Zugriffskontrolle: Rechte sicher vergeben
Zugriffskontrolle legt fest, wer auf bestimmte Daten oder IT-Ressourcen zugreifen darf. Nach der Identitätsprüfung vergleicht ein System die angeforderten Rechte mit festgelegten Regeln und gewährt oder verweigert den Zugriff.
Auf dieser Seite lernst du, den Kontrollablauf zu erklären, passende Rechte zu vergeben und verbreitete Zugriffskontrollmodelle zu unterscheiden.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Drei Kontrollebenen auseinanderhalten
Stell dir ein Schulgebäude mit einem Computerraum und einem geschützten Notenverzeichnis vor. Auf jeder Ebene wird etwas anderes kontrolliert.
Zutrittskontrolle
Die Zutrittskontrolle regelt den physischen Zutritt zu Gebäuden oder Räumen. Eine Schlüsselkarte kann zum Beispiel die Tür zum Computerraum öffnen.
Zugangskontrolle
Die Zugangskontrolle verhindert, dass Unbefugte ein IT-System oder Netzwerk benutzen. Beispiele sind die Anmeldung am Rechner, ein gesperrter Bildschirm oder ein geschütztes WLAN.
Zugriffskontrolle
Die Zugriffskontrolle entscheidet, welche konkreten Daten und IT-Ressourcen eine berechtigte Person nach der Anmeldung nutzen darf.
Eine Person kann also den Raum betreten und sich erfolgreich am Rechner anmelden, ohne deshalb das Notenverzeichnis öffnen zu dürfen.
Zutritt betrifft den Ort, Zugang das System und Zugriff die konkrete Ressource.
Vom Namen bis zur Zugriffsentscheidung
Eine Anmeldung allein gibt noch nicht automatisch alle Rechte frei. Der Kontrollablauf besteht aus mehreren Entscheidungen.
- Identifizieren: Eine Person nennt eine Identität, zum Beispiel durch einen Benutzernamen.
- Authentifizieren: Das System prüft, ob die behauptete Identität stimmt, etwa mit Passwort, Token oder biometrischem Merkmal.
- Autorisieren: Das System ermittelt, welche Rechte die bestätigte Identität besitzt.
- Entscheiden: Der angeforderte Zugriff wird gemäß den Regeln gewährt oder verweigert.
- Protokollieren und prüfen: Aktivitäten können aufgezeichnet und die Regeln später kontrolliert werden.
Mira meldet sich im Schulnetz mit ihrem Benutzernamen und einem Passwort an. Damit identifiziert und authentifiziert sie sich. Anschließend möchte sie den Ordner „Klassenarbeiten“ öffnen.
Das System prüft ihre Berechtigung. Miras Rolle „Schülerin“ erlaubt keinen Zugriff auf diesen Ordner. Die Anmeldung war also erfolgreich, der Zugriff wird trotzdem verweigert.
Mehrfaktor- oder Zweifaktorauthentifizierung kombiniert unterschiedliche Nachweise, zum Beispiel ein Passwort mit einem Code auf einem registrierten Gerät. Sie stärkt die Identitätsprüfung. Welche Datei danach geöffnet werden darf, entscheidet weiterhin die Autorisierung.
ACL und minimale Rechte anwenden
Ein Berechtigungskonzept beschreibt organisatorisch, wer welche Ressourcen für welche Aufgabe nutzen darf. Technisch können diese Regeln in einer Access Control List, kurz ACL, festgehalten werden.
Access Control List
Eine ACL ist eine Zugriffskontrollliste. Sie ordnet Personen, Rollen oder anderen Einträgen bestimmte Rechte an einer Ressource zu, zum Beispiel Lesen, Bearbeiten oder Verwalten.
Für ein Projektverzeichnis könnte eine vereinfachte ACL so aussehen:
| Rolle | Lesen | Bearbeiten | Rechte verwalten |
|---|---|---|---|
| Projektleitung | ja | ja | ja |
| Projektmitglied | ja | ja | nein |
| Gast | ja | nein | nein |
Die Projektmitglieder können ihre Arbeit erledigen, dürfen aber nicht eigenständig die Rechte anderer verändern.
Mindestprivilegienprinzip
Nach dem Mindestprivilegienprinzip erhält eine Person nur die Rechte, die sie für ihre aktuelle Aufgabe benötigt.
Das Prinzip begrenzt mögliche Schäden durch Fehlbedienung, missbrauchte Konten oder falsch vergebene Berechtigungen. „Mehr Rechte zur Sicherheit“ wäre daher gerade die falsche Richtung.
Vier Modelle für Zugriffsentscheidungen
Zugriffskontrollmodelle unterscheiden sich vor allem darin, worauf die Entscheidung beruht.
| Modell | Entscheidungsgrundlage | Einfaches Beispiel |
|---|---|---|
| DAC – Discretionary Access Control | Eigentümer einer Ressource vergibt Rechte individuell | Die Besitzerin eines Ordners gibt ihn für eine andere Person frei. |
| MAC – Mandatory Access Control | Zentrale Regeln und Freigabestufen | Eine zentral festgelegte Klassifikation entscheidet über den Zugriff. |
| RBAC – Role-based Access Control | Organisatorische Rolle | Die Rolle „Redaktion“ darf Beiträge bearbeiten. |
| ABAC – Attribute-based Access Control | Merkmale von Person, Ressource oder Umgebung | Zugriff gilt nur für eine bestimmte Abteilung und unter einer festgelegten Bedingung. |
DAC fragt nach der Entscheidung des Eigentümers, MAC nach verbindlichen zentralen Regeln, RBAC nach der Rolle und ABAC nach Attributen.
Modelle können kombiniert werden. Grundlegende Rechte können etwa an Rollen hängen, während zusätzliche Attribute eine Entscheidung genauer einschränken.
Ein Berechtigungskonzept entwerfen und prüfen
Du sollst Rechte für eine schulische Lernplattform planen. Es gibt drei Rollen:
- Lehrkraft: Aufgaben erstellen, Lösungen einsehen und Rückmeldungen geben
- Schülerin oder Schüler: Aufgaben bearbeiten und die eigene Rückmeldung lesen
- Gast: nur veröffentlichte Informationen lesen
Schritt 1: Ressourcen bestimmen
Unterscheide mindestens Aufgaben, eingereichte Lösungen, persönliche Rückmeldungen und veröffentlichte Informationen.
Schritt 2: Erforderliche Handlungen bestimmen
Frage für jede Rolle: Muss sie lesen, erstellen, bearbeiten oder verwalten können? Vergib kein Recht nur aus Bequemlichkeit.
Schritt 3: Regeln umsetzen
Die Rollen und Rechte können als RBAC-Regeln und technisch als ACL-Einträge abgebildet werden.
Schritt 4: Positive und negative Fälle testen
Ein positiver Test prüft einen erlaubten Zugriff. Ein negativer Test prüft, ob ein verbotener Zugriff tatsächlich abgewiesen wird.
Positiver Test: Eine Schülerin kann ihre eigene Rückmeldung lesen.
Negativer Test: Dieselbe Schülerin versucht, die Rückmeldung einer anderen Person zu öffnen. Das System muss den Zugriff verweigern.
Ein weiterer negativer Test prüft, ob ein Gast eine Aufgabe bearbeiten kann. Auch dieser Zugriff muss verweigert werden.
Überwachung, Protokollierung und regelmäßige Überprüfung ergänzen die Rechtevergabe. Sie helfen dabei, verdächtige Zugriffe und veraltete Berechtigungen zu erkennen. Zugriffskontrolle bleibt trotzdem nur eine Sicherheitsschicht; beispielsweise ergänzen Verschlüsselung und Firewalls den Schutz.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Zugriffskontrolle
- Ebenen: Zutritt zum Ort, Zugang zum System, Zugriff auf Ressourcen
- Ablauf: identifizieren, authentifizieren, autorisieren, entscheiden
- Umsetzung: Berechtigungskonzept, ACL und minimale Rechte
- Modelle: DAC, MAC, RBAC und ABAC
- Prüfung: erlaubte Zugriffe gewähren, verbotene Zugriffe verweigern
- Pflege: protokollieren, überprüfen und Rechte anpassen
Abschluss-Check
Prüfe dich zum Schluss: Kannst du für eine neue Ressource benennen, wer sie benötigt, welche Handlung nötig ist, welche Regel darüber entscheidet und welcher verbotene Zugriff getestet werden muss? Dann kannst du ein einfaches Berechtigungskonzept begründet entwerfen.
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