Biologie

Antibiotika: Wirkung und Resistenz einfach erklärt

Antibiotika: Wirkung und Resistenz einfach erklärt
Antibiotika: Wirkung und Resistenz einfach erklärt
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Antibiotika hemmen Bakterien in lebenswichtigen Prozessen oder töten sie ab. Gegen Viren wirken sie nicht. Resistenzen entstehen, wenn widerstandsfähige Bakterien überleben, sich vermehren oder Resistenzmerkmale weitergeben.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Bakterien oder Viren: Wann helfen Antibiotika?
Definition

Antibiotikum

Ein Antibiotikum ist ein Medikament gegen Bakterien. Es hemmt ihre Vermehrung oder tötet sie ab.

Bakterien sind Zellen mit eigenem Stoffwechsel. Sie stellen Proteine her, bauen Zellbestandteile auf und vermehren sich durch Zellteilung. Antibiotika können solche bakteriellen Strukturen und Prozesse gezielt stören.

Viren besitzen diese Angriffspunkte nicht. Sie vermehren sich mithilfe einer Wirtszelle. Deshalb helfen Antibiotika nicht bei gewöhnlichen Erkältungen oder Grippe, die in der Regel durch Viren verursacht werden.

Fieber, Beschwerden oder erhöhte Entzündungswerte beweisen allein noch keine bakterielle Infektion. Ob ein Antibiotikum sinnvoll ist, muss medizinisch beurteilt werden.

Beispiel

Bei einer bakteriellen Blasenentzündung kann ein passendes Antibiotikum Bakterien hemmen oder abtöten. Bei einer virusbedingten Erkältung fehlt dagegen das passende Ziel: Das Antibiotikum bekämpft die Viren nicht.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWarum wirkt ein Antibiotikum nicht gegen ein Erkältungsvirus?
Lösung: Viren besitzen die bakteriellen Angriffspunkte des Antibiotikums nicht. — Antibiotika greifen bakterielle Strukturen oder Stoffwechselprozesse an. Ein Virus besitzt diese Ziele nicht.
So greifen Antibiotika Bakterien an

Verschiedene Antibiotika haben unterschiedliche Angriffspunkte:

  • Zellwand: Wird ihr Aufbau gehemmt, verliert das Bakterium Stabilität.
  • Ribosomen: Wird dort die Proteinsynthese gestört, fehlen lebenswichtige Proteine.
  • Zellmembran: Eine Schädigung beeinträchtigt die Abgrenzung und wichtige Transportvorgänge.
  • Erbgut und seine Verarbeitung: Störungen können die Vermehrung verhindern.
  • Stoffwechselwege: Wird beispielsweise der Folsäurestoffwechsel blockiert, fehlen wichtige Bausteine für die Bildung des Erbguts.

Viele dieser Ziele unterscheiden sich von den Strukturen menschlicher Zellen. Dadurch können Antibiotika vergleichsweise selektiv gegen Bakterien wirken. Nebenwirkungen sind trotzdem möglich, unter anderem weil auch nützliche Bakterien des Körpers geschädigt werden können.

Definition

Bakteriostatisch und bakterizid

Bakteriostatische Antibiotika hemmen das Wachstum oder die Vermehrung von Bakterien. Bakterizide Antibiotika töten Bakterien ab.

Beispiel

Penicillin hemmt den Aufbau der bakteriellen Zellwand. Besonders bei wachsenden und sich teilenden Bakterien wird die Wand dadurch geschwächt. Das Beispiel zeigt die Wirkungskette: spezifisches Ziel → gestörter lebenswichtiger Prozess → Schädigung des Bakteriums.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelcher Angriffspunkt gehört zu einem Antibiotikum, das die Herstellung bakterieller Proteine hemmt?
Lösung: die bakteriellen Ribosomen — Ribosomen sind der Ort der Proteinsynthese. Wird ihre Funktion gestört, fehlen dem Bakterium wichtige Proteine.
Frage 2 von 2MittelEin Antibiotikum stoppt die Vermehrung, ohne die Bakterien unmittelbar abzutöten. Wie heißt diese Wirkung?
Lösung: bakteriostatisch — Eine bakteriostatische Wirkung hemmt Wachstum oder Vermehrung. Bakterizide Mittel töten Bakterien ab.
Wie eine Antibiotikaresistenz entsteht
Definition

Antibiotikaresistenz

Eine Antibiotikaresistenz liegt vor, wenn ein Bakterium gegenüber einem Antibiotikum unempfindlich ist und trotz des Wirkstoffs überleben oder sich vermehren kann.

In einer Bakterienpopulation können Unterschiede vorkommen. Zufällige Veränderungen des Erbguts, also Mutationen, können beispielsweise den Angriffspunkt eines Antibiotikums verändern. Andere Bakterien besitzen möglicherweise Gene für Enzyme, die einen Wirkstoff unwirksam machen, oder sie umgehen einen blockierten Stoffwechselschritt.

Trifft ein Antibiotikum auf eine solche Population, wirkt es als Selektionsdruck:

  1. Empfindliche Bakterien werden gehemmt oder abgetötet.
  2. Widerstandsfähige Varianten überleben eher.
  3. Die Überlebenden vermehren sich und geben ihre Merkmale weiter.
  4. Dadurch steigt der Anteil resistenter Bakterien in der Population.
Merke

Das einzelne Bakterium gewöhnt sich nicht absichtlich an das Antibiotikum. Die Behandlung begünstigt bereits widerstandsfähige Varianten. Über Generationen verändert sich dadurch die Zusammensetzung der Population.

Beispiel

In einer Bakterienpopulation befindet sich zufällig eine Variante mit verändertem Angriffspunkt. Das Antibiotikum hemmt die empfindlichen Bakterien, erreicht an der veränderten Struktur aber nicht mehr seine volle Wirkung. Die resistente Variante überlebt häufiger und vermehrt sich. Nach mehreren Generationen besteht ein größerer Teil der Population aus ihren Nachkommen.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage beschreibt die Entstehung einer Resistenz richtig?
Lösung: Widerstandsfähige Varianten überleben die Behandlung häufiger und vermehren sich. — Resistent sind die Bakterien, nicht der behandelte Mensch. Selektion verändert über Generationen den Anteil widerstandsfähiger Varianten.
Frage 2 von 2MittelNach einer Behandlung bleiben vor allem resistente Bakterien zurück. Was ist die beste Erklärung?
Lösung: Das Antibiotikum hat empfindliche Bakterien benachteiligt und resistente Varianten begünstigt. — Das Antibiotikum erzeugt keine zielgerichtete Anpassung. Es verändert den Fortpflanzungserfolg bereits unterschiedlicher Bakterien.
Wie sich Resistenzen ausbreiten

Resistenzmerkmale gelangen nicht nur durch Vermehrung an Nachkommen. Bakterien können Resistenzgene auch untereinander weitergeben – teilweise sogar zwischen verschiedenen Arten. So kann sich eine wirksame Abwehr gegen ein Antibiotikum schnell verbreiten.

Mehrere Mechanismen können ein Bakterium schützen:

  • Der Angriffspunkt des Antibiotikums ist verändert.
  • Ein Enzym spaltet oder verändert den Wirkstoff.
  • Ein blockierter Stoffwechselweg wird umgangen.
  • Resistenzgene werden von anderen Bakterien übernommen.

Unnötige Anwendungen setzen Bakterien einem vermeidbaren Selektionsdruck aus. Bei einer verordneten Behandlung sind Dosierung und Zeitabstände wichtig, damit eine ausreichend wirksame Konzentration erreicht wird. Wie ein bestimmtes Antibiotikum einzunehmen oder abzusetzen ist, richtet sich nach der ärztlichen Verordnung und den Angaben zum jeweiligen Medikament.

Gut zu wissen

Antibiotika können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen verursachen. Welcher Wirkstoff geeignet ist, hängt unter anderem von der Erkrankung, weiteren Medikamenten und Vorerkrankungen ab. Diese Lernseite ersetzt keine individuelle medizinische Beratung.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Antibiotika wirken gegen . Resistente Varianten besitzen unter dem Selektionsdruck einen . Die Zusammensetzung der Population verändert sich über .

Lösungen: Lücke 1: Bakterien; Lücke 2: Überlebensvorteil; Lücke 3: mehrere Generationen. Die entscheidende Kette lautet: vorhandene Variation → Selektionsdruck durch das Antibiotikum → unterschiedlicher Überlebens- und Fortpflanzungserfolg.
MRSA: Besiedlung ist nicht gleich Infektion

MRSA steht für methicillin-resistenten Staphylococcus aureus. Wegen seiner Resistenz lässt sich dieses Bakterium mit bestimmten Antibiotika nur schwer bekämpfen.

Manche Menschen tragen MRSA in der Nasen- oder Rachenschleimhaut, ohne Beschwerden zu haben. Das heißt Besiedlung: Das Bakterium ist vorhanden, verursacht aber keine Erkrankung.

Gelangen die Bakterien beispielsweise in eine offene Wunde oder treffen sie auf ein geschwächtes Immunsystem, können sie eine Infektion mit Entzündungen auslösen. Das Vorhandensein von MRSA bedeutet daher nicht automatisch, dass eine Person krank ist.

Beispiel

Person A trägt MRSA in der Nase und hat keine Beschwerden. Das ist eine Besiedlung. Bei Person B wurden in einer entzündeten Wunde MRSA-Bakterien nachgewiesen. Hier liegt eine Infektion nahe, die medizinisch beurteilt und behandelt werden muss.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWelche Beobachtung unterscheidet eine Infektion von einer bloßen Besiedlung?
Lösung: Die Bakterien verursachen Beschwerden oder eine Entzündung. — Bei einer Besiedlung sind Bakterien vorhanden, ohne krank zu machen. Bei einer Infektion schädigen sie den Körper und lösen Beschwerden oder Entzündungen aus.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Antibiotika
    • wirken gegen Bakterien, nicht gegen Viren
    • greifen Zellwand, Ribosomen, Membran, Erbgut oder Stoffwechsel an
    • hemmen Vermehrung oder töten Bakterien
    • erzeugen Selektionsdruck in einer variierenden Population
    • begünstigen resistente Varianten
    • erfordern eine passende und korrekt durchgeführte Anwendung
    • können nützliche Bakterien beeinträchtigen und Nebenwirkungen verursachen
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage über Antibiotika stimmt?
Lösung: Sie greifen bestimmte Strukturen oder Prozesse von Bakterien an. — Antibiotika richten sich gegen bakterielle Zielstrukturen oder Prozesse. Deshalb wirken sie nicht gegen Viren.
Frage 2 von 3MittelIn einer Population überlebt eine resistente Variante eine Antibiotikabehandlung häufiger. Was folgt daraus wahrscheinlich?
Lösung: Ihr Anteil kann in den folgenden Generationen zunehmen. — Unterschiedlicher Überlebens- und Fortpflanzungserfolg verändert die Merkmalsverteilung einer Population.
Frage 3 von 3SchwerEin neues Antibiotikum hemmt ein Enzym, das die untersuchten Bakterien für einen lebenswichtigen Stoffwechselweg benötigen. Einige Bakterien besitzen bereits einen funktionsfähigen Umgehungsweg. Welche Entwicklung ist unter der Behandlung zu erwarten?
Lösung: Bakterien mit Umgehungsweg haben einen Vorteil und können häufiger werden. — Der Umgehungsweg macht die Blockade weniger wirksam. Unter dem Selektionsdruck überleben und vermehren sich diese Varianten eher.

Du solltest nun die Wirkungskette erklären können: Ein Antibiotikum trifft ein bakterielles Ziel und stört einen lebenswichtigen Prozess. Sind resistente Varianten vorhanden, überleben sie häufiger. Durch Vermehrung und die Weitergabe von Resistenzgenen kann ihr Anteil zunehmen.

Passend dazu