Impfung: aktive und passive Immunisierung
Eine Impfung bereitet das Immunsystem auf einen bestimmten Krankheitserreger vor. Bei der aktiven Immunisierung baut dein Körper selbst eine Abwehr mit Gedächtniszellen auf. Bei der passiven Immunisierung erhält er fertige Antikörper für einen schnellen, aber zeitlich begrenzten Schutz.
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Wie reagiert das Immunsystem auf einen Erreger?
Haut, Schleimhäute, Tränenflüssigkeit und weitere Barrieren erschweren Krankheitserregern das Eindringen. Überwindet ein Erreger diese erste Abwehr, arbeiten angeborene und erworbene Abwehr zusammen.
Die angeborene Immunabwehr reagiert schnell und nicht auf einen einzelnen Erreger spezialisiert. Dazu gehören beispielsweise Fresszellen. Die erworbene oder adaptive Immunabwehr richtet sich gezielt gegen bestimmte Merkmale eines Erregers.
Antigen
Ein Antigen ist eine Struktur, die das Immunsystem als fremd erkennen kann. Antigene befinden sich zum Beispiel auf der Oberfläche von Viren oder Bakterien.
Passende Immunzellen werden aktiviert und vermehren sich. B-Zellen können Antikörper bilden. Antikörper binden nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an passende Antigene. T-Zellen unterstützen die Immunantwort oder zerstören gezielt infizierte Körperzellen.
Nach der Abwehr bleiben einige Gedächtniszellen erhalten. Bei einem späteren Kontakt erkennen sie das bekannte Antigen und ermöglichen eine schnellere Immunantwort.
Gedächtniszellen speichern nicht den ganzen Erreger, sondern ermöglichen eine schnelle, gezielte Reaktion auf bereits bekannte Antigene.
Wie funktioniert die aktive Immunisierung?
Bei einer aktiven Immunisierung erhält der Körper Antigene oder die Bauanleitung für ein Antigen. Das Material ist so gewählt, dass es die Immunantwort anregt, ohne den Körper den Schäden der entsprechenden echten Infektion auszusetzen.
Der Ablauf lässt sich in vier Schritte gliedern:
- Das Immunsystem trifft auf das Antigen.
- Passende Immunzellen werden aktiviert und vermehren sich.
- Es entstehen unter anderem Antikörper und Gedächtniszellen.
- Bei einem späteren Kontakt mit dem echten Erreger reagiert die Abwehr schneller.
Der Schutz entsteht deshalb nicht sofort. Je nach Impfstoff dauert der Aufbau Tage bis einige Wochen. Mehrere Teilimpfungen oder spätere Auffrischungen können erforderlich sein.
Eine Person wird gegen einen bestimmten Erreger aktiv geimpft. Nach der Impfung erkennt das Immunsystem dessen Antigen und bildet eine passende Abwehr sowie Gedächtniszellen.
Monate später kommt die Person mit dem echten Erreger in Kontakt. Die Gedächtniszellen beschleunigen die spezifische Immunantwort. Dadurch kann die Infektion verhindert oder die Erkrankung abgeschwächt werden. Ein vollständiger Schutz ist trotzdem nicht garantiert.
Welche Formen aktiver Impfstoffe gibt es?
Aktive Impfstoffe können dem Immunsystem ein Antigen auf unterschiedliche Weise zeigen.
- Lebendimpfstoffe enthalten abgeschwächte, noch vermehrungsfähige Erreger. Beispiele sind Impfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken.
- Totimpfstoffe enthalten inaktivierte, nicht vermehrungsfähige Erreger oder einzelne Erregerbestandteile. Beispiele sind Impfstoffe gegen Influenza, Keuchhusten und Polio.
- mRNA-Impfstoffe enthalten eine kurzzeitig nutzbare Bauanleitung für einen Erregerbestandteil. Körperzellen stellen diesen Bestandteil vorübergehend her; das Immunsystem reagiert darauf. Die mRNA wird wieder abgebaut und nicht in die menschliche DNA eingebaut.
- Vektorimpfstoffe verwenden ein Trägervirus, das die Bauanleitung für einen Erregerbestandteil in Zellen transportiert. Die Zellen bilden den Bestandteil vorübergehend und lösen dadurch eine Immunantwort aus.
Die Einordnung kann unterschiedlich fein sein: mRNA- und Vektorimpfstoffe werden als genbasierte Impfstoffe bezeichnet und teilweise den Totimpfstoffen zugeordnet. Entscheidend ist ihr Wirkprinzip: Sie liefern keine fertigen Antikörper, sondern regen eine eigene Immunantwort an.
Nicht die Bezeichnung allein entscheidet über die Wirkung. Frage immer: Erhält der Körper ein Antigen oder dessen Bauanleitung und bildet selbst Gedächtniszellen? Dann handelt es sich um aktive Immunisierung.
Wann wird passiv oder simultan immunisiert?
Bei der passiven Immunisierung werden fertige Antikörper, auch Immunglobuline genannt, verabreicht. Sie können schnell wirken, weil der Körper die Antikörper nicht erst selbst bilden muss.
Dieser Schutz hält nur wenige Wochen bis Monate. Die übertragenen Antikörper werden abgebaut, und es entstehen durch sie keine eigenen Gedächtniszellen.
Passive Antikörper können zum Beispiel nach einem möglichen Kontakt mit Tollwut- oder Tetanuserregern eingesetzt werden. Sie kommen auch infrage, wenn ein geschwächtes Immunsystem keine ausreichende eigene Immunantwort aufbauen kann. Der Nestschutz ist eine natürliche passive Immunisierung: Eine Mutter überträgt Antikörper während der Schwangerschaft über die Plazenta und nach der Geburt über die Muttermilch.
Simultanimpfung
Bei einer Simultanimpfung werden passive Antikörper und eine aktive Impfung gleichzeitig gegeben. Die Antikörper sollen schnell schützen, während die aktive Impfung einen längerfristigen Schutz aufbaut.
Nach einer verschmutzten Verletzung könnte Kontakt mit Tetanuserregern bestanden haben. Fehlt ein ausreichender Impfschutz, kann medizinisch eine Kombination erwogen werden:
- Passive Antikörper liefern schnellen Schutz.
- Die aktive Impfung regt die Bildung eigener Gedächtniszellen an.
Die beiden Teile erfüllen also verschiedene Aufgaben. Die konkrete Behandlung hängt von der Situation und dem vorhandenen Impfschutz ab.
Wie beurteilst du Wirkung und Risiken?
Impfungen schützen nicht zu 100 Prozent. Ihre Wirkung hängt vom Impfstoff, vom Erreger und von der individuellen Immunantwort ab. Eine Erkrankung trotz Impfung ist daher möglich. Sie bedeutet nicht automatisch, dass die Impfung wirkungslos war.
Bei manchen Erregern hält der Schutz lange. Andere Impfungen müssen aufgefrischt werden. Influenzaviren verändern sich, sodass angepasste Impfstoffe und wiederholte Impfungen nötig sein können.
Typische Impfreaktionen sind Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen oder Unwohlsein. Sie klingen meist nach wenigen Tagen ab. Schwerwiegende Komplikationen sind bei heutigen Impfstoffen sehr selten. Nutzen und Risiken müssen trotzdem sorgfältig geprüft werden.
Eine allgemeine Erklärung ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Welche Impfung oder Antikörpergabe in einer bestimmten Situation geeignet ist, hängt unter anderem von Alter, Vorerkrankungen, bisherigem Impfschutz und möglichem Erregerkontakt ab.
So prüfst du eine Aussage über Impfungen:
- Kläre, ob aktive oder passive Immunisierung gemeint ist.
- Frage, wie schnell der Schutz entstehen soll.
- Prüfe, ob Gedächtniszellen gebildet werden.
- Unterscheide häufige vorübergehende Impfreaktionen von seltenen schweren Komplikationen.
- Achte darauf, ob die Aussage fälschlich einen hundertprozentigen oder lebenslangen Schutz verspricht.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Impfung und Immunisierung
- Spezifische Immunabwehr
- Antigene werden erkannt
- Antikörper und Abwehrzellen entstehen
- Gedächtniszellen beschleunigen spätere Reaktionen
- Aktive Immunisierung
- Antigen oder Bauanleitung wird gegeben
- Schutz entsteht verzögert
- Gedächtniszellen ermöglichen längeren Schutz
- Passive Immunisierung
- Fertige Antikörper werden gegeben
- Schutz beginnt schnell
- Schutz endet nach dem Abbau der Antikörper
- Simultanimpfung
- Passiver Teil überbrückt die erste Zeit
- Aktiver Teil baut eigene Abwehr auf
- Grenzen
- Kein garantierter hundertprozentiger Schutz
- Teilimpfungen oder Auffrischungen können nötig sein
- Individuelle medizinische Situation beachten
- Spezifische Immunabwehr
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