Ostinato: Wiederholungen in Musik erkennen
Ein Ostinato ist eine gleichbleibende musikalische Figur, die fortlaufend wiederholt wird. Das kann ein Rhythmus, eine Ton- oder Melodiefolge oder eine Akkordfolge sein. Während das Ostinato stabil bleibt, können sich andere Teile der Musik verändern.
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Woran erkennst du ein Ostinato?
Stell dir vor, du hörst immer wieder dieselbe kurze musikalische Figur. Andere Stimmen kommen hinzu oder verändern sich, doch diese Figur bleibt bestehen. Dann hörst du wahrscheinlich ein Ostinato.
Ostinato
Ein Ostinato ist eine gleichbleibende musikalische Figur, die fortlaufend wiederholt wird. Der Name geht auf das lateinische Wort obstinatus zurück und bedeutet etwa „hartnäckig“ oder „eigensinnig“.
Achte auf zwei Merkmale:
- Eine musikalische Figur kehrt mehrfach wieder.
- Ihre entscheidende Gestalt bleibt dabei gleich.
Eine einmalige Wiederholung genügt nicht, um das typische Prinzip zu zeigen. Umgekehrt muss ein Ostinato nicht kompliziert sein: Auch eine sehr einfache Figur kann zum Ostinato werden.
Zähle gleichmäßig: 1 – 2 – 3 – 4.
- Klatsche auf 1.
- Pausiere auf 2.
- Klatsche auf 3.
- Tippe auf 4 mit dem Fuß.
Wiederholst du genau diese Folge ohne Veränderung, entsteht ein rhythmisches Ostinato.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Ein Ostinato besteht aus einer musikalischen Figur. Diese wird wiederholt. Die Figur muss dabei nicht sein.
Was kann sich wiederholen?
Nicht jedes Ostinato besteht aus denselben musikalischen Bausteinen. Entscheidend ist das wiederkehrende Muster.
Rhythmisches Ostinato
Hier wird ein Rhythmus fortlaufend wiederholt. Die Tonhöhe ist für das Erkennen nicht entscheidend. Beim Schlagzeug wird eine wiederkehrende Figur häufig auch als Pattern bezeichnet.
Melodisches Ostinato
Hier kehrt eine bestimmte Ton- oder Melodiefolge wieder. Über oder unter dieser Folge können sich andere Stimmen verändern.
Harmonisches Ostinato
Hier wird eine Akkord- oder Harmoniefolge wiederholt. In verschiedenen Musikrichtungen begegnen dir dafür auch Bezeichnungen wie Vamp, Riff oder Loop. Diese Wörter haben je nach Stil einen eigenen Gebrauch und sind deshalb nicht in jedem Zusammenhang vollständig mit „Ostinato“ gleichzusetzen.
Frage nicht zuerst nach dem Instrument oder dem Musikstil. Prüfe zuerst: Welche musikalische Figur bleibt gleich und wird fortlaufend wiederholt?
Warum wirkt Wiederholung nicht automatisch langweilig?
Ein Ostinato bildet ein stabiles Fundament. Darüber können andere musikalische Elemente wechseln. So treffen Beständigkeit und Veränderung aufeinander.
Über einem Ostinato können beispielsweise:
- andere Melodien entstehen,
- Oberstimmen wechseln,
- Lautstärke und Klanggestaltung verändert werden,
- Musikerinnen und Musiker improvisieren.
Eine Trommel wiederholt ständig denselben Rhythmus. Gleichzeitig spielt ein anderes Instrument nacheinander verschiedene Melodien.
Der Trommelrhythmus sorgt für Wiedererkennbarkeit. Die wechselnden Melodien bringen Abwechslung. Das Ostinato bleibt also gleich, ohne dass das gesamte Musikstück unverändert bleibt.
Welche Beispiele zeigen das Prinzip?
Ein frühes überliefertes Beispiel einer ostinaten Begleitfigur findet sich im altenglischen Kanon „Sumer is icumen in“ aus dem 13. Jahrhundert.
Im Barock spielen Ostinati besonders in Chaconne und Passacaglia eine wichtige Rolle. Zu Beginn wird eine kurze, häufig acht Takte lange Bassfigur vorgestellt. Dieser basso ostinato, also ein beharrlich wiederholter Bass, bildet anschließend das Fundament für wechselnde Oberstimmen.
Ein bekanntes rhythmisches Beispiel ist Maurice Ravels Boléro im 3/4-Takt. Der Rhythmus der Kleinen Trommel bleibt durch das Stück hindurch unverändert und wird 169-mal gespielt. Zugleich beginnt das Stück sehr leise und steigert sich fortwährend. Das rhythmische Fundament bleibt also gleich, während sich andere musikalische Eigenschaften entwickeln.
Auch in Rock-, Pop- und elektronischer Musik treten wiederkehrende Figuren auf. Ein elektronischer Loop spielt einen Musik-, Klang- oder Geräuschausschnitt in einer Schleife ab und kann dadurch die Funktion eines Ostinatos übernehmen.
Wie gestaltest du selbst ein Ostinato?
Du kannst ein einfaches rhythmisches Ostinato ohne Notenschrift entwickeln. Verwende diese Zeichen:
- K = klatschen
- S = schnipsen
- – = Pause
Gehe in vier Schritten vor:
- Lege vier gleichmäßige Zählzeiten fest.
- Ordne jeder Zählzeit einen Klang oder eine Pause zu.
- Spiele die vollständige Figur mindestens viermal unverändert.
- Prüfe, ob der Grundpuls gleichmäßig bleibt.
Eine mögliche Figur lautet:
K – S –
Du klatschst auf der ersten Zählzeit, pausierst auf der zweiten, schnipst auf der dritten und pausierst auf der vierten. Danach beginnst du wieder bei K.
Die Figur wird zum Ostinato, weil du sie fortlaufend in derselben Gestalt wiederholst.
Deine Aufgabe
Entwirf eine eigene Folge aus K, S und – für vier Zählzeiten. Wiederhole sie viermal. Sprich danach einen wechselnden Satzrhythmus darüber, ohne dein Ostinato zu verändern.
Prüfe dich:
- Bleibt deine vierteilige Figur bei jeder Wiederholung gleich?
- Bleibt dein Grundtempo stabil?
- Kann sich die gesprochene Stimme verändern, während das Ostinato bestehen bleibt?
Eine mögliche Lösung ist K S – K. Wiederholst du diese Folge viermal im gleichen Grundtempo, erhältst du ein rhythmisches Ostinato. Andere Lösungen sind ebenfalls richtig, wenn die Figur eindeutig festgelegt und unverändert wiederholt wird.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Ostinato
- gleichbleibende musikalische Figur
- fortlaufende Wiederholung
- Rhythmus, Melodie oder Harmonie
- stabiles musikalisches Fundament
- Raum für Variation und Improvisation
- selbst durch ein wiederholtes Pattern gestaltbar
Abschluss-Check
Wenn du nun eine wiederkehrende Figur hörst, prüfe zuerst ihre Gestalt und Dauer: Bleibt sie gleich und kehrt sie fortlaufend wieder, hast du das Ostinato erkannt.
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