Musik in der Werbung: Formen und Wirkung verstehen
Musik in Werbung soll Aufmerksamkeit lenken, Stimmungen erzeugen, Marken erkennbar machen und Botschaften stützen. Ob das bei allen Menschen gleich gelingt oder sogar einen Kauf auslöst, lässt sich jedoch nicht sicher vorhersagen. Hier lernst du, Werbemusik genau zu beschreiben und ihre beabsichtigte Funktion von ihrer möglichen Wirkung zu unterscheiden.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Vier Formen von Werbemusik erkennen
Manchmal hörst du nur wenige Töne am Ende eines Spots, manchmal begleitet Musik die gesamte Werbung. Die Länge allein genügt aber nicht zur Einordnung: Entscheidend sind auch Text, Position und Aufgabe der Musik.
| Form | Woran erkennst du sie? | Typische Aufgabe |
|---|---|---|
| Audiologo | sehr kurze Tonfolge oder markanter Sound, oft zusammen mit dem sichtbaren Logo | eine Marke akustisch erkennbar machen |
| Jingle | kurze, meist gesungene Botschaft oder ein gesungener Slogan | Markenname oder Aussage einprägsam verbinden |
| Werbelied | Lied über einen großen Teil oder den ganzen Spot; eigens komponiert oder bereits bekannt | Botschaft und Stimmung über Musik und oft auch Text tragen |
| Hintergrundmusik | meist instrumentale, begleitende Klangfläche ohne gesungenen Werbeslogan | Handlung, Tempo, Stimmung oder Image unterstützen |
Am Ende eines Spots erscheint ein Markenlogo, gleichzeitig erklingt eine Folge aus fünf Tönen. Das ist ein Audiologo: Es ist kurz, an die Marke gebunden und dient der Wiedererkennung. Ein Lied, das während des ganzen Spots läuft, wäre dagegen ein Werbelied oder Hintergrundmusik.
Funktion und Wirkung auseinanderhalten
Eine Funktion ist die Aufgabe, die Werbeproduzierende der Musik geben. Eine Wirkung ist die Reaktion, die bei Zuschauenden oder Hörenden tatsächlich auftritt und untersucht werden kann.
Funktion
Eine beabsichtigte Aufgabe der Musik, zum Beispiel Aufmerksamkeit wecken, eine Stimmung aufbauen, eine Zielgruppe ansprechen oder Bild und Handlung verbinden.
Wirkung
Eine beobachtbare oder berichtete Reaktion, zum Beispiel veränderte Aufmerksamkeit, Erinnerung, Stimmung oder Bewertung. Sie kann bei verschiedenen Menschen unterschiedlich ausfallen.
Musik kann außerdem wirtschaftliche Entscheidungen spiegeln. Ein Stil wird vielleicht gewählt, weil er zu einer Zielgruppe passen soll. Ein bereits vorhandener Song kann zugleich das Produkt und die beteiligten Musikerinnen oder Musiker bekannter machen. Ein späterer Charterfolg beweist aber nicht, dass die Werbung allein seine Ursache war.
Eine langsame, warme Klaviermusik begleitet Bilder eines ruhigen Frühstücks. Die Funktion könnte sein, Geborgenheit mit dem Produkt zu verbinden. Die Aussage „Alle kaufen das Produkt danach“ wäre keine zulässige Wirkungsbeschreibung. Dafür müsste man Reaktionen untersuchen, und selbst dann wären Geschmack, Erfahrung, Situation und Häufigkeit des Werbekontakts zu beachten.
Absicht ist nicht Ergebnis: Formuliere Funktionen als „soll“ oder „könnte“, Wirkungen nur so sicher, wie Beobachtungen oder Untersuchungen es erlauben.
Passung und bewussten Kontrast beurteilen
Werbemusik kann zu drei Bezugspunkten passen:
- zur Handlung oder Erzählung des Spots,
- zum Produkt und seinem gewünschten Image,
- zur Zielgruppe, die angesprochen werden soll.
Je mehr Beziehungen du konkret begründen kannst, desto besser ist deine Analyse. „Die Musik passt“ reicht nicht. Nenne das hörbare Merkmal und seine Verbindung zum Spot.
Schnelle, rhythmisch betonte Musik begleitet kurze Schnitte und Laufszenen in einer Sportschuhwerbung. Das Tempo passt zur Bewegung der Handlung. Der kraftvolle Klang kann außerdem das gewünschte Produktimage „energiegeladen“ stützen. Ob die Musik zur Zielgruppe passt, lässt sich erst begründen, wenn die Zielgruppe und ihre Vorlieben bekannt sind.
Nicht jede Abweichung ist ein Fehler. Eine auflösbare Inkongruenz ist ein zunächst unpassend wirkender Kontrast, der etwa durch Ironie oder eine Pointe zusätzlichen Sinn erhält. Bleibt der Gegensatz unverständlich, kann er Verarbeitung erschweren oder Ablehnung auslösen. Auch passende Musik garantiert keine bestimmte Wirkung.
Einen Werbespot Schritt für Schritt analysieren
Trenne genaues Beobachten von deiner Deutung. Diese fünf Schritte helfen:
- Beschreiben: Was hörst du? Nenne Tempo, Instrumente, Stimme, Lautstärke, Verlauf und Einsatzstelle, soweit du sie sicher wahrnimmst.
- Form bestimmen: Handelt es sich um Audiologo, Jingle, Werbelied oder Hintergrundmusik? Begründe mit Merkmalen.
- Funktion erklären: Was soll die Musik vermutlich für Aufmerksamkeit, Stimmung, Botschaft, Marke oder Zielgruppe leisten?
- Passung prüfen: Welche hörbaren Merkmale passen zu Handlung, Produkt oder Zielgruppe? Liegt vielleicht ein verständlicher Kontrast vor?
- Wirkung vorsichtig beurteilen: Beschreibe deine eigene Reaktion und mögliche Wirkungen. Behaupte keine allgemeine oder unmittelbare Kaufwirkung.
Ein erfundener Spot zeigt ein Fahrrad, das langsam aus einer dunklen Garage ins helle Freie rollt. Zuerst erklingen tiefe, leise Flächen; beim Öffnen des Tors setzen hellere Klänge und ein schnellerer Rhythmus ein. Am Ende folgt eine kurze Tonfolge beim Logo.
Analyse: Die Flächen sind Hintergrundmusik, die Schlussfolge ist ein Audiologo. Der Klangwechsel folgt dem Bildwechsel und strukturiert die Handlung. Die helleren, schnelleren Klänge sollen vermutlich Freiheit und Energie vermitteln. Das passt zur Fahrt ins Freie und zum bewegungsbezogenen Produktimage. Bei mir verstärkt der Wechsel den Eindruck eines Aufbruchs; ob andere Menschen ebenso reagieren oder das Produkt kaufen, ist damit nicht bewiesen.
Deine Analyse
Ein neuer Spot für einen Fahrradhelm zeigt zuerst eine Schülerin, die den Helm schließt. Dann fährt sie durch einen Park. Während der Fahrt hörst du einen schnellen, gleichmäßigen Schlagzeugrhythmus und helle E-Gitarrenklänge ohne Gesang; die Bildschnitte liegen auf den Schlägen. Am Ende stoppt die Musik. Das Markenlogo erscheint, begleitet von vier kurzen Tönen.
Wende die fünf Analyseschritte an: Beschreibe die Musik, bestimme ihre Form oder Formen, erkläre ihre mögliche Funktion, prüfe die Passung und beurteile die mögliche Wirkung vorsichtig.
Musterlösung:
- Beschreiben: Während der Fahrt erklingen ein schneller, gleichmäßiger Schlagzeugrhythmus und helle E-Gitarrenklänge ohne Gesang. Die Schnitte folgen den Schlägen. Beim Logo endet diese Musik; danach sind vier kurze Töne zu hören.
- Form bestimmen: Schlagzeug und E-Gitarre sind Hintergrundmusik, weil sie die Handlung ohne gesungenen Werbetext begleiten. Die vier Töne beim Logo bilden ein Audiologo.
- Funktion erklären: Die Hintergrundmusik soll vermutlich Aufmerksamkeit halten und die Fahrt dynamisch wirken lassen. Das Audiologo soll die Wiedererkennung der Marke unterstützen.
- Passung prüfen: Das schnelle Tempo passt zur Bewegung und zu den schnellen Bildschnitten. Der helle Klang kann ein aktives Produktimage stützen. Ob die Musik zur Zielgruppe passt, lässt sich ohne Angaben zu ihren Vorlieben nicht sicher beurteilen.
- Wirkung vorsichtig beurteilen: Auf mich kann der Spot energiegeladen wirken. Andere Menschen können anders reagieren; aus der Musik lässt sich weder eine Wirkung bei allen noch ein Kauf ableiten.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Musik in der Werbung
- Formen
- Audiologo, Jingle, Werbelied, Hintergrundmusik
- Analyse
- Hören, Form bestimmen, Funktion erklären
- Passung prüfen, Wirkung begrenzen
- mögliche Aufgaben
- Aufmerksamkeit und Erinnerung unterstützen
- Stimmung, Image und Zielgruppenansprache gestalten
- Wirkungsgrenzen
- persönliche Erfahrung und Situation beachten
- keinen sicheren Kauf aus Musik ableiten
- Formen
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