Biologie

PCR: Ablauf, Primer und Auswertung einfach erklärt

PCR: Ablauf, Primer und Auswertung einfach erklärt
PCR: Ablauf, Primer und Auswertung einfach erklärt
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Die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) vervielfältigt einen ausgewählten DNA-Abschnitt außerhalb einer Zelle. Dazu wechseln drei Temperaturphasen immer wieder: Die DNA-Stränge trennen sich, passende Primer binden und eine hitzestabile Polymerase ergänzt neue Stränge.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was braucht eine PCR?

Stell dir vor, in einer Probe ist so wenig von einem bestimmten DNA-Abschnitt enthalten, dass er sich kaum untersuchen lässt. Die PCR erzeugt davon viele Kopien. Gezielt ist sie, weil zwei passende Primer Anfang und Ende des zu kopierenden Bereichs festlegen.

Definition

PCR

PCR steht für polymerase chain reaction, auf Deutsch Polymerase-Kettenreaktion. Es ist ein enzymatisches In-vitro-Verfahren: Ein ausgewählter DNA-Abschnitt wird außerhalb eines Organismus in einem Reaktionsgefäß vervielfältigt.

Für die Reaktion werden benötigt:

  • die DNA-Probe mit dem gesuchten Zielabschnitt als Vorlage;
  • zwei unterschiedliche, zum Ziel passende Primer als Startpunkte;
  • freie Nukleotide mit den Basen Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin als Bausteine;
  • eine hitzestabile DNA-Polymerase, häufig Taq-Polymerase;
  • Puffer und Magnesium-Ionen für geeignete Reaktionsbedingungen;
  • ein Thermocycler, der die Temperaturen automatisch wechselt.

Die Taq-Polymerase stammt ursprünglich aus dem thermophilen Bakterium Thermus aquaticus. Ihre Hitzestabilität ist entscheidend, weil die Reaktion wiederholt stark erhitzt wird.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Komponente legt zusammen mit ihrem Gegenstück die Grenzen des Zielabschnitts fest?
Lösung: Zwei passende Primer — Zwei Primer binden an Stellen beiderseits des Zielabschnitts. Damit bestimmen ihre Bindestellen, welcher Bereich vervielfältigt wird.
Wie läuft ein PCR-Zyklus ab?

Ein Zyklus besteht immer aus drei Schritten. Die genauen Temperaturen hängen unter anderem von den Primern und der verwendeten Polymerase ab; typische Bereiche sind:

  1. Denaturierung bei etwa 94–96 °C: Die Wasserstoffbrücken zwischen den komplementären Basen lösen sich. Aus dem DNA-Doppelstrang werden zwei Einzelstränge.
  2. Primerhybridisierung bei etwa 50–65 °C: Beim Abkühlen binden die Primer durch komplementäre Basenpaarung an ihre passenden Stellen. Dieser Schritt heißt auch Annealing.
  3. Elongation bei etwa 68–72 °C: Die DNA-Polymerase verlängert die gebundenen Primer. Sie fügt am 3′-Ende passende Nukleotide an; der neue Strang wächst in 5′→3′-Richtung.
Beispiel

Zu Beginn liegt ein DNA-Doppelstrang mit dem Zielabschnitt vor. Nach dem Erhitzen sind seine Einzelstränge getrennt. Beim Abkühlen bindet an jeden Vorlagenstrang ein passender Primer. Die Taq-Polymerase ergänzt von diesen Startpunkten aus die jeweils komplementären Stränge. Im idealisierten Fall liegen danach zwei DNA-Doppelstränge vor, die im nächsten Zyklus wieder als Vorlagen dienen.

Merke

Trennen – Andocken – Verlängern: hohe Temperatur trennt die Stränge, niedrigere Temperatur ermöglicht die Primerbindung, und die Arbeitstemperatur der Polymerase ermöglicht die Synthese.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Bei der werden die DNA-Stränge getrennt. Danach binden bei der die Primer. In der ergänzt die Polymerase neue DNA-Stränge.

Lösungen: Lücke 1: Denaturierung; Lücke 2: Primerhybridisierung; Lücke 3: Elongation. Entscheidend ist die Reihenfolge: zuerst trennen, dann Primer anbinden lassen, anschließend neue Stränge verlängern.
Warum bestimmen Primer das Produkt?

Ein Primer ist ein kurzer, künstlich hergestellter DNA-Einzelstrang. Seine Basenfolge muss komplementär zu einer Bindestelle der Vorlage sein. Weil die beiden Vorlagenstränge unterschiedlich orientiert sind, braucht die PCR zwei verschiedene Primer.

Die Polymerase kann nicht an einer beliebigen Stelle neu beginnen. Sie verlängert nur einen bereits gebundenen Primer an dessen 3′-Ende. Die Primer zeigen dabei auf den Bereich, der zwischen ihnen kopiert werden soll.

Beispiel

Soll nur Abschnitt B aus einer längeren DNA mit den Bereichen A–B–C vervielfältigt werden, wird ein Primer vor B und der zweite auf dem Gegenstrang hinter B gewählt. Binden beide passend, entsteht in den folgenden Zyklen überwiegend DNA mit den durch diese Bindestellen festgelegten Grenzen. Ein Primerpaar für andere Bindestellen würde ein anderes Produkt erzeugen.

Gut zu wissen

Für einen gezielten Primerentwurf müssen die Sequenzen an den Grenzen des gewünschten Abschnitts bekannt sein. Unpassende Bindebedingungen oder ungeeignete Primer können dazu führen, dass kein Produkt oder zusätzliches, unerwünschtes Produkt entsteht.

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Frage 1 von 1MittelWarum reicht bei einer üblichen PCR nicht ein einziger Primer aus?
Lösung: Die beiden unterschiedlich orientierten Vorlagenstränge brauchen je einen passenden Startpunkt. — Zwei unterschiedliche Primer binden an die beiden Vorlagenstränge und begrenzen gemeinsam den Zielabschnitt.
Wie wächst die DNA-Menge?

Die Produkte eines Zyklus werden im nächsten Zyklus selbst zu Vorlagen. Verdoppelt sich jedes passende DNA-Molekül in jedem Zyklus, gilt im idealisierten Modell bei einem Ausgangsmolekül:

$$N = 2^n$$

Dabei ist $n$ die Zahl der Zyklen und $N$ die Zahl der DNA-Doppelstränge.

Zyklen $n$Idealisierte Anzahl $N$
01
12
24
38
101.024
301.073.741.824

Nach 30 Zyklen ergibt das Modell also etwa 1,07 Milliarden Moleküle aus einem Ausgangsmolekül.

Merke

$2^n$ ist ein Idealmodell, keine Garantie für die tatsächlich erhaltene Menge. Es setzt voraus, dass die Verdopplung in jedem Zyklus vollständig gelingt.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWie viele DNA-Doppelstränge sagt das Idealmodell nach vier Zyklen aus einem Ausgangsmolekül voraus?
Lösung: 16 — Mit $N = 2^n$ folgt $N = 2^4 = 16$.
Frage 2 von 2SchwerIn einem Versuch entstehen weniger Produkte als $2^n$ vorhersagt. Welche Schlussfolgerung ist angemessen?
Lösung: Das Idealmodell beschreibt die vollständige Verdopplung; reale Effizienzverluste können zu weniger Produkt führen. — Die Formel zeigt das mögliche Wachstum bei vollständiger Verdopplung. Für reale Mengen müssen Reaktionsbedingungen und Messdaten berücksichtigt werden.
Wie wird ein PCR-Ergebnis nachgewiesen?

Viele Kopien allein sind noch keine sichtbare Auswertung. Das PCR-Produkt muss mit einem geeigneten Verfahren erfasst werden.

Bei der Agarose-Gelelektrophorese werden DNA-Fragmente in einem Gel durch elektrische Spannung nach ihrer Länge getrennt. Kürzere Fragmente wandern schneller zum Pluspol als längere. Ein Bandenmuster zeigt daher, an welchen Positionen DNA-Fragmente bestimmter Länge liegen. Eine Bande beweist für sich allein noch nicht, dass die gesamte Probe oder ihre Herkunft eindeutig bestimmt ist.

Bei der qPCR wird die entstehende DNA während der Zyklen mithilfe eines Fluoreszenzsignals gemessen. Bei der RT-PCR wird RNA zunächst durch Reverse Transkriptase in komplementäre DNA, kurz cDNA, umgeschrieben; erst diese cDNA wird mit PCR vervielfältigt.

Kontrollen helfen, ein Signal einzuordnen:

  • Eine Positivkontrolle enthält den Zielabschnitt und sollte ein Signal liefern. Bleibt es aus, kann die Reaktion fehlerhaft sein.
  • Eine Negativkontrolle enthält keinen Zielabschnitt und sollte kein Signal liefern. Tritt dennoch eines auf, muss zum Beispiel eine Verunreinigung oder unspezifische Reaktion geprüft werden.
Beispiel

Eine Probe und die Positivkontrolle zeigen eine Bande in der erwarteten Länge; die Negativkontrolle zeigt keine Bande. Das Ergebnis spricht dafür, dass der Zielabschnitt in der Probe vervielfältigt wurde und die Kontrolle keine erkennbare Verunreinigung anzeigt. Es beantwortet aber nur die gestellte Nachweisfrage und ersetzt keine weitergehende Beurteilung der Probe.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelIn der Negativkontrolle erscheint eine Bande. Wie solltest du reagieren?
Lösung: Das Ergebnis ist nicht zuverlässig auswertbar, bevor eine Verunreinigung oder unspezifische Reaktion geklärt ist. — Eine Negativkontrolle prüft, ob ohne Ziel-DNA ein Signal entsteht. Ein unerwartetes Signal stellt die Zuverlässigkeit des Ansatzes infrage.
Welche Anwendungen und Grenzen hat die PCR?

PCR wird eingesetzt, wenn ein bestimmter DNA-Abschnitt in einer kleinen Ausgangsmenge nachgewiesen oder für weitere Analysen vervielfältigt werden soll. Beispiele sind:

  • Erregerdiagnostik und Untersuchung von Erbkrankheiten;
  • Forensik und Verwandtschaftsanalysen;
  • Evolutionsforschung;
  • Vorbereitung von Sequenzierungen oder gentechnischen Arbeitsschritten.

Das Verfahren muss zur Frage passen. DNA kann direkt vervielfältigt werden. Soll RNA untersucht werden, ist zunächst die Umschreibung in cDNA nötig. Soll die Länge eines Produkts geprüft werden, eignet sich eine Gelelektrophorese; soll die Produktmenge während der Reaktion verfolgt werden, eignet sich qPCR.

Wichtige Grenzen sind:

  • PCR vervielfältigt nur den durch die Primer ausgewählten Bereich, nicht automatisch die gesamte DNA.
  • Der gezielte Primerentwurf setzt bekannte Binderegionen voraus.
  • Ein Signal zeigt den nachgewiesenen Zielabschnitt unter den Versuchsbedingungen; seine Bedeutung hängt von Fragestellung, Kontrollen und Auswertung ab.
  • Unerwünschte Fragmente können entstehen und müssen bei Bedarf nach ihrer Länge getrennt werden.
  • Die Formel $2^n$ überschätzt die reale Ausbeute, sobald ein Zyklus nicht vollständig verdoppelt.
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Frage 1 von 1SchwerDu möchtest prüfen, ob RNA eines RNA-Virus in einer Probe vorhanden ist. Welcher Ablauf passt?
Lösung: RNA in cDNA umschreiben, diese mit PCR vervielfältigen und das Produkt geeignet nachweisen. — Die Reverse Transkriptase erzeugt aus RNA eine cDNA-Vorlage. Danach kann die PCR den gewählten Abschnitt vervielfältigen.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • PCR
    • Zweck
      • ausgewählten DNA-Abschnitt vervielfältigen
    • Bestandteile
      • Vorlage, zwei Primer, Nukleotide, Taq-Polymerase
    • Temperaturzyklus
      • Denaturierung, Primerhybridisierung, Elongation
    • Wachstum
      • idealisiert $N = 2^n$
    • Auswertung
      • Gelelektrophorese oder qPCR mit Kontrollen
    • Grenzen
      • bekannte Binderegionen und fragengerechte Interpretation
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Reihenfolge beschreibt einen PCR-Zyklus richtig?
Lösung: Denaturierung – Primerhybridisierung – Elongation — Erst werden die Stränge getrennt, dann binden die Primer, anschließend verlängert die Polymerase die neuen Stränge.
Frage 2 von 3MittelWarum steigt die Produktmenge im Idealmodell exponentiell?
Lösung: Weil Produkte eines Zyklus im nächsten Zyklus als zusätzliche Vorlagen dienen. — Mit jeder erfolgreichen Runde wächst die Zahl der Vorlagen. Bei vollständiger Verdopplung ergibt sich deshalb $2^n$.
Frage 3 von 3SchwerEine Probe zeigt die erwartete Bande, die Positivkontrolle aber keine Bande. Welche Bewertung ist fachlich angemessen?
Lösung: Der Ansatz ist nicht zuverlässig bestätigt, weil die fehlende Positivkontrolle auf ein Reaktionsproblem hinweisen kann. — Ohne das erwartete Signal der Positivkontrolle ist unklar, ob Reagenzien und Ablauf zuverlässig funktioniert haben. Der Versuch sollte geprüft oder wiederholt werden.

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