Genregulation einfach erklärt: Gene gezielt steuern
Genregulation bestimmt, ob ein Gen abgelesen wird und wie viel seines Genprodukts entsteht. So stellt eine Zelle benötigte Proteine her, vermeidet unnötigen Energieverbrauch und kann auf ihre Umgebung oder ihre Aufgabe im Körper reagieren.
Auf dieser Seite vergleichst du die Regulation bei Prokaryoten und Eukaryoten. Du untersuchst außerdem, an welcher Stelle des Weges von der DNA zum Protein ein Regulationsmechanismus eingreift.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Warum regulieren Zellen ihre Gene?
Ein Gen enthält die Information für ein Genprodukt, häufig ein Protein. Bei der Transkription wird die DNA-Information zunächst in RNA übertragen. Bei der Translation dient eine mRNA anschließend als Vorlage für den Aufbau eines Proteins.
Genregulation kann beeinflussen,
- ob die Transkription beginnt,
- wie häufig ein Gen transkribiert wird,
- wie eine RNA verarbeitet und wie lange sie erhalten bleibt,
- wie häufig eine mRNA translatiert wird sowie
- wie ein fertiges Protein verändert oder abgebaut wird.
Körperzellen besitzen grundsätzlich dieselbe DNA, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben. Eine Muskelzelle benötigt daher teilweise andere Proteine als eine Nervenzelle. Unterschiedliche Genaktivität ermöglicht diese Zelldifferenzierung.
Genexpression
Genexpression ist die Nutzung der Information eines Gens zur Herstellung eines funktionsfähigen Genprodukts. Genregulation steuert diesen Vorgang.
Gleiche DNA bedeutet nicht automatisch gleiche Genaktivität: Entscheidend ist, welche Gene eine Zelle gerade nutzt.
Wie funktioniert ein Operon?
Prokaryoten organisieren funktionell zusammengehörige Gene häufig in einem Operon. Dadurch können mehrere Gene für einen gemeinsamen Stoffwechselweg zusammen reguliert werden.
Operon
Ein Operon ist eine funktionelle DNA-Einheit aus einem Promotor, einem Operator und zusammengehörigen Strukturgenen.
Die Bestandteile haben verschiedene Aufgaben:
- Am Promotor bindet die RNA-Polymerase, die die Transkription ausführt.
- Der Operator ist ein Kontrollbereich. Dort können regulatorische Proteine binden.
- Die Strukturgene enthalten die Informationen für die benötigten Proteine.
- Ein Regulatorgen codiert ein regulatorisches Protein, zum Beispiel einen Repressor. Es kann außerhalb des eigentlichen Operons liegen.
Ein Repressor hemmt die Transkription, wenn er passend an den Operator bindet. Ein Aktivator kann die Transkription fördern. Ob ein Regulationsprotein binden kann, hängt häufig von einem Stoff aus der Umgebung oder dem Stoffwechsel ab.
Stell dir ein Operon für drei Enzyme eines Abbauwegs vor. Bindet ein aktiver Repressor am Operator, kann die RNA-Polymerase die Strukturgene nicht transkribieren. Löst sich der Repressor, wird der Weg frei und die Enzyme können hergestellt werden.
Wie schaltet Lactose Abbauenzyme an?
Das Lac-Operon von E. coli reguliert Gene für den Transport und Abbau von Lactose. Es ist ein Beispiel für Substratinduktion: Ein vorhandenes Substrat ermöglicht die Herstellung der Enzyme, die zu seinem Abbau benötigt werden.
Ohne Lactose
- Das Regulatorgen liefert einen aktiven Repressor.
- Der Repressor bindet am Operator.
- Dadurch wird die Transkription der Strukturgene gehemmt.
- Die Zelle stellt keine lactoseabbauenden Enzyme dieses Operons her.
Mit Lactose
- Lactose bindet am allosterischen Zentrum des Repressors.
- Dadurch verändert sich die räumliche Form des Repressors.
- Der Repressor passt nicht mehr an den Operator.
- Die RNA-Polymerase transkribiert die Strukturgene.
- Unter anderem entstehen β-Galactosidase für den Lactoseabbau und Permease für den Lactosetransport.
Lactose wirkt in diesem vereinfachten Modell als Induktor, weil ihre Anwesenheit die Genexpression ermöglicht. Ist genügend Lactose abgebaut, fehlt die Bindung an den Repressor. Dieser kann wieder aktiv werden und die Transkription hemmen.
Eine Bakterienzelle gelangt in eine Umgebung mit Lactose. Das Signal „Lactose vorhanden“ inaktiviert den Repressor. Erst dann werden die Gene für passende Transport- und Abbauenzyme abgelesen. So stellt die Zelle die Enzyme bedarfsgerecht her.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Beim Lac-Operon bindet Lactose an den . Dadurch kann der Repressor nicht mehr am binden. Die RNA-Polymerase transkribiert nun die , und Enzyme für den Lactoseabbau entstehen.
Wie stoppt Tryptophan seine eigene Herstellung?
Das trp-Operon steuert Gene für Enzyme der Tryptophansynthese. Es zeigt die Endproduktrepression: Eine hohe Konzentration des Endprodukts hemmt dessen weitere Herstellung.
Ohne Tryptophan
- Der Repressor liegt inaktiv vor.
- Er kann nicht am Operator binden.
- Die RNA-Polymerase transkribiert die Strukturgene.
- Enzyme für die Tryptophansynthese entstehen.
Bei hoher Tryptophankonzentration
- Tryptophan bindet an den zunächst inaktiven Repressor.
- Die Bindung verändert seine räumliche Form und aktiviert ihn.
- Der aktive Repressor bindet am Operator.
- Die Transkription der Gene für die Syntheseenzyme wird gehemmt.
Beim Lac-Operon macht das Substrat den Repressor unwirksam. Beim trp-Operon macht das Endprodukt den Repressor wirksam.
| Vergleich | Lac-Operon | trp-Operon |
|---|---|---|
| regulierter Vorgang | Abbau von Lactose | Synthese von Tryptophan |
| auslösender Stoff | Substrat Lactose | Endprodukt Tryptophan |
| Wirkung auf den Repressor | wird inaktiv | wird aktiv |
| Folge für die Transkription | wird ermöglicht | wird gehemmt |
Wie regulieren Eukaryoten die Transkription?
Bei Eukaryoten liegt die DNA im Zellkern und ist um Histone gewickelt. DNA und zugehörige Proteine bilden das Chromatin. Damit ein Gen transkribiert werden kann, muss der betreffende DNA-Bereich zugänglich sein.
Chromatinzugänglichkeit
Chemische Veränderungen an DNA oder Histonen können die Packung des Chromatins beeinflussen.
- Locker gepacktes Chromatin ist für Transkriptionsproteine meist besser zugänglich.
- Dicht gepacktes Chromatin erschwert die Bindung und kann die Genaktivität hemmen.
- Die Anlagerung von Acetylgruppen an Histone wird im Schulmodell mit einer lockereren Verpackung und besserer Ablesbarkeit verbunden.
- Methylgruppen an Cytosin-Basen der DNA können die Bindung von Transkriptionsfaktoren erschweren und Gene stilllegen.
Solche chemischen Markierungen verändern die Regulation, ohne die Reihenfolge der DNA-Basen auszutauschen. Das unterscheidet sie von einer Mutation, bei der sich die Basensequenz verändert.
Transkriptionsfaktoren und Kontrollbereiche
Transkriptionsfaktoren sind Proteine, die die Transkription beeinflussen. Allgemeine Transkriptionsfaktoren helfen der RNA-Polymerase, am Promotor zu starten. Spezifische Transkriptionsfaktoren binden an regulatorische DNA-Bereiche:
- Ein Enhancer ist ein Bereich, über den die Transkription verstärkt werden kann.
- Ein Silencer ist ein Bereich, über den die Transkription vermindert werden kann.
Durch eine Schleife der DNA können auch weiter entfernte Kontrollbereiche räumlich in die Nähe des Promotors gelangen. So beeinflussen dort gebundene Faktoren den Transkriptionsapparat.
Ein Gen liegt zunächst in dicht gepacktem Chromatin und wird kaum transkribiert. Eine Veränderung an den Histonen lockert den Bereich. Nun können Transkriptionsfaktoren und RNA-Polymerase leichter binden. Die Transkriptionsrate steigt, obwohl die Basensequenz des Gens unverändert bleibt.
Welche weiteren Regulationsebenen gibt es?
Eukaryotische Zellen können die Genexpression auch nach Beginn der Transkription beeinflussen. Deshalb reicht die Gleichung „Gen aktiv oder inaktiv“ allein nicht aus.
RNA-Prozessierung und alternatives Spleißen
Zunächst entsteht eine Prä-mRNA. Bei ihrer Verarbeitung werden nicht codierende Introns entfernt und Exons zur reifen mRNA verbunden.
Beim alternativen Spleißen werden Exons unterschiedlich kombiniert. Dadurch kann aus einem Gen mehr als eine mRNA-Variante und damit mehr als eine Proteinvariante hervorgehen.
Stabilität der mRNA
Eine langlebige mRNA kann häufiger translatiert werden als eine schnell abgebaute mRNA. Ihre Lebensdauer beeinflusst deshalb, wie viel Protein entstehen kann.
Regulation fertiger Proteine
Auch nach der Translation ist Regulation möglich:
- Chemische Veränderungen, etwa die Anheftung einer Phosphatgruppe, können die Aktivität eines Proteins verändern.
- Nicht mehr benötigte Proteine können abgebaut werden. Daran ist der Proteinkomplex Proteasom beteiligt.
Zwei Zellen transkribieren dasselbe Gen. In Zelle A bleibt die mRNA lange erhalten, in Zelle B wird sie schnell abgebaut. Unter sonst gleichen Bedingungen kann die mRNA in Zelle A häufiger translatiert werden. Dort kann deshalb mehr Protein entstehen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Genregulation
- steuert Genexpression und Proteinmenge
- spart Energie und ermöglicht Anpassung
- Prokaryoten: Operons
- Lac-Operon: Substrat inaktiviert Repressor
- trp-Operon: Endprodukt aktiviert Repressor
- Eukaryoten: mehrere Regulationsebenen
- Chromatin bestimmt DNA-Zugänglichkeit
- Transkriptionsfaktoren wirken an Kontrollbereichen
- RNA-Verarbeitung und mRNA-Stabilität wirken nach der Transkription
- Proteinmodifikation und Proteinabbau wirken nach der Translation
- Abgrenzung
- Regulation kann ohne Sequenzänderung erfolgen
- Mutation verändert die Basensequenz
Abschluss-Check
Prüfe zum Schluss deine Denkstrategie: Bestimme bei einem neuen Befund zuerst, welcher Schritt vom Gen zum Protein betroffen ist. Frage dann, ob sich die DNA-Sequenz verändert hat oder nur ihre Nutzung. So kannst du den Befund einer Regulationsebene zuordnen und von einer Mutation abgrenzen.
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