Unternehmensorganisation einfach erklärt
Unternehmensorganisation regelt, wer was tut, wer entscheiden darf und wie die Arbeitsschritte zusammenwirken. Sie verbindet gemeinsame Ziele, arbeitsteilige Aufgaben, Zuständigkeiten und koordinierte Abläufe.
Auf dieser Seite lernst du, eine Unternehmensstruktur zu untersuchen, einen Geschäftsprozess sinnvoll zu ordnen und Organisationsformen begründet zu vergleichen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wann wird aus Zusammenarbeit eine Organisation?
Mehrere Menschen an einem Ort bilden noch keine Organisation. Eine Organisation entsteht, wenn sie dauerhaft an einer gemeinsamen Aufgabe arbeiten, ein gemeinsames Ziel verfolgen und ihre arbeitsteiligen Tätigkeiten darauf abstimmen.
Eine Warteschlange an einer Bushaltestelle ist daher keine Organisation: Die Wartenden verfolgen zwar ähnliche Einzelziele, bearbeiten aber keine gemeinsame Aufgabe mit abgestimmter Arbeitsteilung. In einem Unternehmen greifen dagegen beispielsweise Einkauf, Produktion und Vertrieb ineinander, um ein gemeinsames Unternehmensziel zu erreichen.
Unternehmensorganisation
Unternehmensorganisation ist die Gesamtheit dauerhafter Regeln, durch die Aufgaben, Kompetenzen, Verantwortung und Arbeitsabläufe geordnet und miteinander verbunden werden.
Eine zweckmäßige Organisation unterstützt das angestrebte Ergebnis. Sie soll außerdem wirtschaftlich, übersichtlich, koordinierbar und an Veränderungen anpassbar sein. Diese Ziele können miteinander in Spannung stehen: Eine sehr genaue Regelung schafft Klarheit, kann aber Anpassungen erschweren.
Wie ergänzen sich Struktur und Ablauf?
Die klassische Betriebswirtschaft unterscheidet zwei Blickrichtungen:
- Die Aufbauorganisation beschreibt die eher dauerhafte Struktur: Stellen, Abteilungen, Hierarchieebenen, Kompetenzen und Beziehungen.
- Die Ablauforganisation beschreibt die Arbeitsprozesse: Inhalt, Reihenfolge, Zeit und Ort der einzelnen Arbeitsschritte.
Die Aufbauorganisation beantwortet vor allem „Wer macht was und wer darf entscheiden?“ Die Ablauforganisation fragt „Was geschieht wann, wo und in welcher Reihenfolge?“
Ein Onlineshop bearbeitet eine Rücksendung.
- Aufbauorganisation: Kundenservice, Lager und Buchhaltung sind als zuständige Einheiten festgelegt.
- Ablauforganisation: Der Kundenservice prüft die Meldung, das Lager kontrolliert die Ware und die Buchhaltung veranlasst die Erstattung.
Der Prozess braucht also eine Struktur. Umgekehrt muss die Struktur den Prozess ermöglichen. Beide Sichtweisen lassen sich unterscheiden, aber nicht sinnvoll voneinander trennen.
Eine Schnittstelle liegt dort, wo eine Aufgabe, Information oder Verantwortung von einer Stelle zu einer anderen übergeht. Unklare Schnittstellen können zu Rückfragen, Doppelarbeit oder unbearbeiteten Aufgaben führen.
Aufbauorganisation ordnet Zuständigkeiten; Ablauforganisation ordnet Arbeitsschritte. An Schnittstellen treffen beide zusammen.
Wie werden aus Aufgaben passende Stellen?
Die Gestaltung beginnt mit der Aufgabenanalyse. Dabei wird eine Gesamtaufgabe in überschaubare Teilaufgaben zerlegt. Mögliche Ordnungskriterien sind Funktionen, Produkte, Kunden, Regionen oder Arbeitsphasen.
Danach folgt die Aufgabensynthese: Zusammengehörige Teilaufgaben werden gebündelt, Stellen zugeordnet und durch Beziehungen verbunden.
Der Weg lautet:
- Unternehmensziel bestimmen.
- Daraus die Gesamtaufgabe ableiten.
- Die Gesamtaufgabe in Teilaufgaben zerlegen.
- Sinnvolle Aufgabenbündel bilden.
- Aufgabenbündel Stellen zuordnen.
- Kompetenzen, Verantwortung und Schnittstellen festlegen.
Stelle
Eine Stelle ist die kleinste organisatorische Einheit. Sie bündelt Aufgaben und besteht unabhängig davon fort, welche konkrete Person sie gerade besetzt.
Eine Instanz ist eine Stelle mit Leitungsfunktion. Sie kann beispielsweise Weisungen erteilen, über bestimmte Mittel verfügen, geschützte Informationen nutzen oder andere Personen vertreten. Eine Stellenbeschreibung hält unter anderem Aufgaben, Befugnisse, Über- und Unterstellung, Vertretung und Informationsbeziehungen fest.
Beim Kongruenzprinzip sollen Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung möglichst zusammenpassen. Wer für ein Ergebnis verantwortlich ist, benötigt also auch die nötigen Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeiten.
Ein Schülercafé möchte in jeder Pause belegte Brötchen verkaufen.
- Gesamtaufgabe: Brötchen bereitstellen und verkaufen.
- Teilaufgaben: Bedarf planen, Zutaten beschaffen, Brötchen vorbereiten, verkaufen und Einnahmen erfassen.
- Stellen: Einkauf, Vorbereitung, Verkauf und Kasse.
- Schnittstellen: Der Einkauf meldet verfügbare Zutaten an die Vorbereitung; der Verkauf übergibt die Einnahmen und Verkaufszahlen an die Kasse.
- Verantwortung: Die Kasse prüft die Einnahmen. Dafür benötigt sie Zugang zu den Verkaufsaufzeichnungen.
Die Zuordnung erfüllt das Kongruenzprinzip nur, wenn die Kasse die für ihre Prüfung nötigen Informationen erhält.
Welche Organisationsform passt zu welcher Aufgabe?
Ein Organigramm stellt Hierarchien, Unterstellungsverhältnisse, Aufgabenverteilungen und Beziehungen zwischen Organisationseinheiten grafisch dar. Wie diese Einheiten gebildet werden, hängt von der gewählten Organisationsform ab.
Funktionale Organisation
Hier werden ähnliche Tätigkeiten gebündelt, etwa Einkauf, Produktion, Marketing und Vertrieb. Das fördert fachliche Spezialisierung. Abteilungsübergreifende Prozesse besitzen jedoch nicht automatisch eine durchgängige Verantwortung.
Divisionale Organisation
Die auch Spartenorganisation genannte Form gliedert das Unternehmen nach Objekten, beispielsweise Produkten, Kundengruppen oder Regionen. Eine Sparte kann relativ selbstständig handeln und innerhalb ihres Bereichs wiederum Funktionen wie Einkauf und Vertrieb besitzen.
Matrixorganisation
In einer Matrix überlagern sich zwei Gliederungsprinzipien, häufig Funktion und Produkt. Eine beschäftigte Person kann deshalb Weisungen von mindestens zwei Seiten erhalten. Direkte fachliche Abstimmung wird möglich, doch unterschiedliche Weisungen können Kompetenzkonflikte auslösen.
Prozessorganisation
Die Struktur richtet sich an zusammenhängenden Geschäftsprozessen aus. Ausgangspunkt sind die für Kunden oder andere Empfänger relevanten Abläufe; anschließend wird die passende Struktur gestaltet. Der Leitgedanke lautet: Die Struktur folgt dem Prozess.
| Organisationsform | Vorrangige Gliederung | Typische Stärke | Mögliche Schwierigkeit |
|---|---|---|---|
| funktional | Tätigkeiten und Fachgebiete | Spezialisierung | viele Übergänge zwischen Abteilungen |
| divisional | Produkte, Kunden oder Regionen | Nähe zum jeweiligen Objekt | ähnliche Funktionen können mehrfach vorkommen |
| Matrix | zwei Prinzipien gleichzeitig | fachübergreifende Koordination | widersprüchliche Weisungen |
| Prozess | zusammenhängende Abläufe | durchgängige Prozessorientierung | Abstimmung mit verbleibenden Fachbereichen |
Wie werden Leitung und Kommunikation geregelt?
Im Einliniensystem hat jede Stelle genau einen Vorgesetzten. Die Zuordnung ist eindeutig, doch Informationen und Entscheidungen können lange vertikale Dienstwege nehmen.
Das Stabliniensystem ergänzt die Linie um beratende Stabsstellen. Ein Stab bringt Spezialwissen ein und entlastet die Leitung, besitzt grundsätzlich aber keine eigene Weisungsbefugnis gegenüber den Linienstellen. Einfluss und formale Verantwortung können dadurch auseinanderfallen und Konflikte auslösen.
Im Mehrliniensystem können mehrere fachlich zuständige Vorgesetzte einer Stelle Weisungen geben. Das ermöglicht kürzere fachliche Wege, verlangt aber eine klare Abgrenzung der Kompetenzen. Die Matrixorganisation nutzt dieses Prinzip der Mehrfachunterstellung.
Kommunikation verläuft außerdem:
- vertikal zwischen verschiedenen Hierarchieebenen,
- horizontal zwischen Stellen auf derselben Ebene,
- formell auf festgelegten Wegen oder
- informell über ungeplante direkte Kontakte.
Informelle Kommunikation kann schnell sein. Sie ersetzt aber nicht immer den formellen Weg, wenn eine Meldung dokumentiert und später ausgewertet werden muss.
Bei einem PC-Ausfall meldet eine beschäftigte Person den Fehler über das vorgesehene Formular. Das dauert möglicherweise länger, hält den Vorgang aber im System fest. Ein direkter Anruf kann die Hilfe beschleunigen; ohne zusätzliche Erfassung fehlt anschließend jedoch die dokumentierte Meldung.
Wie lassen sich Prozesse und Veränderungen beurteilen?
Ein Prozess ist eine inhaltlich zusammengehörige Folge von Aktivitäten, die Eingangsgrößen in Ausgangsgrößen umwandelt. Eine Bestellung kann beispielsweise als Eingabe dienen und eine ausgelieferte Ware als Ergebnis hervorbringen.
Eine Prozesslandkarte gibt einen Überblick über Steuerungsprozesse, operative Geschäftsprozesse und unterstützende Serviceprozesse. Einzelne Prozesse können unter anderem eliminiert, ausgelagert oder standardisiert werden. Jede Änderung sollte jedoch nicht nur nach Kosten beurteilt werden.
Für eine begründete Bewertung kannst du fragen:
- Effektivität: Wird das angestrebte Ergebnis erreicht?
- Effizienz: Stehen Ergebnis und eingesetzte Mittel in einem günstigen Verhältnis?
- Flexibilität: Kann die Organisation auf Veränderungen reagieren?
- Autonomie: Welche eigenen Entscheidungsspielräume haben Beschäftigte oder Einheiten?
- Koordination: Sind Zuständigkeiten und Schnittstellen klar?
- Konfliktpotenzial: Können Weisungen oder Verantwortungen einander widersprechen?
Transferaufgabe: Einen Geschäftsprozess entwerfen
Ein Onlineshop möchte Rücksendungen eindeutig organisieren. Beteiligt sind Kundenservice, Lager und Buchhaltung. Entwirf eine sinnvolle Aufgabenfolge. Ordne jeden Schritt einer Stelle zu und benenne die Informationen, die an den Schnittstellen weitergegeben werden müssen.
Eine mögliche Lösung
- Der Kundenservice nimmt die Rücksendemeldung auf und übermittelt die Bestell- und Artikeldaten an das Lager.
- Das Lager kontrolliert die Ware und meldet das Prüfergebnis an die Buchhaltung.
- Die Buchhaltung veranlasst bei entsprechender Freigabe die Erstattung und bestätigt den Vorgang dem Kundenservice.
- Der Kundenservice informiert die Kundin oder den Kunden über den Abschluss.
Die Schnittstellen liegen zwischen Kundenservice und Lager, Lager und Buchhaltung sowie Buchhaltung und Kundenservice. Für jede Übergabe muss feststehen, welche Information weitergegeben wird. Außerdem benötigt jede Stelle die Kompetenzen und Informationen, die zu ihrer Verantwortung passen.
Neue Technologien, Effizienzprobleme oder eine neue Strategie können organisatorischen Wandel auslösen. Change Management gestaltet diesen Wandel in fünf Phasen:
- Initialisierung: Veränderungsbedarf erkennen.
- Konzipierung: eine Lösung entwerfen.
- Mobilisierung: Beteiligte für die Umsetzung gewinnen und vorbereiten.
- Umsetzung: die geplante Veränderung einführen.
- Verstetigung: die neue Arbeitsweise dauerhaft verankern.
Veränderung kann angeordnet, unter Beteiligung der Beschäftigten entwickelt oder als Lernprozess innerhalb der Organisation gestaltet werden. Dabei sind neben sachlichen Zielen auch Interessen, Gefühle und unterschiedliche Reaktionen der Beteiligten zu berücksichtigen.
Posttraditionelle Ansätze verringern die Bedeutung fester Hierarchien und betonen Selbstführung, Vertrauen, Freiheit, Transparenz und Gerechtigkeit. Beispiele sind Holokratie, Soziokratie und kollegiale Kreismodelle. Größere Autonomie ist dabei ein angestrebtes Gestaltungsziel, keine automatisch garantierte Wirkung.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Unternehmensorganisation
- Ziel: gemeinsame Arbeit koordinieren
- Aufbau: Stellen, Kompetenzen und Hierarchien ordnen
- Ablauf: Arbeitsschritte und Schnittstellen ordnen
- Formen: funktional, divisional, Matrix oder Prozess
- Gestaltung: Aufgaben analysieren und zu Stellen bündeln
- Bewertung: Effektivität, Effizienz und Flexibilität prüfen
- Menschen und Wandel: Verantwortung, Autonomie und Veränderung beachten
Abschluss-Check
Prüfe deinen eigenen Entwurf eines Geschäftsprozesses zum Schluss mit vier Fragen: Sind alle nötigen Arbeitsschritte enthalten? Ist jeder Schritt einer Stelle zugeordnet? Sind die Schnittstellen eindeutig? Passen Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung zusammen?
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