Diskriminierung erkennen und richtig handeln
Diskriminierung bedeutet: Ein Mensch oder eine Gruppe wird ungerecht benachteiligt, ausgegrenzt oder schlechter behandelt. Das kann zum Beispiel wegen der Herkunft, Hautfarbe, Sprache, Religion, des Geschlechts, Alters, einer Behinderung oder der sexuellen Orientierung geschehen.
Auf dieser Seite lernst du, Vorurteile und Diskriminierung zu unterscheiden, Fälle zu untersuchen und sinnvoll zu reagieren.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du Diskriminierung?
Nicht jede unterschiedliche Behandlung ist automatisch Diskriminierung. Entscheidend ist, ob Menschen ungerecht benachteiligt oder ausgegrenzt werden.
Diskriminierung
Diskriminierung ist eine ungerechte Benachteiligung oder Ausgrenzung einzelner Menschen oder ganzer Gruppen. Betroffene werden schlechter behandelt als andere, häufig wegen eines tatsächlichen oder zugeschriebenen Merkmals.
Solche Merkmale können zum Beispiel sein:
- Herkunft, Hautfarbe, Sprache oder Name
- Geschlecht oder Geschlechtsidentität
- Religion oder Weltanschauung
- Alter
- sexuelle Orientierung
- Behinderung
Ein Vermieter vermietet eine Hochzeitsvilla regelmäßig an Paare. Als er bemerkt, dass zwei Frauen oder zwei Männer heiraten möchten, lehnt er die Vermietung deshalb ab. Das Paar erhält wegen seiner sexuellen Orientierung einen Nachteil. Ein Gericht bewertete einen solchen Fall als verbotene Benachteiligung.
Frage bei einem Fall: Wer erhält welchen Nachteil – und welches Merkmal scheint dafür ausschlaggebend zu sein?
Wie werden aus Vorurteilen Nachteile?
Ein Vorurteil ist ein vorschnelles Urteil über einen Menschen, obwohl man ihn nicht ausreichend kennt. Dabei werden vermeintliche Eigenschaften einer Gruppe pauschal auf eine einzelne Person übertragen.
Vorurteil
Ein Vorurteil ist eine verallgemeinernde Annahme über Menschen oder Gruppen, die nicht auf einer fairen Prüfung der einzelnen Person beruht.
Ein möglicher Ausgrenzungsmechanismus verläuft so:
- Einer Gruppe wird pauschal eine Eigenschaft zugeschrieben.
- Eine Person wird nur als angebliches Mitglied dieser Gruppe betrachtet.
- Die Zuschreibung beeinflusst eine Entscheidung oder Handlung.
- Die Person wird benachteiligt oder ausgeschlossen.
Jemand behauptet ohne Prüfung, eine Bewerberin werde wegen ihrer Familie häufig fehlen. Im Gespräch wird sie nach ihrer Herkunft und möglichen langen Familienbesuchen gefragt. Anschließend erhält sie die Stelle nicht.
Die Annahme ist ein Vorurteil. Wenn diese Annahme zur Ablehnung führt, wird daraus eine diskriminierende Handlung.
Eine diskriminierende Wirkung kann auch entstehen, wenn niemand ausdrücklich sagt: „Ich will jemanden benachteiligen.“ Eine fehlende böse Absicht hebt den Nachteil nicht automatisch auf. Das Verhalten sollte angesprochen und beendet werden.
Welche Formen und Folgen gibt es?
Bestimmte Formen der Diskriminierung haben eigene Namen:
- Rassismus wertet Menschen etwa wegen ihrer Hautfarbe, Herkunft, Sprache oder zugeschriebenen ethnischen Zugehörigkeit ab.
- Sexismus bezeichnet Diskriminierung wegen des Geschlechts.
- Antisemitismus richtet sich gegen jüdische Menschen.
- Ableismus bezeichnet Diskriminierung wegen einer Behinderung oder zugeschriebener Fähigkeiten.
- Antiziganismus richtet sich gegen Sinti und Roma.
Es gibt keine menschlichen „Rassen“. Das Wort erscheint dennoch im Wortlaut des Grundgesetzes. Rassismus beruht gerade auf der falschen Vorstellung, Menschen ließen sich in angeblich höher- und minderwertige Gruppen einteilen.
Mehrfachdiskriminierung
Mehrfachdiskriminierung bedeutet, dass eine Person gleichzeitig wegen mehrerer Merkmale benachteiligt wird, zum Beispiel wegen ihrer Herkunft, ihres Geschlechts und ihrer Sprache.
Diskriminierung kann viele Lebensbereiche betreffen:
- Schule und Ausbildung
- Arbeits- und Wohnungssuche
- Bezahlung und berufliche Chancen
- Sportvereine und öffentliche Orte
- Sprache und persönliche Begegnungen
Die Folgen reichen von Verletzung, Traurigkeit und Wut über schlechtere Bildungs-, Wohnungs- oder Arbeitschancen bis zu Beschimpfung und körperlicher Gewalt. Fehlende Zugänge zu Gebäuden können Menschen mit Behinderung außerdem von Teilhabe ausschließen.
Ein rollstuhlnutzender Schüler kann eine öffentlich genutzte Veranstaltung nicht besuchen, weil der einzige Eingang nur über eine Treppe erreichbar ist. Die Barriere schließt ihn aus, auch wenn niemand ihn persönlich wegschickt.
Warum schützen Demokratie und Recht vor Ausgrenzung?
Eine Demokratie beruht auf gleicher Würde und gleichen Rechten. Diskriminierung verhindert, dass Menschen diese Rechte und ihre gesellschaftliche Teilhabe gleichberechtigt nutzen können.
Artikel 3 des Grundgesetzes hält fest, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. Der Staat darf Menschen nicht wegen der dort genannten Merkmale benachteiligen oder bevorzugen. Er muss die Grundrechte schützen und seine Gesetze gleich anwenden.
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, kurz AGG, schützt in bestimmten Bereichen des Berufs- und Privatlebens vor Benachteiligung. Dazu gehören beispielsweise Arbeitsverhältnisse und bestimmte öffentlich angebotene Geschäfte. Ob ein konkreter Fall rechtlich verboten ist, muss jedoch anhand der genauen Umstände geprüft werden.
Die rechtliche Prüfung ist nur ein Teil der Betrachtung. Eine Äußerung oder Barriere kann Menschen verletzen oder ausschließen, auch wenn du ihre genaue juristische Bewertung nicht kennst.
Diskriminierung gefährdet die Demokratie, weil sie Menschen gleiche Rechte, Schutz und Teilhabe streitig macht. Deshalb tragen sowohl staatliche Stellen als auch die Gesellschaft Verantwortung, Ausgrenzung nicht hinzunehmen.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Ein ist eine pauschale Annahme. Führt eine solche Zuschreibung zu einer ungerechten Behandlung, liegt vor. Gleiche Rechte und gesellschaftliche gehören zu den Grundlagen einer Demokratie.
Wie kannst du angemessen handeln?
Wenn du selbst betroffen bist, musst du die Situation nicht allein lösen. Du kannst Eltern, Lehrkräfte, andere Vertrauenspersonen oder eine Beratungsstelle ansprechen.
Wenn du Diskriminierung beobachtest, helfen diese Schritte:
- Nimm die Situation ernst. Spiele die Benachteiligung nicht herunter.
- Unterstütze die betroffene Person. Frage, welche Hilfe sie möchte, statt über sie hinweg zu entscheiden.
- Widersprich der Ausgrenzung, wenn dies ohne zusätzliche Gefahr möglich ist.
- Hole Unterstützung. Sprich zum Beispiel eine Lehrkraft oder eine andere verantwortliche Person an.
- Sorge für weitere Hilfe. Bei wiederholter oder schwerer Benachteiligung kann eine Antidiskriminierungsstelle beraten.
Gute Unterstützung schützt Betroffene, nimmt ihre Sicht ernst und macht klar: Die Verantwortung für die Diskriminierung liegt nicht bei ihnen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Diskriminierung
- Entstehung
- Vorurteil und pauschale Zuschreibung
- Benachteiligende Entscheidung oder Barriere
- Erscheinungsformen
- Rassismus, Sexismus und Antisemitismus
- Ableismus und Antiziganismus
- Mehrfachdiskriminierung
- Folgen
- Verletzung und Ausgrenzung
- Schlechtere Chancen und eingeschränkte Teilhabe
- Beschimpfung und Gewalt
- Schutz
- Grundgesetz und gleiche Rechte
- Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz
- Beratung und gesellschaftlicher Widerspruch
- Handeln
- Betroffene ernst nehmen
- Gewünschte Unterstützung anbieten
- Verantwortliche Personen einbeziehen
- Entstehung
Abschluss-Check
Du kannst einen Fall nun schrittweise untersuchen: Vorurteil oder Zuschreibung erkennen, den konkreten Nachteil benennen, die Folgen für Rechte und Teilhabe erklären und eine unterstützende Reaktion auswählen.
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