Orchester: Aufbau, Besetzung und Zusammenspiel
Ein Orchester ist ein großes Instrumentalensemble, in dem mindestens einige Stimmen mehrfach besetzt sind. Mehrere Musikerinnen und Musiker spielen dann dieselbe Stimme. Du erfährst, wie die Besetzung den Klang beeinflusst, welche Aufgaben die Leitung übernimmt und wodurch sich Orchesterformen unterscheiden.
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Woran erkennst du ein Orchester?
Nicht jede Gruppe mit Instrumenten ist automatisch ein Orchester. Entscheidend ist nicht allein die Zahl der Mitwirkenden: In einem Orchester sind wenigstens einige Stimmen chorisch besetzt. Das bedeutet, dass mehrere Personen dieselbe musikalische Stimme spielen.
Stimme
Eine Stimme ist der musikalische Part, den ein Instrument oder eine Gruppe in einem Stück spielt. Eine chorisch besetzte Stimme wird gleichzeitig von mehreren Musikerinnen oder Musikern ausgeführt.
Ein Chor kann gemeinsam mit einem Orchester auftreten. Er gehört aber nicht zur Definition des Orchesters. Deshalb spricht man beispielsweise von „Orchester und Chor“.
Auch Namen wie Sinfoniker, Kapelle, Philharmoniker oder philharmonisches Orchester verraten keine bestimmte Besetzung. Solche Namen können etwa verschiedene Orchester einer Stadt unterscheidbar machen.
Welche Instrumentengruppen wirken zusammen?
In einem Sinfonieorchester werden die Instrumente zu Gruppen zusammengefasst. Dazu gehören Streicher, Holzbläser, Blechbläser und Schlagwerk. Je nach Werk können weitere Instrumente hinzukommen, zum Beispiel Harfe oder Klavier.
Bei den Streichern bilden die ersten und zweiten Violinen getrennte Gruppen. Zu den Blechbläsern gehören in den beschriebenen Besetzungen unter anderem Hörner, Trompeten und Tuba. Zum Schlagwerk zählen die Pauken; üblich sind häufig zwei bis vier Pauken, die eine Person spielt.
Die genaue Besetzung steht in der Partitur. Seit dem späteren Barock geben Komponierende die verlangten Instrumente gewöhnlich genau an. Die Anzahl der Streicher kann dennoch von Orchester zu Orchester unterschiedlich sein.
Ein Orchester besteht nicht aus einer unveränderlichen Instrumentenliste. Das jeweilige Werk bestimmt, welche Gruppen und Zusatzinstrumente gebraucht werden.
Wie unterscheiden sich Sinfonie- und Kammerorchester?
Ein Sinfonieorchester ist der übliche Klangkörper für große Orchesterwerke. Seine Größe kann stark schwanken. Das Ausgangsmaterial nennt eine Spannweite von ungefähr 20 Personen bis zu 100 oder mehr.
Ein Kammerorchester ist deutlich kleiner. Seine Instrumentengruppen sind schwächer besetzt oder einzelne Gruppen fehlen. Die Grenze zu anderen größeren Ensembles ist fließend: Eine einzige feste Personenzahl trennt beide Formen also nicht zuverlässig.
Wagners Siegfried-Idyll zeigt, dass sogar dasselbe Werk in unterschiedlich großen Fassungen auftreten kann. Eine kammerorchesterartige Besetzung umfasst 13 Spielende, eine spätere Fassung 35. Die bloße Zahl erklärt daher noch nicht alles; auch die Verteilung der Stimmen ist wichtig.
Flexible Bearbeitungen verfolgen ein anderes Ziel. Sie verteilen die Stimmen eines bekannten Werkes neu auf die tatsächlich verfügbaren Instrumente. Eine Bearbeitung von Mozarts Eine kleine Nachtmusik kann beispielsweise für fünf Melodieinstrumente eingerichtet sein. Daraus folgt nicht, dass Mozarts Original dieselbe Besetzung besitzt.
Originalbesetzung und Bearbeitung sind nicht dasselbe: Die Originalbesetzung gehört zur ursprünglichen Werkfassung. Eine Bearbeitung passt das Stück für eine andere Besetzung an.
Warum ist die Klangbalance wichtig?
Die Gruppen eines Orchesters sollen zusammen einen ausgewogenen Gesamtklang bilden. Werden die Bläser verstärkt, muss deshalb häufig auch der Streicherapparat größer werden. Andernfalls könnten sich die Klanganteile zu stark verschieben.
Bei Streichern teilen sich gewöhnlich zwei Personen ein Notenpult. Deshalb sind in großen Besetzungen gerade Gruppengrößen verbreitet. Für Filmmusikaufnahmen nennt das Ausgangsmaterial zum Beispiel die Streicherfolge 16/14/12/10/8 von den ersten Violinen bis zu den Kontrabässen.
In der Folge 16/14/12/10/8 werden die fünf Streichergruppen nicht gleich groß besetzt. Die Zahlen zeigen, dass Besetzung geplant wird: Jede Gruppe erhält eine Stärke, die zu ihrer Aufgabe und zum Gesamtklang passen soll.
Eine ungewöhnliche Verteilung kann absichtlich gewählt sein. Für ein reines Streichorchester aus dem Soundtrack zu The Dark Knight wird beispielsweise die Folge 12/12/14/42/8 genannt. Die besonders große Cellogruppe ist also eine bewusste Besonderheit dieser Besetzung und keine allgemeine Regel.
Wer koordiniert Spiel und Proben?
Heute leitet normalerweise eine Dirigentin oder ein Dirigent das Orchester. Einige kleinere oder spezialisierte Orchester spielen jedoch ohne Dirigat.
Der Konzertmeister oder die Konzertmeisterin führt die ersten Violinen und stimmt sich mit den leitenden Personen der anderen Gruppen ab. Weitere Instrumentengruppen haben eigene Stimmführerinnen und Stimmführer. Bei den Bläsern führt die Person mit der ersten Stimme ihre jeweilige Instrumentengruppe; im Schlagwerk übernimmt der Paukist die Leitung der Gruppe.
Meist probt das gesamte Orchester gemeinsam. Besonders schwierige Stellen können vorher in getrennten Gruppenproben geübt werden. So lassen sich spieltechnische Probleme klären, bevor alle Gruppen zusammenarbeiten.
Eine schwierige Passage betrifft vor allem die Streicher. Zuerst üben sie die Stelle in einer eigenen Probe. In der anschließenden Gesamtprobe kann sich das Orchester stärker auf Zusammenspiel, Tempo und Klangbalance konzentrieren.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Orchester
- Kennzeichen
- großes Instrumentalensemble
- mindestens einige mehrfach besetzte Stimmen
- Besetzung
- Streicher, Holzbläser, Blechbläser und Schlagwerk
- mögliche Zusatzinstrumente wie Harfe oder Klavier
- Formen
- Sinfonieorchester
- Kammerorchester
- flexible Bearbeitung als veränderte Werkfassung
- Zusammenspiel
- Klangbalance zwischen den Gruppen
- Dirigat und Gruppenleitungen
- Gesamtproben und Gruppenproben
- Kennzeichen
Abschluss-Check
Du kannst ein Orchester nun nicht nur an seiner Größe, sondern vor allem an der mehrfachen Besetzung von Stimmen erkennen. Für seine Wirkung sind außerdem die konkrete Instrumentierung, die Klangbalance und die Zusammenarbeit in Leitung und Proben entscheidend.
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