasst

Ein erweitertes Wasserfallmodell erlaubt begrenzte Rücksprünge, damit ein Ergebnis anhand früherer Anforderungen überprüft und korrigiert werden kann. Ein hybrides Vorgehen kann außerdem Analyse und Planung sequenziell organisieren, die Implementierung aber in kurzen Iterationen durchführen.

Der Aufsatz von Winston W. Royce aus dem Jahr 1970 wird häufig mit dem Wasserfallmodell verbunden. Royce verwendete den Begriff „Wasserfall“ jedoch nicht. Er beschrieb ein streng lineares Vorgehen als riskant und schlug unter anderem frühe Verifizierung, einen Prototypdurchlauf und eine frühere Beteiligung der Endnutzer vor.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWas kennzeichnet eine agile Vorgehensweise im Vergleich zum klassischen Wasserfallmodell?
Lösung: Ergebnisse und Planung werden in wiederholten Abschnitten weiterentwickelt. — Agile Vorgehensweisen nutzen kurze Wiederholungen und regelmäßige Rückmeldungen, um auf Veränderungen reagieren zu können.
Frage 2 von 2SchwerEin Team benötigt einen verbindlichen Anforderungskatalog, erwartet während der Programmierung aber neues Nutzerfeedback. Welcher Ansatz passt am ehesten?
Lösung: Sequenzielle Anforderungsplanung mit iterativer Implementierung — Ein hybrider Ansatz kann die geforderte Vorausplanung mit wiederholten Entwicklungs- und Rückmeldeschleifen verbinden.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Wasserfallmodell
    • Grundprinzip
      • Phasen laufen nacheinander
      • Rücksprünge sind klassisch nicht vorgesehen
    • Phasen
      • Analyse und Design
      • Implementierung, Test und Betrieb
    • Stärken
      • Planbarkeit und klare Meilensteine
      • Dokumentation und Nachvollziehbarkeit
    • Risiken
      • Aufwendige Änderungen
      • Späte Entdeckung grundlegender Fehler
    • Einsatzentscheidung
      • Stabilität der Anforderungen prüfen
      • Abhängigkeiten und Feedbackbedarf prüfen
    • Erweiterungen
      • Verifizierung und Rücksprünge
      • Iterative oder hybride Umsetzung
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelches Ergebnis entsteht typischerweise vor der Implementierung?
Lösung: Ein Lösungsentwurf mit Architektur und Schnittstellen — Das Design übersetzt die Anforderungen in einen konkreten Lösungsentwurf, der anschließend implementiert wird.
Frage 2 von 3MittelWarum kann ein früh übersehenes Anforderungsproblem teuer werden?
Lösung: Es kann Änderungen an mehreren bereits bearbeiteten Folgephasen auslösen. — Da jede Phase auf früheren Ergebnissen beruht, kann eine fehlerhafte Anforderung Entwurf, Code und Tests betreffen.
Frage 3 von 3SchwerEin Projekt hat feste Dokumentationspflichten, aber noch ungeklärte Nutzerbedürfnisse. Welche Beurteilung ist am besten begründet?
Lösung: Die Dokumentationspflicht spricht für klare Abnahmen, die unsicheren Anforderungen aber gegen ein rein lineares Vorgehen. — Eine begründete Entscheidung wägt mehrere Bedingungen ab. Hier kann ein erweiterter oder hybrider Ansatz Dokumentation mit früher Rückmeldung verbinden.

Prüfe deine Entscheidung künftig mit drei Fragen: Steht das Ziel fest? Bleiben die Anforderungen stabil? Müssen die Arbeitsschritte nacheinander erfolgen? Je häufiger du mit Ja antwortest, desto eher kann das Wasserfallmodell passen.

Passend dazu