Niere: Aufbau, Harnbildung und Aufgaben verstehen
Wie bilden die Nieren Urin, ohne dabei alle nützlichen Stoffe zu verlieren? Sie filtern Flüssigkeit aus dem Blut und gewinnen anschließend viel Wasser und benötigte Stoffe zurück. Mit dem verbleibenden Urin scheiden sie Abfallstoffe aus. So helfen sie, die Bedingungen im Körper stabil zu halten.
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Warum braucht dein Körper die Nieren?
Beim Stoffwechsel entstehen Stoffe, die der Körper nicht dauerhaft behalten kann. Dazu gehört Harnstoff, der beim Abbau von Eiweißen entsteht. Auch körperfremde Stoffe wie manche Medikamente können über die Nieren ausgeschieden werden.
Die Nieren sind aber keine einfachen Abfallfilter. Sie entscheiden fortlaufend, wie viel Wasser und welche gelösten Stoffe im Körper bleiben. Dadurch tragen sie zur Homöostase bei: Das ist die Regulation eines möglichst stabilen inneren Milieus.
Ausscheidung
Ausscheidung bedeutet, dass der Körper Stoffwechselprodukte, überschüssige Stoffe oder körperfremde Stoffe abgibt. Die Harnbildung ist deshalb Ausscheidung. Unverdaute Nahrungsreste wurden dagegen nicht in den Körper aufgenommen; ihre Abgabe gehört nicht zur Harnbildung.
Die Niere entfernt nicht einfach alles Kleine aus dem Blut. Sie filtriert zunächst und gewinnt anschließend benötigte Stoffe und den größten Teil des Wassers zurück.
Wie ist eine Niere aufgebaut?
Die meisten Menschen besitzen zwei bohnenförmige Nieren. Sie liegen rechts und links der Wirbelsäule im hinteren Bauchraum, dicht unterhalb des Zwerchfells. Bei Erwachsenen ist eine Niere ungefähr 11 bis 12 Zentimeter lang.
Am eingebuchteten Rand befindet sich die Nierenpforte, auch Hilus genannt. Hier führen die Nierenarterie, die Nierenvene, Lymphgefäße und Nerven in die Niere hinein oder aus ihr heraus. Außerdem tritt dort der Harnleiter aus, der Urin zur Harnblase transportiert.
Im Inneren lassen sich drei wichtige Bereiche unterscheiden:
- Die äußere Nierenrinde enthält die Nierenkörperchen.
- Im Nierenmark verlaufen Teile der Nierenkanälchen und Sammelrohre.
- Das Nierenbecken sammelt den fertigen Urin und leitet ihn in den Harnleiter.
Vom Nierenbecken fließt der Urin durch den Harnleiter zur Harnblase, wo er gespeichert wird. Die Harnröhre führt von der Blase nach außen. Verwechsle diese beiden Röhren nicht.
Bindegewebe und Fett umgeben, schützen und verankern die Niere. Die auf der Niere sitzende Nebenniere ist eine eigene Drüse und kein Teil des Nierengewebes.
Wie arbeitet ein Nephron?
Die kleinste funktionelle Einheit der Niere heißt Nephron. Jede Niere besitzt ungefähr eine Million davon. Ein Nephron besteht aus einem Nierenkörperchen und einem angeschlossenen Nierenkanälchen, dem Tubulus.
Nierenkörperchen
Das Nierenkörperchen besteht aus einem Knäuel feinster Blutgefäße (Kapillaren), dem Glomerulus, und der umgebenden Bowman-Kapsel. Hier beginnt die Filtration des Blutes.
Der Blutdruck presst Wasser und kleine gelöste Moleküle aus den Kapillaren in die Bowman-Kapsel. Dazu gehören beispielsweise Glukose (Traubenzucker) und Harnstoff. Blutzellen, große Moleküle und die meisten Bluteiweiße bleiben normalerweise in den Gefäßen.
Die entstandene, nahezu eiweißfreie Flüssigkeit heißt Primärharn. Bei gesunden Erwachsenen bilden beide Nieren zusammen ungefähr 150 bis 180 Liter Primärharn pro Tag. Das Blut durchströmt die Nieren immer wieder; dieselbe Flüssigkeit kann dabei mehrfach filtriert werden. Diese Menge ist nicht mit der ausgeschiedenen Urinmenge gleichzusetzen.
Stell dir die Filtration als ersten Sortierschritt vor: Wasser, Glukose und Harnstoff gelangen in den Primärharn. Blutzellen bleiben im Blut. Glukose wird anschließend normalerweise fast vollständig zurückgewonnen, während Harnstoff zu den auszuscheidenden Stoffen gehört.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Die Filtration beginnt im . Dabei entsteht der . Blutzellen bleiben normalerweise im . Der angeschlossene verändert das Filtrat weiter.
Wie wird aus Primärharn Urin?
Der Primärharn enthält neben Abfallstoffen noch viel Wasser und viele benötigte Stoffe. Würde der Körper ihn vollständig ausscheiden, verlöre er in kurzer Zeit lebensgefährlich viel Flüssigkeit. Deshalb wird das Filtrat im Tubulus sorgfältig verändert.
Rückresorption holt Stoffe zurück
Bei der Rückresorption gelangen benötigte Stoffe aus dem Tubulus zurück ins Blut. Dazu gehören Glukose, die Eiweißbausteine Aminosäuren und Elektrolyte: elektrisch geladene Teilchen gelöster Salze, etwa Natrium-, Kalzium- und Kalium-Ionen. Wasser folgt den Stofftransporten größtenteils passiv.
Für Stoffe wie Glukose ist die Transportkapazität begrenzt: Gelangt mehr davon pro Zeit in den Tubulus, als zurücktransportiert werden kann, bleibt ein Teil im Harn.
Sekretion ergänzt die Ausscheidung
Bei der tubulären Sekretion verläuft der Transport in die Gegenrichtung: Stoffe werden gezielt aus dem Blut in den Tubulus abgegeben. So kann die Niere beispielsweise körperfremde Stoffe und bestimmte Abbauprodukte schneller ausscheiden.
Konzentration spart Wasser
Mehrere Tubuli münden in ein Sammelrohr. In Teilen der Nierenkanälchen und in den Sammelrohren wird Wasser ins Blut zurückgewonnen. Dadurch steigt die Konzentration der zurückbleibenden gelösten Stoffe: Sie verteilen sich auf weniger Wasser. Konzentration und Rückresorption hängen also zusammen.
Bei Erwachsenen bleiben von täglich etwa 150 bis 180 Litern Primärharn meist ungefähr 1 bis 2 Liter fertiger Urin übrig. Die tatsächliche Menge hängt unter anderem vom Wasserhaushalt ab.
Vereinfachtes Rechenbeispiel mit angenommenen Werten: Aus 150 Litern Primärharn entstehen an einem Tag 1,5 Liter Urin. Wie viel Flüssigkeit wurde zurückgewonnen?
150 Liter − 1,5 Liter = 148,5 Liter. Das sind 148,5 ÷ 150 · 100 = 99 Prozent. Nur 1 Prozent bleibt in diesem Beispiel als Urin übrig. Die Nieren müssen deshalb den größten Teil des filtrierten Wassers zurückgewinnen.
Filtration: vom Blut in die Bowman-Kapsel. Rückresorption: vom Tubulus zurück ins Blut. Sekretion: vom Blut zusätzlich in den Tubulus.
Wie regelt die Niere den Körper?
Die Nieren passen die Ausscheidung an den Zustand des Körpers an. Bei Wassermangel halten sie mehr Wasser zurück. Bei einem Überschuss können sie mehr Wasser ausscheiden. Auch die Ausscheidung von Elektrolyten wird angepasst. Beim Säure-Basen-Haushalt geht es darum, dass das Blut weder zu sauer noch zu basisch wird. Dazu scheiden die Nieren zum Beispiel überschüssige Säure aus.
Wasserrückhaltung vergrößert tendenziell das Flüssigkeitsvolumen in den Blutgefäßen und kann den Blutdruck erhöhen. Eine stärkere Wasserausscheidung vermindert dieses Volumen.
Renin beeinflusst den Blutdruck
Sinkt der Blutdruck und damit die Nierendurchblutung, kann die Niere mehr Renin ausschütten. Renin ist ein Enzym, also ein Stoff, der eine chemische Reaktion beschleunigt. Über eine Reaktionskette bewirkt Renin, dass Natrium und Wasser stärker zurückgehalten werden und sich Blutgefäße verengen. Beides lässt den Blutdruck steigen.
Die Beziehung funktioniert auch in die andere Richtung: Dauerhaft hoher Blutdruck kann die Nierengefäße schädigen. Eine Nierenerkrankung kann wiederum Bluthochdruck fördern.
Erythropoetin unterstützt den Sauerstofftransport
Bei Sauerstoffmangel bildet die Niere mehr Erythropoetin, kurz EPO. EPO ist ein Hormon, also ein Botenstoff, der andere Zellen beeinflusst. Es regt im Knochenmark die Neubildung roter Blutkörperchen an. Mehr rote Blutkörperchen können die Sauerstofftransportkapazität des Blutes erhöhen.
Die Niere bildet außerdem Calcitriol, die aktive Form von Vitamin D. Calcitriol ist an der Regulation der Kalziummenge im Körper beteiligt.
Im Hochgebirge ist der Luftdruck geringer. Dadurch kann weniger Sauerstoff ins Blut aufgenommen werden. Registriert die Niere Sauerstoffmangel, gibt sie mehr EPO ab. Bei einem längeren Aufenthalt bildet das Knochenmark daraufhin mehr rote Blutkörperchen. Das verbessert die Fähigkeit des Blutes, Sauerstoff zu transportieren.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Niere
- Aufbau: Rinde, Mark und Nierenbecken
- Funktionseinheit: Nephron
- Harnbildung: Filtration, Rückresorption, Sekretion und Konzentration
- Regulation: Wasser, Elektrolyte und Säure-Basen-Haushalt
- Botenstoffe und Enzyme: Erythropoetin, Calcitriol und Renin
- Harnweg: Nierenbecken, Harnleiter, Harnblase und Harnröhre
Die Niere verbindet Ausscheidung und Regulation: Sie entfernt Abfallstoffe, bewahrt benötigte Stoffe und passt die Wasserabgabe an den Körperzustand an. Gleichzeitig wirkt sie über Hormone auf Blutdruck, Blutbildung und Kalziumhaushalt.
Abschluss-Check
Prüfe deinen Lernstand: Du solltest nun den Weg vom Blut zum Urin erklären, die drei Transportrichtungen unterscheiden und mindestens zwei Regulationsaufgaben der Niere begründen können.
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