Kommunizieren in der Physik: klar und fachgerecht
In der Physik kommunizierst du kompetent, wenn du Informationen erschließt, aufbereitest, austauschst und prüfst. Dabei muss deine Aussage sachgerecht sein und zur Zielgruppe, zum Ziel und zur Situation passen.
Auf dieser Seite lernst du, Quellen und Darstellungen zu prüfen, Fachbegriffe und Formeln verständlich einzusetzen und physikalische Aussagen begründet zu verbessern.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du gute physikalische Kommunikation?
Ein fachlich richtiger Satz ist nicht automatisch eine gute Erklärung. Gute physikalische Kommunikation berücksichtigt vier Fragen:
- Sache: Ist der Inhalt fachlich korrekt und logisch aufgebaut?
- Adressaten: Welches Vorwissen haben die angesprochenen Personen?
- Ziel: Soll die Äußerung informieren, erklären oder überzeugen?
- Situation: Handelt es sich etwa um ein Laborgespräch, einen Vortrag oder einen schriftlichen Text?
Sachgerecht
Eine Aussage ist sachgerecht, wenn sie physikalisch korrekt, widerspruchsfrei und fachlich passend dargestellt ist.
Adressatengerecht
Eine Aussage ist adressatengerecht, wenn die angesprochenen Personen sie mit ihrem Vorwissen verstehen können. Fachbegriffe, Beispiele, Formeln und Darstellungen werden dafür passend gewählt oder erklärt.
Beide Anforderungen gehören zusammen. Eine korrekte Formel kann für Fachleute knapp und eindeutig sein, für andere Personen aber ohne Erklärung unverständlich bleiben. Eine besonders einfache Erklärung darf umgekehrt den physikalischen Inhalt nicht verfälschen.
In einer kurzen Labordiskussion kann eine übersichtliche Handskizze genügen. In einem Vortrag müssen dieselben Messdaten sorgfältig beschriftet und nachvollziehbar dargestellt werden.
Die Daten ändern sich nicht. Die Anforderungen an die Darstellung ändern sich jedoch mit der Situation.
Frage vor jeder Erklärung: Was möchte ich wem in welcher Situation verständlich machen? Prüfe anschließend, ob die Aussage trotzdem fachlich korrekt bleibt.
Wie erschließt du physikalische Informationen?
Beim Erschließen suchst, wählst und prüfst du Informationen. Quellen können Texte, Videos, Simulationen, Diagramme oder eigene Beobachtungen sein.
Gehe in fünf Schritten vor:
- Formuliere die physikalische Frage und den Zweck deiner Suche.
- Wähle Informationen aus, die wirklich zur Frage passen.
- Prüfe Urheberschaft, fachliche Korrektheit, Fachsprache und Belege.
- Vergleiche Darstellungen und Aussagen miteinander.
- Fasse die relevanten Informationen geordnet in eigenen Worten zusammen.
Eine professionell wirkende Grafik ist noch kein Beleg. Prüfe, ob Größen, Einheiten, Achsen und Bezugsgrößen erkennbar sind und ob die Schlussfolgerung tatsächlich zu den dargestellten Daten passt.
Beleg
Ein Beleg ist eine nachvollziehbare Grundlage für eine Aussage, zum Beispiel eine dokumentierte Beobachtung oder ein geeignet dargestelltes Messergebnis. Eine bloße Behauptung wird nicht dadurch zum Beleg, dass sie überzeugend formuliert ist.
Beim Lesen solltest du vier Arten von Aussagen unterscheiden:
- Fachinformation: eine überprüfbare physikalische Angabe;
- Beobachtung oder Messwert: ein dokumentiertes Ergebnis;
- Schlussfolgerung oder Interpretation: eine Deutung, die aus Informationen abgeleitet wird;
- persönliche Meinung oder unbelegte Behauptung: eine Wertung oder Aussage ohne erkennbare fachliche Begründung.
Ob eine Schlussfolgerung tragfähig ist, hängt nicht nur von den Daten ab. Auch das verwendete Modell, seine Voraussetzungen sowie Rand- und Anfangsbedingungen müssen zum untersuchten Phänomen passen.
Wie bereitest du Informationen verständlich auf?
Beim Aufbereiten wählst du aus, welche Inhalte für dein Ziel wichtig sind und wie du sie darstellst. Vier Stellschrauben helfen dir dabei.
Sprache
Verwende wichtige Fachbegriffe korrekt. Erkläre unbekannte Begriffe und vermeide Fachwörter, die für die Aussage nicht nötig sind.
Beispiele
Ein Beispiel macht einen abstrakten Zusammenhang konkret. Es muss fachlich passen und an Erfahrungen der Zielgruppe anknüpfen können.
Formelsprache
Formeln verdichten physikalische Modelle. Erkläre die vorkommenden Größen, die Bedeutung der Beziehung und die Bedingungen, unter denen sie verwendet wird. Je nach Zielgruppe kann zusätzlich ein Zahlenbeispiel oder eine sprachliche Beziehung wie „Je mehr …, desto …“ helfen.
Darstellungsformen
Diagramme, Abbildungen, Fotos, Texte und Formeln zeigen unterschiedliche Seiten eines Sachverhalts. Wähle eine Form, die zum Inhalt passt, und verbinde sie ausdrücklich mit deiner Erklärung.
Du erklärst die elektrische Ladungstrennung.
Eine fachlich passende Aussage lautet: „Durch das Reiben werden elektrische Ladungen getrennt.“
Für Personen ohne Vorwissen erklärst du zusätzlich, was mit „Ladungen“ und „Ladungstrennung“ gemeint ist. Eine passende Abbildung kann zeigen, wo sich die Ladungen nach dem Reiben befinden. Du verweist im Text ausdrücklich auf das, was die Abbildung sichtbar macht.
Darstellungen erklären sich nicht von selbst. Benenne, was zu sehen ist und welchen physikalischen Zusammenhang es zeigt.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Eine gelungene Erklärung ist fachlich und für die Zielgruppe . Unbekannte Fachbegriffe werden . Eine Formel wird mit ihrer physikalischen verbunden.
Wie verbesserst du eine Erklärung?
Verständigung ist kein einmaliger Versand von Informationen. Eine Erklärung ist ein Kommunikationsangebot. Die andere Person muss es wahrnehmen, entschlüsseln und mit ihrem Vorwissen verbinden können.
Wenn Unverständnis sichtbar wird, gehst du schrittweise vor:
- Frage nach, an welcher Stelle die Erklärung unklar wurde.
- Ordne das Problem einer Stellschraube zu: Sprache, Beispiel, Formel oder Darstellung.
- Verändere gezielt diese Stelle.
- Prüfe durch eine Rückfrage, ob der Zusammenhang nun verstanden wurde.
Eine Person versteht ein Schaltbild nicht.
Ein bloßes Wiederholen derselben Erklärung hilft wahrscheinlich wenig. Du kannst stattdessen die Symbole erläutern, das Schaltbild mit einem Bild der Bauteile verbinden und anschließend fragen, welches Symbol zu welchem Bauteil gehört.
So veränderst du die Darstellungsform und überprüfst die Verständigung.
Adressatengerechtes Kommunizieren zeigt sich besonders darin, dass du Unverständnis erkennst und deine Erklärung begründet anpasst. Eine fertige Präsentation unverändert vorzutragen genügt dafür nicht.
Wie diskutierst und argumentierst du wissenschaftlich?
In einer physikalischen Diskussion zählt nicht, wer am selbstsichersten spricht. Entscheidend sind fachliche Logik, geeignete Modelle, Daten und nachvollziehbare Belege.
Eine tragfähige Argumentation enthält:
- eine klar formulierte Aussage;
- passende Beobachtungen, Messdaten oder fachliche Gründe;
- eine Erklärung, wie diese Gründe die Aussage stützen;
- bei einer Kontroverse auch Gegenargumente und Einschränkungen.
Trenne dabei eigene Gedanken von übernommenen Informationen. Kennzeichne, auf wessen Arbeit eine Aussage beruht, und gib Zitate nicht als eigene Formulierungen aus.
In einer Diskussion widersprechen Messdaten einer Vermutung.
Statt die Daten zu ignorieren, prüfst du zuerst Messbedingungen, Darstellung und verwendetes Modell. Bleibt der Widerspruch bestehen, muss die Vermutung korrigiert oder eingeschränkt werden.
Das Ändern des eigenen Standpunkts ist dann kein Scheitern, sondern Teil wissenschaftlichen Arbeitens.
Eine gute physikalische Diskussion prüft Aussagen an Logik und Belegen. Sie trennt Behauptung, Beobachtung und Schlussfolgerung.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Physikalische Kommunikation
- Informationen erschließen
- Relevanz und Belege prüfen
- Beobachtung und Schlussfolgerung trennen
- Informationen aufbereiten
- Sprache und Beispiele wählen
- Formeln und Darstellungen erläutern
- Sachgerecht kommunizieren
- fachlich korrekt bleiben
- Modelle und Daten passend verwenden
- Adressatengerecht kommunizieren
- Vorwissen berücksichtigen
- Unverständnis erkennen und reagieren
- Wissenschaftlich diskutieren
- Argumente prüfen
- Standpunkte begründet korrigieren
- Informationen erschließen
Abschluss-Check
Du kannst physikalische Kommunikation nun mit einer einfachen Schlussprüfung bewerten: Ist sie fachlich korrekt? Passt sie zu Zielgruppe, Ziel und Situation? Sind Aussagen, Belege und Schlussfolgerungen nachvollziehbar verbunden?
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