Lebensfragen: Gefühle erkennen und Antworten vergleichen
Eine Lebensfrage ist eine große Frage über dich, das Leben oder die Welt. Zum Beispiel: „Wer bin ich?“, „Was gibt mir Halt?“ oder „Warum sollen Menschen gerecht sein?“ Menschen können darauf verschiedene Antworten geben. Du darfst zuhören und nachdenken, ohne eine Antwort übernehmen zu müssen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Die Kinder und ihre Aussagen in den folgenden Beispielen und Aufgaben sind erfunden. Du kannst die Schreibaufgaben auch mündlich beantworten.
Gefühl, Wunsch oder Frage?
Stell dir vor: Sam kommt neu in eine Klasse. Im Bauch fühlt es sich kribbelig an. Sam möchte neben einem freundlichen Kind sitzen und denkt: „Werde ich hier Freunde finden?“
- Ein Gefühl zeigt, wie es dir gerade geht: zum Beispiel froh, traurig, wütend oder ängstlich.
- Ein Wunsch sagt, was du gern möchtest.
- Eine Frage sagt, was du wissen oder verstehen möchtest. Die direkt gestellten Fragen in diesem Artikel enden mit einem Fragezeichen.
In Sams Situation lassen sich die drei Dinge so ordnen:
- Gefühl: „Ich bin unsicher.“
- Wunsch: „Ich möchte einen Freund finden.“
- Frage: „Werde ich hier Freunde finden?“
Sie gehören zusammen, sind aber nicht dasselbe.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
„Ich bin traurig“ nennt ein . „Ich möchte getröstet werden“ nennt einen . „Wer kann mir helfen?“ ist eine .
Aus einer Situation wird eine Lebensfrage
Nicht jede Frage ist eine Lebensfrage. „Wo liegt mein Stift?“ lässt sich meist schnell beantworten. Eine Lebensfrage führt weiter. Sie kann davon handeln,
- wer du bist und wer du sein möchtest,
- was im Leben wichtig ist,
- wo Menschen Schutz finden,
- warum Menschen gerecht handeln sollen,
- warum Menschen unterschiedlich glauben,
- oder was Leben und Tod bedeuten.
Eine Lebensfrage ist offen für Nachdenken und Gespräch. Verschiedene Menschen können unterschiedliche Antworten geben.
Hier siehst du an einem erfundenen Beispiel, wie aus einer Situation eine Lebensfrage wird:
- Nenne die Situation: „Zwei Kinder werden ausgeschlossen.“
- Sortiere: Gefühl – „Ich bin traurig.“ Wunsch – „Ich möchte, dass alle mitspielen dürfen.“
- Frage weiter: „Warum sollen Menschen andere gerecht behandeln?“
Die letzte Frage betrifft nicht nur die beiden Kinder. Sie fragt danach, was für ein gutes Zusammenleben wichtig ist. Darum ist sie eine Lebensfrage. Gerecht behandeln heißt hier: niemanden ohne guten Grund benachteiligen.
Jetzt bist du dran
Denke an eine Situation, die dich staunen, hoffen, fürchten oder nachdenken lässt. Schreibe dazu ein Gefühl, einen Wunsch und eine Frage auf. Prüfe dann:
- Passt das Gefühl zu „Wie geht es mir?“
- Passt der Wunsch zu „Was möchte ich?“
- Fragt sie danach, was dir oder anderen im Leben wichtig ist, oder danach, wie Menschen gut zusammenleben können?
Zwei Antworten auf dieselbe Frage
Auf Lebensfragen gibt es religiöse und nichtreligiöse Antworten. Religiös heißt: Es gehört zu einer Religion. Eine religiöse Antwort bezieht sich zum Beispiel auf Gott, ein Gebet oder eine Geschichte aus einer Religion. In einem Gebet wenden sich Menschen zum Beispiel an Gott. Eine nichtreligiöse Antwort kommt ohne einen solchen Bezug aus und kann sich zum Beispiel auf menschliche Nähe, Erfahrungen oder gemeinsames Handeln stützen.
Mit Halt ist hier gemeint: etwas, das dir Mut und Sicherheit gibt. Trost kann dir helfen, mit Traurigkeit umzugehen. Geborgenheit bedeutet, dass du dich geschützt und angenommen fühlst.
Beide Arten von Antworten können für Menschen wichtig sein. Eine Antwort wird nicht dadurch respektlos, dass sie anders ist als deine.
Lebensfrage: „Was gibt mir Halt, wenn ich Angst habe?“
- Mika sagt: „Ich bete und vertraue darauf, dass Gott bei mir ist.“ Das ist in diesem Beispiel eine religiöse Antwort.
- Noor sagt: „Ich rede mit meinem Vater und halte meinen vertrauten Tagesablauf ein.“ Das ist in diesem Beispiel eine nichtreligiöse Antwort.
Beide antworten auf dieselbe Frage. Beide nennen etwas, das ihnen Halt gibt. Der Unterschied liegt darin, dass Mika sich auf Gott und Gebet bezieht, Noor auf eine vertraute Person und Gewohnheit. Wir ordnen hier die Antworten ein, nicht die Kinder: Aus Noors Antwort wissen wir nicht, ob Noor religiös ist. Auch ein religiöses Kind kann Trost bei anderen Menschen suchen. Mika könnte zum Beispiel beten und außerdem mit seinem Vater sprechen.
Du stellst zwei Antworten selbst dar
Lebensfrage: „Was gibt mir Trost, wenn ich traurig bin?“
- Lio sagt: „Ich bete zu Gott und erzähle ihm, warum ich traurig bin.“
- Mara sagt: „Ich setze mich zu meiner Schwester und rede mit ihr.“
Schreibe nun zwei oder drei eigene Sätze. Nenne zuerst die gemeinsame Lebensfrage. Gib danach Lios und Maras Antwort verständlich wieder, ohne eine Antwort besser zu nennen.
Eine mögliche Darstellung lautet: „Auf die Frage, was bei Traurigkeit Trost gibt, antwortet Lio, dass er zu Gott betet und von seiner Traurigkeit erzählt. Mara findet Trost, indem sie zu ihrer Schwester geht und mit ihr spricht.“
Prüfe deinen Text: Sind die gemeinsame Lebensfrage und beide Antworten enthalten? Wird bei Lio der Bezug zu Gott und bei Mara die Nähe zur Schwester deutlich? Wenn die Frage fehlt, bleibt unklar, dass beide auf dieselbe Lebensfrage antworten. Wenn ein wichtiger Bezug fehlt, ist die jeweilige Antwort noch nicht verständlich wiedergegeben.
Respektvoll zuhören und vergleichen
Respektvoll zuhören bedeutet nicht, dass du zustimmen musst. Es bedeutet:
- Lass die andere Person ausreden.
- Gib ihre Antwort in eigenen Worten wieder: „Ich habe gehört, dass …“
- Nenne etwas Ähnliches: „Beide Antworten …“
- Nenne einen Unterschied: „Anders ist …“
- Frage freundlich nach, wenn du etwas nicht verstanden hast.
Du darfst auch widersprechen und deine Gründe nennen: „Ich denke anders, weil …“ Wichtig ist, die Person dabei nicht zu beleidigen. Erfinde beim Vergleichen keine Gemeinsamkeit und keinen Unterschied. Manchmal findest du zunächst nur eines von beidem.
Aylin sagt: „Wenn ich traurig bin, bete ich zu Gott.“ Ben sagt: „Wenn ich traurig bin, kuschle ich mit meinem Hund.“
Eine respektvolle Rückmeldung lautet: „Ich habe gehört, dass dir Beten hilft. Bei euch beiden geht es um Trost. Anders ist: Du wendest dich im Gebet an Gott, Ben sucht die Nähe seines Hundes.“
Die Rückmeldung beschreibt beide Antworten. Sie verspottet niemanden und entscheidet nicht für Aylin oder Ben.
Zuhör-Probe
Bitte eine andere Person um eine Antwort auf die Frage „Was macht einen guten Freund oder eine gute Freundin aus?“. Sage danach:
- „Ich habe gehört, dass …“
- „Ähnlich denke ich …“ oder „Ähnlich ist an unseren Antworten …“
- „Anders ist …“
Die andere Person darf verbessern, falls du ihre Antwort nicht richtig wiedergegeben hast. Wenn du keinen Unterschied findest, sage das. Du musst keinen erfinden.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Lebensfragen
- entstehen aus Gefühlen, Wünschen und Staunen
- betreffen dich, das Leben oder die Welt
- können verschiedene Antworten haben
- Antworten können religiös sein
- Antworten können nichtreligiös sein
- Zuhören heißt wiedergeben und nachfragen
- Vergleichen heißt Ähnliches und Unterschiedliches benennen
Abschluss-Check
Schreibaufgabe: zwei Antworten vollständig darstellen
Lebensfrage: „Was hilft mir, wenn ich Angst habe?“
- Elif sagt: „Ich spreche ein Gebet und vertraue darauf, dass Gott mich hört.“
- Tom sagt: „Ich halte die Hand meines Opas und erzähle ihm, wovor ich Angst habe.“
Schreibe zuerst selbst zwei oder drei Sätze: Nenne die gemeinsame Lebensfrage und stelle dann beide Antworten mit ihren wichtigen Bezügen dar. Bewerte keine der beiden Antworten.
Muster zum Vergleichen: „Auf die Frage, was bei Angst hilft, nennt Elif ein Gebet und ihr Vertrauen darauf, dass Gott sie hört. Tom nennt die Nähe seines Opas und das Gespräch mit ihm.“
Die Darstellung ist vollständig, weil sie die gemeinsame Frage, Elifs religiöse Antwort und Toms nichtreligiöse Antwort verständlich wiedergibt. Fehlt die gemeinsame Frage, sind die Antworten nicht sicher aufeinander bezogen. Fehlt Gott oder der Opa, ist ein entscheidender Unterschied nicht erkennbar. Bei dieser Aufgabe sollst du die Antworten zunächst wiedergeben. Welche Antwort dir selbst näherliegt und warum, kannst du anschließend überlegen.
Mit Google fortfahren