Jom Kippur: Bedeutung, Rituale und Versöhnung
Jom Kippur ist der höchste jüdische Feiertag. Der Name bedeutet Tag der Sühne; häufig wird er als Versöhnungstag bezeichnet. Jüdinnen und Juden richten an diesem Tag ihren Blick auf Umkehr, Vergebung und einen verantwortlichen Neubeginn.
Auf dieser Seite erfährst du, wie persönliche Versöhnung, Gebet, Fasten und Gemeinschaft zusammengehören. Du lernst außerdem, zwischen religiöser Bedeutung, historischen Ritualen und vielfältiger heutiger Praxis zu unterscheiden.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was bedeutet Jom Kippur?
Das hebräische Wort Jom bedeutet „Tag“, Kippur bedeutet „Sühne“. Sühne meint hier, gestörte Beziehungen durch Einsicht, Umkehr und Vergebung wieder in Ordnung zu bringen.
Umkehr
Umkehr bedeutet, eigenes Fehlverhalten ehrlich zu erkennen, zu bereuen und das eigene Handeln zu verändern. Ein gesprochenes Bedauern allein genügt nicht, wenn keine Bereitschaft zur Veränderung folgt.
Jom Kippur gehört zu den Hohen Feiertagen. Er beendet die nach Rosch ha-Schana, dem jüdischen Neujahrsfest, liegende Zeit der Besinnung und Umkehr.
Das Buch des Lebens ist ein religiöses Bild für das göttliche Urteil. Nach jüdischer Überlieferung wird an Jom Kippur besiegelt, was zuvor noch offen war. Deshalb verbinden sich an diesem Tag Ernst, Hoffnung und die Möglichkeit eines Neubeginns.
Wann beginnt der Feiertag?
Jom Kippur wird am 10. Tischri gefeiert. Tischri ist ein Monat des jüdischen Kalenders. Weil sich dieser Kalender nach dem Mond richtet, liegt Jom Kippur im gregorianischen Kalender jedes Jahr an einem anderen Datum im September oder Oktober.
Ein jüdischer Feiertag beginnt bereits am Vorabend. Jom Kippur dauert daher von Sonnenuntergang bis zum folgenden Sonnenuntergang. Die traditionelle Fastenzeit umfasst ungefähr 25 Stunden.
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Jom Kippur wird am gefeiert. Der Feiertag beginnt am des Vorabends. Sein gregorianisches Datum .
Warum reicht Fasten allein nicht aus?
Jom Kippur betrifft die Beziehung zu Gott und die Beziehungen zwischen Menschen. Nach jüdischer Lehre gehören dafür unterschiedliche Schritte zusammen:
- Bei Verfehlungen gegenüber Gott stehen Reue, Bekenntnis und die Bitte um Vergebung im Mittelpunkt.
- Wer einen Menschen verletzt hat, soll die betroffene Person persönlich um Verzeihung bitten.
- Fasten und Gebet können diese persönliche Aussöhnung nicht ersetzen.
Versöhnung bedeutet nicht, einen Fehler nur innerlich zu bedauern. Wer einem Menschen Unrecht getan hat, muss Verantwortung übernehmen und sich um Wiedergutmachung bemühen.
Noah hat eine Freundin vor anderen absichtlich beleidigt. Er beschließt, an Jom Kippur zu fasten.
Das Fasten allein löst den Konflikt nicht. Noah muss zuerst anerkennen, was er getan hat. Dann sollte er die Freundin ehrlich um Verzeihung bitten und zeigen, wie er sein Verhalten ändern will. Ob sie ihm sofort verzeiht, kann er nicht verlangen. Er kann aber Verantwortung für seinen eigenen Anteil übernehmen.
Wie wird Jom Kippur heute begangen?
Viele Jüdinnen und Juden verbringen einen großen Teil des Tages in der Synagoge. Der Gottesdienst beginnt am Vorabend mit Kol Nidre und endet am folgenden Tag mit dem Schlussgebet Ne’ila. Zum Abschluss erklingt der Schofar, ein Blasinstrument aus einem Horn.
Das gemeinsame Sündenbekenntnis wird in der Wir-Form gesprochen. Dadurch richtet sich der Blick nicht nur auf einzelne Fehler, sondern auch auf die Verantwortung der Gemeinschaft.
Traditionelle Formen des Tages sind:
- Fasten, also der Verzicht auf Essen und Trinken;
- Arbeitsruhe und Abstand von Alltagsbeschäftigungen;
- lange Gottesdienste, Gebete und Bekenntnisse;
- weiße Kleidung und der Verzicht auf Lederschuhe;
- gemeinsames Fastenbrechen nach dem Ende des Feiertags.
Nach traditioneller religiöser Regel fasten Mädchen beziehungsweise Frauen ab 12 Jahren und Jungen beziehungsweise Männer ab 13 Jahren. Wie streng einzelne Menschen Jom Kippur beachten, ist jedoch unterschiedlich. Auch weniger religiöse Jüdinnen und Juden können den Tag als besonders wichtig empfinden.
Fasten bedeutet an Jom Kippur nicht nur Nahrungsverzicht. Eine Lesung aus dem Buch Jesaja verbindet echtes Fasten mit gerechtem Handeln: Unrecht soll beendet und Menschen in Not soll geholfen werden.
Wie veränderte sich die Feier seit der Tempelzeit?
In der Zeit des Jerusalemer Tempels führte der Hohepriester an Jom Kippur ein besonderes Ritual für die Gemeinschaft aus. Nur an diesem Tag durfte er das Allerheiligste des Tempels betreten.
Zu der Zeremonie gehörten zwei Böcke. Ein Tier wurde im Tempel geopfert. Über dem anderen bekannte der Hohepriester die Verfehlungen der Gemeinschaft und übertrug sie in einer Symbolhandlung auf das Tier. Anschließend wurde dieser Bock in die Wüste fortgeschickt.
Daraus wird der Ausdruck Sündenbock hergeleitet. Seine heutige Bedeutung hat sich jedoch verändert: Heute nennt man so meist eine Person, der andere zu Unrecht die Schuld für ihre eigenen Fehler geben.
Im historischen Ritual bekannte die Gemeinschaft ihre Schuld, bevor der Bock sie symbolisch forttrug. Im heutigen Sprachgebrauch wird dagegen häufig ein unschuldiger Mensch zum „Sündenbock“ gemacht. Der moderne Ausdruck beschreibt also eine ungerechte Schuldzuweisung und nicht einfach das damalige Ritual.
Nach der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 endete der Opferdienst. Jom Kippur blieb bestehen: Gemeinsames Gebet, Bekenntnis, Reue, Fasten und Versöhnung rückten an die Stelle der Tempelopfer.
Was zeigt Jom Kippur über jüdisches Leben heute?
Jom Kippur verbindet religiöse Überlieferung mit gegenwärtigem jüdischem Leben. Der Feiertag wird in Familien und Gemeinden begangen, aber nicht von allen Menschen auf dieselbe Weise.
In Israel ruht das öffentliche Leben an Jom Kippur weitgehend. Viele Geschäfte und Einrichtungen bleiben geschlossen, Radio und Fernsehen senden kein reguläres Programm und die Straßen sind fast autofrei. Das geschieht nicht durch ein allgemeines behördliches Fahrverbot, sondern vor allem durch gesellschaftliche Beachtung des Feiertags.
Eine faire Darstellung vermeidet deshalb zwei Fehler:
- Sie reduziert Judentum nicht auf Verfolgung und Vergangenheit.
- Sie stellt nicht eine streng religiöse Praxis als Lebensweise aller jüdischen Menschen dar.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Jom Kippur
- Bedeutung: Sühne, Umkehr und Versöhnung
- Zeitpunkt: 10. Tischri, von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang
- Beziehung zu Gott: Reue, Bekenntnis und Gebet
- Beziehung zu Menschen: Entschuldigung und Wiedergutmachung
- Heutige Praxis: Gottesdienst, Fasten, Ruhe und Fastenbrechen
- Historischer Wandel: vom Tempelritual zum gemeinschaftlichen Gebet
- Vielfalt: unterschiedliche Formen jüdischer Religiosität und Feierpraxis
Abschluss-Check
Du hast den Kern verstanden, wenn du Jom Kippur nicht auf das Fasten verkürzt: Der Feiertag verbindet religiöse Einkehr mit Verantwortung gegenüber anderen Menschen und wird innerhalb des heutigen Judentums auf unterschiedliche Weise gelebt.
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