Biologie

Nervensystem: Aufbau und Reiz-Reaktion

Nervensystem: Aufbau und Reiz-Reaktion
Nervensystem: Aufbau und Reiz-Reaktion
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Das Nervensystem ist das Kommunikations- und Steuerungsnetz deines Körpers. Es nimmt Reize auf, leitet Informationen weiter, verarbeitet sie und steuert passende Reaktionen. Dabei regelt es sowohl bewusste Bewegungen als auch automatische Vorgänge wie Herzschlag und Verdauung.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wie ist das Nervensystem aufgebaut?

Du siehst einen Ball auf dich zufliegen und fängst ihn. Dafür müssen Augen, Gehirn, Rückenmark, Nerven und Muskeln zusammenarbeiten. Räumlich gliedert man dieses Netzwerk in zwei Bereiche.

Definition

Zentrales Nervensystem

Das zentrale Nervensystem (ZNS) besteht aus Gehirn und Rückenmark. Es empfängt und verarbeitet Informationen und koordiniert Reaktionen. Das Gehirn liegt geschützt im Schädel, das Rückenmark im Wirbelkanal.

Definition

Peripheres Nervensystem

Das periphere Nervensystem (PNS) umfasst die Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark. Es verbindet das ZNS in beide Richtungen mit Sinnesorganen, Muskeln und inneren Organen.

Die Zuordnung folgt also der Lage:

  • ZNS: Gehirn und Rückenmark
  • PNS: Nerven außerhalb des ZNS

Ein Nerv besteht aus gebündelten Nervenfasern. Diese Fasern sind Fortsätze von Nervenzellen.

Definition

Nervenzelle

Eine Nervenzelle, auch Neuron genannt, nimmt Signale auf und leitet sie weiter. Ihre Dendriten empfangen Signale, der Zellkörper verarbeitet eingehende Informationen und das Axon leitet Signale weiter.

Merke

Dendriten empfangen – der Zellkörper verarbeitet – das Axon leitet weiter.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Bestandteile gehören zum ZNS?
Lösung: Gehirn und Rückenmark — Das ZNS besteht genau aus Gehirn und Rückenmark. Das PNS verbindet diese Zentrale mit dem übrigen Körper.
Frage 2 von 2MittelEin Nerv verbindet einen Beinmuskel mit dem Rückenmark. Welchem Bereich gehört er an?
Lösung: Dem peripheren Nervensystem — Die räumliche Einteilung entscheidet: Ein Nerv außerhalb von Gehirn und Rückenmark gehört zum PNS.
Wie wird aus einem Reiz eine Reaktion?

Ein Reiz ist eine Veränderung, die von einer Sinneszelle oder einem anderen Rezeptor erfasst werden kann. Licht, Schall, Druck und Wärme sind Beispiele für Reize.

Ein Rezeptor nimmt einen passenden Reiz auf und erzeugt daraus ein Signal. Ein Effektor führt die Reaktion aus. Effektoren können beispielsweise Muskeln oder Drüsen sein.

Der grundlegende Informationsweg lautet:

  1. Ein Reiz trifft auf einen Rezeptor.
  2. Eine sensorische Nervenbahn leitet das Signal zum ZNS.
  3. Das ZNS verarbeitet die Information.
  4. Eine motorische Nervenbahn leitet einen Befehl vom ZNS weiter.
  5. Ein Effektor führt die Reaktion aus.

Sensorische Leitungen zum ZNS heißen afferent. Motorische Leitungen vom ZNS zum Erfolgsorgan heißen efferent.

Beispiel

Du fängst einen Ball: Der heranfliegende Ball ist der Reiz. Rezeptoren im Auge nehmen das Licht auf. Sensorische Bahnen leiten Signale zum ZNS. Dort werden Richtung und Bewegung verarbeitet. Motorische Bahnen übertragen anschließend Befehle an die Arm- und Handmuskeln. Diese Muskeln sind die Effektoren und führen die Fangbewegung aus.

Merke

Reiz → Rezeptor → sensorische Bahn → ZNS → motorische Bahn → Effektor → Reaktion

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Beim Ballfangen ist der heranfliegende Ball der . Rezeptoren im Auge senden Informationen über eine Bahn zum ZNS. Der Befehl zur Fangbewegung gelangt über eine Bahn zu den Muskeln. Die Muskeln wirken dabei als .

Lösungen: Lücke 1: Reiz; Lücke 2: sensorische; Lücke 3: motorische; Lücke 4: Effektoren. Prüfe die Richtung: Sensorische Bahnen führen Informationen zum ZNS. Motorische Bahnen führen Befehle vom ZNS zu einem Effektor.
Was unterscheidet Reflex und bewusste Handlung?

Nicht jede Reaktion wird bewusst geplant. Ein Reflex ist eine schnelle, unwillkürliche Reaktion auf einen bestimmten Reiz. Sie läuft in typischer Weise ab und kann den Körper schützen oder stabilisieren.

Beispiel

Du berührst versehentlich eine heiße Fläche: Rezeptoren in der Haut erfassen den schädigenden Reiz. Sensorische Signale gelangen zum Rückenmark. Dort kann sehr schnell eine motorische Antwort ausgelöst werden. Die Armmuskeln ziehen die Hand zurück. Gleichzeitig werden Informationen zum Gehirn weitergeleitet, sodass du den Schmerz bewusst wahrnimmst.

Beim bewussten Ballfangen wird die Bewegung aufgrund der verarbeiteten Sinnesinformationen gezielt gesteuert. Bei der Schutzreaktion auf Hitze beginnt die Rückzugsbewegung dagegen reflexartig und ohne bewussten Entschluss.

Auch der Kniesehnenreflex und der Lidschlussreflex sind Beispiele für Reflexe. Eine ärztliche Reflexprüfung kann Hinweise darauf geben, ob beteiligte Teile des Nervensystems funktionieren.

MerkmalWillkürliche HandlungReflex
bewusste Entscheidungbeteiligtnicht erforderlich
Ablaufan Situation und Ziel anpassbartypische, unwillkürliche Reaktion
BeispielBall gezielt fangenHand von einer heißen Fläche zurückziehen
Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage beschreibt einen Reflex?
Lösung: Er ist eine unwillkürliche Reaktion auf einen bestimmten Reiz. — Ein Reflex ist schnell, unwillkürlich und läuft als typische Antwort auf einen bestimmten Reiz ab.
Frage 2 von 2MittelWarum kann die Hand schon zurückgezogen werden, bevor der Schmerz vollständig bewusst wahrgenommen wird?
Lösung: Im Rückenmark kann schnell eine motorische Antwort ausgelöst werden, während Signale zugleich zum Gehirn weiterlaufen. — Beim Schutzreflex löst das Rückenmark rasch die motorische Antwort aus. Die Weiterleitung zum Gehirn ermöglicht die bewusste Wahrnehmung.
Welche Vorgänge steuerst du bewusst oder automatisch?

Neben der räumlichen Einteilung in ZNS und PNS gibt es eine funktionelle Einteilung. Sie fragt nicht nach dem Ort, sondern danach, welche Art von Vorgang gesteuert wird.

Definition

Somatisches Nervensystem

Das somatische Nervensystem verarbeitet Sinnesinformationen und steuert vor allem willkürliche Bewegungen der Skelettmuskulatur. Es ist beispielsweise aktiv, wenn du schreibst, sprichst oder einen Ball wirfst.

Definition

Vegetatives Nervensystem

Das vegetative Nervensystem, auch autonomes Nervensystem genannt, reguliert überwiegend nicht willentlich steuerbare Vorgänge. Dazu gehören unter anderem Herzschlag, Verdauung und die Anpassung innerer Organe an Belastung oder Ruhe.

ZNS und PNS arbeiten an beiden Funktionsbereichen mit. Deshalb darfst du die beiden Einteilungen nicht vermischen: ZNS und PNS beschreiben die Lage; somatisch und vegetativ beschreiben vor allem die Funktion.

Das vegetative Nervensystem besitzt mehrere Teile:

  • Der Sympathikus bereitet den Körper auf erhöhte Leistung vor. Das Herz schlägt beispielsweise schneller und die Verdauung wird gehemmt.
  • Der Parasympathikus unterstützt Ruhe, Erholung und Verdauung.
  • Das enterische Nervensystem ist ein Nervenzellgeflecht im Verdauungstrakt und reguliert Darmbewegungen weitgehend selbstständig.

Sympathikus und Parasympathikus wirken bei vielen Vorgängen gegensätzlich, aber nicht ausnahmslos. Gemeinsam passen sie die Organtätigkeit an die jeweilige Situation an.

Beispiel

Vom Sprint zur Erholung: Vor und während eines Sprints unterstützt der Sympathikus die körperliche Aktivierung. Nach der Belastung fördert der Parasympathikus Ruhe und Erholung. Beide Systeme steuern keine willkürliche Beinbewegung, sondern passen innere Vorgänge an die Belastung an.

Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelches System reguliert überwiegend nicht willentlich steuerbare Vorgänge?
Lösung: Das vegetative Nervensystem — Das vegetative Nervensystem passt unter anderem Herzschlag und Verdauung automatisch an.
Frage 2 von 3MittelDu entscheidest dich, einen Stift anzuheben. Welche Zuordnung ist richtig?
Lösung: Die gezielte Muskelbewegung gehört vor allem zum somatischen Nervensystem. — Das bewusste Anheben des Stifts ist eine willkürliche Bewegung der Skelettmuskulatur.
Frage 3 von 3SchwerBei körperlicher Anstrengung schlägt das Herz schneller. Warum ist das keine willkürliche Bewegung?
Lösung: Die Anpassung des Herzschlags wird vegetativ reguliert und nicht durch einen bewussten Bewegungsbefehl an die Skelettmuskulatur. — Der Herzschlag wird automatisch an die Belastung angepasst. Das unterscheidet ihn von einer bewusst geplanten Bewegung.
Wie modellierst du einen unbekannten Fall?

Bei einem neuen Beispiel gehst du in einer festen Reihenfolge vor:

  1. Reiz bestimmen: Welche Veränderung wirkt auf den Körper?
  2. Rezeptor finden: Welche Sinneszelle oder Struktur nimmt sie auf?
  3. Hinleitung angeben: Wie gelangt die Information zum ZNS?
  4. Verarbeitung einordnen: Wo wird die Antwort koordiniert?
  5. Rückleitung angeben: Wie gelangt der Befehl zum Erfolgsorgan?
  6. Effektor und Reaktion nennen: Was führt welche Handlung aus?
  7. Reaktion beurteilen: Ist sie bewusst gesteuert, reflexartig oder vegetativ reguliert?
Beispiel

Helles Licht fällt ins Auge: Helles Licht ist der Reiz. Rezeptoren im Auge nehmen es auf und leiten Informationen sensorisch zum ZNS. Die Pupille wird durch eine unwillkürliche Reaktion verengt. Dadurch fällt weniger Licht ins Auge. Die Verengung ist keine bewusst geplante Bewegung, sondern Teil des Pupillenreflexes.

Deine Anwendung

Eine Person greift nach einer Tasse. Die Tasse ist unerwartet heiß, und die Person zieht die Hand sofort zurück.

Ordne dem Vorgang Reiz, Rezeptor, sensorische Leitung, Verarbeitung, motorische Leitung, Effektor und Reaktion zu. Entscheide danach, ob die Rückzugsbewegung willkürlich oder reflexartig ist.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerWelches Modell beschreibt den Vorgang vollständig und in der richtigen Richtung?
Lösung: Hitze beziehungsweise schädigender Reiz → Rezeptoren der Haut → sensorische Bahn → ZNS mit schneller Verarbeitung im Rückenmark → motorische Bahn → Armmuskeln → Zurückziehen der Hand — Sensorische Bahnen führen zum ZNS, motorische Bahnen vom ZNS zum Effektor. Das schnelle Zurückziehen ist reflexartig; die bewusste Schmerzwahrnehmung folgt durch die Weiterleitung zum Gehirn.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Nervensystem
    • räumliche Gliederung
      • ZNS: Gehirn und Rückenmark
      • PNS: Nerven außerhalb des ZNS
    • Informationsweg
      • Reiz und Rezeptor
      • sensorische Bahn zum ZNS
      • motorische Bahn zum Effektor
    • Reaktionsformen
      • willkürliche Handlung
      • Reflex
      • vegetative Regulation
    • Nervenzelle
      • Dendriten empfangen
      • Zellkörper verarbeitet
      • Axon leitet weiter
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Bahn leitet Informationen von einem Rezeptor zum ZNS?
Lösung: Eine sensorische beziehungsweise afferente Bahn — Afferente Bahnen führen zum ZNS. Efferente Bahnen führen von ihm weg.
Frage 2 von 3MittelWelche Aussage verbindet räumliche und funktionelle Einteilung korrekt?
Lösung: Ein Nerv des PNS kann an der bewussten Muskelsteuerung oder an vegetativen Vorgängen beteiligt sein. — ZNS und PNS beschreiben die Lage. Somatisch und vegetativ beschreiben vor allem die Art der gesteuerten Vorgänge.
Frage 3 von 3SchwerBeim Anblick eines heranfliegenden Balls hebst du gezielt die Hände. Welche Begründung passt am besten?
Lösung: Rezeptoren nehmen den Reiz auf, das ZNS verarbeitet die Information und motorische Bahnen steuern eine willkürliche Muskelbewegung. — Entscheidend ist die gezielte, anpassbare Bewegung: Sinnesinformationen werden verarbeitet und anschließend motorische Befehle an die Skelettmuskeln gesendet.

Du kannst einen Vorgang sicher erklären, wenn du erst den Informationsweg modellierst und anschließend die Reaktionsform bestimmst. Frage dich dabei immer: Was ist der Reiz, wo wird er aufgenommen, wohin läuft das Signal und wer führt die Reaktion aus?

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