Krishna: Bedeutung, Geschichten und Verehrung
Krishna ist eine der bekanntesten Gottheiten des Hinduismus. Viele Hindus verehren ihn als achten Avatar Vishnus, also als Erscheinungsform Vishnus. Andere verstehen Krishna selbst als höchste göttliche Gestalt. Diese Aussagen widersprechen sich nicht einfach: Sie gehören zu unterschiedlichen hinduistischen Traditionen.
Auf dieser Seite lernst du, Krishnas Darstellungen und Erzählungen zu deuten, Bhakti und die Bhagavad Gita einzuordnen und Krishna von der Hare-Krishna-Bewegung zu unterscheiden.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Warum wird Krishna unterschiedlich verstanden?
Eine einzige Antwort wie „Krishna ist nur ein Gott unter vielen“ greift zu kurz. Der Hinduismus umfasst verschiedene Traditionen, die das Göttliche unterschiedlich beschreiben.
Avatar
Ein Avatar ist eine Erscheinungsform einer Gottheit in der Welt. Krishna gilt häufig als achter Avatar Vishnus, des Erhalters und Beschützers der Schöpfung.
Für viele Verehrende ist Krishna zugleich mehr als eine untergeordnete Erscheinungsform. Sie betrachten ihn als Gestalt des Höchsten oder als höchsten Gott. Deshalb sind beide Sätze möglich:
- Krishna ist ein Avatar Vishnus.
- Krishna ist selbst die höchste göttliche Gestalt.
Welcher Satz im Mittelpunkt steht, hängt von der jeweiligen Tradition ab.
Sprich nicht pauschal von „dem hinduistischen Gottesbild“. Frage stattdessen: Welche Tradition ist gemeint, und wie versteht sie Krishna?
Was verraten Flöte, Farbe und Kühe?
Krishna wird häufig als junger Kuhhirte dargestellt. Typische Merkmale helfen dir, ihn auf Bildern oder Figuren zu erkennen:
- Er spielt eine Flöte.
- Seine Haut erscheint blau oder dunkel.
- Er trägt häufig gelbe Kleidung.
- Kühe, Hirtenmädchen oder seine Gefährtin Radha können ihn begleiten.
Die blaue Haut wird als Zeichen eines grenzenlosen, universalen Bewusstseins gedeutet. Die gelbe Kleidung kann für die Erde stehen. Die Flöte erinnert an Krishna als Kuhhirten. Sie wird außerdem als Bild für den Menschen verstanden, der durch Gottes Atem belebt wird.
Du siehst eine blau dargestellte junge Gestalt, die mit überkreuzten Beinen Flöte spielt. Neben ihr ruhen Kühe.
Die Merkmale passen zu Krishna: Die Flöte und die Kühe verweisen auf seine Rolle als Kuhhirte. Die blaue Körperfarbe kennzeichnet nicht eine alltägliche Hautfarbe, sondern trägt eine religiöse Bedeutung.
Ein Symbol besitzt nicht automatisch in jeder Darstellung genau dieselbe Bedeutung. Beschreibe deshalb zuerst, was du siehst, und erkläre anschließend, wie es gedeutet werden kann.
Welche Geschichten prägen das Bild Krishnas?
Erzählungen zeigen Krishna in verschiedenen Lebensphasen und Rollen. Sie sind religiöse Überlieferungen; man darf sie nicht ohne Weiteres wie überprüfte historische Berichte behandeln.
Das bedrohte Kind
Nach der Überlieferung war Krishna der achte Sohn von Devaki und Vasudeva. König Kansa fürchtete eine Prophezeiung, nach der Devakis achter Sohn ihn töten werde. Deshalb ließ er die Eltern gefangen halten und ihre ersten Kinder töten.
Bei Krishnas Geburt konnten die Eltern ihn retten. Vasudeva brachte das Kind aus dem Gefängnis fort. Krishna wuchs bei Pflegeeltern unter Kuhhirten auf, überlebte Anschläge und besiegte später Kansa.
Der verspielte Kuhhirte
Kindheitserzählungen berichten, wie Krishna mit Freunden Butter stahl und Streiche spielte. Andere Geschichten handeln von den Gopis, den Hirtenmädchen, und von Radha.
Die Liebe zwischen Krishna, Radha und den Gopis wird religiös gedeutet: Sie kann für die Liebe Gottes zu den Menschen und für die Sehnsucht des Menschen nach Gott stehen. Eine solche Deutung ist mehr als eine Inhaltsangabe. Sie erklärt, welche religiöse Bedeutung eine Erzählung für Gläubige haben kann.
Der Ratgeber Arjunas
Als Erwachsener erscheint Krishna auch als König, Friedensvermittler und Wagenlenker des Kriegers Arjuna. Vor einer Schlacht zweifelt Arjuna, weil auf der Gegenseite Verwandte stehen. Krishna spricht mit ihm über Pflicht, die Seele sowie spirituelles und ethisches Leben. Dieses Gespräch bildet die Bhagavad Gita.
Ob hinter Krishna eine historische Person stand, ist nicht beweiskräftig geklärt. Religiöse Überlieferung und historische Forschung stellen unterschiedliche Fragen: Die Überlieferung fragt nach Glauben und Bedeutung; historische Forschung nach überprüfbaren Spuren vergangener Ereignisse.
Wie wird Krishna verehrt?
Ein zentraler Begriff der Krishna-Verehrung ist Bhakti.
Bhakti
Bhakti bedeutet hingebungsvolle, persönliche Zuwendung zu einer Gottheit. Bei der Krishna-Verehrung zeigt sie sich beispielsweise im Gebet, in Gesängen, im Lesen religiöser Texte und in der Puja.
Eine Puja ist eine Verehrungshandlung oder ein Gottesdienst. Dabei können Gebete, Gaben, Bilder oder Figuren und weitere rituelle Handlungen eine Rolle spielen.
Der wichtigste Krishna-Feiertag ist Janmashtami, das Fest seiner Geburt. Der Termin richtet sich nach dem Mondkalender und liegt meist im August. Bei einer Puja kann Krishna als göttliches Kind verehrt werden. Auch das Farbenfest Holi ist mit Erzählungen aus Krishnas Jugend verbunden.
Die Bhagavad Gita ist für die Krishna-Verehrung besonders wichtig. Krishna erscheint darin als Freund, Beschützer und Lehrer Arjunas. Die Schrift verbindet die Frage nach dem richtigen Handeln mit Vorstellungen über Pflicht, Seele und Gottesbeziehung.
Jemand singt einen Namen Krishnas nicht nur zur Unterhaltung, sondern als Ausdruck von Hingabe. Die Handlung lässt sich als Bhakti deuten, weil sie die persönliche Beziehung zur verehrten Gottheit ausdrückt.
Nicht jeder religiöse Gesang ist jedoch automatisch Krishna-Bhakti. Entscheidend sind sein Inhalt, sein religiöser Zusammenhang und die Absicht der Beteiligten.
Ist Hare Krishna dasselbe wie Krishna?
Nein. Krishna ist die verehrte göttliche Gestalt. „Hare Krishna“ kann dagegen den Beginn eines Mantras, einen Gruß oder eine Kurzbezeichnung für Anhänger der Hare-Krishna-Bewegung meinen.
Das bekannte Maha-Mantra wiederholt die Namen Hare, Krishna und Rama. Beim Chanten, also beim rhythmischen Sprechen oder Singen, soll die wiederholte Anrufung die Beziehung zu Krishna und das Gottesbewusstsein vertiefen. Beim persönlichen Wiederholen kann eine Mala, eine Gebetskette mit 108 Perlen, zum Zählen dienen.
Die Organisation ISKCON
Die Internationale Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein, kurz ISKCON, wurde 1966 von A. C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada in New York gegründet. Sie steht in einer hinduistischen Bhakti-Tradition und verbreitete sich zunächst in den USA, später auch in Europa.
Vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren waren singende Mitglieder häufig öffentlich zu sehen. Innerhalb der Gemeinschaft muss zwischen Ordensmitgliedern und außerhalb von Tempeln lebenden Gemeindemitgliedern unterschieden werden. Strenge Ordensregeln gelten deshalb nicht automatisch für jede Person in gleicher Weise.
Am Beispiel Zürichs zeigt sich ein Wandel: Dort sank die Zahl der im Tempel lebenden Vollzeitmitglieder von ungefähr 60 in der Anfangszeit auf 6 im Jahr 2015. Diese Zahlen beschreiben nur diesen Tempel, nicht die gesamte Bewegung. Zugleich gewannen Familien, Gemeindearbeit und der Dialog mit der Öffentlichkeit an Bedeutung.
Warum ist das Wort „Sekte“ problematisch?
ISKCON wurde besonders in den 1970er- und 1980er-Jahren häufig als „Jugendsekte“ bezeichnet. Berichte über strenge Regeln, Konflikte und Missbrauchsfälle gehören zur Geschichte der Bewegung. Andere Einschätzungen betonen spätere Reformen und ihre Entwicklung zu einer etablierten Religionsgemeinschaft.
Das Wort Sekte wird oft abwertend gebraucht und besitzt im Alltag keine einheitliche Bedeutung. Eine faire Untersuchung ersetzt das Etikett durch konkrete Fragen:
- Welche Regeln gelten für welche Mitglieder?
- Wie geht die Gemeinschaft mit Kritik um?
- Können Mitglieder frei entscheiden und die Gruppe verlassen?
- Welche Vorwürfe sind belegt, und auf welchen Zeitraum beziehen sie sich?
- Was sagt die Gemeinschaft über sich selbst, und was sagen Außenstehende?
Unterscheide immer zwischen Krishna, der Krishna-Verehrung insgesamt und der einzelnen Organisation ISKCON. Kritik an einer Organisation ist nicht automatisch eine Aussage über alle hinduistischen Traditionen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Krishna
- unterschiedliche Einordnung: Avatar Vishnus oder höchste göttliche Gestalt
- Darstellungen: blaue Farbe, Flöte, gelbe Kleidung und Kühe
- Erzählungen: bedrohtes Kind, Kuhhirte, Gefährte Radhas und Lehrer Arjunas
- Verehrung: Bhakti, Puja, Gesang und Janmashtami
- Bhagavad Gita: Gespräch über Pflicht, Seele und richtiges Handeln
- Hare Krishna: Mantra, Gruß und Bezeichnung einer Bewegung
- ISKCON: konkrete Organisation innerhalb der Krishna-Verehrung
Abschluss-Check
Du hast das Thema verstanden, wenn du Krishna nicht auf ein einziges Etikett reduzierst: Seine Bedeutung erschließt sich aus unterschiedlichen Traditionen, religiösen Erzählungen, Symbolen und Formen der Verehrung.
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