Politik

Gleichheitsgrundsatz: Gleichheit richtig prüfen

Gleichheitsgrundsatz: Gleichheit richtig prüfen
Gleichheitsgrundsatz: Gleichheit richtig prüfen
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Der Gleichheitsgrundsatz verlangt nicht, alle Menschen und Situationen immer identisch zu behandeln. Wesentlich gleiche Fälle sollen gleich behandelt werden; für eine unterschiedliche Behandlung braucht der Staat einen ausreichenden sachlichen Grund.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was bedeutet Gleichheit vor dem Gesetz?

Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes verpflichtet die öffentliche Gewalt, vergleichbare Fälle nach gleichen Maßstäben zu behandeln. Die Regel schützt also vor willkürlicher Bevorzugung und Benachteiligung.

Definition

Gleichheitsgrundsatz

Der Gleichheitsgrundsatz verlangt, wesentlich Gleiches gleich und wesentlich Ungleiches entsprechend seinen Unterschieden ungleich zu behandeln.

Gleichheit bedeutet deshalb nicht automatisch Gleichbehandlung. Eine Regel kann unfair sein, wenn sie wichtige Unterschiede ignoriert. Umgekehrt darf ein Unterschied nur dann zu einer anderen Behandlung führen, wenn er für die jeweilige Entscheidung bedeutsam ist.

Beispiel

Zwei Personen stellen unter denselben Voraussetzungen denselben Antrag bei derselben Behörde. Ohne sachlichen Grund darf die Behörde nicht nur einen Antrag bewilligen.

Unterscheiden sich dagegen entscheidende Voraussetzungen, müssen die Fälle möglicherweise verschieden beurteilt werden. Entscheidend ist nicht irgendein Unterschied, sondern ein Unterschied, der zum Zweck der Regel passt.

Merke

Gerecht behandeln heißt nicht immer identisch behandeln. Entscheidend sind die wesentlichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt den Gleichheitsgrundsatz richtig?
Lösung: Wesentlich gleiche Fälle sind gleich zu behandeln; Unterschiede benötigen einen sachlichen Grund. — Der Gleichheitsgrundsatz verbietet nicht jeden Unterschied. Er verlangt eine nachvollziehbare, sachliche Rechtfertigung.
Wie vergleichst du zwei Fälle?

Eine Gleichheitsprüfung braucht zunächst ein sinnvolles Vergleichspaar. Dazu suchst du einen gemeinsamen Oberbegriff und bestimmst anschließend das Merkmal, auf das es bei der Entscheidung ankommt.

Definition

Vergleichsmerkmal

Das Vergleichsmerkmal ist die Eigenschaft, nach der zwei Fälle für eine bestimmte Frage gleich oder ungleich behandelt werden. In der Rechtswissenschaft heißt es auch tertium comparationis.

Beispiel

Ein Apfel und eine Birne sind unterschiedliche Früchte. Unter dem gemeinsamen Oberbegriff Obst lassen sie sich trotzdem vergleichen.

Geht es um die Obstsorte, sind sie verschieden. Geht es darum, ob beide zum Obstangebot einer Mensa zählen, können sie gleich behandelt werden. Erst die konkrete Frage zeigt, welcher Unterschied wesentlich ist.

So gehst du vor:

  1. Bestimme, wer die Behandlung vornimmt.
  2. Suche zwei vergleichbare Fälle.
  3. Nenne ihren gemeinsamen Oberbegriff.
  4. Bestimme das entscheidende Vergleichsmerkmal.
  5. Stelle fest, ob die Fälle gleich oder unterschiedlich behandelt werden.
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Frage 1 von 1MittelEine Gemeinde verlangt für zwei gleich große Verkaufsstände auf demselben Markt unterschiedlich hohe Gebühren. Was musst du zuerst klären?
Lösung: Ob die Stände nach den für die Gebühr wichtigen Merkmalen vergleichbar sind. — Nur ein für die Entscheidung relevantes Merkmal trägt den Vergleich. Ein beliebiger Unterschied genügt nicht.
Wann ist eine Ungleichbehandlung gerechtfertigt?

Nach dem Vergleich folgt die zweite Frage: Gibt es für die unterschiedliche Behandlung einen verfassungsrechtlich ausreichenden Grund?

Für Sachverhalte gilt zunächst das Willkürverbot. Eine Differenzierung darf nicht grundlos oder sachfremd sein. Es muss einen vernünftigen, sachlich einleuchtenden Grund geben.

Definition

Sachlicher Grund

Ein sachlicher Grund ist ein nachvollziehbarer Grund, der zum Ziel der Regel passt und die unterschiedliche Behandlung erklären kann.

Bei Unterschieden, die eng mit einer Person verbunden sind, wird strenger geprüft. Je stärker eine Regel Grundrechte beeinträchtigt und je weniger die betroffene Person ausweichen kann, desto gewichtiger muss die Rechtfertigung sein. Diese strengere Prüfung wird häufig mit der Neuen Formel beschrieben.

Beispiel

Einkommensabhängige Sozialbeiträge behandeln Menschen mit unterschiedlichem Einkommen verschieden. Eine solche Abstufung kann durch ihre unterschiedliche finanzielle Leistungsfähigkeit und durch soziale Gesichtspunkte gerechtfertigt sein.

Die Begründung lautet nicht einfach: „Die Einkommen sind verschieden.“ Der Unterschied muss vielmehr zum Zweck der Beitragsregel passen und genügend Gewicht besitzen.

Merke

Je stärker eine Ungleichbehandlung eine Person betrifft, desto überzeugender muss ihre Rechtfertigung sein.

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Frage 1 von 1MittelWelche Begründung kann eine Ungleichbehandlung am ehesten rechtfertigen?
Lösung: Ein Unterschied ist für das Ziel der Regel bedeutsam und besitzt ausreichendes Gewicht. — Nicht jeder Unterschied rechtfertigt eine Differenzierung. Er muss zur Regel passen und je nach Eingriffsintensität genügend Gewicht haben.
Welche Grenzen und Sonderfälle gibt es?

Ein Hoheitsträger ist eine staatliche Stelle, zum Beispiel eine Behörde oder Gemeinde. Für ihn gelten bei der Gleichheitsprüfung einige wichtige Besonderheiten.

Selbstbindung einer Behörde

Wendet eine Behörde eine etablierte rechtmäßige Praxis auf bestimmte Fälle an, muss sie vergleichbare Fälle grundsätzlich ebenso behandeln. Sie darf ihre Praxis allgemein für die Zukunft ändern.

Aus einer rechtswidrigen Behandlung entsteht jedoch kein Anspruch darauf, ebenfalls rechtswidrig behandelt zu werden. Es gibt also keine „Gleichheit im Unrecht“.

Typisierende Regeln

Allgemeine Regeln dürfen typische Fälle zusammenfassen. Vereinzelte Härten machen eine solche Regel nicht sofort unzulässig. Treten erhebliche Härten jedoch typischerweise auf, kann die Grenze zulässiger Typisierung erreicht sein.

Beziehungen zwischen Privatpersonen

Art. 3 Abs. 1 GG gilt normalerweise nicht unmittelbar zwischen Privatpersonen. Ein Mieter kann deshalb aus diesem Grundrecht allein nicht verlangen, ein Haustier halten zu dürfen, nur weil ein Nachbar eines halten darf.

Grundrechte können auf private Rechtsbeziehungen dennoch mittelbar einwirken. Besonders im Arbeitsrecht spielt der Schutz vor Ungleichbehandlung eine wichtige Rolle.

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Frage 1 von 1SchwerEine Behörde hat einem anderen Antrag rechtswidrig stattgegeben. Warum entsteht daraus nicht automatisch derselbe Anspruch für dich?
Lösung: Der Gleichheitsgrundsatz vermittelt keinen Anspruch auf die Wiederholung einer rechtswidrigen Entscheidung. — Gleichbehandlung bindet staatliche Stellen an das Recht. Sie verpflichtet sie nicht dazu, einen früheren Rechtsverstoß zu wiederholen.
Wie unterscheiden sich Gleichheit und Gleichberechtigung?

Art. 3 GG enthält neben dem allgemeinen Gleichheitsgrundsatz besondere Gleichheitsgarantien. Dazu gehören die Gleichberechtigung der Geschlechter und Verbote der Benachteiligung wegen bestimmter persönlicher Merkmale oder wegen einer Behinderung.

Rechtliche Gleichheit bedeutet, dass dieselben Rechte und rechtlichen Maßstäbe gelten. Tatsächliche Gleichberechtigung richtet den Blick zusätzlich darauf, ob bestehende gesellschaftliche Nachteile die Verwirklichung gleicher Rechte erschweren.

1949 wurde auf Betreiben Elisabeth Selberts und mit Unterstützung weiterer Frauen im Parlamentarischen Rat die Formulierung „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ angenommen. 1994 erhielt Art. 3 Abs. 2 einen zusätzlichen staatlichen Auftrag: Der Staat soll die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung fördern und bestehende Nachteile beseitigen.

Gut zu wissen

Über die geeigneten Maßnahmen wird politisch gestritten. Eine Position betont gleiche Rechte und Startchancen. Eine andere hebt hervor, dass der Staat auch tatsächlichen oder strukturellen Nachteilen entgegenwirken soll. Der Verfassungsauftrag zur Förderung tatsächlicher Gleichberechtigung bildet den rechtlichen Rahmen dieser Debatte.

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Frage 1 von 1MittelWas unterscheidet tatsächliche Gleichberechtigung von bloß formaler Rechtsgleichheit?
Lösung: Sie berücksichtigt zusätzlich bestehende Nachteile, die gleiche Rechte in der Wirklichkeit erschweren. — Rechtliche Gleichheit und tatsächliche Gleichberechtigung widersprechen sich nicht. Der Förderauftrag soll helfen, bestehende Nachteile zu beseitigen.
So prüfst du einen neuen Fall

Nutze für eine einfache schulische Fallprüfung vier Schritte. Damit bildest du den juristischen Denkweg ab, ohne eine vollständige verfassungsrechtliche Begutachtung vorzutäuschen.

  1. Staatliche Behandlung bestimmen: Welche staatliche Stelle entscheidet oder handelt?
  2. Fälle vergleichen: Welcher gemeinsame Oberbegriff und welches Vergleichsmerkmal verbinden die Fälle?
  3. Behandlung feststellen: Werden wesentlich gleiche Fälle verschieden oder wesentlich verschiedene Fälle unangemessen gleich behandelt?
  4. Rechtfertigung prüfen: Passt der genannte Grund zum Ziel der Regel, und besitzt er genügend Gewicht?
Beispiel

Eine Gemeinde vergibt gleichartige Marktstände. Zwei Bewerber erfüllen alle veröffentlichten Voraussetzungen. Einer erhält einen Stand, der andere wird allein wegen persönlicher Sympathie abgelehnt.

Schritt 1: Die Gemeinde ist der handelnde Hoheitsträger.

Schritt 2: Beide Personen sind Bewerber um gleichartige Marktstände und erfüllen dieselben Voraussetzungen.

Schritt 3: Die vergleichbaren Fälle werden unterschiedlich behandelt.

Schritt 4: Persönliche Sympathie hat keinen sachlichen Bezug zu den Vergabekriterien. Sie ist daher kein sachlich einleuchtender Differenzierungsgrund.

Ergebnis: Nach diesen Angaben spricht der Fall für einen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz.

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Frage 1 von 1SchwerEine Schule verteilt begrenzte Plätze für einen freiwilligen Kurs nach vorher bekannt gegebenen, für alle gleichen und sachbezogenen Kriterien. Welche Bewertung passt am besten?
Lösung: Eine unterschiedliche Behandlung kann gerechtfertigt sein, wenn die Kriterien zum Auswahlziel passen und einheitlich angewendet werden. — Entscheidend ist nicht allein das unterschiedliche Ergebnis. Du prüfst, ob vergleichbare Personen nach sachbezogenen und einheitlichen Maßstäben ausgewählt wurden.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Gleichheitsgrundsatz
    • Vergleich: gemeinsame Gruppe und wesentliches Merkmal bestimmen
    • Behandlung: Gleich- oder Ungleichbehandlung feststellen
    • Rechtfertigung: sachlichen Grund und sein Gewicht prüfen
    • Grenzen: keine Gleichheit im Unrecht und keine willkürlichen Unterschiede
    • Reichweite: vor allem Bindung staatlicher Gewalt
    • Gleichberechtigung: gleiche Rechte und Abbau bestehender Nachteile
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWas steht am Anfang einer Gleichheitsprüfung?
Lösung: Die Suche nach vergleichbaren Fällen und einem entscheidenden Vergleichsmerkmal. — Zuerst bestimmst du die Vergleichsgruppe und das Merkmal, auf das es für die konkrete Regel ankommt.
Frage 2 von 3MittelZwei wesentlich gleiche Anträge werden von derselben Behörde unterschiedlich behandelt. Was ist als Nächstes zu prüfen?
Lösung: Ob für die unterschiedliche Behandlung ein ausreichender sachlicher Grund besteht. — Nach der festgestellten Ungleichbehandlung folgt die Rechtfertigungsprüfung: Der Grund muss zum Ziel der Regel passen und genügend Gewicht besitzen.
Frage 3 von 3SchwerZwei Gruppen werden wegen eines personenbezogenen Merkmals unterschiedlich belastet und können der Regel kaum ausweichen. Was folgt daraus?
Lösung: Die Rechtfertigung muss besonders streng geprüft werden. — Für den Vergleich genügt wesentliche Gleichheit im Hinblick auf die Regel. Bei intensiven personenbezogenen Belastungen steigen die Anforderungen an den sachlichen Grund.

Du kannst einen Gleichheitsfall nun geordnet untersuchen: vergleichen, Behandlung feststellen, Rechtfertigung prüfen und das Ergebnis begründen.

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