Religion

Schöpfung: Glaube, Wissenschaft und Verantwortung

Schöpfung: Glaube, Wissenschaft und Verantwortung
Schöpfung: Glaube, Wissenschaft und Verantwortung
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Schöpfung bedeutet im christlichen Glauben: Die Welt, das Leben und der Mensch verdanken sich Gott. Biblische Schöpfungserzählungen wollen deshalb vor allem zeigen, wie Gott, Mensch und Welt zusammengehören. Sie sind keine naturwissenschaftlichen Berichte über die Entstehung des Universums.

Auf dieser Seite lernst du die beiden biblischen Schöpfungserzählungen kennen. Du unterscheidest religiöse Sinnfragen von naturwissenschaftlichen Fragen und leitest daraus Verantwortung für Menschen, Tiere und Natur ab.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wie ist die Sieben-Tage-Schöpfung aufgebaut?

Der erste biblische Schöpfungsbericht schildert eine zunächst dunkle und ungeordnete Welt. Gott schafft Ordnung, indem er trennt, zuordnet und Lebensräume füllt.

  1. Licht und Finsternis: Gott unterscheidet Tag und Nacht.
  2. Himmel: Er trennt die Wasserbereiche.
  3. Land, Meer und Pflanzen: Trockenes Land erscheint; Pflanzen und Fruchtbäume wachsen.
  4. Sonne, Mond und Sterne: Die Himmelslichter gliedern Tag, Nacht und Zeiten.
  5. Fische und Vögel: Wasser und Himmel werden mit Leben gefüllt.
  6. Landtiere und Menschen: Gott schafft Tiere und Menschen, weiblich und männlich.
  7. Ruhe: Gott vollendet sein Werk, ruht und segnet den siebten Tag.
Merke

Gott erschafft nicht sieben Tage lang neue Dinge: An sechs Tagen wird die Welt gestaltet. Der siebte Tag bildet mit Ruhe und Segen den Abschluss.

Die wiederkehrende Aussage, das Geschaffene sei gut, bewertet die Welt positiv. Der Mensch gehört zu dieser Schöpfung. Zugleich erhält er eine besondere Aufgabe: Er soll verantwortlich mit der Erde und den anderen Lebewesen umgehen.

Beispiel

Die Abfolge zeigt eine erkennbare Ordnung: Zuerst entstehen Bereiche wie Tag und Nacht, Himmel, Land und Meer. Danach werden diese Bereiche mit Himmelslichtern, Tieren und Menschen gefüllt. Der Text vermittelt damit nicht das Bild einer zufälligen Unordnung, sondern einer sinnvoll gegliederten Welt.

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Frage 1 von 2LeichtWas geschieht am siebten Tag?
Lösung: Gott vollendet sein Werk, ruht und segnet den Tag. — Der siebte Tag steht für Vollendung, Ruhe und Segen. Sonne, Mond und Sterne gehören zum vierten Tag.
Frage 2 von 2MittelWelche Deutung passt zur geordneten Tagesfolge?
Lösung: Die Welt wird als sinnvoll geordnet und gut dargestellt. — Trennungen, Zuordnungen und die Bewertung als gut tragen die theologische Aussage der Erzählung.
Was erzählt der zweite Schöpfungsbericht anders?

Die Bibel enthält nicht nur eine Schöpfungserzählung. Im zweiten Bericht steht weniger die Ordnung des gesamten Kosmos als die Beziehung des Menschen zu Erde, Garten, Tieren und einem menschlichen Gegenüber im Mittelpunkt.

Gott formt den Menschen aus Erde, legt einen Garten an und setzt den Menschen hinein. Tiere treten auf, schließlich erhält der Mensch ein passendes Gegenüber.

Definition

Gottebenbildlichkeit

Gottebenbildlichkeit bedeutet: Jeder Mensch besitzt vor Gott eine besondere und gleiche Würde. Sie hängt nicht von Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft, Besitz oder sozialem Ansehen ab.

Im zweiten Bericht verdeutlichen hebräische Wortverbindungen die Nähe zwischen Mensch und Erde sowie zwischen Mann und Frau:

  • adam bezeichnet den Menschen, adamah die Erde;
  • isch bedeutet Mann, ischah Frau.

Der Mensch ist damit zugleich erdverbunden und beziehungsfähig. Er steht nicht außerhalb der Welt, sondern lebt in ihr und mit anderen Geschöpfen.

Gut zu wissen

Die beiden Berichte setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Der erste blickt auf die geordnete Welt als Ganzes. Der zweite erzählt besonders von Erde, Garten, menschlicher Gemeinschaft und Verantwortung. Die Unterschiede müssen nicht zu einem einzigen Ablauf geglättet werden.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelcher Schwerpunkt gehört zum zweiten Schöpfungsbericht?
Lösung: Der Mensch wird aus Erde geformt und in einen Garten gesetzt. — Der zweite Bericht richtet den Blick besonders auf Mensch, Erde, Garten, Tiere und menschliche Gemeinschaft.
Frage 2 von 2MittelWas folgt aus der Gottebenbildlichkeit aller Menschen?
Lösung: Menschen sind trotz ihrer Unterschiede gleichwertig und gleichwürdig. — Menschenwürde ist nach dieser Deutung nicht verdient und nicht nach Rangstufen verteilt.
Welche Fragen beantworten Schöpfungstexte?

Eine religiöse Schöpfungserzählung deutet die Welt. Sie fragt beispielsweise:

  • Wem verdankt sich die Welt?
  • Welche Stellung hat der Mensch?
  • Welchen Wert besitzen Menschen und andere Geschöpfe?
  • Wie sollen Menschen miteinander und mit der Erde umgehen?

Solche Fragen betreffen Sinn, Wert, Beziehung und Verantwortung. Die Erzählungen antworten darauf mit Glaubensaussagen: Die Welt verdankt sich Gott, das Geschaffene ist gut, Menschen besitzen Würde und tragen Verantwortung.

Beispiel

Die Aussage „Der Mensch ist Gottes Ebenbild“ beschreibt keine messbare Ähnlichkeit des Körpers mit Gott. Sie deutet den besonderen Wert und die Verantwortung jedes Menschen. Daraus lässt sich ableiten, dass rassistische oder andere menschenverachtende Herabsetzungen der gleichen Würde widersprechen.

Eine Deutung muss am Text anknüpfen. Nicht jede beliebige Forderung kann mit „Schöpfung“ begründet werden. Wenn der Text die Würde des Geschaffenen und die Verantwortung des Menschen betont, trägt er jedoch Folgerungen wie Schutz, Fürsorge und einen schonenden Umgang mit Ressourcen.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Biblische Schöpfungserzählungen deuten die Welt als Gottes . Die Gottebenbildlichkeit begründet die gleiche aller Menschen. Aus der besonderen Stellung des Menschen folgt nicht grenzenlose Verfügung, sondern .

Lösungen: Lücke 1: Schöpfung; Lücke 2: Würde; Lücke 3: Verantwortung. Achte auf den Gedankengang: Schöpfungsglaube beschreibt den Wert der Welt, Gottebenbildlichkeit den Wert jedes Menschen und Verantwortung den daraus folgenden Auftrag.
Widersprechen Schöpfungsglaube und Naturwissenschaft einander?

Nicht notwendig. Naturwissenschaft und Religion können unterschiedliche Fragen an dieselbe Wirklichkeit stellen.

ZugangTypische FrageVorgehenMögliche Aussage
NaturwissenschaftWie entwickelte sich das Universum oder das Leben?Beobachten, messen, Modelle prüfen und verbessernEine überprüfbare Erklärung von Abläufen
ReligionWas bedeutet die Welt für den Glauben? Warum trägt der Mensch Verantwortung?Glaubenstexte lesen, deuten und auf das Leben beziehenEine Aussage über Sinn, Wert und Verantwortung
Beispiel

Beim Universum untersucht die Naturwissenschaft, wie es sich entwickelte. Der Schöpfungsglaube deutet die Welt als von Gott gewollt und nicht beliebig verfügbar. Diese Antworten widersprechen sich nicht allein deshalb, weil sie sich auf dieselbe Welt beziehen: Sie verfolgen unterschiedliche Erkenntnisinteressen.

Ein Konflikt entsteht, wenn eine religiöse Erzählung wie ein naturwissenschaftlicher Messbericht behandelt wird oder wenn naturwissenschaftliche Methoden allein über Sinn und moralische Verantwortung entscheiden sollen.

Definition

Kreationismus

Kreationismus bezeichnet Positionen, die biblische Schöpfungsaussagen gegen wissenschaftliche Erklärungen wie die Evolutionstheorie ausspielen und diese weitgehend ablehnen.

Auch eine Erklärungslücke in der Forschung beweist nicht automatisch, dass eine übernatürliche Kraft den ungeklärten Vorgang unmittelbar verursacht hat. Wissenschaftliche Fragen werden durch weitere Beobachtungen, begründete Kritik und überprüfbare Modelle bearbeitet.

Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Frage ist vor allem naturwissenschaftlich?
Lösung: Wie entwickelte sich das Leben auf der Erde? — Naturwissenschaft untersucht beobachtbare Abläufe. Religion deutet Sinn, Wert und Verantwortung.
Frage 2 von 3MittelJemand sagt: „Weil die Bibel von Schöpfung spricht, muss die Evolution falsch sein.“ Was ist daran problematisch?
Lösung: Die Aussage behandelt einen Glaubenstext wie ein konkurrierendes naturwissenschaftliches Modell. — Ein methodisch tragfähiger Vergleich fragt zuerst, welche Frage, Methode und Aussageabsicht beide Zugänge haben.
Frage 3 von 3SchwerEine biologische Einzelheit ist noch nicht vollständig erklärt. Welche Folgerung ist angemessen?
Lösung: Die Erklärungslücke ist ein Anlass für weitere Forschung, aber kein Beweis für einen übernatürlichen Entwurf. — Eine offene Forschungsfrage darf als offen benannt werden. Eine Behauptung wird nicht allein dadurch belegt, dass andere Erklärungen noch unvollständig sind.
Wie wird aus Schöpfungsglaube Verantwortung?

Wenn die Welt als Schöpfung gilt, ist sie nicht nur Material zur beliebigen Nutzung. Menschen, Tiere und Natur besitzen einen eigenen Wert. Der Mensch darf Ressourcen nutzen, soll dabei aber ihre Folgen für andere mitbedenken.

Der Auftrag wird häufig mit „bebauen und bewahren“ zusammengefasst. Beide Wörter gehören zusammen:

  • bebauen: die Erde gestalten und ihre Güter zum Leben nutzen;
  • bewahren: Lebensgrundlagen schützen und Schäden begrenzen.
Merke

Verantwortliches Handeln fragt nicht nur: „Was kann ich tun?“, sondern auch: „Wen betrifft es, welche Folgen entstehen und ist die Nutzung fair?“

Beispiel

Eine Schule möchte weniger Lebensmittel wegwerfen. Das passt zur Schöpfungsverantwortung, weil Nahrung und die dafür benötigten Ressourcen nicht achtlos behandelt werden sollen.

Eine sinnvolle Maßnahme wäre, zunächst kleinere Portionen auszugeben und Nachschlag zu ermöglichen. Danach wird geprüft, ob tatsächlich weniger Essen übrig bleibt und ob weiterhin alle satt werden. So werden Absicht, Folgen und mögliche Nachteile gemeinsam betrachtet.

Schöpfungsverantwortung betrifft auch den Umgang mit Menschen. Werden Wasser, Luft, Nahrung oder andere lebenswichtige Ressourcen zerstört oder unfair verteilt, können Not und Konflikte entstehen. Der Schutz der Lebensgrundlagen gehört deshalb mit Gerechtigkeit und Frieden zusammen.

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Frage 1 von 2MittelEine Klasse will Einwegbecher vermeiden. Welche Planung zeigt Verantwortung am besten?
Lösung: Sie führt Mehrwegbecher ein und prüft Nutzung, Reinigung, Ressourcenverbrauch und Zugänglichkeit für alle. — Eine verantwortbare Maßnahme verbindet ein klares Ziel mit der Prüfung ihrer tatsächlichen Folgen und möglicher Belastungen.
Frage 2 von 2SchwerWelche Handlung folgt am deutlichsten aus der gleichen Würde aller Menschen?
Lösung: Eine Regel wird darauf geprüft, ob sie Menschen wegen Herkunft oder sozialem Status benachteiligt. — Gottebenbildlichkeit widerspricht der Herabsetzung von Menschen. Verantwortung fragt daher auch nach fairer Teilhabe und Lastenverteilung.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Schöpfung
    • Biblische Erzählungen
      • geordnete Sieben-Tage-Schöpfung
      • Mensch, Erde, Garten und Gegenüber
    • Zentrale Aussagen
      • Welt als gute Schöpfung
      • gleiche Würde aller Menschen
      • Verantwortung für Mitgeschöpfe
    • Zugänge zur Welt
      • Naturwissenschaft untersucht Abläufe
      • Religion deutet Sinn und Wert
    • Verantwortliches Handeln
      • bebauen und bewahren
      • Folgen und faire Verteilung prüfen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage fasst den Schöpfungsglauben passend zusammen?
Lösung: Die Welt wird als Gottes Schöpfung gedeutet, aus der Würde und Verantwortung folgen. — Schöpfungsglaube verbindet eine Deutung der Welt mit Aussagen über ihren Wert und den Auftrag des Menschen.
Frage 2 von 3MittelEine Person fragt: „Wie entstanden Tierarten?“ Eine andere fragt: „Wie sollen wir Tiere behandeln?“ Wie sind die Fragen einzuordnen?
Lösung: Die erste fragt naturwissenschaftlich nach Entwicklung, die zweite ethisch nach Verantwortung. — Unterschiedliche Fragen können sich auf dasselbe Lebewesen beziehen, ohne dieselbe Methode oder Antwort zu verlangen.
Frage 3 von 3SchwerEine Stadt plant eine Anlage, die Energie spart, aber eine ärmere Nachbarschaft stark belastet. Welche Prüfung passt zur Schöpfungsverantwortung?
Lösung: Sie prüft Nutzen, Umweltschäden, betroffene Menschen und eine faire Verteilung der Belastungen. — Verantwortliches Handeln verbindet den Schutz natürlicher Lebensgrundlagen mit Menschenwürde, Folgenprüfung und Gerechtigkeit.

Du hast das Ziel erreicht, wenn du die biblischen Erzählungen nicht nur nacherzählen, sondern ihre Aussagen deuten, von naturwissenschaftlichen Erklärungen unterscheiden und auf eine konkrete Entscheidung anwenden kannst.

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