Klassische Musik: Begriff, Epochen und Werke
Klassische Musik kann eine einzelne Epoche oder die europäische Kunstmusik aus vielen Jahrhunderten bezeichnen. Welche Bedeutung gemeint ist, erkennst du am Zusammenhang.
Auf dieser Seite lernst du außerdem, wie Notation und Mehrstimmigkeit diese Musiktradition prägen, warum Epochengrenzen unscharf sind und wie du ein Werk bewusst beschreibst.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was bedeutet „klassische Musik“?
Der Ausdruck hat je nach Zusammenhang unterschiedliche Bedeutungen.
Klassische Musik im engen Sinn
Im engen Sinn bezeichnet „klassische Musik“ eine europäische Musikepoche. Ihre ungefähren Grenzen werden mit 1720 beziehungsweise 1730 bis 1830 angegeben.
Klassische Musik im weiten Sinn
Im weiten Sinn bezeichnet der Ausdruck die europäische Kunstmusik aus vielen Jahrhunderten – vom mittelalterlichen Gesang bis zur Musik des 20. Jahrhunderts.
Darum kann Johann Sebastian Bachs Musik im weiten Sinn klassische Musik sein, obwohl Bach dem Barock und nicht der Epoche der Klassik zugeordnet wird.
Frage bei dem Wort klassisch immer: Ist die Epoche der Klassik gemeint oder die europäische Kunstmusik insgesamt?
Was prägt diese Musiktradition?
In der europäischen Kunstmusik steht häufig ein Werk im Mittelpunkt. Komponierende halten musikalische Gedanken in Notenschrift fest, Aufführende bringen sie zum Klingen und Zuhörende nehmen die Aufführung wahr.
Diese Rollen hängen zusammen: Noten klingen nicht von selbst. Aufführende gestalten unter anderem Tempo, Klang und Ausdruck.
Notation
Notation ist ein System schriftlicher Zeichen für Musik. Frühe Formen der modernen europäischen Notenschrift entstanden seit ungefähr dem 11. Jahrhundert, um kirchliche Gesänge einheitlicher festzuhalten.
Seit dem späten 13. Jahrhundert wurde ein standardisiertes Notationssystem dauerhaft wichtig. Es half dabei, Kompositionen zu überliefern und später wieder aufzuführen. Notation legt jedoch nicht jede Einzelheit einer Aufführung fest. Seit dem 20. Jahrhundert verzichten einzelne Kompositionen außerdem teilweise auf traditionelle Notation.
Polyphonie
Bei der Polyphonie, einer Form der Mehrstimmigkeit, erklingen mehrere Stimmen gleichzeitig und behalten eine gewisse musikalische Eigenständigkeit.
Ein einstimmiger Gesang bildet den Gegensatz: Es erklingt nur eine melodische Linie. Die Polyphonie entwickelte sich in der europäischen Musik ab dem 12. Jahrhundert weiter.
Wie helfen Epochen bei der Orientierung?
Epochen gliedern Musikgeschichte in zeitliche Abschnitte. Häufig verwendete Bezeichnungen sind:
- Barock: ungefähr 1600 bis 1750
- Klassik: ungefähr 1720 beziehungsweise 1730 bis 1830
- Romantik: 19. und frühes 20. Jahrhundert
- Moderne und Neue Musik: verschiedene, teilweise überlappende Strömungen seit dem späten 19. und im 20. Jahrhundert
Die unterschiedlichen Anfangsangaben für die Klassik zeigen bereits: Epochengrenzen sind nicht scharf. Ein Stil endet nicht überall an demselben Tag, und neue Entwicklungen entstehen nicht gleichzeitig an allen Orten.
Beethovens 5. Sinfonie wird als Werk aus der Übergangszeit zwischen Klassik und Romantik beschrieben. Dieses Beispiel zeigt, warum eine einzige starre Schublade zu grob sein kann. Eine vorsichtige Einordnung berücksichtigt mehrere Hinweise und lässt Übergänge zu.
Eine Epoche ist eine Ordnungshilfe mit unscharfen und teilweise überlappenden Grenzen.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Der Barock wird ungefähr in die Zeit von eingeordnet. Epochen können sich . Deshalb ist eine historische Einordnung meist eine .
Welche Werkarten begegnen dir?
Klassische Musik umfasst instrumentale und vokale Werke. Eine Gattung fasst Werke mit gemeinsamen grundlegenden Eigenschaften zusammen.
- Sinfonie: Die ersten Sinfonien entstanden ab der Mitte des 18. Jahrhunderts. Beethovens 5. und 9. Sinfonie sind bekannte Beispiele.
- Konzert: Vivaldis Vier Jahreszeiten bestehen aus vier barocken Violinkonzerten für unterschiedliche Jahreszeiten.
- Sonate: Beethovens Klaviersonate Nr. 14 in cis-Moll wird häufig Mondscheinsonate genannt.
- Oper: Mozarts Zauberflöte, Puccinis Turandot und Verdis Nabucco verbinden Musik mit einer Bühnenhandlung.
- Arie: „Nessun dorma“ ist eine solistische Gesangsnummer des Prinzen Calaf aus Turandot.
- Chor: „Va, pensiero“ aus Nabucco ist ein Gefangenenchor und keine Arie.
- Requiem: Mozarts Requiem blieb unvollendet. Brahms’ siebensätziges Ein deutsches Requiem richtet den Blick besonders auf den Trost der Hinterbliebenen.
So beschreibst du Vivaldis Vier Jahreszeiten sachlich:
Werkart: Die Werkgruppe besteht aus vier Violinkonzerten.
Historischer Zusammenhang: Sie wird dem Barock zugeordnet.
Besetzung: Eine Violine steht im Mittelpunkt der Konzerte.
Musikalische Darstellung: Verläufe erinnern unter anderem an Vogelgesang im Frühling oder frostige Winterwinde.
Die letzte Aussage beschreibt eine hörbezogene Deutung. Sie ist von den Angaben zu Werkart und Epoche zu unterscheiden.
Wie hörst du bewusst zu?
Du brauchst kein musikwissenschaftliches Studium, um klassische Musik zu erschließen. Beginne mit konzentriertem Zuhören und trenne dabei hörbare Beobachtungen von persönlichen Deutungen.
Gehe in vier Schritten vor:
- Erster Eindruck: Welche Stimmung oder Bewegung nimmst du wahr?
- Beobachtung: Welche Instrumente oder Stimmen hörst du? Ändern sich Lautstärke, Tempo oder Klangdichte?
- Struktur: Kehrt ein Motiv wieder? Wechseln sich Solostimme, Chor oder Instrumentengruppen ab?
- Deutung: Welche Wirkung entsteht für dich, und welche Beobachtung stützt sie?
Bei Beethovens 5. Sinfonie kannst du zunächst das markante Anfangsmotiv erkennen. Danach prüfst du, ob es wiederkehrt oder verändert wird. Erst anschließend formulierst du eine Wirkung.
„Das Motiv kehrt wieder“ ist eine Beobachtung. „Das Motiv wirkt auf mich drängend“ ist eine persönliche Deutung, die sich auf diese Beobachtung stützt.
Wie beurteilst du Einordnungen und Ranglisten?
Eine historische Einordnung sollte mehrere sachliche Hinweise verbinden, etwa Gattung, Besetzung, Entstehungszeit und musikalische Merkmale. Das Ergebnis wird vorsichtig formuliert, weil Epochen Grenzen und Übergänge nur vereinfacht darstellen.
Ranglisten mit den angeblich „größten Meisterwerken“ funktionieren anders. Sie können interessante Hörbeispiele liefern, beweisen aber ohne offengelegte Kriterien keine objektive Rangfolge.
Beethovens 9. Sinfonie ist ein viersätziges Werk des 19. Jahrhunderts. Im Finale treten gemischter Chor und Solostimmen hinzu. Daran lässt sich eine besondere Erweiterung der Sinfonie in diesem Werk beobachten.
Daraus folgt jedoch nicht, dass jede spätere Sinfonie einen Chor enthalten muss. Ein einzelnes Beispiel kann eine Möglichkeit zeigen, aber keine ausnahmslose Regel für alle Werke beweisen.
Trenne drei Aussagearten: Werkangaben sind überprüfbare Informationen, Deutungen verbinden Beobachtung und Wirkung, Rangurteile beruhen auf Wertmaßstäben.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Klassische Musik
- Begriff: Epoche oder europäische Kunstmusik insgesamt
- Tradition: notierte Werke und gestaltete Aufführungen
- Mehrstimmigkeit: mehrere eigenständige Stimmen
- Orientierung: Epochen mit unscharfen Grenzen
- Vielfalt: instrumentale und vokale Werkarten
- Zuhören: erst beobachten, dann deuten
- Beurteilung: Werkangaben von Rangurteilen trennen
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