Biologie

Niere: Aufbau, Harnbildung und Aufgaben verstehen

Niere: Aufbau, Harnbildung und Aufgaben verstehen

Niere: Aufbau, Harnbildung und Aufgaben verstehen
Niere: Aufbau, Harnbildung und Aufgaben verstehen
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Wie bilden die Nieren Urin, ohne dabei alle nützlichen Stoffe zu verlieren? Sie filtern Flüssigkeit aus dem Blut und gewinnen anschließend viel Wasser und benötigte Stoffe zurück. Mit dem verbleibenden Urin scheiden sie Abfallstoffe aus. So helfen sie, die Bedingungen im Körper stabil zu halten.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum braucht dein Körper die Nieren?

Beim Stoffwechsel entstehen Stoffe, die der Körper nicht dauerhaft behalten kann. Dazu gehört Harnstoff, der beim Abbau von Eiweißen entsteht. Auch körperfremde Stoffe wie manche Medikamente können über die Nieren ausgeschieden werden.

Die Nieren sind aber keine einfachen Abfallfilter. Sie entscheiden fortlaufend, wie viel Wasser und welche gelösten Stoffe im Körper bleiben. Dadurch tragen sie zur Homöostase bei: Das ist die Regulation eines möglichst stabilen inneren Milieus.

Definition

Ausscheidung

Ausscheidung bedeutet, dass der Körper Stoffwechselprodukte, überschüssige Stoffe oder körperfremde Stoffe abgibt. Die Harnbildung ist deshalb Ausscheidung. Unverdaute Nahrungsreste wurden dagegen nicht in den Körper aufgenommen; ihre Abgabe gehört nicht zur Harnbildung.

Merke

Die Niere entfernt nicht einfach alles Kleine aus dem Blut. Sie filtriert zunächst und gewinnt anschließend benötigte Stoffe und den größten Teil des Wassers zurück.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt eine Ausscheidungsaufgabe der Niere?
Lösung: Sie gibt Harnstoff mit dem Urin ab. — Harnstoff entsteht beim Stoffwechsel, gelangt mit dem Blut zur Niere und kann mit dem Urin ausgeschieden werden.
Wie ist eine Niere aufgebaut?

Die meisten Menschen besitzen zwei bohnenförmige Nieren. Sie liegen rechts und links der Wirbelsäule im hinteren Bauchraum, dicht unterhalb des Zwerchfells. Bei Erwachsenen ist eine Niere ungefähr 11 bis 12 Zentimeter lang.

Am eingebuchteten Rand befindet sich die Nierenpforte, auch Hilus genannt. Hier führen die Nierenarterie, die Nierenvene, Lymphgefäße und Nerven in die Niere hinein oder aus ihr heraus. Außerdem tritt dort der Harnleiter aus, der Urin zur Harnblase transportiert.

Im Inneren lassen sich drei wichtige Bereiche unterscheiden:

  1. Die äußere Nierenrinde enthält die Nierenkörperchen.
  2. Im Nierenmark verlaufen Teile der Nierenkanälchen und Sammelrohre.
  3. Das Nierenbecken sammelt den fertigen Urin und leitet ihn in den Harnleiter.

Vom Nierenbecken fließt der Urin durch den Harnleiter zur Harnblase, wo er gespeichert wird. Die Harnröhre führt von der Blase nach außen. Verwechsle diese beiden Röhren nicht.

Bindegewebe und Fett umgeben, schützen und verankern die Niere. Die auf der Niere sitzende Nebenniere ist eine eigene Drüse und kein Teil des Nierengewebes.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWo wird der fertige Urin gesammelt, bevor er in den Harnleiter gelangt?
Lösung: Im Nierenbecken — Aus den Sammelrohren gelangt der Urin über Nierenkelche in das Nierenbecken und anschließend in den Harnleiter.
Frage 2 von 2MittelWelche Reihenfolge beschreibt den Harnweg richtig?
Lösung: Sammelrohr, Nierenbecken, Harnleiter, Harnblase, Harnröhre — Der Urin wird in Sammelrohren gesammelt, erreicht das Nierenbecken und fließt über Harnleiter und Harnblase zur Harnröhre.
Wie arbeitet ein Nephron?

Die kleinste funktionelle Einheit der Niere heißt Nephron. Jede Niere besitzt ungefähr eine Million davon. Ein Nephron besteht aus einem Nierenkörperchen und einem angeschlossenen Nierenkanälchen, dem Tubulus.

Definition

Nierenkörperchen

Das Nierenkörperchen besteht aus einem Knäuel feinster Blutgefäße (Kapillaren), dem Glomerulus, und der umgebenden Bowman-Kapsel. Hier beginnt die Filtration des Blutes.

Der Blutdruck presst Wasser und kleine gelöste Moleküle aus den Kapillaren in die Bowman-Kapsel. Dazu gehören beispielsweise Glukose (Traubenzucker) und Harnstoff. Blutzellen, große Moleküle und die meisten Bluteiweiße bleiben normalerweise in den Gefäßen.

Die entstandene, nahezu eiweißfreie Flüssigkeit heißt Primärharn. Bei gesunden Erwachsenen bilden beide Nieren zusammen ungefähr 150 bis 180 Liter Primärharn pro Tag. Das Blut durchströmt die Nieren immer wieder; dieselbe Flüssigkeit kann dabei mehrfach filtriert werden. Diese Menge ist nicht mit der ausgeschiedenen Urinmenge gleichzusetzen.

Beispiel

Stell dir die Filtration als ersten Sortierschritt vor: Wasser, Glukose und Harnstoff gelangen in den Primärharn. Blutzellen bleiben im Blut. Glukose wird anschließend normalerweise fast vollständig zurückgewonnen, während Harnstoff zu den auszuscheidenden Stoffen gehört.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Die Filtration beginnt im . Dabei entsteht der . Blutzellen bleiben normalerweise im . Der angeschlossene verändert das Filtrat weiter.

Lösungen: Lücke 1: Nierenkörperchen; Lücke 2: Primärharn; Lücke 3: Blut; Lücke 4: Tubulus. Entscheidend ist die Reihenfolge: Das Nierenkörperchen filtriert Blut und bildet Primärharn. Der Tubulus gewinnt danach Stoffe zurück und gibt weitere Stoffe in die Tubulusflüssigkeit ab.
Wie wird aus Primärharn Urin?

Der Primärharn enthält neben Abfallstoffen noch viel Wasser und viele benötigte Stoffe. Würde der Körper ihn vollständig ausscheiden, verlöre er in kurzer Zeit lebensgefährlich viel Flüssigkeit. Deshalb wird das Filtrat im Tubulus sorgfältig verändert.

Rückresorption holt Stoffe zurück

Bei der Rückresorption gelangen benötigte Stoffe aus dem Tubulus zurück ins Blut. Dazu gehören Glukose, die Eiweißbausteine Aminosäuren und Elektrolyte: elektrisch geladene Teilchen gelöster Salze, etwa Natrium-, Kalzium- und Kalium-Ionen. Wasser folgt den Stofftransporten größtenteils passiv.

Für Stoffe wie Glukose ist die Transportkapazität begrenzt: Gelangt mehr davon pro Zeit in den Tubulus, als zurücktransportiert werden kann, bleibt ein Teil im Harn.

Sekretion ergänzt die Ausscheidung

Bei der tubulären Sekretion verläuft der Transport in die Gegenrichtung: Stoffe werden gezielt aus dem Blut in den Tubulus abgegeben. So kann die Niere beispielsweise körperfremde Stoffe und bestimmte Abbauprodukte schneller ausscheiden.

Konzentration spart Wasser

Mehrere Tubuli münden in ein Sammelrohr. In Teilen der Nierenkanälchen und in den Sammelrohren wird Wasser ins Blut zurückgewonnen. Dadurch steigt die Konzentration der zurückbleibenden gelösten Stoffe: Sie verteilen sich auf weniger Wasser. Konzentration und Rückresorption hängen also zusammen.

Bei Erwachsenen bleiben von täglich etwa 150 bis 180 Litern Primärharn meist ungefähr 1 bis 2 Liter fertiger Urin übrig. Die tatsächliche Menge hängt unter anderem vom Wasserhaushalt ab.

Beispiel

Vereinfachtes Rechenbeispiel mit angenommenen Werten: Aus 150 Litern Primärharn entstehen an einem Tag 1,5 Liter Urin. Wie viel Flüssigkeit wurde zurückgewonnen?

150 Liter − 1,5 Liter = 148,5 Liter. Das sind 148,5 ÷ 150 · 100 = 99 Prozent. Nur 1 Prozent bleibt in diesem Beispiel als Urin übrig. Die Nieren müssen deshalb den größten Teil des filtrierten Wassers zurückgewinnen.

Merke

Filtration: vom Blut in die Bowman-Kapsel. Rückresorption: vom Tubulus zurück ins Blut. Sekretion: vom Blut zusätzlich in den Tubulus.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelcher Vorgang bringt Glukose aus dem Primärharn zurück ins Blut?
Lösung: Rückresorption — Rückresorption bewahrt benötigte Stoffe vor dem Verlust mit dem Urin.
Frage 2 von 2MittelEin Arzneistoff wird gezielt aus dem Blut in den Tubulus transportiert. Welcher Vorgang liegt vor?
Lösung: Tubuläre Sekretion — Sekretion ergänzt die Filtration, indem bestimmte Stoffe aktiv aus dem Blut in die Tubulusflüssigkeit gelangen.
Wie regelt die Niere den Körper?

Die Nieren passen die Ausscheidung an den Zustand des Körpers an. Bei Wassermangel halten sie mehr Wasser zurück. Bei einem Überschuss können sie mehr Wasser ausscheiden. Auch die Ausscheidung von Elektrolyten wird angepasst. Beim Säure-Basen-Haushalt geht es darum, dass das Blut weder zu sauer noch zu basisch wird. Dazu scheiden die Nieren zum Beispiel überschüssige Säure aus.

Wasserrückhaltung vergrößert tendenziell das Flüssigkeitsvolumen in den Blutgefäßen und kann den Blutdruck erhöhen. Eine stärkere Wasserausscheidung vermindert dieses Volumen.

Renin beeinflusst den Blutdruck

Sinkt der Blutdruck und damit die Nierendurchblutung, kann die Niere mehr Renin ausschütten. Renin ist ein Enzym, also ein Stoff, der eine chemische Reaktion beschleunigt. Über eine Reaktionskette bewirkt Renin, dass Natrium und Wasser stärker zurückgehalten werden und sich Blutgefäße verengen. Beides lässt den Blutdruck steigen.

Die Beziehung funktioniert auch in die andere Richtung: Dauerhaft hoher Blutdruck kann die Nierengefäße schädigen. Eine Nierenerkrankung kann wiederum Bluthochdruck fördern.

Erythropoetin unterstützt den Sauerstofftransport

Bei Sauerstoffmangel bildet die Niere mehr Erythropoetin, kurz EPO. EPO ist ein Hormon, also ein Botenstoff, der andere Zellen beeinflusst. Es regt im Knochenmark die Neubildung roter Blutkörperchen an. Mehr rote Blutkörperchen können die Sauerstofftransportkapazität des Blutes erhöhen.

Die Niere bildet außerdem Calcitriol, die aktive Form von Vitamin D. Calcitriol ist an der Regulation der Kalziummenge im Körper beteiligt.

Beispiel

Im Hochgebirge ist der Luftdruck geringer. Dadurch kann weniger Sauerstoff ins Blut aufgenommen werden. Registriert die Niere Sauerstoffmangel, gibt sie mehr EPO ab. Bei einem längeren Aufenthalt bildet das Knochenmark daraufhin mehr rote Blutkörperchen. Das verbessert die Fähigkeit des Blutes, Sauerstoff zu transportieren.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtIn einem gedachten Beispiel hat eine Person vorübergehend zu wenig Wasser aufgenommen. Welche Reaktion unterstützt den Wasserhaushalt am besten?
Lösung: Die Nieren halten mehr Wasser zurück und bilden weniger Urin. — Die Niere reguliert den Wasserverlust vor allem durch angepasste Rückresorption und Konzentration des Harns.
Frage 2 von 2MittelWarum kann eine langfristige Nierenschwäche zu Blutarmut beitragen?
Lösung: Die geschädigte Niere kann zu wenig EPO bilden, sodass weniger rote Blutkörperchen entstehen. — EPO verbindet die Nierenfunktion mit der Bildung roter Blutkörperchen. Ein Mangel kann daher die Sauerstofftransportkapazität des Blutes vermindern.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Niere
    • Aufbau: Rinde, Mark und Nierenbecken
    • Funktionseinheit: Nephron
    • Harnbildung: Filtration, Rückresorption, Sekretion und Konzentration
    • Regulation: Wasser, Elektrolyte und Säure-Basen-Haushalt
    • Botenstoffe und Enzyme: Erythropoetin, Calcitriol und Renin
    • Harnweg: Nierenbecken, Harnleiter, Harnblase und Harnröhre

Die Niere verbindet Ausscheidung und Regulation: Sie entfernt Abfallstoffe, bewahrt benötigte Stoffe und passt die Wasserabgabe an den Körperzustand an. Gleichzeitig wirkt sie über Hormone auf Blutdruck, Blutbildung und Kalziumhaushalt.

Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Struktur ist die funktionelle Einheit der Niere?
Lösung: Das Nephron — Ein Nephron besteht aus Nierenkörperchen und Tubulus und führt die entscheidenden Schritte der Harnbildung aus.
Frage 2 von 3MittelWarum ist die ausgeschiedene Urinmenge viel kleiner als die Primärharnmenge?
Lösung: Der größte Teil des Wassers und viele benötigte Stoffe werden rückresorbiert. — Bei Erwachsenen bleiben von etwa 150 bis 180 Litern Primärharn durch Rückresorption meist ungefähr 1 bis 2 Liter fertiger Urin übrig.
Frage 3 von 3SchwerIm Primärharn befindet sich ein benötigter Stoff. Pro Zeit gelangt jedoch mehr davon in den Tubulus, als dieser zurücktransportieren kann. Was ist zu erwarten?
Lösung: Ein Teil des Stoffes bleibt im Harn und wird ausgeschieden. — Wird die Transportkapazität überschritten, kann der Überschuss trotz grundsätzlich arbeitender Nieren im Urin verbleiben.

Prüfe deinen Lernstand: Du solltest nun den Weg vom Blut zum Urin erklären, die drei Transportrichtungen unterscheiden und mindestens zwei Regulationsaufgaben der Niere begründen können.

Passend dazu

8 Kapitel

Kapitel 1