In der Klasse stimmt ihr vielleicht darüber ab, wohin der Wandertag geht. Im Verein wird entschieden, ob ein neues Trikot gekauft wird. In der Politik geht es oft um größere Fragen: Wer wird gewählt? Welches Gesetz gilt? Damit solche Entscheidungen fair laufen, muss vorher klar sein, welche Mehrheit gebraucht wird.
- Du erklärst, was eine Mehrheit bei Abstimmungen bedeutet.
- Du unterscheidest relative, einfache, absolute und qualifizierte Mehrheit.
- Du erkennst, warum Enthaltungen und die Grundmenge wichtig sind.
- Du wendest Mehrheitsregeln auf kleine Beispiele an.
Warum Mehrheiten gebraucht werden
Wenn mehrere Menschen entscheiden, gibt es oft verschiedene Meinungen. Eine Abstimmung ist ein Verfahren, bei dem Menschen ihre Stimme für oder gegen etwas abgeben. Eine Wahl ist eine besondere Abstimmung, bei der meistens Personen oder Parteien ausgewählt werden.
Eine Mehrheit bedeutet: Eine Seite hat genug Stimmen, damit eine Entscheidung gelten kann. Wie viele Stimmen „genug“ sind, hängt von der Regel ab. Diese Regel muss vor der Abstimmung feststehen.
Eine Mehrheit ist die Anzahl von Stimmen, die nach einer festgelegten Regel ausreicht, damit ein Vorschlag gewinnt oder eine Person gewählt wird.
Eine Klasse stimmt über das Ziel des Wandertags ab.
See: 12 Stimmen
Museum: 8 Stimmen
Kletterpark: 5 Stimmen
Wenn die Regel lautet „Das Ziel mit den meisten Stimmen gewinnt“, dann gewinnt der See.
Mehrheit heißt nicht immer automatisch „mehr als die Hälfte“. Es kommt auf die genaue Mehrheitsregel an.
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Die Grundmenge: Wovon wird gezählt?
Bei Mehrheiten ist nicht nur wichtig, wie viele Ja-Stimmen es gibt. Wichtig ist auch, womit du diese Stimmen vergleichst. Diese Vergleichsgruppe nennt man Grundmenge. Die Grundmenge ist die Menge der Stimmen oder Personen, auf die sich die Rechnung bezieht.
Manchmal zählt man nur die abgegebenen gültigen Stimmen. Manchmal zählt man alle Mitglieder eines Gremiums, auch wenn einige fehlen oder sich enthalten. Ein Gremium ist eine Gruppe, die gemeinsam entscheiden darf, zum Beispiel der Bundestag, ein Stadtrat oder ein Vereinsvorstand.
Eine Enthaltung bedeutet: Eine Person nimmt an der Abstimmung teil, stimmt aber weder dafür noch dagegen. Ob Enthaltungen mitgezählt werden, hängt von der Regel ab.
Ein Schülerrat hat 20 Mitglieder. Bei einer Abstimmung sind 16 da.
10 stimmen mit Ja.
4 stimmen mit Nein.
2 enthalten sich.
4 fehlen.
Wenn nur Ja und Nein zählen, werden 14 gültige Stimmen betrachtet.
Wenn alle Mitglieder zählen, werden 20 Personen betrachtet.
Die Frage lautet immer: Mehrheit wovon? Von den abgegebenen Stimmen? Von den gültigen Stimmen? Von allen Mitgliedern? Genau diese Grundmenge entscheidet oft über das Ergebnis.
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Relative Mehrheit: Die meisten Stimmen reichen
Stell dir vor, drei Vorschläge stehen zur Wahl. Einer bekommt 9 Stimmen, einer 8 Stimmen und einer 7 Stimmen. Der erste Vorschlag hat nicht mehr als die Hälfte aller Stimmen. Er hat aber mehr Stimmen als jeder einzelne andere Vorschlag.
Das nennt man relative Mehrheit. Relativ bedeutet hier: Man vergleicht jeden Vorschlag einzeln mit den anderen Vorschlägen. Wer die meisten Stimmen hat, gewinnt. Es muss nicht mehr als die Hälfte sein.
Eine relative Mehrheit hat der Vorschlag oder die Person mit den meisten Stimmen im Vergleich zu jeder einzelnen anderen Möglichkeit.
Drei Kandidatinnen treten zur Klassensprecherwahl an.
Mira: 11 Stimmen
Jonas: 9 Stimmen
Elif: 8 Stimmen
Mira hat die relative Mehrheit, weil sie mehr Stimmen hat als Jonas und mehr Stimmen als Elif. Sie hat aber nicht mehr Stimmen als Jonas und Elif zusammen.
Relative Mehrheit: Wer vorne liegt, gewinnt. Mehr als die Hälfte ist dafür nicht nötig.
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Einfache Mehrheit: Mehr Ja als Nein
Im Alltag meint man mit einfacher Mehrheit oft: Es gibt mehr Stimmen dafür als dagegen. Enthaltungen werden dabei normalerweise nicht als Ja oder Nein gezählt. Entscheidend sind also die gültigen abgegebenen Stimmen, die wirklich für eine Seite zählen.
Die einfache Mehrheit ist besonders wichtig bei Beschlüssen. Ein Beschluss ist eine verbindliche Entscheidung einer Gruppe, zum Beispiel: „Wir kaufen neue Bücher für die Bibliothek.“
Eine einfache Mehrheit liegt vor, wenn mehr gültige Stimmen für einen Vorschlag abgegeben werden als gegen ihn. Enthaltungen zählen dabei meist nicht mit.
Ein Verein stimmt über einen Antrag ab.
Ja: 18 Stimmen
Nein: 15 Stimmen
Enthaltung: 6 Stimmen
Der Antrag hat eine einfache Mehrheit, weil es mehr Ja-Stimmen als Nein-Stimmen gibt. Die Enthaltungen entscheiden hier nicht mit.
Bei nur zwei echten Möglichkeiten, zum Beispiel Ja und Nein, wirken relative und einfache Mehrheit oft gleich. Bei mehreren Vorschlägen kann das anders sein.
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Absolute Mehrheit: Mehr als die Hälfte der Grundmenge
Manchmal reicht es nicht, nur mehr Ja als Nein zu haben. Dann verlangt die Regel mehr als die Hälfte einer festgelegten Grundmenge. Das nennt man absolute Mehrheit.
Diese Regel ist strenger. Sie kann sich zum Beispiel auf alle Mitglieder eines Gremiums beziehen. Dann zählen fehlende Personen und Enthaltungen indirekt mit, weil sie die benötigte Hürde nicht senken.
Eine absolute Mehrheit liegt vor, wenn mehr als die Hälfte der festgelegten Grundmenge zustimmt.
Ein Gremium hat 30 Mitglieder. Für eine absolute Mehrheit der Mitglieder braucht ein Vorschlag mehr als die Hälfte von 30.
Die Hälfte von 30 ist 15.
Mehr als 15 bedeutet: mindestens 16 Ja-Stimmen.
Wenn nur 14 mit Ja stimmen, reicht das nicht, auch wenn nur 10 dagegen stimmen und 6 fehlen.
Absolute Mehrheit: Du schaust auf die ganze festgelegte Grundmenge. Es braucht mehr als die Hälfte davon.
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Qualifizierte Mehrheit: Eine besondere Hürde
Bei besonders wichtigen Entscheidungen verlangt man oft noch mehr Zustimmung. Eine qualifizierte Mehrheit ist eine vorher festgelegte erhöhte Mehrheit. Sie kann zum Beispiel zwei Drittel oder drei Viertel der Stimmen verlangen.
Ein Quorum ist eine festgelegte Mindesthürde. Es sagt, wie viele Stimmen oder welcher Anteil erreicht werden muss. Solche Regeln sollen verhindern, dass sehr wichtige Entscheidungen mit einer knappen Mehrheit geändert werden.
Eine qualifizierte Mehrheit ist eine Mehrheit mit einer besonderen Mindesthürde, zum Beispiel zwei Drittel der Stimmen oder drei Viertel der Mitglieder.
Ein Verein will seine Satzung ändern. Die Satzung verlangt dafür drei Viertel der gültigen Stimmen.
Es gibt 80 gültige Stimmen.
Drei Viertel von 80 sind 60.
Der Vorschlag braucht also mindestens 60 Ja-Stimmen.
Bei sehr wichtigen politischen Entscheidungen, etwa bei Verfassungsänderungen, werden oft hohe Mehrheiten verlangt. Dadurch soll eine breite Zustimmung gesichert werden.
Qualifizierte Mehrheit: Die Regel nennt eine besondere Hürde. Du musst zuerst wissen, welche Hürde gilt und welche Grundmenge gezählt wird.
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Mehrheiten sicher unterscheiden
Jetzt kannst du die Mehrheitsarten ordnen. Die relative Mehrheit ist die niedrigste Hürde: Platz eins reicht. Die einfache Mehrheit verlangt mehr Ja als Nein. Die absolute Mehrheit verlangt mehr als die Hälfte der festgelegten Grundmenge. Die qualifizierte Mehrheit verlangt eine besondere Hürde, die vorher genannt wird.
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Zusammenfassung
Eine Mehrheit entscheidet, ob ein Vorschlag gewinnt oder ein Beschluss gilt. Dafür musst du immer zuerst die Regel kennen.
Die relative Mehrheit bedeutet: Eine Option hat die meisten Stimmen. Die einfache Mehrheit bedeutet meistens: mehr Ja als Nein. Die absolute Mehrheit bedeutet: mehr als die Hälfte der festgelegten Grundmenge. Die qualifizierte Mehrheit bedeutet: Eine besondere Hürde wie zwei Drittel muss erreicht werden.
Die wichtigste Prüffrage lautet: Welche Mehrheit von welcher Grundmenge wird verlangt?
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