Sonate: Aufbau, Geschichte und Sonatenform
Eine Sonate ist eine instrumentale Gattung, deren Gestalt sich seit dem 16. Jahrhundert stark verändert hat. Sie kann aus mehreren Sätzen bestehen, doch weder Besetzung noch Satzfolge oder Form sind für alle Sonaten gleich.
Du lernst deshalb nicht nur ein häufiges Grundmodell kennen. Du erfährst auch, wie du eine Sonate erkennst, historische Formen unterscheidest und Abweichungen sinnvoll beschreibst.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was bedeutet Sonate?
Der Name führt zur Grundidee: Sonate kommt vom lateinischen sonare, also „klingen“. Anfangs bezeichnete das Wort ein instrumentales Klingstück, ohne eine verbindliche Form vorzuschreiben.
Sonate
Eine Sonate ist eine instrumentale Gattung. Je nach Zeit kann sie ein freies Instrumentalstück oder ein gegliedertes Werk für ein Soloinstrument beziehungsweise eine kleine kammermusikalische Besetzung sein.
Seit dem späten 16. Jahrhundert wurden sehr unterschiedliche Instrumentalstücke „Sonata“ genannt. Erst später entstanden verbreitete Besetzungen, Satzfolgen und Formmodelle.
Eine Gattung bezeichnet eine Gruppe von Werken mit gemeinsamen historischen Merkmalen. Eine Form beschreibt dagegen den inneren Aufbau eines Werks oder Satzes. Deshalb sind Sonate und Sonatenhauptsatzform nicht dasselbe.
Die Sonate ist eine Gattung. Die Sonatenhauptsatzform ist ein mögliches Formmodell für einen einzelnen Satz.
Wie unterschieden sich barocke Sonaten?
Im Barock entwickelten sich aus dem freien Klingstück deutlichere Sonatentypen. Besonders wichtig wurde die Triosonate.
Triosonate
Eine barocke Triosonate besteht grundsätzlich aus zwei Melodiestimmen und einem Generalbass. Der Name bezieht sich auf diese drei musikalischen Stimmen, nicht zwingend auf genau drei ausführende Personen.
Der Generalbass bildet das klangliche und harmonische Fundament. Um 1680 war die Triosonate eine Hauptform der Sonate; Arcangelo Corelli prägte sie entscheidend.
Zwei Typen wurden besonders wichtig:
| Typ | Typischer Zusammenhang | Häufige Gestaltung |
|---|---|---|
| Sonata da chiesa | Kirche und liturgische Musik | meist vier Sätze, abwechselnd langsam und schnell |
| Sonata da camera | höfische oder private Kammermusik | Folge stilisierter Tanzsätze, ähnlich einer Suite |
Die Bezeichnungen beschreiben historische Grundtypen. Einzelne Werke können davon abweichen oder Merkmale beider Typen verbinden.
Ein Werk enthält ein Präludium und mehrere Tänze wie Allemande, Courante, Sarabande und Gigue. Diese Anlage spricht für die Nähe zur Sonata da camera, weil ihre Sätze wie eine Tanzsuite geordnet sind.
Welches Modell prägte die klassische Sonate?
In der Wiener Klassik wurde die Sonate zu einer zentralen Gattung der Instrumentalmusik. Haydn, Mozart und Beethoven schrieben bedeutende Sonaten und entwickelten ihre Möglichkeiten weiter.
Sonaten dieser Zeit haben häufig drei oder vier Sätze. Ein verbreitetes viersätziges Modell lautet:
- schneller Kopfsatz, häufig in Sonatenhauptsatzform;
- langsamer Satz;
- Menuett oder Scherzo;
- schnelles Finale, zum Beispiel als Rondo oder in Sonatenform.
Diese Reihenfolge ist eine Orientierung, keine Bauvorschrift. Frühe Sonaten können den Tanzsatz auslassen. Menuett beziehungsweise Scherzo und langsamer Satz können die Plätze tauschen. Es gibt außerdem zwei- und dreisätzige Sonaten.
Bekannte Werke weichen deutlich ab: Mozarts Klaviersonate A-Dur KV 331 beginnt nicht mit dem üblichen Sonatensatz. Beethovens Sonate op. 26 und die sogenannte Mondscheinsonate in cis-Moll beginnen mit einem langsamen Satz.
Du hörst vier deutlich getrennte Sätze: zuerst schnell, dann langsam, anschließend ein Scherzo und zuletzt ein schnelles Rondo. Diese Folge passt zum häufigen klassischen Modell. Daraus folgt aber nicht, dass jede andere Satzfolge „falsch“ wäre.
Wie funktioniert die Sonatenhauptsatzform?
Die Sonatenhauptsatzform erscheint besonders häufig im Kopfsatz, also im ersten Satz einer klassischen Sonate oder Sinfonie. Ihr vereinfachtes Grundmodell umfasst Exposition, Durchführung, Reprise und gegebenenfalls eine Coda.
Exposition: Material und Kontrast vorstellen
Die Exposition stellt meist zwei unterschiedliche Themenbereiche vor. Das Hauptthema steht in der Grundtonart. Das Seitenthema erscheint häufig in einer anderen Tonart.
- Bei C-Dur als Grundtonart kann das Seitenthema in der Dominante G-Dur stehen.
- Bei d-Moll als Grundtonart kann das Seitenthema in der parallelen Durtonart F-Dur stehen.
Eine Überleitung bereitet den Tonartwechsel vor. Eine Schlussgruppe beendet die Exposition. Häufig wird dieser gesamte Abschnitt wiederholt.
Durchführung: Material verändern
In der Durchführung werden Themen oder kleinere Motive verarbeitet. Sie können zerlegt, neu verbunden, auf anderen Tonhöhen wiederholt oder durch wechselnde Tonarten geführt werden.
Motiv
Ein Motiv ist eine kurze, prägnante musikalische Gestalt. Aus einem Motiv kann durch Wiederholung und Veränderung ein längerer Verlauf entstehen.
Diese Veränderung vorhandenen Materials heißt thematisch-motivische Arbeit. Die Durchführung ist besonders frei und muss nicht beide Themen vollständig verwenden.
Reprise und Coda: zurückkehren und abschließen
Die Reprise bringt bekanntes Material und die Grundtonart zurück. Im vereinfachten Modell stehen nun Haupt- und Seitenthema in der Grundtonart. Der frühere Tonartenkontrast wird damit ausgeglichen.
Die Coda ist ein Schlussabschnitt. Sie kann kurz sein. Bei Beethoven kann sie aber so umfangreich werden, dass sie wie eine weitere Durchführung wirkt.
Exposition bedeutet vorstellen, Durchführung bedeutet verarbeiten, Reprise bedeutet zurückkehren und Coda bedeutet abschließen.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
In der werden die Themen zunächst vorgestellt. Die verarbeitet vorhandenes Material besonders frei. In der kehren Anfangsmaterial und Grundtonart zurück. Eine abschließende kann kurz oder stark erweitert sein.
Wie wandelte sich die Sonate?
Die Sonate blieb lebendig, weil Komponierende ihre Modelle immer wieder veränderten. Ihre Geschichte verläuft daher nicht geradlinig von einer freien zu einer endgültig festgelegten Form.
- spätes 16. Jahrhundert„Sonata“ bezeichnet ein instrumentales Klingstück ohne festes Formschema.
- 17. JahrhundertSolo- und Triosonaten entwickeln sich; Kirchen- und Kammersonate werden unterscheidbar.
- um 1700Solo- und Duosonaten sowie die Klaviersonate gewinnen an Bedeutung.
- Wiener KlassikDrei- und viersätzige Zyklen sowie die Sonatenhauptsatzform prägen viele Werke.
- 19. JahrhundertKlassische Modelle werden bewahrt, erweitert oder grundlegend umgedeutet.
- 20. JahrhundertFeste Gattungs- und Besetzungsgrenzen verlieren an Verbindlichkeit; individuelle Lösungen treten hervor.
Franz Liszts Klaviersonate h-Moll von 1854 ist einsätzig und entwickelt innerhalb dieses einen Satzes einen vielgestaltigen Verlauf. In der Neuen Musik können Sonaten noch freier gestaltet sein. Der Titel hält dann eine Beziehung zur Tradition fest, ohne das klassische Modell vollständig zu übernehmen.
Vertiefung: Das Modell entstand nachträglich
Haydn, Mozart und Beethoven arbeiteten nicht einfach eine bereits fertig formulierte Schablone ab. Die Formenlehre beschrieb Gemeinsamkeiten ihrer Werke nachträglich. Auch der Begriff „Sonatenhauptsatzform“ wurde erst später geprägt.
Deshalb solltest du ein Werk nicht in das Modell zwingen. Nutze die Begriffe als Werkzeuge: Prüfe, welche Funktionen erkennbar sind, wo sie verändert werden und welche Wirkung daraus entsteht.
Wie analysierst du eine Sonate ohne starre Schablone?
Bei einer Analyse suchst du nicht nur nach passenden Etiketten. Du vergleichst das Gehörte oder Notierte mit einem Modell und belegst sowohl Übereinstimmungen als auch Abweichungen.
Gehe in fünf Schritten vor:
- Besetzung und Satzzahl feststellen: Welche Instrumente spielen, und wie viele selbstständige Sätze gibt es?
- Satzcharaktere vergleichen: Welche Sätze wirken schnell, langsam, tänzerisch oder kontrastreich?
- Formfunktionen suchen: Werden Themen vorgestellt, verarbeitet und wieder aufgenommen?
- Rückkehr und Veränderung prüfen: Kommt Material unverändert zurück, oder wurde es umgestaltet?
- Befund begrenzen: Formuliere „entspricht häufig“, „weicht ab“ oder „lässt sich nicht eindeutig entscheiden“ statt einer unbelegten Gewissheit.
Ein Hörprotokoll nennt zwei gegensätzliche Themen, danach Bruchstücke beider Themen in wechselnden Tonarten und schließlich die Rückkehr beider Themen in derselben Grundtonart.
Der Befund spricht für Exposition, Durchführung und Reprise. Entscheidend ist nicht nur die Reihenfolge: Die Verarbeitung der Themen und die Rückkehr zur Grundtonart stützen die Deutung.
Karteikasten
Prüfe, ob du die Begriffe knapp erklären kannst, bevor du die Rückseiten ansiehst.
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
Die Beziehungen der wichtigsten Begriffe zeigen, warum es nicht nur eine einzige Sonatenform gibt.
- Sonate
- Ursprung: freies instrumentales Klingstück
- Barock: Triosonate, Sonata da camera und Sonata da chiesa
- Klassik: häufig drei oder vier Sätze, aber zahlreiche Ausnahmen
- Kopfsatz: Sonatenhauptsatzform als mögliches Modell
- Formverlauf: Exposition, Durchführung, Reprise und mögliche Coda
- Romantik und Moderne: Erweiterung, Umdeutung und freie Traditionsbezüge
- Analyse: Merkmale belegen und Abweichungen ausdrücklich benennen
Abschluss-Check
Nutze die Fragen, um Begriffe, Anwendung und Analyse miteinander zu verbinden.
Du kannst eine Sonate nun als wandelbare instrumentale Gattung beschreiben. Für eine begründete Analyse nennst du konkrete Formmerkmale, unterscheidest Werk und Satz und behandelst historische Modelle als Orientierung statt als starre Schablone.
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