Grafische Notation: Klangzeichen lesen und erfinden
Bei einer grafischen Notation zeigen Linien, Formen, Farben, Texte oder andere Zeichen, wie Musik klingen soll. Eine Legende erklärt ihre Bedeutung. So kannst du Musik darstellen, lesen und aufführen, ohne ausschließlich herkömmliche Noten zu verwenden.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was ist grafische Notation?
Grafische Notation
Grafische Notation beschreibt Musik mit Zeichen, Texten, Formen oder Farben. Sie kann die herkömmliche Notenschrift ergänzen oder ersetzen.
Grafische Zeichen können zum Beispiel Tonhöhe, Lautstärke, Dauer, Klangfarbe oder die Art der Klangerzeugung darstellen. Ein Pfeil könnte eine Veränderung anzeigen, eine breite Fläche einen dichten Klang oder eine Linie einen Klangverlauf. Die genaue Bedeutung ergibt sich aber nicht automatisch.
Es gibt kein einheitliches Zeichensystem für alle grafischen Notationen. Erst die Legende oder eine gemeinsame Vereinbarung macht deutlich, wie ein Zeichen gespielt werden soll.
Auch herkömmliche Notenschrift besteht aus grafischen Zeichen. Der Unterschied liegt deshalb nicht einfach darin, dass eine Notation Bilder verwendet. Entscheidend ist, welche Bedeutung die Zeichen haben und wie genau sie Tonhöhen, Dauern und andere Merkmale festlegen.
Wie werden Zeichen zu Klängen?
Du liest eine grafische Partitur am sichersten in drei Schritten:
- Lies zuerst die Legende.
- Verfolge die Zeichen in der vereinbarten Leserichtung.
- Setze jedes Zeichen in die angegebene Klangaktion um.
Eine Partitur zeigt diese Folge:
● ● ● | / | □ | ━━━
Die Legende lautet:
●: ein kurzer Trommelschlag; mehrere Punkte folgen in gleichmäßigem Puls/: die Stimme gleitet vier Schläge lang von tief nach hoch□: zwei Schläge Stille━━━: ein leiser Ton wird vier Schläge lang gehalten|: trennt die Abschnitte und erzeugt selbst keinen Klang
Die Aufführung beginnt mit drei kurzen Trommelschlägen. Danach steigt ein Stimmklang an. Es folgen zwei Schläge Stille und schließlich ein langer, leiser Ton.
Der entscheidende Gedanke: Nicht die Form allein, sondern die Verbindung aus Zeichen, Legende und Reihenfolge bestimmt den Ablauf.
Geht es vom Klang zum Bild oder vom Bild zum Klang?
Grafische Notation kann in zwei Richtungen verwendet werden.
Visualisierung
Bei einer Visualisierung ist die Musik zuerst vorhanden. Danach entsteht eine Grafik, die hörbare Eigenschaften der Musik zeigt. Die Richtung lautet: Klang → Zeichen.
Grafische Partitur
Bei einer grafischen Partitur ist die Grafik die Grundlage der Aufführung. Musizierende erzeugen nach ihren Zeichen Musik. Die Richtung lautet: Zeichen → Klang.
Beide Formen gehören zum weiteren Bereich der grafischen Notation. Die Unterscheidung hilft dir zu klären, welche Aufgabe ein Bild erfüllt: Beschreibt es bereits vorhandene Musik oder leitet es eine neue Aufführung an?
Wie entwirfst du eine verständliche Partitur?
Eine gute grafische Partitur muss nicht jedes Detail festlegen. Sie sollte aber deutlich zeigen, was feststeht und wo die Ausführenden selbst entscheiden dürfen.
Gehe so vor:
- Plane einen kurzen Verlauf mit Anfang, Kontrast und erkennbarem Schluss.
- Entscheide, welche Klangmerkmale wichtig sind: etwa Dauer, Lautstärke, Tonhöhe oder Klangart.
- Wähle gut unterscheidbare Zeichen.
- Schreibe eine Legende mit eindeutigen Spielanweisungen.
- Lass eine andere Person nur nach Partitur und Legende spielen.
- Vergleiche das Ergebnis mit deiner Absicht und verbessere missverständliche Stellen.
Probiere es aus
Entwirf Zeichen für diesen Ablauf: drei kurze Schläge, ein ansteigender Klang, eine Pause und ein langer leiser Schlusston. Schreibe zu jedem Zeichen eine eindeutige Erklärung.
Eine mögliche Lösung:
× × × | ↗ | □ | ───
×: ein kurzer Schlag auf einen Tisch↗: die Stimme steigt innerhalb von vier Schlägen von tief nach hoch□: zwei Schläge Pause───: ein leiser Ton wird vier Schläge gehalten
Andere Zeichen sind ebenfalls möglich. Entscheidend ist, dass eine andere Person den geplanten Ablauf aus der Legende nachvollziehen kann.
Wie vergleichst und beurteilst du Aufführungen?
Eine offene Partitur kann mehrere sinnvolle Aufführungen ermöglichen. Vergleiche deshalb zuerst das Hörbare, bevor du ein Geschmacksurteil abgibst.
Achte zum Beispiel auf:
- den Verlauf von laut zu leise oder von tief zu hoch,
- kurze und lange Klangereignisse,
- Pausen und Einsätze,
- dichte und dünne Klangabschnitte,
- die verwendeten Stimmen, Instrumente oder Geräusche,
- die Übereinstimmung mit Partitur und Legende.
Statt nur „Das klingt komisch“ zu sagen, kannst du genauer formulieren: „Die zweite Aufführung wirkt dichter, weil mehrere lange Klänge gleichzeitig erklingen.“ Ein begründetes Urteil muss nicht bedeuten, dass dir die Musik gefällt.
Grafische Partituren lassen unterschiedlich viel Freiheit. Manche legen den Ablauf ziemlich genau fest. Andere geben nur einen Rahmen oder einen musikalischen Anstoß. Frage deshalb immer: Was ist vorgeschrieben, und was dürfen die Ausführenden entscheiden?
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Grafische Notation
- Zeichen und Bedeutung: Formen, Linien, Farben und Texte; die Legende verbindet Zeichen und Klang
- Zwei Richtungen: Klang → Zeichen ergibt eine Visualisierung; Zeichen → Klang ergibt eine grafische Partitur
- Eigene Gestaltung: Verlauf planen, Zeichen und Legende entwerfen, aufführen, testen und verbessern
- Beurteilung: hörbare Merkmale beschreiben, Vorgaben und Freiheiten unterscheiden, Urteil begründen
Abschluss-Check
Du hast das Ziel erreicht, wenn du eine Zeichenfolge erklären, ihre Richtung bestimmen und eine eigene Partitur nach einem Praxistest gezielt verbessern kannst.
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